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Ich habe auch mal geraucht

Thema: Rauchen

Inhalt:

In einer Rückblende schildert ein ehemaliger Raucher wie er mit den Zigaretten angefangen und warum er wieder aufgehört hat.

Kurzgeschichte

Jugendlicher Raucher
Jugendlicher Raucher
© www.praxis-jugendarbeit.de

Ich weiß gar nicht mehr so genau, wann es war, als ich mir die erste Zigarette angezündet habe. Ich muss damals so um die 15 oder 16 Jahre alt gewesen sein. Heute gilt man in diesem Alter wohl schon eher als „Späteinsteiger“. Erst kürzlich sah ich auf der Straße zwei Jungs rauchen, die waren kaum älter als 12. Und wie angeberisch sie dabei getan haben. Und ich musste dabei über mich selber lachen, so war ich auch einmal.

In einer Zeitschrift habe ich mal gelesen, dass man laut Statistik nur noch in ganz seltenen Fällen mit dem Rauchen anfängt, wenn man bereits über 21 Jahre alt ist und bisher Nichtraucher war. Die gefährlichen Jahre, sich ans Rauchen zu gewöhnen, ist demnach also die Zeit, in der man noch Jugendlicher ist.

Also, wie war das bei mir? Wann habe ich mit dem Rauchen angefangen? Wie gesagt, ich kann mich gar nicht mehr so ganz genau erinnern, bei welcher Gelegenheit ich die erste richtige Zigarette geraucht habe. Denn so getan als ob nämlich mit Salzstangen oder den Kaugummi- und Schokozigaretten vom Kiosk, das habe ich vorher schon lange. Am coolsten war das immer in der kalten Jahreszeit, wenn man den Atem sehen konnte. Ich habe dann immer lässig ausgeblasen - das war fast so, als ob ich wirklich rauchen würde. Oder ich sollte besser sagen: Das war fast so wie ein „Großer“ zu sein.

Ab da dauerte es nicht mehr lange, bis ich mir die erste wirkliche Zigarette angesteckt habe. Ich denke, es war nach Schulende an der Bushaltestelle. Da haben meine Kumpels und ich regelmäßig eine (oder auch zwei) Flippen geraucht. So lange halt, bis der Bus kam. Irgendwann, so ab der 8. oder 9. Klasse, gehörte ich auf einmal selbst zu den „Großen“, und folglich habe ich auch geraucht. So war das damals. Plötzlich war ich in einer Rauchergruppe, als ob mich ein Magnet dort hingezogen hätte. Ich habe mich auch irgendwie sicherer gefühlt, weil man als Raucher in der Gruppe akzeptiert wurde. Außerdem sollten die „Kleinen“, also die jüngeren Schüler, die ein paar Meter weiter ihre eigenen Grüppchen gebildet haben, schließlich auch mitbekommen, dass ich jetzt auch ein „Großer“ war. Ein Erkennungszeichen dafür war eindeutig die Kippe in der Hand.

Rauchen in der Jugend
Rauchen in der Jugend: wohin geht der Trend?
© www.praxis-jugendarbeit.de

Es war nichts anderes als ein Ritual. Ein Ritual, das irgendwann zur Sucht wurde. Kaum war man aus der Schultüre draußen, schon wurde nach den Zigaretten und dem Feuerzeug gekramt. „Mist, schon wieder kein Feuer! Macht nichts, irgendwer hat schon eines.“ Oder noch schlimmer: „Verdammt, ich habe keine Kippen mehr. Na ja, hoffentlich kann ich mir bei irgendwem welche schnorren.“ Ich wusste schon, an wen ich mich in diesem Fall zu wenden hatte, bestimmte Leute waren immer bestens versorgt mit einer frischen Schachtel. Ach ja, gekauft haben wir die Kippen meistens am Automaten. Der hing schräg gegenüber der Bushaltestelle neben der Bäckerei. Der Automatenaufsteller, dem das Gerät gehörte, hat mit uns ganz schön verdient damals. Ich frage mich heute, ob er ganz bewusst diesen Standort für den Automaten in der Nähe der Schule ausgesucht hatte, weil er wusste, dass wir Schüler seine beste Kundschaft sind. Heute würde es uns wohl nicht mehr so leicht fallen, an Zigaretten zu kommen. Jetzt braucht man ja so eine Karte mit Altersnachweis. Obwohl, ich bin mir sicher, dieses Problem hätten wir auch irgendwie gelöst.

Auf jeden Fall war das Ritual des täglichen Zigarettenschwätzchens zwischen Schulschluss und der Abfahrt des Busses plötzlich nicht mehr wegzudenken. Ganz ohne Kippe nach der Schule? Das wäre mir ähnlich unangenehm gewesen, als wenn ich mit irgendwelchen hässlichen Klamotten dort gestanden wäre.

Die Zeit verging und irgendwann blieb es nicht mehr bei der lässigen Zigarette nach der Schule. Auf einmal rauchte ich auch bei anderen Gelegenheiten, z. B. wenn ich nachmittags mit Freunden unterwegs war, wenn wir zum Billardspielen gegangen sind oder wenn wir einfach nur auf dem Marktplatz rum gehangen sind. Natürlich rauchte ich damals (noch) nicht daheim. Meine Eltern wussten ja lange Zeit nicht, dass ich rauche. Durch den Geruch konnte ich mich auch nicht verraten, da meine Mutter ja selber zuhause rauchte. Das war praktisch, denn so musste ich nicht großartige Unternehmungen anstellen, um den Geruch zu verbergen. Und falls es doch irgendwann rauskommen sollte, dass ich Raucher bin, war ich mir sicher, dass mich Mama verstehen würde, weil sie ja selber raucht. Schließlich konnte sie mir schlecht etwas vorwerfen, was sie selbst machte, dachte ich mir. Bei manchen Kumpels von mir war das schon schwieriger, die mussten ziemlich aufpassen, wenn sie heimgegangen sind, um sich nicht zu verraten.

Ganz ohne Gewissensbisse war ich ja zugegebenermaßen bei dieser ganzen Raucherei nicht. Dabei hatte ich nicht so sehr Bedenken wegen meiner Gesundheit, die ich mir mit dem Rauchen natürlich unweigerlich geschädigt habe. Mir ging es eher um mein Geld. Schließlich hatte ich ja nur mein Taschengeld zur Verfügung und davon gab ich das meiste für Zigaretten aus. Ich konnte ja nicht immer schnorren. Somit war ich meist schon vor Monatsende pleite. Rauchen ist ja eine teuere Sucht! Hunderte wenn nicht sogar tausende Euros waren das bestimmt, die ich im Laufe der Jahre sprichwörtlich in den Wind blies. Dieses Geld hätte ich damals mit 18, als ich den Führerschein machte, gut gebrauchen können. Ich weiß noch, dass ich diesen nervigen Ferienjob im Supermarkt machen musste, um mir meine Fahrstunden halbwegs finanzieren zu können. Mit meinen Eltern und meiner Oma war ausgemacht, dass ich die Hälfte der Kosten für den Führerschein selbst tragen sollte, den Rest legten sie mir drauf. Einige Freunde von mir mussten aber alles alleine bezahlen, weiß ich noch. Da fängt man schon zu überlegen an, ob man sich wirklich jeden Tag eine Schachtel Kippen kaufen muss. Aber ich konnte irgendwie nicht mehr von den Zigaretten lassen. Längst rauchte ich auch, wenn ich alleine unterwegs war. Also, nicht nur in Anwesenheit meiner Kumpels. Daheim rauchte ich mittlerweile auch schon heimlich auf dem Balkon. Obwohl ja gar niemand dabei war, vor dem ich cool sein hätte müssen. Ich brauchte das Zeug jetzt einfach, ich war abhängig vom Tabak. Und im Winter bildete ich mir noch dazu ein, dass die Zigaretten mich etwas wärmen würden. Was natürlich nicht wirklich stimmte, aber es war einfach ein gutes Gefühl zu rauchen.

Eines weiß ich heute ganz sicher, wenn ich mir mein Raucherdasein im Nachhinein betrachte: Rauchen ist teuer, sinnlos und überflüssig. Krass ausgedrückt habe ich nur Geld rausgeschmissen und Dreck eingeatmet. O.K., ich bin mir schon irgendwie erwachsener vorgekommen und anfangs hat das Rauchen mir sicher deswegen auch gefallen. Aber richtig gut kann ich mich auch beim Fußballspielen oder wenn ich mit meiner Freundin zusammen bin, fühlen. Dazu brauche ich kein Nikotin.

Ich erinnere mich noch an Tim, einen guten Freund von mir. Tim war richtig cool mit seinen Witzen und chaotischen Geschichten, die der ständig erzählt hat. Der hatte ein richtiges Talent, uns immer zum Lachen zu bringen. Dieser Kerl war tatsächlich der einzige in unserer Clique, der nicht geraucht hat! Das weiß ich noch ganz genau. Heute kann ich im Nachhinein nur sagen: „Respekt, Tim!“ Und dabei waren seine Eltern Kettenraucher. Die sind immer nur daheim rumgehockt und haben eine nach der anderen gepafft. Na ja, vielleicht hat ihn ja gerade das so genervt, dass er es eben nicht auch so machen wollte. Tim war einfach cool, der brauchte keine Zigaretten, um uns etwas zu beweisen.

Mich hat das Rauchen dann irgendwann ziemlich genervt. Auf einmal fiel mir auf, dass alle meine Klamotten stanken und meine Zähne so hässlich gelb geworden sind. Ich kam mir irgendwie richtig dreckig vor. Vor allem, die Tatsache, dass ich mir ständig eine Zigarette anstecken musste, obwohl ich oft gar nicht in der Stimmung dazu war , hat mich tierisch genervt. Tja, so was nennt man Sucht, oder? Ja, ich war im Grunde viele Jahre süchtig! Süchtig nach Nikotin und wahrscheinlich auch nach diesem Ritual: Anzünden - ziehen - ausblasen - wegschnippen. Ich konnte mir das lange Zeit selber gar nicht eingestehen, dass ich von den Zigaretten abhängig war. „Ich süchtig? Aber nein! Ich rauch’ doch nur ein bisschen... und ich könnte jederzeit leicht damit aufhören.“

Zum Glück bin ich jetzt endlich von den Zigaretten weg gekommen. Ich bin jetzt 28. Eigentlich wollte ich schon viel früher aufhören, aber es hat nie geklappt. Irgendwann steht man in einem Buchladen und blättert in Büchern wie „Jetzt werde ich Nichtraucher“. So war es auch bei mir. Peinlich ist das und ich schämte mich richtig vor mir selber. Am meisten ärgerte ich mich darüber, dass ich nicht einfach so von heute auf morgen mit dem Rauchen aufhören konnte. Gut, ich habe gehört, dass es wenige Leute geben soll, die das angeblich geschafft haben. Bei den meisten geht es aber nicht so reibungslos über die Bühne. Ich selber habe jedenfalls einige Anläufe gebraucht, bis es endlich geklappt hat. So viele, dass ich gar nicht mehr mitzählen konnte, wie viele es letztendlich waren.

Es war es definitiv ein regelrechtes Schockerlebnis, das mir vor einem halben Jahr geholfen hat, endlich das Rauchen für immer aufzugeben. Mein Arzt sagte mir, dass mein permanenter Husten nicht von einer Erkältung sondern vielmehr vom Rauchen kommen würde. Auch als er sich meine Lunge ansah, meinte er, die würde nicht besonders gut aussehen. Dann fragte er mich, ob ich denn noch nie vom stark erhöhten Lungenkrebsrisiko bei Rauchern gehört hätte. Da ist es wie ein Blitz durch mein Gehirn gezuckt: “Verdammt! Ich mache mich noch kaputt mit meiner Raucherei. Ich muss jetzt wirklich damit aufhören. Basta.” Ich habe meine Freundin gebeten, sie soll mich von nun an kontrollieren. Falls ich mir wieder eine neue Schachtel Zigaretten besorge, sollte sie sie sofort beschlagnahmen und wegwerfen. Aber Gott sei Dank habe ich mir seit diesem Arztbesuch keine neue Schachtel mehr gekauft. Das Kapitel Rauchen ist für mich abgeschlossen. Für immer! Und das Beste daran ist, dass ich nichts vermisse. Im Gegenteil: Ich fühle mich jetzt als Nichtraucher viel freier, denn ich muss mir nicht ständig Gedanken machen, wie viele Zigaretten ich noch habe und wann ich mir wieder welche kaufen muss. Außerdem spare ich mir ziemlich viel Geld, das ich gut gebrauchen kann, um zum Beispiel mal wieder mit meiner Freundin ins Kino zu gehen. Auch gesundheitlich geht es mir schon besser, mein Husten ist fast weg und meine Zähne werden wieder etwas weißer. Das kam also tatsächlich alles vom Rauchen.

Immer, wenn ich heute einen Menschen rauchen sehe, komme ich mir irgendwie richtig stark vor und denke mir: „Ich hab es geschafft. Es war sicher nicht einfach, mit dem Rauchen aufzuhören, aber es hat sich gelohnt – denn ich bin jetzt ein Nichtraucher!“

Anregungen für Fragen zu einem Gesprächseinstieg:

  • Was sind Auslöser für das Rauchen unter Kindern- oder Jugendlichen?
  • Warum möchte man ein Großer sein? Warum möchte jemand cool wirken?
  • Wie ist das bei Dir?
  • Warum rauchst Du?
  • Könntest Du wieder davon loskommen? Hast Du es schon probiert?
  • Wer ist cooler (innerlich stärker): derjenige, der raucht, oder derjenige, der nicht raucht?

Lernziel:

  • Erkennen, dass der Weg zum Rauchen oftmals nicht von uns bestimmt wird, sondern von Freunden und der Angst davor, als uncool zu gelten.
  • Was vielleicht klein anfängt, kann zur Sucht werden, kann zur Abhängigkeit führen, auch wenn es die meisten nicht wahrhaben wollen.

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