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Körper und Psyche im Wechselspiel

Wie psychisch wohl wir uns finden – so gesund sind wir

Schwere Stimmung   Bild: 15050286
Schwere Stimmung | ©: alephnull - Fotolia

Oft leiden Patienten jahrelang unter körperlichen oder seelischen Problemen, ohne dass selbst Spezialisten eine Ursache finden können. Dieser Leidensweg wäre allerdings nicht notwendig, wenn die Verbindung zwischen der Psyche und dem Körper stärker in der Diagnostik und der Behandlung berücksichtigt würden. Denn wie aktuelle Studien der Universität Basel belegen, können sich nicht nur psychische Probleme auf den Körper auswirken. Auch körperliche Probleme können die Emotionen beeinflussen.

Dass Körper und Psyche von den meisten Medizinern noch heute getrennt betrachtet werden, ohne Zusammenhänge zu ergründen, geht auf René Descartes zurück. Dieser hatte im 17. Jahrhundert die Trennung von Körper und Psyche postuliert. Diese Trennung kritisiert etwa der Hausarzt Thomas Maibaum, im Hausärzteverband Mecklenburg-Vorpommern zuständig für die Fort- und Weiterbildung. Er sagt: „Wir werden falsch ausgebildet.“ Denn Nachwuchsmediziner würden während des Studiums zu wenig über die menschliche Psyche lernen und anschließend in der Praxis nur nach organischen Ursachen suchen. Jedoch hätten etwa 20 Prozent der Patienten in Hausarztpraxen Beschwerden, für die sich keine organischen Ursachen finden ließen. Durchschnittlich müssen die Betroffenen einen Leidensweg von sechs Jahren hinnehmen, bis sie schließlich psychosomatisch behandelt werden. Für sie bedeutet das natürlich zusätzlichen Stress, weil sie häufig falsche Medikamente bekommen und unnötige Untersuchungen über sich ergehen lassen müssen – was natürlich wiederum erhebliche Kosten im Gesundheitssystem mit sich bringt.

Mögliche Auslöser für körperliche Beschwerden

Partnerschaftskonflikte können sich ebenso auf das körperliche Wohlbefinden auswirken, wie großer Druck am Arbeitsplatz oder psychische Erkrankungen. Und das beginnt bereits im Mutterleib: Durchlebt die Mutter heftige Stresssituationen, schüttet ihr Körper das Stresshormon Cortisol aus. Dieses gelangt über die Plazenta auch in den Körper des Ungeborenen und verändert dessen Immunsystem. Die Folge: Sie leiden als Erwachsene häufiger unter Asthma oder Allergien. Zusätzlich geschwächt wird das Immunsystem durch Stress im Alltag, wie eine Studie aus den USA belegt. In dieser wurde nachgewiesen, dass die Pfleger von Alzheimerpatienten, die psychisch stark beansprucht sind, wesentlich häufiger krank sind, als Arbeitnehmer in anderen Berufen. Der Einfluss der Psyche auf den Körper lässt sich etwa in der Wundheilung deutlich beobachten: Bei Menschen, die unter Stress stehen, dauert diese um einige Tage länger als normal üblich.

Wenn der Einfluss der Psyche lebensgefährlich ist

Psychische Stressfaktoren können im Extremfall sogar lebensgefährlich sein. So schätzen Experten, dass psychische Probleme bei 80 Prozent aller Herzinfarktpatienten ausschlaggebend war. Der Grund: Steht der Betroffene unter Stress, schüttet der Körper die Hormone Adrenalin und Cortisol aus, woraufhin das Herz schneller und mit mehr Druck pumpt. Das wiederum kann zu chronischem Blutdruck und einer Verkalkung der Arterien führen, die ja eine der Hauptursachen für Herzinfarkte sind. Allerdings spielen auch andere Risikofaktoren wie Rauchen, falsche Ernährung und Übergewicht eine wichtige Rolle.

Psychische Erkrankungen sind allerdings noch gefährlicher. So sagt Christoph Herrmann-Lingen vom Zentrum für Psychosoziale Medizin der Universität Göttingen: „Depressionen belasten das Herz ähnlich stark wie das Rauchen.“ Selbst eine unterschwellige Depression sei so gefährlich wie Passivrauchen. Eine psychische Erkrankung allein könne natürlich den Infarkt nicht auslösen. „Sie kann aber sein Auftreten beschleunigen.“ Denn Depressionen würden alle Faktoren, die einen Herzinfarkt begünstigen. Und auch die Überlebenschancen nach einem Herzinfarkt sind bei depressiven Menschen deutlich geringer.

Ein Volksleiden: Rückenschmerzen

80 Prozent aller Deutschen leiden irgendwann zumindest zeitweise unter Rückenschmerzen. Jedoch lässt sich bei 80 Prozent der Betroffenen keine organische Ursache feststellen. Ein Grund dafür: Konflikte, Stress oder Depressionen können Schmerzen verstärken. Und wenn die Patienten diese Schmerzen überbewerten, kann daraus sogar ein jahrelanges leiden werden. Deshalb werden am Rückenzentrum Berlin psychische Einflüsse bereits seit einigen Jahren berücksichtigt und die Behandlungen von einer Psychotherapie begleitet.

Wenn der Körper die Seele beeinflusst

In Bezug auf Diabetes hat sich bereits herausgestellt, dass sich Körper und Seele gegenseitig beeinflussen. So kann Diabetes eine Folgeerscheinung von Depressionen sein, umgekehrt besteht haben Diabetes-Patienten ein doppelt so hohes Risiko, an Depressionen zu erkranken. Doch auch in anderen Fällen haben körperliche Ursachen eine Auswirkung auf die Psyche. Eine Patientin war beispielsweise über Jahre hinweg in psychiatrischer Behandlung. Die vermuteten Diagnosen reichten von Depressionen über eine Borderline-Störung bis hin zu Schizophrenie. Letztlich hatte sich nach Jahren herausgestellt, dass die Ursache für die Beschwerden die erblich bedingte Stoffwechselstörung Porphyrie ist. Ähnliche Fälle hat der Psychologie-Professor Erich Kasten von der Universität Göttingen schon öfter erlebt. Sofern er bei psychischen Problemen keine Störung feststellt, schickt er die Patienten zum Hausarzt, um ein Blutbild anfertigen zu lassen – sehr oft wird dann auch eine organische Ursache gefunden. Beispielsweise könne bereits eine Unterfunktion der Schilddrüse oder eine Zahnwurzelentzündung psychische Symptome hervorrufen.

Eine Studie bestätigt den Zusammenhang

Forscher von der Universität Basel haben Daten von 6.483 Jugendlichen aus den USA zwischen 13 und 18 Jahren analysiert. Dabei haben sie festgestellt, dass sich einige Krankheiten auffällig häufig nach einer bestimmten psychischen Störung einstellen. Nach einer Angststörung erkrankt beispielsweise oft die Haut, während sich nach einer Depression besonders häufig Erkrankungen des Verdauungssystems oder Arthritis einstellen. Sie fanden aber auch heraus, dass nach körperlichen Erkrankungen psychische Probleme auftreten können. So stellten die Forscher fest, dass Herzbeschwerden häufig die Ursache für Angststörungen sein können. Und noch mehr: „Wir fanden nun als Erste, dass Epilepsie ein erhöhtes Risiko für Essstörungen nach sich zieht – ein Phänomen, das bislang nur an wenigen Patienten beschrieben wurde. Dies deutet darauf hin, dass Ansätze der Epilepsie auch im Kontext von Essstörungen Potential haben könnten“, so Marion Tegethoff von der psychologischen Fakultät zu den Ergebnissen. Diese könnten also dafür sprechen, dass psychische Störungen mit körperlichen Erkrankungen künftig verbunden werden und die entsprechende Therapie darauf abgestimmt wird.

Mehr Infos zu den Studien stehen hier:

Was können diese Studienergebnisse für die Beobachtung und Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bedeuten?

In der Jugendarbeit, insbesondere auf Ferienlagern können wir Kinder beobachten, die plötzlich Bauchweh, Kopfschmerzen, Erbrechen bekommen. Natürlich kann eine Magenverstimmung, eine Grippe die Ursache sein, aber auch Heimweh, psychischer Stress (z.B. Mobbing) können genauso eine Ursache für das schlechte Wohlbefinden sein.

In der Schule bei Schülern ist dies ebenfalls zu beobachten, dass Angst vor einer Klassenarbeit bzw. Prüfungsangst zu einer Grippe (Fieber, Husten, Heiserkeit, Schweißausbrüche, …) oder zu starken Kopfschmerzen führen kann. Die Ursachen sind da weniger körperlicher Natur, als eher in der Psyche begründet.

Sicherlich kann der/die eine oder andere solche Phänomene auch an sich selbst beobachten, sozusagen aus „heiterem Himmel“ krank geworden und mit Fieber im Bett gelegen. Vielleicht war es jedoch eher eine Stresssituation, eine psychische Belastung, die zeitlich einherging.


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