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Jugendliche auf der Suche nach Identität

„Nicht Fisch, nicht Fleisch“ – diesen Spruch kennen wir alle. Und er steht bezeichnend für eine Phase im Leben, die wir wohl alle als sehr schwierig empfinden bzw. empfunden haben. Die Rede ist von der sogenannten Adoleszenz - bei uns besser bekannt als Pubertät. Gemeint ist damit also der Übergang von der Kindheit ins Erwachsenenalter, wobei der wissenschaftliche Fachbegriffe Adoleszenz die gesamte Phase von der späten Kindheit bis hin zum jungen Erwachsenen umfasst, die Pubertät dagegen nur die Übergangsphase insbesondere der geschlechtlichen Entwicklung.

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Lebensziele | ©: angiolina - Fotolia

Doch ganz so wissenschaftlich soll es hier nicht werden. Wir wollen uns vor allem mit der Frage beschäftigen, warum die Suche nach der eigenen Identität in dieser Phase so schwierig ist, bzw. als so schwierig empfunden wird.

Zunächst einmal: Was ist überhaupt der tiefere Sinn des bekannten Spruches „Nicht Fisch, nicht Fleisch“? Der Volksmund meint damit, dass der Jugendliche nicht wirklich selbst definieren kann, wo er im Leben steht. Dies bezieht viele verschiedene Bereiche des Lebens mit ein. Zusammenfassend kann man sagen: Junge Menschen in der Lebensphase der Pubertät sind auf der Suche nach ihrer eigenen Identität.

Schauen wir uns doch einmal an, welche Bereiche die Suche nach der Identität umfasst und wie sich die Suche in den einzelnen Bereichen bemerkbar macht. Dabei sind es insbesondere die Kontraste und Kontroversen, welche durch die beschriebene Suche entstehen, die es dem Heranwachsenden so schwer machen, mit der derzeitigen Situation zurechtzukommen.

Die Suche nach Aufmerksamkeit

Kinder bzw. Jugendliche in der Pubertät haben generell ein sehr großes Aufmerksamkeitsbedürfnis. Diese Aufmerksamkeit versuchen sie vor allem durch Einzigartigkeit zu generieren. Ganz deutlich wird dies am individuellen Stil der Kleidung, der Frisuren etc., der sich in der Phase der Pubertät nach und nach herausbildet. Trug das Kind bis zum Beginn der Pubertät noch ohne nachzufragen und ohne sich zu beschweren jene Kleidungsstücke, die die Eltern für es ausgesucht hatten, legt es in der Pubertät plötzlich viel Wert darauf gelegt, selbst zu entscheiden, wie man aussieht und was man anzieht.

Auf der anderen Seite steht die Konformität

Die im vorigen Absatz beschriebene Suche nach Aufmerksamkeit wäre an sich gar nicht das große Problem, wenn das Kind bzw. der Jugendliche in seiner Persönlichkeit schon so weit gefestigt wäre, dass es bzw. er seine Einzigartigkeit nach außen tragen könnte, ohne dabei Rücksicht auf die Meinungen und die Sichtweisen anderer Menschen nehmen zu müssen. Doch genau dies ist in der Phase der Pubertät eben noch nicht gegeben. Im Gegenteil: Pubertierende orientieren sich sehr stark an den Einstellungen, dem Aussehen und den Äußerungen Gleichaltriger, auch wenn diese naturgemäß vor dem gleichen Problem wie sie selbst stehen. Konkret bedeutet das: Jeder möchte seine Einzigartigkeit in Form von Kleidungsstil, Meinung und Ansichten, Verhalten usw. zum Ausdruck bringen, gleichzeitig aber auch in der Gemeinschaft der Gleichaltrigen als vollwertiges Mitglied akzeptiert werden.

Selbstbewusstsein und Mutproben

Um die eigene Einzigartigkeit darzustellen und gleichzeitig von Gleichaltrigen anerkannt zu werden, eignet sich (nach Meinung und Erfahrung des Pubertierenden) am besten ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein in Verbindung mit immer wieder vollführten Mutproben, die das Ansehen bei anderen entsprechend anheben. Dabei gilt: Je geringer das Selbstbewusstsein von Haus aus ausgeprägt ist, desto ausgefallener und riskanter müssen die Mutproben sein, um die gewünschte Anerkennung bei anderen zu erzielen. Das Problem in diesem Zusammenhang besteht darin, dass Pubertierende das eigene Selbstbewusstsein noch nicht wirklich kategorisieren können, wodurch sie oft der Meinung sind, quasi „unverwundbar“ zu sein. Gerade im Bereich der Drogenabhängigkeit spielt dieser Faktor eine große Rolle und ist der ausschlaggebende Grund dafür, warum gerade im pubertären Alter der Einstieg in eine Drogensucht häufig beginnt.

Was können Eltern in diesem Zusammenhang tun?

Alle Eltern fürchten sich davor, dass ihr Kind sich Gefahren selbst aussetzt und dabei eventuell verhängnisvolle Fehler begeht. Um dem entgegenzuwirken, sollte dem Kind innerhalb der Familie ein starker Rückhalt geboten werden. Dies wirkt sich wiederum auf das Selbstbewusstsein aus. Es ist nachgewiesen, dass Kinder mit entsprechend starkem Rückhalt in der Familie durchweg selbstbewusster sind und sich somit weniger Gefahren aussetzen müssen, um bei anderen und insbesondere Gleichaltrigen anerkannt zu werden.

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Identitätssuche Jugendlicher | ©: Studio-54 - Fotolia

Die Orientierung an Idolen

In der Phase der eigenen Identitätsfindung spielen jedoch nicht nur die Gleichaltrigen eine wichtige Rolle, sondern auch Vorbilder aller Art. Hauptgrund dafür sind die Veränderungen des äußeren Erscheinungsbildes, welche zwangsläufig mit der Pubertät einhergehen. Diese Veränderungen lösen Unsicherheit bei dem Betroffenen aus, so dass er entsprechende Vergleichsmöglichkeiten sucht, um zu erfahren, inwieweit die veränderten körperlichen Merkmale positiv oder negativ zu bewerten sind. Einerseits findet er diese Vergleichsmöglichkeiten bei Gleichaltrigen, die jedoch stets die gleichen Probleme haben. Daher eignen sich Vorbilder und Idole in dieser Lebensphase noch besser dazu, den eigenen Standpunkt zu bestimmen.

So vergleichen sich Jungs beispielsweise mit Helden aus Computerspielen oder Filmen und schauen genau hin, ob ihre Schultern schon genauso breit wie die des Vorbildes sind. Auch Mädchen vergleichen sich in dieser Art, hier sind es zum Beispiel die Topmodels, welche die Marschrichtung vorgeben. Ist die eigene Taille dann nicht so schlank wie die des bevorzugten Models, stellt sich zunächst einmal Enttäuschung ein.

Die extremen Auswirkungen der Annäherung an Idole

Je näher der Jugendliche dem medialen Erscheinungsbild seines Idols kommt, desto mehr Anerkennung wird er bei Gleichaltrigen finden und desto ausgeprägter wird sein Selbstbewusstsein sein. Daher streben nahezu alle Jugendlichen an, dem gewählten Idol so nah wie möglich zu kommen. Dies kann jedoch mitunter extreme Auswirkungen nach sich ziehen, die insbesondere die Eltern möglichst frühzeitig erkennen sollten, um entsprechend gegensteuern zu können.

Eine solche Auswirkung ist das Essverhalten von Jugendlichen in der Pubertät. Hier sind es insbesondere die Mädchen, die immer wieder durch ihr extremes Essverhalten auffallen. Um ihren Idolen, die meist aus Sängerinnen, Schauspielerinnen und Topmodels bestehen, möglichst nah zu kommen, versuchen Mädchen immer wieder, ihr Gewicht durch die entsprechende Ernährungsumstellung drastisch zu reduzieren. In der Folge können dann ernste Krankheiten wie Bulimie oder Magersucht entstehen, deren Behandlung viele Jahre in Anspruch nehmen kann.

Identitätsfindung und die Auswirkungen auf Beziehungen zwischen Kindern und Eltern

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Pubertät: Stress mit den Eltern | ©: emese73 - Fotolia

Naturgemäß hat die Findung der eigenen Identität bei Kindern bzw. Jugendlichen auch Auswirkungen auf das Verhältnis zu den Eltern. Der Pubertierende versucht, unabhängiger von seinen Eltern zu werden und lotet in diesem Zusammenhang immer wieder seine Grenzen aus. Somit wird auch das Verhältnis der Autorität zwischen Kindern und ihren Eltern immer wieder neu geordnet. Dabei geht es im Grunde immer um die gleichen Themen, zum Beispiel

  • Wie lange darf ich abends weggehen?
  • Welche Kleidung darf ich tragen?
  • Darf ich mir ein Piercing stechen lassen?
  • Warum muss ich mein Zimmer schon wieder aufräumen?
  • usw.

Da sich die Pubertierenden durch die Reglements der Eltern in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen, die Eltern aber wiederum das Verhalten des Kindes durch eine „moralische Linse“ betrachten, sind Interferenzen quasi vorprogrammiert. Hier gilt es, gewisse Regeln - geschrieben oder ungeschrieben - einzuhalten und so weit wie möglich Verständnis für den anderen aufzubringen, was sich wiederum in fairen Kompromissen äußern kann.

Wann ist die eigene Identität gefunden?

In der Entwicklungspsychologie wurden verschiedene Merkmale festgelegt, an den zu erkennen ist, dass ein junger Mensch seine eigene Identität gefunden bzw. weitgehend gefunden hat. Diese Merkmale sind:

  • Eine festgelegte Berufswahl
  • Finden der passenden Religion
  • Einnehmen eines politischen Standpunkts
  • usw.

In der späten Pubertät treffen Jugendliche dann zunehmend eigene, verbindliche Entscheidungen, und dies in nahezu allen Bereichen ihres Lebens. Auch daran ist zu erkennen, dass sich die eigene Identität gefestigt hat bzw. gefunden wurde. Allerdings hängt der Prozess der Identitätsfindung von vielen verschiedenen Faktoren ab, von denen wir im Rahmen dieses Artikels nur die wichtigsten beschreiben konnten. Der Prozess kann sich also immer wieder anders gestalten und auch immer wieder verschiedene Zeiträume in Anspruch nehmen.

Jugendarbeit – wichtig für die Jugendlichen

Das Einüben von sozialen Fähigkeiten, das Miteinander, das Gespräch über Probleme und die Unterstützung in der Meinungsfindung sind wichtige Aspekte in der Jugendarbeit, die den Jugendlichen in ihrer Identitätsfindung unterstützen. Je wohler und angenommener sich die Jugendlichen in einer Jugendgruppe fühlen, desto ruhiger können sich diese entwickeln und ein positives Miteinander entwickeln. Der Jugendleiter hat also eine wichtige Aufgabe in der Begleitung seiner Gruppenmitglieder.

Auf der anderen Seite muss der Jugendleiter aber auch wissen, dass sich in der Phase der Identitätsfindung der Jugendliche auch wieder schnell umorientieren kann, das heißt, sich anderen Themen und Gruppierungen anschließen wird.

Gerade in der christlichen Jugendarbeit verändert sich das religiöse Weltbild. Der kindliche Glaube wird ersetzt durch eine eigene Glaubensvorstellung, durch eine eigene Wertevorstellung, sowie die Suche nach Orientierung und Halt.

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