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Mobbing bei Kindern & Jugendlichen

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Mobbing bei Kindern & Jugendlichen | ©: stefanolunardi - Fotolia

Wir alle kennen aus unserer Kindheit die Situation, dass wir andere ärgerten oder auch selbst von Gleichaltrigen geärgert wurden. Das gehört zu jeder Kindheit und wird sicherlich keine gravierenden Auswirkungen auf das spätere Leben gehabt haben.

Doch wo hört einfaches Ärgern auf, und wo fängt Mobbing an?

Im Grunde ist diese Frage recht einfach zu beantworten. Mobbing bei Kindern und Jugendlichen beginnt dort, wo es Spuren hinterlässt, die im schlimmsten Fall für das ganze restliche Leben haften bleiben. Leider kann dies von Außenstehenden oft nicht früh genug erkannt werden, und die betroffenen Kinder und Jugendlichen schämen sich häufig, über die Ungerechtigkeiten zu sprechen, die ihnen angetan werden. Oder trauen sich nicht aus Angst vor weiteren Mobbingaktionen darüber zu sprechen. Schließlich gilt in der Gesellschaft: Wer gemobbt wird ist schwach und hat Unzulänglichkeiten, welche die Anderen nicht haben.

Es ist allerdings essentiell wichtig, Mobbing so früh wie möglich zu erkennen, um dann entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Und diese Gegenmaßnahmen müssen sorgsam geplant und durchgeführt werden, wenn das Ganze nicht noch schlimmer werden soll. Aufklärung und Anleitung tun in diesem Fall also unbedingt Not.

Wie Sie Mobbing bei Ihrem Kind erkennen

Kinder und besonders Jugendliche sind sehr gut darin, ihnen unangenehme Dinge vor den Eltern und anderen Erwachsenen zu verstecken. Zu diesen unangenehmen Dingen gehört auch Mobbing. Es ist daher eine besondere Sensibilität erforderlich, um möglichst frühzeitig zu erkennen, dass ein Kind gemobbt wird. Achten Sie insbesondere auf selbst gewählte Isolation. Kinder und Jugendliche, die gemobbt werden, ziehen sich zurück – oft auch von Personen, die damit gar nichts zu tun haben. Ein Zeichen könnte also sein, wenn Ihr Kind plötzlich Freundschaften aufgibt, darüber nicht reden möchte und sich stattdessen in seinem Zimmer verkriecht, übermäßig am Computer spielt etc.

Auch übermäßige Niedergeschlagenheit, depressives und/oder aggressives Verhalten kann ein Symptom für Mobbing bei Kindern und Jugendlichen sein. Jede Seele verarbeitet ein solches Problem anders, daher ergibt sich eine Vielzahl verschiedener Ausprägungen, welche sich dann nach außen hin zeigen.

Es sind jedoch nicht nur seelische Veränderungen sowie Veränderungen im alltäglichen Verhalten, die auf Mobbing aufmerksam machen können, sondern auch körperliche Symptome. Dazu gehören beispielsweise Schlafmangel und Essstörungen. Wenn Ihr Kind grundsätzlich gesund ist, immer gut geschlafen bzw. gegessen hat und plötzlich in diesen Bereichen Störungen auftreten, sollten Sie der Ursache auf den Grund gehen. Gleiches gilt bei Konzentrationsstörungen sowie allgemeinem schulischen Leistungsabfall. Kinder, die immer gute Noten mit nach Hause brachten und plötzlich in der Schule stark nachlassen, sollten mit erhöhter Aufmerksamkeit bedacht werden, um das dahinter stehende Problem möglichst schnell zu erkennen. Teilweise entwickeln sich aus diesen körperlichen Symptomen auch chronische Erkrankungen, zum Beispiel chronische Kopf- oder Magenschmerzen. Wird die Ursache dafür jedoch schnell genug erkannt, kann ein chronischer Verlauf bei richtiger Behandlung in der Regel noch vermieden werden.

Wie Eltern reagieren sollten, wenn ihr Kind gemobbt wird

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Mobbing bei Kindern | ©: Ilike - Fotolia

Wenn Eltern erkennen, dass ihr Kind gemobbt wird, kommt in vielen Fällen erst einmal ein Gefühl von Wut und Hilflosigkeit auf. Wichtig ist, nicht kopflos zu reagieren und das Ganze mit drastischen Mitteln unterbinden zu wollen. Solche Unternehmungen gehen oft nach hinten los.

Suchen Sie zunächst mit dem betreffenden Kind bzw. Jugendlichen das Gespräch. Oftmals hilft Reden bereits sehr viel, der Betroffene bekommt dadurch den Eindruck, den Ballast von seiner Seele abwerfen zu können. Machen Sie Ihrem Kind unbedingt klar, dass Sie immer hinter ihm stehen und es unterstützen werden. Gerade beim Mobbing wird das Selbstwertgefühl oftmals so weit beeinträchtigt, dass der Betroffene jede Hilfe und Unterstützung dringend benötigt. Versuchen Sie herauszufinden, durch welche Umstände das Mobbing bei Ihrem Kind verursacht wird, geben Sie ihm jedoch niemals die Schuld an diesen Umständen.

Nach den ersten Gesprächen mit dem Kind ist es wichtig, die weitere Vorgehensweise genau zu planen. In den meisten Fällen hilft es nichts, sich die Mobbing-Täter persönlich vorzuknöpfen. Im Endeffekt wird dies Ihrem Kind nur noch mehr schaden, da dadurch die Mobbingattacken verstärkt werden. Wesentlich besser ist es, dritte Parteien und Einrichtungen anzusprechen. Dazu gehören beispielsweise Lehrer oder auch die Schulleitung. Hier wird man unter Umständen versuchen, das Problem herunterzuspielen und die Schuld Ihrem Kind in die Schuhe zu schieben. Akzeptieren Sie dies auf keinen Fall und drohen Sie mit entsprechenden Konsequenzen, wenn nichts gegen das Mobbing unternommen wird.

Der Schulleitung und den Lehrern obliegen eine Aufsichtspflicht sowie die Verpflichtung, stets für das Wohl der Schüler zu sorgen. Kommen sie dieser Aufgabe nicht nach, können sie dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Helfen alle Gespräche und Forderungen nichts, kann als letzter Ausweg ein Schulwechsel in Betracht gezogen werden.

Professionelle Hilfe bei Mobbing

Trotz aller Tipps und Strategien – auch der hier vorgestellten – schaffen es viele Eltern nicht, die nötigen Gegenmaßnahmen und Hilfestellungen im Falle des Mobbings ihrer Kinder zu leisten. In diesem Fall muss professionelle Hilfe her. Doch an wen soll man sich wenden? Hier einige Tipps und Adressen:

  • In vielen Regionen Deutschland – teilweise auch überregional – gibt es mittlerweile sogenannte „Mobbing-Telefone“. Dies ist der schnellst und einfachste Weg, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Vorsicht: Teilweise arbeiten diese kommerziell, in einem solchen Fall sollten Sie zunächst die Kosten für das Gespräch erfragen.

  • Hilfe im Rahmen einer Telefonseelsorge wird auch vielfach von den Kirchen angeboten. Vorteil: hier ist die Beratung fast immer kostenlos. Infos gibt es z. B. unter: www.mobbing-kontakt-stelle.de

  • Über ganz Deutschland verteilt gibt es gemeinnützige Vereine, die Beratung und Hilde im Fall von Mobbing anbieten. Die entsprechenden Adressen lassen sich unter Eingabe der Suchwörter „Mobbing Hilfe“ im Internet leicht finden.

  • Inzwischen haben sich zahlreiche Selbsthilfegruppen von Mobbingopfern gegründet. Auch hier erhält der Betroffene Beratung und Hilfe. Erste Infos unter: NAKOS Nationale Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen, Albert-Achilles-Str. 65, 10709 Berlin-Wilmersdorf, Tel.: 030/603 74 53

  • Schließlich bleibt auch noch der Gang zum Psychologen bzw. Psychotherapeuten. Diesbezügliche Adressen in ganz Deutschland halten sowohl Selbsthilfegruppen als auch Vereine bereit.

Kann man präventiv gegen Mobbing vorgehen?

Grundsätzlich sind Präventionsmaßnahmen gegen Mobbing schwierig umzusetzen. Mobbing beginnt meistens im Stillen und breitet sich langsam und unerkannt aus. Es stellt somit einen schwierigen Gegner dar. Trotzdem ist es insbesondere Lehrern und Schulen anzuraten, geeignete Präventionsmaßnahmen gegen Mobbing durchzuführen. Dazu gehören beispielsweise Diskussionen innerhalb der Klassengemeinschaft sowie Aufklärung über die schlimmen Folgen von Mobbing anhand von Büchern, Filmen und Zeitungsartikeln.

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Mobbing Opfer | ©: petrabarz - Fotolia

Wird den Kindern und Jugendlichen deutlich gemacht, wie drastisch die Auswirkungen von Mobbing ausfallen können (zum Beispiel Sucht, Depressionen, Selbstmord etc.), ergibt sich dadurch in der Regel eine negative Prägung, wodurch die so geprägten Kinder und Jugendlichen in der Folge Mobbing viel seltener betreiben. Leider haben längst noch nicht alle Schulen in Deutschland diesen Umstand erkannt und entsprechende Präventionsmaßnahmen gegen Mobbing in ihren Unterricht aufgenommen.

Fazit:

Kaum ein anderer Problembereich bei Kindern und Jugendlichen ist so schwierig zu erkennen und zu behandeln wie das Mobbing. Von der Gesellschaft und oftmals auch von Lehrern bzw. Schulen heruntergespielt, können sich daraus Probleme entwickelt, die ein Leben lang anhalten und dieses sogar aktiv bedrohen. Trotzdem ist Mobbing immer noch ein Tabuthema. Diesbezüglich sind insbesondere Lehrer und Schulen dazu aufgerufen, aktiv Prävention zu betreiben. Die Eltern dagegen sind oft machtlos und auf professionelle Hilfe angewiesen.

Wie können wir Mobbing in unseren Gruppen erkennen und verhindern?

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Mobbing bei Jugendlichen | ©: shootingankau - Fotolia

Bei einer wöchentlich stattfindenden Gruppenstunde werden wir dem Thema Mobbing nur sehr eingeschränkt begegnen. Trotzdem können wir beobachten, dass das ein oder andere Kind bzw. Jugendliche von anderen besonders gehänselt wird. Das erfolgt meist in unbeobachteten Augenblicken vom Jugendleiter (genauso wie oft auch in der Schule vor dem Lehrer), so dass es – falls das Kind sich an den Jugendleiter wendet es zunächst schwierig sein wird, herauszufinden was an der Sache dran ist.

Auf Ferienfreizeiten wird es uns mehr möglich sein Hänseleien bzw. Mobbing zu beobachten.

Daher kann nur der Tipp gegeben werden Augen und Ohren offen zu halten. In Gesprächen und Bemerkungen der Kids untereinander ergibt sich recht bald das ein oder andere Bild. Fügt sich alles zu einem Bild zusammen dann sollte der Jugendleiter ein klärendes Gespräch mit der Gruppe führen, genauso der Lehrer mit der Klasse.

Es geht ja darum den Kids ihr Tun vor Augen zu führen. Niemand der Kids möchte doch selbst gemobbt werden. Mobbing bedeutet Ausschluss, bedeutet „nicht akzeptiert zu werden“, bedeutet „Du gehörst nicht dazu“. Ich denke die Kids können sich sehr gut vorstellen so was nicht selbst erleben zu wollen.

Ich habe es selbst einmal mit einem Jugendlichen zu tun gehabt, der nicht mehr in die Schule gehen und die Schule wechseln wollte, weil die Klasse ihn als Mobbingopfer gerade auf dem Kieker hatte. Dabei war er es noch vor kurzem, dem es riesig Freude gemacht hat, andere Klassenkameraden nieder zu machen.

Letztendlich hat sich das zum Glück wieder eingerenkt – auch weil ich dem Jungen erst mal sein eigenes Verhalten aufzeigen konnte und zweitens ihm den Rat gegeben habe sich nicht von den Attacken der anderen beeindrucken zu lassen. Klar das erfordert etwas „Stand“ und genügend „Selbstvertrauen“ – aber in diesem Fall hat es geholfen und nicht immer ist es so einfach.

Der Jugendleiter sollte auf jeden Fall den Kids in einem Gespräch deutlich machen, dass „Mobbing nicht geduldet“ wird. Jeder, der sich hier in der Gemeinschaft der Gruppe befindet soll sich so verhalten, dass der andere in seiner Person geachtet wird. Mobbing ist unsozial – und wir wollen in unseren Gruppen das soziale Verhalten üben und lernen. Dabei ist es egal, ob der andere sportlich oder unsportlich, hübsch oder hässlich, klein oder groß, dick oder dünn ist, gut oder weniger gut in der Schule ist.

Mit dem Mobbingtäter hilft vielleicht auch ein Gespräch in die Richtung, dass man ihm klar macht, dass sein Verhalten unakzeptabel und unsozial ist. Vielleicht ist es auch ein „Verstecken seiner eigenen Schwäche, Unsicherheit und Angst“, die er am anderen auslassen will. Man kann dem Jugendlichen/dem Kind sagen, dass man ihn/es sehr gern hat, aber so ein Verhalten dem anderen gegenüber nicht in der Gruppe dulden kann.

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