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Geschichte zum Vorlesen: Auf Messers Schneide

"Wo sind bloß meine Schlittschuhe?" llka wühlt hektisch in ihrem Schrank. "Letztes Jahr hatte ich sie doch noch."

"Ilkaaaa, wo bleibst du?", schreien ihre Freunde durchs ganze Haus. Seit mindestens zehn Minuten stehen sie eingemummt in wattierte blaue, rote und grüne Anoraks, dicken Mützen, Wollschals und Fausthandschuhen in der Haustür. llka wird ganz nervös. Sie kann ihre Schlittschuhe einfach nicht finden. Wie auch!? In ihrem Zimmer herrscht wie sooft "perfektes" Chaos. Und in der Mitte steht llka und überlegt ... Dabei fällt ihr Blick auf den heutigen Kalendervers: "Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern." - "Ich hätte besser auf Mama gehört", denkt llka, "als sie sagte, ich sollte mein Zimmer aufräumen! Hätte ich doch bloß ...", murmelt sie vor sich hin. Leise öffnet sich die Zimmertür einen Spalt. Tobis grinsendes Gesicht erscheint. "Brauchst du einen Kompass oder unsere Hilfe, oder sollen wir in ein paar Tagen wiederkommen...?" "Raus!", ruft sie und schleudert ein buntes Kissen Richtung Tür.

Nach gemeinsamer Suche finden sie endlich die Schlittschuhe - ganz oben im Bücherregal unter einem Wust Papier und alter Schulhefte.

"Ihr geht nur auf Eisflächen, die von der Feuerwehr freigegeben worden sind, in Ordnung?!", ermahnt llkas Vater sie.

"Ja, natürlich ...", antworten sie. Wums! Die Haustür fällt knallend ins Schloss. Schnell laufen sie zum vereisten Baggersee.

Der spiegelglatte Eispanzer bildet eine spitzenmäßige Eisbahn. Nach zwei, drei Stunden ist die Eisfläche restlos überfüllt. Kein Wunder, dass Nelly schließlich feststellt: "Nur im Kreis fahren ist auf die Dauer ganz schön langweilig!" "Kommt, einige hundert Meter von hier verläuft doch der Fluss. Auf dem sind die Eisschollen nach dem Auftauen wieder zugefroren. Wir können dahin laufen und ihn überqueren", meint Meiko, "das wäre abenteuermäßig!"

"Aber du weißt doch, dass unsere Eltern uns das verboten haben. Und außerdem ... ich habe Angst", antwortet Nelly. "Ach, sei kein Feigling! Und außerdem - uns sieht ja keiner", ruft Meiko und rennt los. Seine Freunde folgen ihm dicht auf den Fersen, denn feige, nein, feige wollen sie nicht sein.

llka hat auch ein mulmiges Gefühl. Denn sie weiß: Gott sieht alles! In die Sachen, die einem Angst machen, in die, die man vor allen verstecken möchte - in alle hat er Einblick. Er sieht, was keiner sieht. Das ist auch gut so, findet llka. Meistens jedenfalls ... Jetzt gerade möchte sie ganz einfach nicht feige sein...

Nach wenigen Minuten erreichen sie außer Atem den zugefrorenen Fluss. "ES IST STRENG VERBOTEN, DIE EISFLACHE ZU BETRETEN". Alle 200 Meter sind diese nicht zu übersehenden gelben Warnschilder mit schwarzer Schrift aufgestellt worden.

"Kommt her, wir gehen nur in Ufernähe aufs Eis. Da kann uns nichts passieren! , ruft Meiko übermütig. Das Eis ächzt und knirscht unter der neuen Last. Doch es hält. Langsam geht es auf den Abend zu. Die Sonne steht tief und rot hinter den kahlen vereisten Bäumen. Die Kälte ist schärfer geworden. "Mensch, llka, ich muss nach Hause. Schau mal auf deine Uhr, wie spät es schon ist!", ruft Nelly ihrer Freundin zu. "Stimmt!", antwortet die entsetzt, "ich muß in zwanzig Minuten am Abendbrottisch sitzen. Das schaff ich nie. Was soll ich bloß meinen Eltern erzählen, warum ich so spät nach Hause komme?"

llka trifft es wie ein Schock. Jetzt zu alledem noch eine Lüge. Die eine Sünde zieht die andere nach sich. Wie schnell es llka so ergangen ist! Was nun?

"Ach, wir können über den vereisten Fluss abkürzen. Wir haben ja gesehen, dass die Eisschicht trägt", rät Meiko und läuft los, rüber zum anderen Ufer. Dem Eis scheint man die neue Last überhaupt nicht anzumerken. Tobias, llka und als Letzte Nelly laufen hinterher. Die ersten beiden haben ebenfalls das Ufer erreicht, Nelly fehlen noch einige Meter, als sie plötzlich unter sich ein Sirren hört, das sich über die Eisfläche fortzusetzen scheint. Und dann ... krach! Unter Nelly gibt das Eis nach. Eiseskälte umspült ihre Waden, ihre Hüften, ihre Schultern ... "Hiiilfe! ..." Die anderen blicken entsetzt zu Nelly. Nur noch ihr Kopf schaut aus dem eisigen Wasser. Tobi schießt es durch den Kopf: Hier geht es um Leben und Tod.

"Ich hole Hilfe!", ruft er und rennt los. Schon ist Tobi in der Dämmerung verschwunden. zitternd schafft es Nelly, ihre durchfrorenen Arme über den Bruchstellen aus Eis zu schieben.

"Ich schaff's nicht! Ich kann nicht mehr. Meine Hände ...", weint Nelly. Meiko fühlt sich sterbenselend. "Meine Schuld! Meine Schuld!", kreisen die Gedanken in seinem Kopf. llka fühlt sich kaum besser. Ihr Gewissen plagt sie. "Warum habe ich nicht auf meine Eltern gehört? Und was ist mit Nelly, wenn sie ertrinkt? Sie wollte nie etwas mit Jesus Christus zu tun haben. Wenn sie jetzt ertrinkt, dann ... dann ist sie ewig verloren."

"Meiko, Nelly, llka! Wo seid ihr?" "Hiiier, Tobi, bei der alten Eiche", rufen sie zurück. "Ich habe ein paar Decken mitgebracht", sagt Tobis Vater außer Atem und wickelt sie um Nelly, die er, selbst lang ausgestreckt auf einem Brett liegend, aus dem Wasser gezogen hat. Eine schwere Arbeit, selbst für einen so starken Mann wie Tobias' Vater, denn Nellys Kleider sind vollgesogen mit Eiswasser. "So, jetzt schnell zum Auto. Hoffentlich hat sie keine schwere Unterkühlung. Ich fahre sie jetzt sofort ins Krankenhaus." Am nächsten Tag kommt die Entwarnung: Bis auf einen fürchterlichen Schnupfen geht es Nelly gut. Allen fällt ein Stein vom Herzen. "Verzeih mir, Herr Jesus", betet Meiko. "Ich habe die anderen in die Gefahr mitgerissen." "Danke, Vater im Himmel", betet Tobi. "Du bist immer für uns da und hilfst."

Und Nelly? Zu ihr spricht Gott besonders, während sie im Bett den Schnupfen auskuriert. Ohne Hilfe wäre Nelly im Fluss hilflos erfroren! So nah am Tod ... das wird sie nie wieder vergessen. Sie weiß: Sie muss jetzt mit Gott Ernst machen und ihm ihre Sünden bekennen. Bisher hat sie das immer aufgeschoben. Mit zwölf Jahren hat man doch noch unendlich viel Zeit, oder? Manchmal auch nicht... denkt Nelly. Manchmal ...

  • Ihr Kinder gehorcht euren Eltern in allem, denn dies ist wohlgefällig im Herrn.
    (Kolosser 3,20)
  • Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich.
    (Römer 11,20)
  • Von der Sache der Lüge sollst du dich fernhalten.
    (2. Mose 23,7)
  • Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt.
    (1.Johannes 1,9)
  • Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht.
    (Hebräer 4,7)

(Quelle: "Der Kompass" Ausgabe 2000, ein Tageskalender für Kinder und junge Leute. Die Geschichte durfte mit freundlicher Erlaubnis in die Materialsammlung aufgenommen werden.)
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