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Die (un)coole Party

Thema: Alkohol, Party, Saufen und dazu gehören

Inhalt:

Eigentlich weiß Nick dass er von Alkohol die Finger lassen soll. Doch Nick möchte dazu gehören, möchte genauso cool sein wie die anderen und nicht als Spaßbremse gelten. Wohl ist ihm überhaupt nicht, aber er will dazu gehören und seine Freunde nicht enttäuschen. Die Geschichte hat einen offenen Schluss.

Anwendung:

Die Geschichte eignet sich für Themen, wo es um „das Mitmachen“, oder „nicht als Spaßbremse gelten“ geht und man dafür schon mal etwas klaut, jemanden anlügt, oder auch bei entsprechenden Saufgelagen mitmacht. Es geht aber auch darum, dass der Mut und der Mumm fehlt „Nein“ zu sagen und man stattdessen in Dinge hineinschlittern kann, die nicht passiert wären, wenn man rechtzeitig „ausgestiegen“ wäre.

Kurzgeschichte

„Man, Alter, wo hast du die her? Man, das ist klasse, los lass uns zu den Anderen laufen! Nee, aber sag mal, wie bist du daran gekommen?“ Axel hat leuchtende Augen und bewundert seinen Freund Nick dafür, dass er eine Flasche Klaren bei sich hat. Damit auch keiner etwas sieht, steckt die Flasche in einer Tüte. „Ach, das war nicht schlimm, ich habe meinen Bruder gefragt, ob er mir eine kauft. Und der hat gleich ja gesagt.“ Nick hat einen etwas bedrückten Gesichtsausdruck, das merkt sogar Axel, aber er sagt sich, wenn die Party erst in Gang gekommen ist, dann legt sich seine schlechte Laune schon wieder, denn schließlich haben sie ja etwas zu trinken dabei.

(Szenenwechsel, Partyraum)
Der kleine heruntergekommene Raum am Rande der Stadt in einer still gelegten Fabrik füllt sich langsam. Als Axel und Nick dort ankommen, finden sie schon alle ihre Freunde vor, Marcel, Guido, Hinrich, Marco und sogar Balla Balla, der eigentlich Boris heißt, ist schon da. Und sie trauen ihren Augen nicht, als sie auch drei Mädchen erblicken, sie stehen zwar etwas abseits, aber sie sind ganz klar hier, um mit ihnen, den JUNGS, zu feiern. Das gab es noch nie. Axel, der mit seinen vierzehn Jahren eigentlich nichts von den Girls hält, guckt ganz verdattert und geht zu Guido. „ Man, Alter, wie hast du das geschafft? Ich meine die Tussen dahinten, hast du sie mitgebracht?“

„Ja“ meint Guido, „es ist doch voll cool, Weiber dabei zu haben, die anderen freuen sich riesig.“ „Sogar Melanie ist dabei, von der will die ganze Schule was! Echt geil, man!“ Axel kommt aus dem Staunen nicht mehr raus, kümmert sich aber nicht weiter und geht wieder rüber zu seinem besten Freund Nick.

Die Party nimmt ihren Lauf und alle sind gut gelaunt, es ist ja auch kein Wunder, denn der Alkohol fließt in Strömen, da muss man einfach gut gelaunt sein. Einige der Jungs zünden sich eine Zigarette an und schauen immer mal wieder zu den Mädchen rüber, die nach wie vor abseits stehen. Alle reden wild durcheinander, wenn sie denn gegen die laute Musik überhaupt ankommen.

Nick steht etwas abseits und beguckt sich das Schauspiel von weitem. Er hat schon eine Menge getrunken, aber seine Laune will sich einfach nicht bessern. Natürlich merken das auch die anderen, nur kümmern sie sich nicht weiter um ihn, denn eine Spaßbremse kann den ganzen Abend verderben. Seinen besten Freund Axel aber lässt die miese Stimmung von Nick nicht kalt, er geht zu ihm und fragt: „Man Kumpel, was ist los? Hast du keinen Bock heute? Immer, wenn wir Party machen, hast du so eine Scheiß-Laune, das ist doch nicht das erste Mal!“

„Ach lass mich einfach in Ruhe, bei mir zu Hause hat es Zoff gegeben und ich habe mich mit meinen Alten gestritten, hat nichts mit dir oder der Party zu tun.“, meint Nick. „Ja, aber du verdirbst uns den ganzen Abend, mach dich ein bisschen locker!“, sagt Axel. „Nein, ich werde mich auf den Heimweg machen, ich hab keine Lust, hier abzuhängen und außerdem bin ich schon zu spät. Machs gut, Axel! Wir sehen uns morgen beim Bolzen“, Nick sieht etwas müde aus, kümmert sich nicht weiter um die anderen und geht.

(Szenenwechsel, bei Nick zu Hause)
„Natürlich! Fast eine Stunde zu spät!“, Nicks Vater ist nicht gerade begeistert und hält seinem Sohn eine lange Rede. „Wie oft haben wir dir schon gesagt, du sollst pünktlich sein? Und wo warst du überhaupt? Ich bin bis zum Supermarkt runter gewesen und nirgendwo war der Herr zu sehen. Geh lieber nicht ins Wohnzimmer, deine Mutter ist außer sich. Hast du etwa getrunken? Du riechst total nach Fusel, Mensch Junge! Lass das sein, das macht dich kaputt, du hast es doch bei Marvin gesehen!“
„Ja, ja“, sagt Nick, „ich geh ins Bett, Gute Nacht, Dad!“

(Szenenwechsel, in Nicks Zimmer)
Blaulicht, unheimlich laute Sirenen, eine weinende Mutter, ein hysterischer Vater, die Polizei ist im Anmarsch, Sanitäter tragen einen Menschen aus der Tür, sie sehen sehr bedrückt aus, alles muss schnell gehen, Schaulustige tuscheln, der Krankenwagen setzt sich in Bewegung, um gleich mit sehr hoher Geschwindigkeit davon zu rasen. Die Mutter schreit und setzt sich in den Familienwagen, der Vater stürzt ihr hinterher und beide rasen davon. Ein kleiner Junge steht allein vor dem Haus, GANZ ALLEIN, alle sind wieder weg, der Vater, die Mutter, der Bruder, die Polizei und auch die neugierigen Nachbarn.

Nick schreckt, in seinem Schweiß gebadet, hoch und hat weit aufgerissene Augen. Man, schon wieder dieser Traum, schon seit vier Jahren verfolgt er ihn, immer wieder sieht er seinen Bruder, wie er abtransportiert wird. Nick war damals erst zehn und wusste nicht, was passiert war, sein Vater hielt ihm nur immer wieder die gleiche Standpauke: „Lass die Finger vom Alkohol, wenn du nicht so enden willst!“ Marvin, so heißt sein Bruder, wurde nämlich vor vier Jahren mit einer Alkoholvergiftung in die Klinik geholt. Nick kann nicht verstehen, dass ihn diese Bilder immer noch verfolgen, Marvin geht es doch gut! Nachdem er wieder gesund war, hat er einen sechswöchigen Entzug gemacht und ist jetzt seit vier Jahren trocken. Marvin war 16, als das passierte, und jetzt hat er eine Arbeitsstelle im einzigen Baumarkt der Stadt, hat eine eigene Wohnung und eine Freundin, mit der er zusammen lebt. Es geht ihm gut und die Brüder sehen sich regelmäßig, also warum träumt Nick immer noch so schreckliche Bilder? Nick schüttelt die lästigen Träume ab und schläft den Rest der Nacht zwar unruhig, aber doch gut.

(Szenenwechsel, Nick auf dem Weg zum Bolzplatz, Selbstgespräch)
Nick hat sich heute schon sehr zeitig auf den Weg gemacht, er ist sehr betrübt und trottet sehr langsam in Richtung Fußballplatz davon, denn er ist mit seinen Freunden dort verabredet. „Man, wieso bin ich eigentlich so schlecht drauf? Weil ich die Nacht so mies geschlafen habe? Axel wird nicht begeistert sein. Aber das kann doch nicht der Grund sein! Scheiß Alkohol! Ich muss Axel unbedingt mal von Marvin erzählen, der trinkt doch immer so viel! Ob Axel merkt, dass ich ihn angelogen habe? Niemals würde mir Marvin Alk kaufen. Oder bin ich etwa so mies drauf, weil ich gestern im Supermarkt den Klaren geklaut habe? Das ist bestimmt das schlechte Gewissen! Aber was soll ich denn machen? Ich krieg sonst nichts gekauft! Und auf die Partys will ich unbedingt, schließlich sind da alle meine Kumpels, und die wollen nun mal trinken. Und ich war an der Reihe, etwas zu besorgen! Ach, man, vielleicht sollte ich doch umkehren, das wird doch ein Scheißtag!“

Zu spät, von hinten nähert sich Axel auf seinem Fahrrad und schon von weitem ruft er: „Eh, Nickelchen, warte mal, lass uns zusammen gehen.“ Als er Nick erreicht hat, steigt er vom Fahrrad und grinst. „Weißt du was, Alter? Als du gestern weg warst, haben wir beschlossen, heute Abend wieder eine Party zu machen, geil oder?“
Nick seufzt, für Axel nicht hörbar und sagt: „Wo soll die denn steigen und wer kommt alles?“ „Na alle Leute von gestern, bei den Weibern weiß ich das nicht genau, aber die anderen sind schon ganz heiß!“, freut sich Axel. „Was ich dich aber fragen wollte, kannst du wieder Fusel mitbringen? Wir haben schon Geld gesammelt, diesmal beteiligen wir uns.“ Nick ist für einen Moment still und überlegt, dann sagt er: „Sorry, Axel, aber ich habe Hausarrest, ich darf nur zum Fußball und muss um sechs zu Hause sein.“
„Das kann doch nicht wahr sein! Man, Nick! Dann hau einfach ab, wir rechnen ganz stark mit dir und mit dem Fusel.“, bittet Axel.

Inzwischen haben die beiden den Bolzplatz erreicht und sehen, dass schon einige dort sind. „Los, komm, lass uns so richtig Spaß haben, wo ist der Ball?“, fragt Axel und rennt auch schon rüber zu den anderen. Nick steht noch eine Weile da und geht dann ebenfalls rüber.

(Szenenwechsel, in Nicks Zimmer)
Nicks Laune hat sich im Laufe des Fußballspiels etwas gebessert. Er sitzt nun auf seinem Bett und überlegt. Schon wieder hat er seinen Freund angelogen, er hat gar keinen Hausarrest. „Was soll ich jetzt machen? Ich würde so gern zu meinen Freunden, aber ohne Alk brauch ich dort gar nicht aufkreuzen. Aber den ganzen Abend zu Hause abhängen, ist auch blöd. Warum müssen die auch immer so viel saufen? Schon wieder klauen? Was ist, wenn die mich erwischen? Dann darf ich nie wieder raus. Aber die sollen mich cool finden, deswegen brauche ich den Stoff.“

Nach einigen Minuten setzt Nick wieder sein betrübtes Gesicht auf, verabschiedet sich von seinen Eltern und macht sich zu Fuß auf den Weg zur alten Fabrik. Er geht sehr langsam durch die Straßen, denn er hat noch etwas Zeit. An der Ecke zur Puschkinstraße macht er kurz Halt und biegt dann auf einen kurzen Abstecher zum Supermarkt ab. …….

Anregungen für Fragen zu einem Gesprächseinstieg:

  • Was ist der Nick für ein Typ?
  • Wie sind die Freunde von Nick?
  • Wie hättest Du Dich verhalten?
  • Um was geht es bei diesen Parties eigentlich?
  • Wie ist die Geschichte wohl weiter gegangen? Welche Varianten könntet ihr euch vorstellen? Für welche Variante würdest du Dich entscheiden?

Lernziel:

  • Unser Tun wird oft von anderen bestimmt, aus lauter Angst als Spaßbremse zu gelten, oder als Außenseiter dazustehen.
  • Die Angst Freunde zu verlieren ist größer, als auf seinen eigenen Verstand zu hören.
  • Es gehört mehr Mut dazu, Nein zu sagen, als cool zu sein.

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