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Komasaufen bei Jugendlichen

Komasaufen
Komasaufen und Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen | ©: Markus Bormann - Fotolia

Innerhalb der letzten Jahre ist ein Begriff in den Fokus der Medien gerückt, den man schon fast als „Unwort des Jahrzehnts“ bezeichnen möchte. Die Rede ist vom sogenannten „Komasaufen“. Doch sobald dieser Begriff fällt, ist die Verunsicherung in der Regel noch größer als zuvor. Was versteht man darunter genau? Wo liegen die Gründe für dieses Verhalten, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen? Welche Präventionsmaßnahmen gibt es? Zeit, einmal für etwas Aufklärung zu sorgen.

Die Begriffsdefinition

Komasaufen – das klingt zunächst eindeutig: Saufen, bis man ins Koma fällt. Doch muss es wirklich soweit kommen, oder steht der Begriff einfach nur für eine Gattung neuer Trinkgewohnheiten?

Richtig ist, dass die Medien den Begriff Komasaufen insbesondere mit dem exzessiven Alkoholkonsum bei Kindern und Jugendlichen in Zusammenhang bringen. Im englischsprachigen Raum spricht man vom „binge drinking“, also dem Trinken von Alkohol in einer Gruppe bzw. im Rahmen eines Gelages. Diese Definition gibt den wahren Kern allerdings nur recht unzureichend wieder.

Es geht beim Komasaufen insbesondere darum, bewusst betrunken zu werden bzw. sich in einen Rausch zu versetzen. Das Trinken geschieht also nicht nebenbei, sondern wird zum Dreh- und Angelpunkt innerhalb einer ganzen Gruppe. Oftmals bezeichnet man solche Aktivitäten auch als „Kampftrinken“ oder „Wetttrinken“. Hinzu kommt der Faktor Zeit. Beim Komasaufen geht es darum, den Rausch in der kürzest möglichen Zeit zu erreichen. Dafür werden fast alle Mittel in Kauf genommen.

Die bedenkliche Entwicklung hin zum Komasaufen

Machen wir uns nichts vor: Fast alle heute Erwachsenen haben in ihrer Jugend schon einmal (oder auch mehrmals) „gesündigt“ und etwas zu tief ins Glas geschaut. Wachten wir dann am nächsten Morgen mit einem ordentlichen Kater auf, sagten unsere Eltern: „Wer sich betrinken kann, der muss auch mit den unangenehmen Folgen leben“. Allerdings hielt sich in früheren Zeiten das Ganze in der Regel in einem vertretbaren Rahmen und uferte nicht so aus, wie es heutzutage oft der Fall ist.

Bedenklich wird es dann, wenn Kinder und Jugendliche keine Grenzen mehr aufgezeigt bekommen, und diese demnach auch nicht in Verbindung mit dem Alkoholgenuss kennen. Dann wird eben solange getrunken, bis als Folge nicht mehr der harmlose Kater am nächsten Morgen steht, sondern die Einweisung in die Notaufnahme im nächstgelegenen Krankenhaus. Die Zahl der Fälle von Alkoholmissbrauch durch Kinder und Jugendliche, die letztendlich im Krankenhaus endeten, hat sich statistischen Untersuchungen zufolge innerhalb der letzten zehn Jahre mehr als verdoppelt. Und, noch schlimmer: Schon heute gibt es jedes Jahres etliche Tote Kinder und Jugendliche als Folge einer akuten Alkoholvergiftung.

Für die kommenden Jahre erwarten Experten eine noch größere Ausweitung dieses Phänomens. Bedenklich ist dabei - neben den Folgen an sich - auch der Umstand, dass die Konsumenten von großen Alkoholmengen immer jünger werden. Teilweise finden sich heute in den Notaufnahmen der Kliniken schon Elf- oder Zwölfjährige, die Promillewerte von 3.0 oder sogar mehr im Blut haben. Was ein solch hoher Alkoholpegel im Körper eines Kindes anrichten kann, mag man sich gar nicht ausmalen. Ein junger Körper reagiert viel sensibler auf eine Vergiftung mittels Alkohol, so dass hier auch dauerhaft bleibende Folgeschäden keineswegs ausgeschlossen werden können.

Die Auswirkungen des Komsaufens

Das Komasaufen hat fatale Auswirkungen, nicht nur auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, sondern auch auf die gesamte Gesellschaft. Doch bleiben wir zunächst bei den gesundheitlichen Folgen.

Alkohol ist ein Gift, das insbesondere auf einen jungen, noch nicht ausgewachsenen Körper eine sehr starke Wirkung hat. Neben den üblichen Auswirkungen, die auch Erwachsene bei übermäßigem Alkoholgenuss spüren (zum Beispiel Schädigungen der Leber und – längerfristig - auch des Gehirns), kommt bei Kindern und Jugendlichen noch hinzu, dass der Alkohol die Weiterentwicklung von Körper und Geist stören bzw. ungünstig beeinflussen kann. In langfristigen klinischen Störungen sind beispielsweise extreme Wachstumsstörungen diagnostiziert worden, die zweifelsfrei vom übermäßigen Alkoholgenuss bedingt sind.

Auch die gesellschaftlichen Auswirkungen sind nicht zu vernachlässigen. Der kindliche oder jugendliche Komasäufer erreicht mit seiner „Freizeitbeschäftigung“ nämlich genau das Gegenteil von dem, was er eigentlich wollte. Mangels Aufmerksamkeit und gesellschaftlicher Achtung fing er das Trinken an, am Ende wird er jedoch wiederum von der Gesellschaft als Asozialer und Taugenichts ins Abseits geschoben. Das Ganze gleicht einer Abwärtsspirale, die sich immer schneller zu drehen beginnt. Lediglich in einer kleinen Gruppe wird der Betroffene zu Anfang noch Anerkennung finden, doch auch diese zerfällt in der Regel schnell, da jeder mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen hat.

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Komasaufen | ©: 2012 Markus W. Lambrecht - Fotolia

Gründe für das Komasaufen

Die Gründe dafür, dass das Koma saufen in den letzten Jahren zu einer Art Sport und Freizeitvergnügen unter Kindern und Jugendlichen geworden ist, sind vielfältiger Natur. Zum einen ist der Genuss von Alkohol in unserer Gesellschaft immer mehr zur Normalität geworden, so dass es auch für die jüngsten keinen anrüchigen Charakter mehr hat, sich regelmäßig zu betrinken, andererseits ist eine zunehmende Verrohung der gesamten Gesellschaft bereitet vielen Jahren festzustellen. Diese kann dafür sorgen, dass insbesondere Kinder und Jugendliche, die seelische und emotional noch nicht gefestigt sind, mit den Regeln und Zwängen eben jener Gesellschaft ohne den übermäßigen Genuss von Alkohol gar nicht mehr klarkommen.

Ein anderer Grund ist in der mangelnden Gelegenheit für Kinder und Jugendliche zu suchen, sich innerhalb der Gesellschaft ausreichend zu profilieren. Jeder Mensch strebt nach Anerkennung und Lob für seine Leistungen. Sind die Leistungsanforderungen innerhalb einer Gesellschaft jedoch zu hoch oder werden die erbrachten Leistungen nicht ausreichend anerkannt, bildet sich schnell Frust und es werden Ausweichbereiche gesucht, in denen man sich profilieren kann. Hier ist auch der Grund zu finden, warum Koma saufen heute vielfach als eine Art Trinkwettbewerb veranstaltet wird. Dabei gewinnt derjenige, welcher in der kürzesten Zeit die größte Menge an Alkohol zu sich nimmt und somit am schnellsten zum gewünschten Rausch gelangt. Ein Jugendlicher, der in keinem anderen Bereich seines Lebens durch herausragende Leistungen glänzen kann, wird oftmals die Chance wahrnehmen, um sich zumindest in dieser Disziplin vor anderen Teilnehmern zu behaupten.

Gibt es Präventionsmaßnahmen gegen das Komasaufen?

Um Kinder und Jugendliche vor den Folgen des Komasaufens zu schützen, sollten entsprechende Präventionsmaßnahmen ergriffen werden. Diese bestehen auch von gesetzlicher Seite, etwa durch das Jugendschutzgesetz. Allerdings wird die Einhaltung der Gesetze immer noch relativ lasch überwacht. Um eine flächendeckendere Überwachung zu gewährleisten, müsste schlichtweg viel mehr Personal in den entsprechenden Ämtern eingesetzt werden, wozu jedoch wiederum das Geld fehlt. Ob bei der Polizei oder im Bereich Streetworker/Sozialarbeiter: es fehlen in Deutschland mittlerweile Tausende Stellen.

Das Gesetz kann somit nur die groben Richtlinien für eine wirksame Prävention gegen Komasaufen vorgeben, die Überwachung ist sehr lückenhaft. Also sind weitere, davon unabhängige Maßnahmen gefragt, um das Problem in absehbarer Zeit in den Griff zu bekommen.

Hier ist insbesondere die erhöhte Aufmerksamkeit der Eltern wichtig. Die Anzeichen für einen Alkoholmissbrauch sind in der Regel recht deutlich und vor allem früh zu erkennen, z.B. durch Vernachlässigung des Äußeren, soziale Isolation etc. In diesem Fall sollte schnell das Gespräch mit dem Kind gesucht werden, ohne dabei in wüste Vorwürfe und Anschuldigungen abzuschweifen. Es sollte gemeinsam nach den Gründen gesucht und an möglichen Lösungen gearbeitet werden. Hilfreich kann es sein, spezielle Regeln für den Genuss von Alkohol aufzustellen, sofern sich der betroffene mit deren Einhaltung einverstanden erklärt.

Wer sich Gespräche und entsprechende Hilfestellungen im Ernstfall allein nicht zutraut, für den gibt es professionelle Hilfe, zum Beispiel bei den Suchtberatungsstellen der einzelnen Bundesländer, der Online-Beratung von Caritas oder auch den entsprechenden Beratungsstellen der Kirchen. Die Adressen finden sich mit dem Stichwort „Suchtberatung“ über die bekannten Suchmaschinen im Internet.

Abschließend noch einige Tipps für den Jugendleiter:

Jeder, der in der Jugendarbeit tätig ist, wird mit dem Thema Alkohol, Alkoholmissbrauch und auch dem Thema Koma-Saufen konfrontiert sein – zumindest durch die Erzählungen, vielleicht auch Prahlereien der Jugendlichen davon mitbekommen. Es bringt meistens nichts mit erhobenem Zeigefinger hier zu reagieren, oder den Jugendlichen mit moralischen Hinweisen zu kommen. Schon gar nicht, wenn der Jugendleiter selbst schon von „seinen Gelagen“ erzählt hat und somit auch unglaubwürdig werden würde. Auch wird der ein oder andere Jugendleiter überfordert sein, weil er selbst noch jugendlicher Mitarbeiter ist.

Trotzdem, wie sollte ein Jugendleiter sich diesem Thema und dem gefährdeten Jugendlichen stellen?

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Jugend und Alkohol | ©: lassedesignen - Fotolia

Der Jugendleiter sollte den Jugendlichen kennenlernen und versuchen ihn zu verstehen. Er sollte das Gespräch mit dem Jugendlichen suchen. Warum er das Trinken so „geil“ findet.

Herausfinden und Aufzeigen was den Jugendlichen eigentlich dazu treibt zu trinken:

  • Mangelndes Selbstwertgefühl?
  • Minderwertigkeitskomplexe?
  • Angeberei?
  • Dazugehören zu wollen – nicht ausgeschlossen werden wollen?
  • Aus Langeweile trinken?
  • Als Ausweichen vor dem Leben - weil er sich als Versager fühlt?
  • Sich betrinken um zu vergessen, als eine Flucht vor dem Leben bzw. vor Problemen?

Hilfe geben

  • Aufzeigen dass es eher als Stärke zählt Nein sagen zu können
  • Aufzeigen, dass der „Schuss nach hinten losgehen kann“ und man sich blamiert, wenn man total besoffen rumkotzt, oder wer-weiß-was macht.
  • Dem Jugendlichen Mut machen und ihn in seinen Problemen unterstützen. Ihm helfen wieder zu sich zu finden. Niemand muss sich als minderwertig oder als Versager fühlen.
  • Denn was dem Jugendlichen fehlt - nämlich Verständnis, Anerkennung und Hilfe, kann der Jugendleiter versuchen zu geben.

Was sollte ein Jugendleiter auf keinen Fall tun:

  • Den Jugendlichen nicht ernst nehmen
  • Den Jugendlichen verurteilen
  • Über den Jugendlichen schlecht reden oder ihn bloß stellen
  • Selber trinken und damit angeben.

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