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Merkwürdige Beziehungsaufnahmen

Jede Kommunikation zwischen Menschen hat laut dem Verhaltensforscher Paul Watzlawick eine inhaltliche Komponente wie auch eine Beziehungskomponente, wobei der Beziehungsaspekt dem Menschen als viel wichtiger eingestuft wurde.

  1. Ein Junge spuckt ein Mädchen an. Als er zur Rede gestellt wird gesteht er unter Tränen, dass er eigentlich mit dem Mädchen gerne in Beziehung treten wollte.

    Es war seine Art Beziehung aufzunehmen, irgendwie schräg, aber trotzdem ist ihm nichts besseres eingefallen.

Verhalten und Beziehungsaufnahmen verstehen lernen
Verhalten und Beziehungsaufnahmen verstehen lernen
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  1. Jedes Mal wenn ein anderer Junge sich gefreut hat biss oder krallte er seine Erzieher(innen). Es war seine Art der Beziehungsaufnahme, die ein Außenstehender nicht verstehen konnte. Doch der Junge wurde schon im Mutterleib geschlagen, hat also nichts anderes erlebt, wie körperliche Gewalt.

  2. Ein Jugendlicher, welcher in ein bestimmtes Mädchen sehr verliebt war, wies es jedes Mal unwirsch ab, wenn es in seine Nähe kam. Eigentlich tat es ihm leid und er ärgerte sich jedes Mal über sich selbst. Das Mädchen wusste nicht woran es war mit ihm. Der Junge war so verunsichert und befangen, wie er dem Mädchen begegnen sollte und ging daher lieber auf sichere Distanz. Bisher wurde dem Jungen alles abgenommen (er wurde von den Eltern sehr verwöhnt), er musste niemals lernen auf andere Menschen zuzugehen. Gerade Jungs - der Stolz jeder Mutter - erleben eine starke Verwöhung. Die Beziehungsaufnahme geschieht meistens von der Mutter aus bzw. wird von dieser übernommen, der Junge hat also nie gelernt von sich aus eine Beziehung zu einem anderen Menschen aufzunehmen.

  3. Ein Schüler fällt dem Lehrer immer als sehr störend im Unterricht auf. Was der Lehrer nicht merkt: eigentlich will der Schüler beim Lehrer ankommen. Da dieser aber nur sein Verhalten als negativ betrachtet und Angst um seine Unterrichtsziele hat geht er gar nicht auf den Schüler ein. Würde der Lehrer nicht so gekränkt sein und den Schüler so abtun, sondern es etwas lockerer nehmen und dem Schüler zugewandter sein, dann könnte eine Beziehung entstehen, die es beiden einfacher macht. Erinnern wir uns einfach mal an unsere eigene Schulzeit zurück. Sicherlich hat bei denjenigen Lehrern(innen) der Unterricht Spaß gemacht, die etwas von einem gehalten haben, die zugewandt waren und dadurch eine "Beziehung" entstehen konnte.

Was bedeuten diese exemplarischen Beispiele nun für Jugendleiter?

Ich möchte mit diesen Beispielen anregen, dass hinter jedem Verhalten eine Beziehungskomponente liegt, die einen Grund hat.

Wenn der Jugendleiter sich nun über einen bestimmten Störenfried ärgert, dann sollte er mal versuchen sein Verhalten (das des Störenfriedes) zu hinterfragen. Genauso aber auch seinen eigenen Ärger. Kann es nicht sein, dass der Jugendleiter so ein Verhalten als persönliche Kränkung, als Missachtung seiner Person empfindet? In diesem Fall treffen zwei Aspekte aufeinander: die persönlichen Empfindlichkeiten des Jugendleiters und die des Gruppenmitgliedes.

Ein erster Weg aus der Misere wäre: sich selbst nicht als so ganz wichtig und empfindlich zu sehen und der zweite Schritt wäre dann, sich dem Gruppenmitglied zuzuwenden. Ein Jugendleiter wird umso erfolgreicher Jugendarbeit betreiben können, je zugewandter und beziehungsfähiger dieser zu seinen Gruppenmitgliedern ist. Wenn die Kinder bzw. Jugendlichen merken, da ist einer, der uns ernst nimmt, der uns mag, der sich Zeit nimmt, dann kann Beziehung entstehen.

Jugendleiter, die wenig Lust auf ansprechende Gruppenstunden haben, oder gleich wieder nach der Gruppenstunde verschwinden, die zeigen wenig Interesse, bzw. werden wenig wissen (wollen) über die einzelnen Gruppenteilnehmer.

Nur durch den Versuch Beziehung herzustellen wird es gelingen eine erfolgreiche Jugendarbeit zu betreiben. Merkwürdiges Verhalten eines oder mehrerer Kinder bzw. Jugendlicher sollte daher nicht von vornherein verurteilt und abgetan werden. Es ist vielleicht etwas unbeholfen, aber es ist ein Schrei nach Beziehungsaufnahme, nach gehört sein wollen, bzw. dazu gehören wollen.

Wer sich da persönlich getroffen fühlt, der sollte sich selbst noch besser kennen lernen und vor allem auch, sich in den anderen (Gruppenmitglied) einfühlen lernen.

Durch Beziehung entsteht Verstehen - durch Verstehen entsteht Beziehung.

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