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Mein Freund Sebastian

Thema: Gute Freunde

Inhalt:

Handelt von zwei Jugendlichen, die in einer schwierigen Situation zueinanderstehen und sich helfen.

Kurzgeschichte

Immer wenn ich Stress mit meinen Eltern habe, rufe ich Sebastian an. Der hat irgendwie immer Zeit für mich und meint dann zu mir: „Hey Flo, Kopf hoch, komm zu mir und lass uns irgendwas machen.“ Ich weiß, dass er sich dabei manchmal extra für mich Zeit nimmt, obwohl er eigentlich gerade etwas Anderes zu tun hätte.

Sebastian ist ein halbes Jahr älter als ich und mein bester Freund. Wir kennen uns seit der ersten Klasse. Früher wohnte er gleich um die Ecke von mir. Da sind wir morgens immer zusammen in die Schule gegangen. Leider ist er mit seinen Eltern vor zwei Jahren ins Neubaugebiet an den Stadtrand gezogen. Jetzt muss ich, wenn ich ihn besuchen möchte, 20 Minuten mit dem Fahrrad fahren. Oder mit dem Bus. Manchmal fahre ich zwei, drei Mal am Tag hin und her. Oft spielen wir mit seinem ferngesteuerten Modellhubschrauber in seinem neuen, großen Garten. Wir treffen uns jetzt eigentlich auch nicht seltener als damals, als er noch in meiner Nachbarschaft wohnte. Das finde ich voll cool, denn anfangs war ich schon ziemlich traurig, als ich erfuhr, dass er woanders hinzieht.

Sebastian und ich gehen schon seit sieben Jahren in die gleiche Klasse. Letztes Schuljahr hat er mir mal ganz schön aus der Patsche geholfen. Da waren wir nämlich während des Sportunterrichts mehrmals beim Schwimmen im Hallenbad des Nachbarortes. Das hat immer sehr viel Spaß gemacht, weil es einfach eine Abwechslung war. Nicht nur immer Bodenturnen in der Turnhalle oder so. Jedenfalls gab es beim Schwimmen einmal einen Zwischenfall, als Markus, ein Klassenkamerad von uns, nach dem Schwimmen in der Umkleide seine Turnschuhe nicht mehr finden konnte. Irgendwer soll sie gestohlen haben. Markus meinte, er wisse ganz genau, dass er sie an einem bestimmten Platz abgelegt hatte, bevor er die Umkleide verließ um zum Schwimmbecken zu gehen. Und jetzt kommt’s: Ich war dann auf einmal schuld, ich sollte auf einmal der Dieb gewesen sein. Was natürlich überhaupt nicht stimmte. Also das war so: Wir waren alle mit dem Schwimmen fertig und gut drauf. Das heißt, wir haben viel Unfug gemacht unter der Dusche und in der Umkleide, rumgeschubst und so. Wir hatten nämlich gerade Noten auf Brust- und Rückenschwimmen gemacht und fast alle haben super Noten bekommen. Ich selber auch eine Eins und eine Zwei. Na ja, und da war die Stimmung ziemlich ausgelassen, zumal heute auch Freitag war und die sechste Stunde vorbei. Wir haben uns gerade alle angezogen und die Haare geföhnt, als auf einmal Markus in den Raum ruft, ob jemand seine Turnschuhe gesehen hätte. Er könne sie nicht mehr finden. Solche Scherze gab es natürlich auch manchmal, dass man einem Mitschüler irgendwas versteckt oder rumgeschmissen hat. An diesem Tag hatte ich jedoch nichts dergleichen mitbekommen, geschweige, dass ich selbst so etwas gemacht hätte. Markus ist ganz nervös geworden, ist rumgeirrt und hat überall rumgesucht und auch noch jeden Einzelnen von uns gefragt, ob er wüsste, wo die Schuhe hingekommen sein könnten. Er meinte: „Scheiße, die Schuhe habe ich erst seit einer Woche, die waren sauteuer! Meine Eltern bringen mich um!” Aber niemand wusste etwas. Einer hat ihn noch aufgezogen, indem er meinte: „Hey Markus, weißt du auch ganz genau, ob du nicht barfuss hergekommen bist?”. Da haben wir alle gelacht. Markus ist zu unserem Sportlehrer, Herrn Zauner gegangen und hat ihm das mit den Schuhen erzählt. Der ist dann mit Markus in die Umkleide zu uns gekommen und hat auch noch mal gefragt, ob jemand was von den Schuhen wisse. Wir verneinten erneut. Herr Zauner hat noch zu Markus gesagt, das habe ich noch so halb mitbekommen, er soll auf einem Blatt Papier seinen Namen, seine Adresse und seine Telefonnummer aufschreiben, und wie die Schuhe genau aussehen, welche Größe sie haben, um diese Angaben beim Bademeister abzugeben. Falls dieser die vermissten Schuhe irgendwo finden sollte, könne er Markus benachrichtigen.

Als wir alle fertig waren und im Gang vor den Umkleiden uns sammelten und auf Herrn Zauner warteten, kam Markus mit von Herrn Zauner ausgeliehenen Hallenschuhen daher. Das sah ziemlich lustig aus, weil Herr Zauner hat, glaube ich, mindestens Schuhgröße 45 oder so. Aber besser als gar nichts. Markus konnte ja nicht barfuss heim laufen. So und jetzt passierte mein Fehler. Als wir alle komplett waren und mit dem Lehrer den Gang Richtung Schwimmbadausgang gingen, kam uns eine andere Gruppe von Jugendlichen entgegen. Und einer von denen, das war mir zufällig aufgefallen, hatte so ähnliche Schuhe an, wie die, die Markus abhanden gekommen sind. Ich habe nämlich die neuen Schuhe von Markus letzte Woche in der Schule schon gesehen gehabt, als er sie anhatte. Es waren wirklich coole, so silber-glitzernde mit orangen Streifen. Der Junge, der uns da entgegenkam hatte eben auch so glitzrig-silberne Schuhe an, allerdings mit roten statt orangen Streifen. Also man sah schon, dass es nicht die gleichen waren, das wusste ich sofort. Trotzdem rief ich grinsend zum Spaß, indem ich mit dem Finger auf denjenigen hingedeutet habe: „Da, schaut! Der hat die Schuhe von Markus geklaut“. Sofort haben alle ganz neugierig auf den Typen und auf dessen Schuhe gestarrt. Manche lachten, weil sie natürlich auch merkten, dass das Ganze nur ein Witz war. Die Jugendlichen gingen übrigens unbeirrt weiter. Ich glaube, die hatten meine Bemerkung gar nicht richtig mitbekommen. So laut habe ich es ja auch wieder nicht gesagt. Laut genug aber, dass es Herr Zauner, der nur zwei Reihen weiter vor mir gegangen ist, mitbekommen haben muss. Der sah auch kurz auf mich und dann auf den Jugendlichen und fragte dann Markus kurz, ob das wirklich seine Schuhe seien. Markus verneinte natürlich sofort. Also gingen wir weiter zum Ausgang. Vor dem Ausgang befindet sich ein kleiner Vorraum, wo auch die Kasse ist. Dort sagte Herr Zauner, wir sollen noch mal alle stoppen und kurz warten. Er rief auf einmal meinen Namen, ich solle doch vorkommen und mit ihm mitkommen. Also ging ich mit Herrn Zauner wieder zurück Richtung Umkleiden. Ich war ziemlich verdutzt, was das nun sollte. Mein Herz pochte ganz laut. Mir war klar, dass das jetzt unangenehm werden wird. Ich verdrängte es noch, dass es um die Sache mit den Schuhen gehen würde, obwohl das eigentlich schon klar war.

Wir gingen in die große Umkleide, Herr Zauner machte die Tür hinter uns zu und sagte, ich soll Platz nehmen. Er setzte sich neben mich und meinte mit strenger Miene: „Wenn du die Schuhe hast, dann rücke sie jetzt sofort raus. Sonst wird alles noch viel schlimmer.“ Für Sekunden war alles ganz ruhig. „O Scheiße, der Zauner verdächtigt jetzt mich. Nur wegen diesem blöden Witz von vorhin. Da hab ich mich wohl verdächtig gemacht. So als ob ich von mir ablenken wolle und jemand anderen beschuldigen“, fuhr es mir durch den Kopf. Genau so war es auch. Für Herrn „Hobbydetektiv“ Zauner war der Fall scheinbar klar: Ich bin verdächtig. Ich muss die Schuhe gestohlen haben. Ich habe gleich voll den Schock bekommen, obwohl ich es ja gar nicht gewesen bin. Aber wie sollte ich ihm das jetzt beweisen? Na ja, soll er halt mein Schwimmzeug durchsuchen, dachte ich. Aber wird er mir deswegen glauben? Und wenn er das jetzt meinen Eltern erzählen würde? Ich hatte ja nicht wirklich was zu befürchten, weil ich die Schuhe ja nicht genommen hatte. Aber nervige Fragen würden mir meine Eltern trotzdem stellen. Schließlich hat mich Herr Zauner ja verdächtigt und da wird er schon einen Grund dazu haben, würden sie sich wahrscheinlich denken. Darauf hatte ich überhaupt keinen Bock. „Ich war es gar nicht“, sagte ich, und mir blieben die Worte fast im Hals stecken, weil ich so aufgeregt war.

Auf einmal ging die Tür der Umkleide auf. Ich dachte, da kommt jetzt ein anderer Badegast rein. Aber nein, wer da vorsichtig hereinkam war Sebastian. Der hat vorhin mit den anderen vorne am Ausgang gewartet und ist jetzt hinterhergekommen. „Entschuldigung“, meinte er zu Herrn Zauner, der genauso wie ich selbst ganz überrascht war über Sebastian, „aber ich glaube, dass Florian nicht die Schuhe von Markus genommen hat. Er tut so was nicht.“ Dann fragte er mich: „Oder, Flo?“ „Nein, ich habe die Schuhe wirklich nicht!“ antwortete ich ihm richtig erleichtert. Wieder sekundenlang Stille. Ich war aber auf einmal nicht mehr so nervös. Sebastian gab mir Kraft. Sebastian wusste, dass ich nicht klaue, und dass ich ihn nicht belügen würde, wenn er mich was fragt. Und er war außerdem einer der Lieblingsschüler von Herrn Zauner. Das heißt, ich ahnte schon, dass unser Lehrer sich von Sebastian überzeugen lassen würde. Im Gegensatz zu mir. Mich hatte er immer schon ein bisschen auf dem Kicker, glaube ich. Ich bin halt auch ein wenig frecher und lauter als Sebastian. Herr Zauner fragte jetzt Sebastian: „Weißt du denn, wo die Schuhe von Markus hingekommen sind?“ Mit Sebastian sprach er ganz anders. In seiner Stimme war nun keine Verdächtigung mehr, sondern er wollte sich einfach einen Tipp von ihm abholen. Doch der konnte ihm in diesem Fall auch keinen geben. Wir gingen zu dritt wieder aus der Umkleide raus zurück zum Ausgang, wo die anderen noch immer warteten. Herr Zauner hat zu mir nichts mehr gesagt. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass er mich noch weiter verdächtigt hat. Mein Sportzeug hat er auch nicht mehr durchsucht. Das hätte er ruhig tun können.

Die Schuhe sind übrigens nicht mehr aufgetaucht. Markus hatte wirklich Pech gehabt. Man wird wohl nie mehr rausfinden, wo die Schuhe abgeblieben sind. Mich würde das heute wirklich interessieren. Ist schon komisch.

Aber das ist ein Problem von mir, dass ich immer ein bisschen frech und vorlaut bin. Dieses Mal hätte ich mir gewünscht, ich hätte die Bemerkung zu den Schuhen lieber sein lassen. Da hätte ich mir viel Ärger ersparen können. Zum Glück war Sebastian mit dabei. Wenn er mir nicht geholfen hätte, wäre das Ganze vielleicht blöd für mich ausgegangen. Auf ihn kann ich mich einfach verlassen. Das ist schon schön, so einen guten Freund zu haben.

Sebastian hat mir über die Sommerferien noch seinen Modellhubschrauber geliehen. Er meinte, dass er die nächsten vier Wochen mit seinen Eltern nach Marokko in den Urlaub fliegen würde. Wenn ich wollte, könnte ich den Hubschrauber solange mit zu mir nehmen und damit spielen. Sebastian weiß ganz genau wie viel Spaß mir das Teil macht. Und er hat nicht mal extra gesagt, dass ich aufpassen soll. Ich vertraue ihm und er mir. Das nenne ich eine gute Freundschaft. Ich werde ihn deshalb natürlich auch nicht enttäuschen und ganz besonders aufpassen, dass seinem ziemlich teuren Hubschrauber nichts passiert.

Sebastian ist einfach supernett. Ich weiß gar nicht was ich machen würde, wenn ich ihn nicht hätte.

Anregungen für Fragen zu einem Gesprächseinstieg:

  • Was macht eine gute Freundschaft aus?
  • Wer braucht alles einen Freund / Freundin?
  • Was wäre, wenn man keinen außerordentlich guten Freund hätte?
  • Wie gewinnt man Freunde?

Lernziel:

  • Freunde zu haben ist was Tolles.
  • Einen Freund zu haben, mit dem man durch dick und dünn gehen kann ist noch besser.
  • Freundschaft kostet Zeit.
  • Eine Freundschaft muss auch gepflegt werden.
  • Zu einer Freundschaft gehört Vertrauen.

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