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Probleme in der Pubertät

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Stressfaktor Pubertät | ©: Teteline - Fotolia

Die Pubertät – eine der schwierigen Phasen im Leben jedes Menschen. Der Begriff „Pubertät“ (aus dem Lateinischen „pubertas“ = Geschlechtsreife) bezeichnet die Übergangsphase von der Kindheit zur Geschlechtsreife, und somit zum Erwachsenwerden. Diese Übergangsphase ist geprägt von vielen Veränderungen im Leben. Beginnend von der Abnabelung von den Eltern, über die eigene Identitätsfindung bis zum Einnehmen eines festen Platzes in der Gesellschaft – Kinder bzw. Jugendliche in der Pubertät stehen vor vielen Herausforderungen.

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Pubertät und die Sexualität | ©: Andrey Popov - Fotolia

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Pubertät: Stress mit den Eltern | ©: emese73 - Fotolia

Kein Wunder, dass es im Laufe der Pubertät bei fast jedem Kind zu Problemen kommt. Einige davon sind völlig normal und verschwinden von selbst wieder, andere bedürfen jedoch professioneller Hilfe, da sie der Betroffene selbst nicht mehr bewältigen kann.

Welche konkreten Probleme können bei Kindern und Jugendlichen in der Pubertät auftreten?

Eine große Herausforderung für die Eltern ist es, den Kindern einerseits genug Freiraum zu lassen, um sich abnabeln zu können, andererseits diesen aber das Gefühl zu geben, bei Bedarf immer auf Vater und Mutter zählen zu können. Hier ist viel Feingefühl notwendig.

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Pubertät | ©: Petra Fiedler - Fotolia

Kinder wollen erwachsen werden

Weiterhin neigen Kinder in der Pubertät dazu, regelrechte Machtkämpfe mit den Eltern auszufechten und deren Autorität ständig in Frage zu stellen. Verbunden mit der oftmals schlechten Laune des Nachwuchses, bedingt durch das schier unbeherrschbare Gefühlschaos, ergibt sich daraus eine explosive Mischung, die für viel Zündstoff sorgt.

Sexualität und die erste große Liebe

Fast immer ist die Pubertät auch mit der ersten (großen?) Liebe verbunden. Als wäre die hormonelle Umstellung nicht schon genug, kommt dann auch noch das Liebeschaos hinzu. Und nicht nur das: Auch die Sexualität beginnt plötzlich eine wichtige Rolle zu spielen – mit allen angenehmen und unangenehmen Folgen.

Stimmungschaos in sich selbst

Und schließlich können sich im Laufe der Pubertät auch depressive Verstimmungen oder sogar Depressionen bilden, insbesondere bei Mädchen. Dabei sollten die Eltern sehr wachsam sein. Wenn die Situation zu extrem wird oder nicht von selbst wieder zurückgeht, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.

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Pubertät: seelische Entwicklungen & Erfahrungen
©: ***SALAUYOU YURY*** - Fotolia

Für die Eltern besonders unangenehm ist, dass die hier beschriebenen Probleme oft auch noch mit dem Abfall schulischer Leistungen einhergehen. Das bedeutet: Baustellen an allen Ecken und Enden!

Wie sollten sich Eltern bei den typischen Problemen mit ihren pubertierenden Kindern verhalten?

  • Bei Konflikten gelassen bleiben

    Wenn es der Nachwuchs mal wieder darauf anlegt, Konflikte zu provozieren und sich „an den Eltern zu reiben“, sollten diese unbedingt gelassen bleiben. Zeigen Sie Souveränität und bilden Sie den ruhigen, überlegten Part! Dann wird Ihrem Kind bald die Lust auf Provokationen vergehen.

  • Klare Abmachungen treffen

    Gerade in turbulenten Zeiten wie der Pubertät sind klare Regeln und Abmachungen wichtig. Allerdings stoßen Sie damit bei Ihrem Kind oft nicht gerade auf Gegenliebe. Wichtig ist: Bestehen Sie auf die Einhaltung der Regeln, ohne Wenn und Aber. Gleichzeitig sollten aber nicht zu viele Regeln aufgestellt werden, um die „Anzahl der Schlechtfelder“ überschaubar zu halten.

  • Verständnis zeigen

    Denken Sie daran: Auch Sie waren einmal in der Pubertät – und haben Ihren Eltern wahrscheinlich ähnliche Probleme bereitet, wie Ihnen Ihre Kinder heute. Bemühen Sie sich daher, Verständnis zu zeigen und nachsichtig zu sein. Dadurch entsteht auch weniger Konfliktpotential.

  • Nicht klammern

    Auch wenn Sie Ihr Kind für den gesamten Zeitraum der Pubertät am liebsten in seinem Zimmer einschließen würden: Klammern bringt nichts. Der bzw. die Pubertierende braucht Freiraum, um den Prozess der Identitätsfindung erfolgreich durchlaufen zu können. Lassen Sie Ihrem Kind also den dazu nötigen Freiraum – natürlich innerhalb der festgelegten Grenzen.

  • Vermitteln Sie Ihrem Kind Selbstwertgefühl

    Kinder und Jugendliche müssen lernen, auch mit Kritik umgehen zu können. Der leichteste Weg zu diesem Ziel besteht darin, dem Kind ein gesundes Selbstwertgefühl zu vermitteln. Das erreichen Sie durch ehrliches Lob und entsprechende Anerkennung der Fähigkeiten und Talente des Kindes.

Wo finden Eltern professionelle Beratung bei ernsthaften Problemen ihrer Kinder in der Pubertät?

An dieser Stelle noch einige Adressen unterschiedlicher Beratungsstellen, welche teilweise ausschließlich Beratungen für die Eltern anbieten, zum Teil aber auch für die Kinder und Jugendlichen selbst.

www.profamilia.de – Der deutschlandweite Verbund für Beratungsstellen im Bereich Sexualpädagogik bietet vielfältige Beratungsangebote, sowohl für die Eltern als auch für Kinder / Jugendliche.

www.onlineberatung-caritas.de/ - Caritas steht für den Wohlfahrtsverband der römisch-katholischen Kirche. Onlinehilfe und Verweise zu regionalen Gruppen in ganz Deutschland. Hilfsangebote für betroffene Eltern und Kinder.

www.aok.de – Stellvertretend für verschiedene Krankenkasse hier der Verweis zur Webseite der AOK. Die Krankenkassen bieten sowohl Online-Hilfe als auch Beratungsangebote in den einzelnen Geschäftsstellen vor Ort.

Weitere Hilfsangebote finden sich über die Jugendämter in der jeweils nächstgrößeren Stadt. Teilweise bieten auch Volkshochschulen Kurse und Beratungen zur Pubertät an.

Was sollten Jugendbetreuer/Gruppenleiter im Umgang mit Pubertierenden beachten?

Grundsätzlich gelten die hier beschriebenen Tipps und Regeln auch für Jugendbetreuer und Gruppenleiter. Allerdings kann es in Jugendgruppen verstärkt zu Problemen kommen, da der Leiter einerseits weniger Einfluss auf den Einzelnen hat, andererseits sich die Kinder in der Gruppe viel stärker fühlen. Daher gilt hier besonders: Cool bleiben und sich nicht provozieren lassen.

Auf der anderen Seite gilt: Gruppenleiter können zu Vertrauenspersonen für pubertierende Jugendliche werden, da sie als neutrale Person von einem Konflikt zwischen Kindern und Eltern ausgenommen sind. Nutzen Sie diese Chance, denn so entsteht ein harmonisches und vertrauensvolles Miteinander. Werden Sie zum „Berater“ der Gruppe und jedes einzelnen Mitglieds. Dazu gehört selbstverständlich auch, auf die Wünsche und Vorstellungen der Gruppe bzw. der Gruppenmitglieder bestmöglich einzugehen. So schaffen Sie Freiheit, verlieren aber nicht die Kontrolle.

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Pubertät | ©: XtravaganT - Fotolia

Programmangebote

Die Jugendarbeit mit Teenagern im pubertierenden Alter von 12-17 ist eine andere, als mit Kindern, die noch jünger sind. Waren früher Spielabende der Renner, so können sich manche Jugendliche nicht mehr so ganz allein nur für Spielabende begeistern lassen. Das Rumhängen, aber auch Gespräche untereinander, oder mit der Gruppe über typische Themen, die die Jugendlichen beschäftigen sind plötzlich möglich. Die Jugendlichen suchen Orientierung, wollen aber auch nicht mehr „gegängelt“ werden, wollen selbst entscheiden wollen. Daher ist es wichtig, dass man die Jugendliche wie Erwachsene behandelt – auch wenn sie das noch nicht sind. So wie ein Kleinkind hat Laufen lernen (und ist sicherlich ein paar Mal auf dem Hosenboden gelandet), so müssen die Jugendlichen auch ihre ersten Erfahrungen mit dem Erwachsenenleben machen. Die körperliche Entwicklung, die sexuelle Reife geht einher mit einer großen Unsicherheit was das eigene und fremde Geschlecht angeht.

Die seelische Entwicklung führt zu Stimmungsschwankungen – gegenüber den Eltern, gegen sich selbst und anderen. Der Jugendliche kann himmelhoch jauchzend sein, aber auch zu Tode betrübt. Die ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht werden gemacht – und manchmal, oder auch oft führt dies zu rasanten Berg- und Talfahrten, die den Jugendlichen überfordern. Schon manchen Jugendlichen haben diese ersten Erfahrungen bzw. Enttäuschungen aus dem Gleichgewicht gebracht. Was früher die Eltern für einen geregelt hatten muss der Jugendliche nun alles selbst ertragen und damit fertig werden. Die körperliche, sexuelle Entwicklung, die seelischen Veränderungen – alles prasselt auf den Jugendlichen herein.

Da ist es gut, wenn dieser in der Jugendgruppe einen Raum erhält, wo er ernst genommen wird, wo er im Jugendleiter(in) einen Zuhörer findet, Vertrauenspersonen findet, Orientierung findet. Der/die Jugendleiter(in) ist dann oftmals nicht mehr Programm-Manager, sondern avanciert zum Seelsorger, zur Vertrauensperson.

Gespräche mit der Jugendgruppe über Themen wie Liebe & Vertrauen, der Umgang miteinander, über Enttäuschungen, über das Erwachsen-Werden und die vielen Problemchen am Wegesrand sind da hilfreiche Angebote – und plötzlich auch interessant. Kann sein, dass das ein oder andere Thema von den Jugendlichen noch nicht ganz so ernst genommen wird – kann aber auch deren Unsicherheit ausdrücken.

Aber auch thematische Spielabende wie Vertrauensspiele, oder Kooperationsspiele mit anschließender Reflexion sind ganz interessant in diesem Alter.

Zeit nehmen, ernst nehmen

Ich habe Jugendleiter gekannt, die haben sich keine Zeit genommen und waren gleich wieder nach der Gruppenstunde weg. Ich habe Jugendleiter gekannt, die haben die Kids als „die lieben Kleinen“ bezeichnet – was ja nichts anderes ausdrückt, dass man diese nicht auf selber Augenhöhe sieht und ganz ernst nehmen kann oder will. So etwas spüren die Jugendlichen – und da kann sich auch kein Vertrauensverhältnis entwickeln. Jugendarbeit ist Beziehungsarbeit und kann sich nur entwickeln, wem es gelingt Beziehungen zu Jugendlichen aufzubauen. Gerade in der Zeit der Pubertät ist das wichtig. Meistens gibt es bei den Kids zuhause stress mit den Eltern. Die Kids fühlen sich nicht mehr verstanden und fühlen sich eingeengt. Da ist es hilfreich, wenn sie auf Jugendleiter(innen) stoßen, die in offenes Ohr haben und zuhören können, oder die Nöte erkennen.

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