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Moral: Was ist das? Wie entwickeln sich Moralvorstellungen?

„Und die Moral von der Geschicht …“ - so enden die mit Abstand meisten Märchen. Damit soll als Schlusswort noch einmal ausgedrückt werden, was quasi zwischen den Zeilen des Märchens zu lesen ist, welche Grundaussage die Geschichte macht.

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Moralpredigt | ©: Sandy Schulze - Fotolia

Doch was ist überhaupt Moral? Wo kommt sie her, wie entwickelt sie sich und warum haben wir ganz bestimmte Moralvorstellungen?

Um diese Fragen beantworten zu können, schauen wir uns zunächst an, wie die Moral in der Wissenschaft definiert wird. Es handelt sich hierbei um eine Sammelbezeichnung für die ethischen und sittlichen Normen des menschlichen Handelns. Dies hört sich zunächst etwas kompliziert an, lässt sich bei genauerem Hinsehen allerdings relativ leicht auf einen Nenner bringen. Normen sind gesellschaftliche bzw. ethische Vorgaben, nach denen ein Mensch handelt. Fasst man all diese Normen zusammen, so entsteht daraus der Begriff Moral. Ergo sind die sogenannten Moralvorstellungen genau jene Normen, die man sich bei anderen Menschen für deren Handeln wünscht.

Schauen wir uns nun das Ganze etwas detaillierter an. Die Normen sind sozusagen die Grundbausteine für den Aufbau einer Moral innerhalb einer Gemeinschaft. Das bedeutet: Die jeweilige Moral kann von Gemeinschaft zu Gemeinschaft durchaus sehr stark abweichen. Unter einer Gemeinschaft kann man in diesem Fall beispielsweise die Bevölkerung eines Landes verstehen, aber auch die Angehörigen einer bestimmten Religion oder - in kleinerem Rahmen - die Mitglieder einer Familie und sogar die Partner einer Partnerschaft.

Die Moral wird also jeweils innerhalb einer Gemeinschaft definiert und gilt nicht für alle Menschen gleichermaßen. Zudem spielen viele verschiedene Faktoren in die Bildung der Moral einer Gemeinschaft hinein. Dazu gehören persönliche Faktoren, zum Beispiel selbst festgelegte Normen und Motive, aber auch Faktoren aus dem direkten und dem weiteren Umfeld, z. B. der Familie, der Kirche, des Arbeitgebers usw.

Wie entsteht Moral und wie entwickelt sie sich?

Zunächst stellt sich in diesem Zusammenhang eine grundsätzliche Frage: Ist die moralische Entwicklung eines Menschen überhaupt irgendwann abgeschlossen?

Bevor diese Frage beantwortet werden kann, wollen wir uns zunächst damit beschäftigen, wann die moralische Entwicklung bei einem Menschen beginnt und welchen Verlauf sie nimmt. Diverse wissenschaftliche Studien belegen mittlerweile, dass die moralische Entwicklung beim Heranwachsen eines Menschen unterschiedlicher Stadien durchläuft. Dabei sind drei Stadien inzwischen allgemein anerkannt

1. Stadium: Der moralische Realismus

Die erste Begegnung mit Normen und entsprechenden Moralvorstellungen macht ein Mensch in der Regel um das 4. – 5. Lebensjahr herum. Obwohl es verpflichtende Normen bereits seit seiner Geburt um ihn herum gibt, nimmt er sie in dem genannten Alter zum ersten Mal wirklich war. Um das Ganze noch etwas zu präzisieren: Zwar nehmen auch schon kleinere Kinder Regeln als Instrumente der Moral war, betrachten diese jedoch immer als Dogma, nicht als Kompromiss oder gar sinnvolle Einrichtungen.

Das Kind erkennt also ausschließlich Verbote, nimmt diese aber nicht als Instrumente war, mit denen eine bestimmte Moralvorstellungen umgesetzt werden soll. Aus diesem Grund wird die erste Stufe der moralischen Entwicklung auch als straf- und gehorsamsorientierte Phase bezeichnet. Es geht hier also nicht um den tieferen Sinn und die Moral dahinter, sondern das Kind nimmt lediglich die Möglichkeiten war, mit denen es den gegebenen Regeln begegnen kann. Entweder es übt sich in Gehorsam oder es erhält entsprechende Strafen. Die Moral wird in diesem Stadium von außen in Form von Regeln an das Kind herangetragen, sie entwickelt sich nicht in ihm selbst.

2. Stadium: Zweck- und Austauschorientierung

In dieser Phase spielen die Begriffe Individualismus, Austausch und Zielbewusstsein eine ausschlaggebende Rolle. Die Perspektive des Kindes verändert sich, es begreift sich als Individuum und versteht, dass Moral für jeden etwas anders definiert ist. Außerdem versteht das Kind, dass Moral einen bestimmten Zweck verfolgen kann. Sehr deutlich wird dies in Form von Rachegefühlen, die eigentlich einer Moral entgegenstehen, jedoch trotzdem eng mit ihr verbunden sind. So lässt der Mensch beispielsweise bestimmte Moralvorstellungen fallen, wenn er erkennt, dass ein anderer sie bei ihm ebenfalls nicht angewendet hat.

3. Stadium: Zunehmende soziale Orientierung

In der dritten Stufe schließlich zählen nicht mehr nur der eigene Individualismus, sondern auch die Interessen anderer, welche teilweise sogar über die eigenen Interessen gestellt werden. Bei den anderen kann es sich übrigens auch um eine größere Gruppe Menschen bis hin zu einer gesamten Gesellschaft handeln. Der Heranwachsende fragt sich, was die anderen über bestimmte Äußerungen, Einstellungen und Handlungen von ihm denken könnten. Dabei rückt die gesamte Gesellschaft mit sämtlichen Interessen, Rechten und Pflichten mit zunehmendem Alter immer mehr in den Vordergrund. Einige Wissenschaftler unterteilen die Entwicklung des 3. Stadiums nochmals in mehrere Einzelstufen, in denen es beispielsweise darum geht, die Interessen einer definierten Gruppe in den Vordergrund zu stellen und sich für andere verantwortlich zu fühlen.

Der Jugendliche bzw. junge Erwachsene erkennt im 3. Stadium, dass er der Gesellschaft einen bestimmten Nutzen erbringen muss, um den höchsten Moralvorstellungen zu entsprechen. Dabei werden die Rechte des Menschen über jene gesetzlich festgelegten Regularien gestellt, so dass das Gesetz in dieser Phase durchaus auch einmal übertreten werden kann, um bestimmte moralisch festgelegte Ziele zu erreichen. Ein Beispiel dafür sind die zahlreichen Tierrechts- und Menschenrechtsorganisationen, welche sehr großen Zulauf insbesondere von jungen Menschen im Alter von 15 bis 25 Jahren genießen. Genau in diesem Zeitraum befindet sich der junge Mensch in der Regel im 3. Stadium der moralischen Entwicklung mit dem bereits beschriebenen Verlauf.

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Ethik und Moral | ©: XtravaganT - Fotolia

Die Beeinflussung der moralischen Entwicklung durch Religionsunterricht

Leider nimmt der Religionsunterricht in unseren Schulen einen immer geringeren Stellenwert ein. Teilweise gibt es ihn überhaupt nicht mehr, in vielen Schulen kann er wahlweise abgewählt oder durch andere Fächer ersetzt werden. Dabei gilt es mittlerweile als wissenschaftlich erwiesen, dass der Religionsunterricht einen positiven Einfluss auf die moralische Entwicklung junger Menschen hat. Insbesondere die moralische Urteilsfähigkeit entwickelt sich mithilfe des Religionsunterrichts schneller und prägt sich nachweisbar stärker aus.

Antwort auf die alles entscheidende Frage

Zum Schluss kommen wir wieder zu der eingangs gestellten Frage, ob die moralische Entwicklung eines Menschen überhaupt zu einem bestimmten Zeitpunkt als abgeschlossen angesehen werden kann. Dazu müssen wir uns zunächst die Weiterentwicklung der Moral im Erwachsenenalter etwas näher anschauen.

Grundsätzlich gilt: Sowohl die Entwicklung der Moral in der Phase der Adoleszenz als auch die Weiterentwicklung im Erwachsenenalter sind von Mensch zu Mensch äußerst unterschiedlich. Des Weiteren gibt es Unterschiede in der Entwicklung der Moral zwischen Männern und Frauen. Dabei sind Frauen moralisch häufig weiter entwickelt als Männer. Auch zwischen den einzelnen Kulturen gibt es Unterschiede in der moralischen Entwicklung. So gelten beispielsweise im Islam wesentlich strengere moralische Vorstellungen als im Christentum und in anderen Religionen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass nach dem heutigen wissenschaftlichen Stand die Entwicklung der Moral bei Menschen auch im Erwachsenenalter noch nicht abgeschlossen ist. Er verfügt mit zunehmendem Alter über die Fähigkeit, Regeln zu hinterfragen und unter Umständen auch nach seinen Moralvorstellungen zu ändern. Somit ist die jeweilige Moral auch immer situationsabhängig und kann nicht verallgemeinert werden.

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Religion und Moral | ©: Slaweek - Fotolia

Das Leiden unter der Moral

Moralvorstellungen sind also entwickelt worden und verändern sich im Laufe der Zeit. Moralische Werte und Vorstellungen werden dem Kind, dem Jugendlichen von den Eltern bewusst, oder unbewusst vermittelt, von der Gesellschaft vorgegeben (Schule, Freunde, Bezugspersonen, Kirche, etc etc.), so dass sich daraus ein Korsett ergibt, in welchem das Kind, der Jugendliche, der Mensch sich befindet.

Sogenannte Moralapostel sorgen dafür, dass Moralvorstellungen eingehalten werden. Wenn nicht, dann führt das zu Konsequenzen. Strafe, Ausschluss (z.B. die Eltern sprechen nicht mehr mit dem Kind, das Kind/der Jugendliche wird von anderen gemieden, der Erwachsene wird ausgeschlossen, etc.) können mögliche Folgen sein. Die Angst vor dem Ausschluss, vor der Verurteilung, vor dem (moralischen) Fehler kann so groß sein, dass das Kind, der Jugendliche darunter leidet ja keinen Fehler zu begehen. Und wenn doch, dann plagen das Kind, den Jugendlichen, den Menschen Schuldgefühle. In solchen Augenblicken zählt eigentlich nicht mehr der Mensch in seinen (seelischen und psychischen) Nöten, sondern nur noch die Einhaltung der Moral. Hinzu kommt, dass viele Moralapostel (ich nenne diese einfach mal so) selbst die Angst umtreibt ebenfalls verurteilt zu werden, wenn man den anderen „mit seiner verwerflichen Moral“ nicht verurteilt und bestraft.

Gerade in der christlichen Jugendarbeit sollte jedoch der Mensch mit seinen Nöten im Mittelpunkt stehen. Diese Nöte erkennen und nicht verurteilen, sondern den Menschen annehmen, ihm helfen aus seinen Nöten herauszufinden, das wäre die Aufgabe.

Und last but not least: es heißt doch auch: „muss man päpstlicher sein wie der Papst?" Kann man nicht auch einmal versuchen seine eigenen Wertevorstellungen in Frage stellen? Ich denke, dann würde die Verurteilung des Mitmenschen abnehmen und das Miteinander zunehmen.

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