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Little Thirteen: ein erschütterndes Sozialdrama

Little Thirteen
Coverbild Little Thirteen
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Sarah lebt irgendwo in Deutschland. Genauer gesagt in einer grauen Vorstadt, die vor den Toren Hamburgs, Berlins oder irgendwo sonst liegen könnte. Das Mädchen, dargestellt von der Jungschauspielerin Muriel Wimmer, ist erst 13 und hat bereits den Überblick darüber verloren, mit wie vielen Jungs und Männern sie schon geschlafen hat.

One-Night-Stands, schneller und anonymer Sex scheint das Einzige zu sein, das ihr emotionalen Halt gibt. Denn auch ihre Mutter Doreen lebt lediglich in den Tag hinein und wird ihrer Mutterrolle alles andere als gerecht. Für sie ist es kein Problem, der Tochter beim Sex zuzuschauen oder gar den Partner mit ihr zu tauschen.

Ist er wirklich anders?

Die Tristesse in Sarahs leben scheint sich erst zu ändern, als sie Lukas kennenlernt. Der 16jährige ist anders als Gleichaltrige, schüchterner und sensibler. Er ist allerdings das selbe emotionale Wrack wie Sarah: Er dreht zusammen mit einem Kumpel heimlich Pornos mit Minderjährigen, die er anschließend gegen Drogen tauscht. Davon allerdings ahnt Sarah nichts. Durch die Bekanntschaft mit Lukas entwickelt sie eine Sehnsucht nach Nähe, Zuverlässigkeit und Halt. Die gegenseitige Nähe finden sie jedoch nur beim Sex, zu sagen haben sie sich kaum etwas.

Ein düsteres Bild über die „Generation Porno“

Die Autorin Catrin Lüth und Regisseur Christian Klandt zeichnen ein erschütterndes Bild der „Generation Porno“, in der Jugendliche mit Smartphone und Computer scheinbar unbegrenzten Zugriff auf Sexfilme hat. Die Jugendlichen klären sich dank Kanälen wie Youporn selbst auf und halten Sex für eine Art von Freizeitbeschäftigung. Schon in der ersten Szene in Little Thirteen, erschienen bei X-Verleih, wird deutlich, wie einsam sich Sarah in der trostlosen Umgebung fühlen muss: Sie sitzt rauchend am Fenster und sinniert gelangweilt über ihr Leben.

Die Aussage zur Zukunft von Charly: „Harzen. Chillen. Geld kriegen.“ , zeigt die ganze Perspektivlosigkeit und die Desillusion bei vielen Jugendlichen heutzutage.

Warum ist dieser Film Little Thirteen gut?

Er zeigt ziemlich gut die Sehnsucht der Jugendlichen nach Liebe, Anerkennung und Geborgenheit. Wenn es dann noch um das familiäre Umfeld entsprechend schlecht bestellt ist, sind die Jugendlichen oft sich selbst überlassen, weil die Eltern überfordert sind. Hinzu kommt ein immer höherer Leistungsdruck der Gesellschaft. Bis hierher könnte der Film auch in einer ganz anderen Zeit spielen. Nun kommen aber auch noch die Auswirkungen der digitalen Revolution ins Spiel. Die Generation YouPorn, die Generation Porno übers digitale Netz wurde ermöglicht. Sex als Ware – an allen Ecken und Enden, Bildchen und Filmchen in Facebook, Youtube oder auf irgendwelchen Seiten in den Tiefen des WWW’s tragen ihr eigenes dazu bei, dass die heutige Generation der Jugendlichen ein ganz anderes Bild von der Sexualität und der damit einhergehenden Reizüberflutung vermittelt bekommt.

Die Idee zu diesem Film wurde ja eigentlich aus dem Buch von Bernd Siggelkows „Deutschlands sexuelle Tragödie“, welche die sexuelle und emotionale Gefühlslosigkeit von der heutigen Jugendlichen beschreibt, geboren. Und da spielt es dann auch keine Rolle mehr, aus welcher Schicht die Jugendlichen kommen. Das betrifft alle Jugendlichen – was der Film ja auch zeigt. Betrogene sind auf jeden Fall die Jugendlichen – und daher auch kein Wunder, dass diese keinen Bezug mehr haben zu wahrer Liebe und Freundschaft - und Sex mit Liebe, Zärtlichkeit und Zuneigung verwechseln.

Bernd Siggelkows „Deutschlands sexuelle Tragödie“
Bernd Siggelkows „Die sexuelle Tragödie“
Deutschlands Kinder und Jugendliche haben immer früher Sex, wissen aber oft nicht, was Liebe ist. Jetzt hat ihnen jemand zugehört: Bernd Siggelkow, Gründer der »Arche« in Berlin, und Journalist Wolfgang Büscher waren tief erschüttert, von dem was sie in unzähligen Gesprächen erfuhren. Bestellen bei Amazon

Eignet sich dieser Film für die Jugendarbeit?

Ich denke schon, dass es sich lohnt mit Jugendlichen im pubertierenden Alter ab ca. 13 Jahren mit diesem Thema des Films auseinander zu setzen. Die Kids sind zwar oftmals noch etwas befangen, wenn es darum geht ernsthaft über dieses Thema zu reden (zu groß sind noch die eigenen Unsicherheiten), doch die ersten sexuellen Erfahrungen werden bereits in diesem Alter gemacht.

Ich denke, dass die Kids wissen was Liebe, Anerkennung und Zuneigung ist – dass jeder Mensch sich nach dieser Geborgenheit sehnt – von daher bin ich mir sicher, dass man diese Botschaft, diese Suche gut vermitteln kann.

Und dann werden die Kids auch den Film verstehen lernen. Dass die mangelnde Liebe, die fehlende familiäre Geborgenheit und Zuwendung und die damit einhergehende Trostlosigkeit und Einsamkeit des Seins die Darsteller im Film flüchten lässt in Sex als Freizeitbeschäftigung – um danach wieder die innere Leere zu spüren.

Die digitale Welt gaukelt den Jugendlichen ein falsches Bild von Liebe & Zärtlichkeit vor - und reduziert alles auf Sex. Es kann sich also lohnen über das Thema zu reden.


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