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Aggressives Verhalten bei Kindern & Jugendlichen

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Aggressives Verhalten bei Kindern & Jugendlichen | ©: bramgino - Fotolia

In jeder Kindheit und Jugend gibt es Phasen, in denen das Kind aggressivere Züge zeigt als gewohnt. Schließlich befinden sich sowohl Körper als auch Geist und Seele des jungen Menschen in verschiedenen Entwicklungsstadien, die ihre ganz eigenen Probleme mit sich bringen.

Zeigt sich ein aggressives Verhalten jedoch dauerhaft, sollten die Gründe dafür hinterfragt und entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Eltern und Lehrer sind hier mit ihrer Lebens- und Berufserfahrung gefordert, teilweise ist aber auch professionelle Hilfe notwendig (z. B. durch Psychologen), um den Betroffenen wieder in ein emotionales Gleichgewicht zu bringen.

Sowohl die Erscheinungsformen als auch die Ursachen einer Aggressivität bei Jugendlichen können sehr unterschiedlich sein. Wichtig: Von „aggressivem Verhalten“ spricht man erst dann, wenn sich die Verhaltensauffälligkeit kontinuierlich über einen längeren Zeitraum zeigt, und/oder ein als noch normal geltendes Maß übersteigt.

Grundsätzlich lässt sich festhalten: Aggressives Verhalten bei Kindern und Jugendlichen ist immer einen Zeichen von Hilfsbedürftigkeit und Ausweglosigkeit. Es ist sozusagen der letzte Schritt, um auf eine scheinbar ausweglose Situation aufmerksam zu machen und gleichzeitig um Hilfe zu schreien. In den letzten Jahren lässt sich beobachten, dass die Aggressivität unter Kindern und Jugendlichen immer häufiger und immer ausgeprägter wird. Somit kann das gesamte Thema auch als Hilfeschrei einer sich verändernden Gesellschaft und der darin involvierten Eltern, Erzieher und Pädagogen interpretiert werden.

Erscheinungsformen der Aggressivität

Aggressivität bei Kindern und Jugendlichen kann sich in verschiedenen Formen zeigen, wobei auch Kombinationen mehrerer Formen nicht selten anzutreffen sind. So zeigen beispielsweise verbal aggressive Kinder oft auch einen Hang zu körperlicher Aggressivität. Trotzdem sollte man zunächst ein Augenmerk darauf legen, welche Einzelform(en) der Aggressivität vorliegt bzw. vorliegen.

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aggressive Kinder | ©: valiza14 - Fotolia

Verbale Aggressionen

Verbale Aggressionen bei Kindern und Jugendlichen können sich gegenüber Gleichaltrigen, Eltern, Pädagogen oder der Allgemeinheit zeigen. Das Kind bzw. der Jugendliche beschimpft, beleidigt oder diffamiert sein Gegenüber, oft unter Verwendung von Kraftausdrücken, deren Bedeutung noch gar nicht im Detail verstanden wird.

Körperliche Aggressionen

Schubsen, Treten, Beißen, Schlagen oder Werfen mit Gegenständen – es gibt viele Formen des Ausdrucks körperlicher Aggression bei Kindern und Jugendlichen. Oft richten sich diese körperlichen Aggressionen gegen Gleichaltrige oder Jüngere, die vermeintlich schwächer sind. Gegenüber Erwachsenen kommen körperliche Aggressionen seltener vor.

Aggression gegen Tiere

Obwohl die meisten Kinder Tiere lieben und schnell eine besondere Bindung zu ihnen aufbauen, kommt es nicht selten zu Aggressionen gegenüber Tieren. Dabei muss das Tier in der Regel nur als „Platzhalter“ hinhalten, wenn das Kind seine Aggressionen nicht anderweitig ausleben kann.

Aggression gegen Gegenstände

Auch Gegenstände dienen als „Frustventile“, über die Kinder und Jugendliche ihre Aggressionen loswerden. Entweder wird der betreffende Gegenstand dabei mutwillig zerstört, oder als eine Art Waffe missbraucht (wenn z. B. Dinge durch die Luft geworfen werden).

Motive und Ursachen für Aggressivität bei Kindern & Jugendlichen

Grundsätzlich muss zwischen Motiven und Ursachen für eine Aggressivität bei Kindern und Jugendlichen unterschieden werden. Während das Motiv als unmittelbarer Auslöser verstanden werden kann, sitzt die Ursache viel tiefer, sie ist also wiederum der Grund für das Motiv. Dazu ein Beispiel: Frust ist ein häufiges Motiv, welches in der Folge ein aggressives Verhalten auslöst. Dieser Frust muss aber eine tiefergehende Ursache haben. Diese kann beispielsweise durch zu wenig Aufmerksamkeit durch die Eltern oder das gesamte Umfeld bedingt sein.

Bevor wir also zu den Ursachen kommen, hier noch einige weitere Motive, die als Auslöser von Aggressivität bei Kindern und Jugendlichen gelten: Körperliches, psychisches oder seelisches Leid, Orientierungslosigkeit, Vernachlässigung, Kränkungen und Gefühlsverletzungen, Angst, Unsicherheit oder empfundene und erfahrene Ungerechtigkeit.

Ursachen für Aggressivität bei Kindern und Jugendlichen

Genauso vielfältig wie die Motive für Aggressionen sind auch deren Ursachen. Hier die am häufigsten anzutreffenden in Kurzform:

Soziales Umfeld

Kinder lernen insbesondere durch ihr soziales Umfeld. Dazu gehören Elternhaus, Freunde und Verwandte, Nachbarschaft uvm. Herrscht in diesem Umfeld eine aggressive Stimmung, kann sich diese leicht auf das Kind übertragen.

Eigener Entwicklungsstand

Es ist auffällig, dass insbesondere Kinder mit Entwicklungsstörungen zur Aggressivität neigen. Dies kann z. B. bei Sprachstörungen der Fall sein, wenn das Kind nicht in der Lage ist, seine Wut verbal zu äußern.

Psychische Faktoren

Die Psyche hat einen entscheidenden Einfluss auf den Grad der eigenen Aggressivität. Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen, z. B. Depressionen, ADHS usw., neigen daher viel stärker zu Aggressionen.

Biologische Ursachen

Aufgrund von Hormonstörungen und einem Mangel an bestimmten Botenstoffen kann ein aggressives Verhalten bei Kindern und Jugendlichen begünstigt werden.

Tipps für den Umgang mit aggressiven Jugendlichen

Für einen richtigen Umgang mit aggressiven Kindern und Jugendlichen sind vor allem die Eltern gefordert. Sie sind das Vorbild, an dem sich der Nachwuchs orientiert. Das bedeutet auch: Sind die Eltern nicht in der Lage, Konflikte ohne den Einsatz von Aggressionen und Gewalt zu lösen, kann das Kind dies in der Regel auch nicht. Achten Sie daher darauf, solche Konflikte möglichst immer durch Gespräche zu lösen und die nötigen Kompromisse zu finden. Vorbeugend gegen Aggressivität wirkt außerdem ein gesundes und vielfältiges soziales Umfeld, z. B. durch die Mitgliedschaft in Vereinen und Interessengemeinschaften oder durch ehrenamtliches Mitarbeiten. Kinder und Jugendliche, die hier fest eingebunden sind, neigen selten zur Aggressivität.

Hier noch einige weitere, teilweise sofort umsetzbare Tipps, wenn Ihr Kind ein aggressives Verhalten zeigt:

  • Versuchen Sie, das richtige Mittelmaß in der gesamten Erziehung zu finden – also weder zu streng, noch zu lasch bzw. mit zu vielen Freiheiten.

  • Versuchen Sie, Ihrem Kind zu ermöglichen, aus der bedrückenden Situation auszubrechen, in dem es beispielsweise an einen anderen Ort gebracht oder mit etwas anderem beschäftigt wird. Das kann u. U. viel bewirken.

  • Versuchen Sie, ein Belohnungssystem für angemessenes Verhalten einzuführen.

  • Verschaffen Sie Ihrem Kind Ruhe- und Entspannungszeiten, damit es nicht permanent äußeren Reizen ausgesetzt ist.

  • Diskutieren Sie nicht mit Ihrem Kind in akuten Wutsituationen. Vor einer Diskussion sollten sich die Gemüter aller beruhigt haben.

  • Bei Kindern und Jugendlichen, die durch Aggressionen Aufmerksamkeit erregen wollen, kann es helfen, Wutausbrüche bis zu einem gewissen Grad zu ignorieren.

  • Spiele, wie z. B. das gute alte Mensch-ärgere-dich-nicht, können dabei helfen, dass Kinder und Jugendliche besser mit Niederlagen und Frustration umgehen können.

  • Manchmal kann es sinnvoll sein, den Kindergarten oder die Schule zu wechseln, wenn die Aggressivität im dortigen Umfeld des Kindes vermutet wird.

Professionelle Lösungsansätze & Hilfemöglichkeiten

Wenn alle Lösungsansätze bei einem aggressiven Kind oder Jugendlichen versagen, muss professionelle Unterstützung her. Diese erhalten Sie bei einem Psychotherapeuten, der für jeden Individualfall eine daran angepasste Verhaltenstherapie ausarbeitet. Unterstützend können auch Medikamente gegeben werden, zum Beispiel bei hormonell bedingten Stimmungsschwankungen. Dazu muss evtl. auch noch ein Arzt zu Rate gezogen werden.

Fazit

Aggressivität bei Kindern und Jugendlichen kommt nicht von ungefähr, es stecken klare Ursachen und Motive dahinter. Diese gilt es zunächst zu finden, damit im Anschluss der passende Lösungsansatz gefunden werden kann. Wenn Eltern, Lehrer und das gesamte Umfeld eng verzahnt zusammenarbeiten und eine sinnvolle Strategie verfolgen, lässt sich dieses Problem normalerweise gut in den Griff bekommen.

Was bedeutet es nun für den Jugendleiter im Umgang mit aggressiven Jugendlichen?

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aggressive Jugendliche | ©: Monkey Business - Fotolia

Wer in der Jugendarbeit tätig ist der wird unweigerlich mit Jugendlichen konfrontiert sein, die im Vergleich zu anderen ein sehr aggressives Verhalten an den Tag legen. Ein paar werden von den anderen Jugendlichen gefürchtet sein, denn ein falsches Wort könnte ein blaues Auge bedeuten.

Doch wer mit diesen Jugendlichen versucht ins Gespräch zu kommen und es gelingt sehr persönliche und vertrauensvolle Gespräche zu führen, der wird viel von den Jugendlichen erfahren. Von ihren innersten Nöten und Ängsten. Nach außen cool und sich als stark zeigend – aber im Innersten doch sehr weich, verletzt und hilfesuchend.

Bei einem Jugendlichen aus meiner Gruppe, der sozusagen Dauergast bei der Polizei war ging es so weit, dass der verantwortliche Polizeibeamte mir bescheinigte, dass wenn ich mich nicht so diesem Jugendlichen angenommen hätte, dieser auf die schiefe Bahn geraten wäre.

Dabei war es doch so einfach:

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Kinder und Jugendliche verstehen lernen | ©: Fotozwerge - Fotolia

  • Die Aggressivität nach außen verdeckt doch nur die eigene Unsicherheit.

  • Diese Jugendlichen suchen Hilfe – sie suchen nach Menschen, die sie verstehen und nicht aus lauter Angst links liegen gelassen sein wollen.

  • Ein Jugendleiter, der „hinter die Fassade“ schauen kann und sich diesem Jugendlichen annimmt, der wird sich nicht täuschen lassen können.

  • Vertrauen, Zuhören und ein helfender Freund – ohne erhobenem Zeigefinger zu sein ist hier notwendig.

  • Eine konsequente Haltung ist aber auch notwendig. Klare Regeln, die konsequent umgesetzt werden und begründet sind helfen für eine Orientierung.

  • Dem Jugendlichen was zutrauen und Verantwortung übernehmen lassen, war auch noch so ein Punkt, was diesem Jugendlichen geholfen hat. Wenn der eigene Vater, die Mutter diesem Jugendlichen nichts zutrauen konnten, sondern nur Kritik übten – wie sollte sich dieser Jugendliche jemals beweisen können? Er musste doch in der permanenten „Versagerrolle“ sich fühlen.

Leider ist es jedoch oft so, dass man versucht aggressive Jugendliche als Störenfriede abzutun und schnell aus der Jugendgruppe rauswerfen will. Es ist ja auch einfacher – und man hat es vielleicht auch selbst so gelernt: wer sich nicht anpasst, der muss gehen. Oder man ist vorschnell mit einem Urteil da: aha, dieser Jugendliche hat ADHS.

Ich denke hier etwas anders. Wir können uns kein Urteil erlauben. Kennen wir den Jugendlichen? Kennen wir seine Familie? Die Umstände in denen er aufgewachsen ist? Was hat er erlebt als kleines Kind? Warum ist er so geworden – und kann sich nicht anders wehren? Es gibt tausend Fragen, die hier zu beantworten wären. Aber wie schnell sind wir hier im Verurteilen und Abstempeln. Und hinzukommt – und das sehen viele überhaupt nicht – dass unser Urteil und Umgang mit diesen Jugendlichen selbst geprägt wurde durch unsere eigene Geschichte. Anpassen, sich ducken, klein machen und funktionieren müssen.

Meine Erfahrung zeigte mir, dass wenn ich solch vermeintlich schwierige Jugendliche kennen gelernt habe und durch gute Gespräche ihnen helfen und einen Weg aufzeigen konnte, diese Aggressivität nicht mehr nötig war.

Bei einem Jungen ging das sogar mal soweit, dass er in einem Gespräch über sein Verhalten sagte, dass er keine Freunde bräuchte. Ich sagte ihm, dass ich denke, dass er sehr wohl Freunde nötig hätte und sich diese wohl sicherlich auch sehr wünscht – aber er durch sein Verhalten nie und nimmer Freunde finden kann. Er brach daraufhin in Tränen aus, denn das war genau der Punkt. Er wollte gar nicht so sein – sondern wollte echte Freunde haben.

Wie Eingangs erwähnt: die Aggressivität ist ein Hilfeschrei von Jugendlichen, die aufgrund ihrer Geschichte es so gelernt haben auf sich aufmerksam zu machen, oder Ihre Unsicherheit, ihre Angst durch ihr aggressives und obercooles Gehabe verstecken wollen. Diese Jugendlichen wollen angenommen werden, wollen ernstgenommen werden und suchen verlässliche Freunde. In der Jugendarbeit haben wir da viele Möglichkeiten, solche Jugendlichen zu unterstützen und zu helfen. Wir müssen uns nur darauf einlassen können – auch wenn es nicht einfach ist – und es den einen oder anderen Rückschlag geben wird.


Von einem Seitenbesucher erhielt ich diese Frage:

Was wenn es sich um ein Kind handelt, welches sich einfach nicht so verhält und es nicht gelingt einen Zugang zu bekommen. Wenn dieses Kind alle terrorisiert, Haus und Auto in Brand steckt? Du versuchst Dein möglichstes um dieses Kind, diesen Jugendlichen zu erreichen und im harmlosesten Fall spuckt es Dich nur an. Oder reißt an Deinen Haaren und knallt Deinen Kopf an die Wand so lange es kann. Dann rufst Du die Polizei und was passiert? Eine kleine Ermahnung oder Verwarnung – und in ein paar Stunden geht’s grad so fort. Was soll man dann unternehmen?

In der Tat eine schwierige Frage und ein hier stößt jeder an seine Grenzen, vor allem dann, wenn man ehrenamtlich tätig ist. Da hilft dann für den Selbstschutz nur noch Hausverbot erteilen. Solche gewalttätigen Jugendlichen müssten eigentlich in eine besondere Therapie mit professioneller Begleitung geschickt werden. Leider fehlt dem Jugendamt oft das Geld um solche Jugendliche in eine entsprechende Psychiatrie bzw. Jugendhilfeeinrichtung zu geben. Billiger ist es nichts zu tun und die Kinder bzw. Jugendlichen bei den Eltern zu belassen, die aber auch mit der Situation überfordert sind.

Ein anderer schrieb:
Ich bin ein großer Befürworter von Boot Camps für junge Menschen. Die Kinder, mit denen ich gearbeitet habe, man könnte fast sagen, waren alle nicht sozialisiert. Und bevor 3 von denen in einem Haus zusammenleben können, müssen sie einfach grundlegende Dinge lernen. Ein bissel im Zelt leben und ein bissel unbequem leben hat noch keinem geschadet. Smartphones und Facebook – good bye für ein paar Wochen und sich einfach auf das Wesentliche konzentrieren. Wenn ich vergessen habe einen Dosenöffner mit zu bringen, kann ich nicht essen. Wenn ich mich aber wie ein Verrückter aufführe, wird mir keiner einen Dosenöffner borgen. Manche Kids müssen diese Erfahrungen erst machen.

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