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Freistatt: Gewalt im Namen Gottes

Für die einen war der Sommer 1968 der „Summer of Love“, für die anderen ein Sommer des Horrors und der Gewalt. Und genau diese Facette der 1960er beleuchtet der Regisseur Marc Brummund, der bei der Premiere auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken sowohl den Preis der Jugendjury als auch den Publikumspreis erhalten hat. Er erzählt die tragische Geschichte des 14jährigen Wolfgang, der maßgeblich von seinem Stiefvater in eine katholische Fürsorgeanstalt namens „Freistatt“ abgeschoben wird. Dort erlebt er Gefangenschaft, Gewalt und Unterdrückung… wodurch sein Freiheitsdrang erst recht angestachelt wird.

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Die Handlung des Films

Hauptfigur ist der 14jährige Wolfgang, der in Osnabrück gewissermaßen in einer Patchwork-Familie lebt. Dass Wolfgang zu seiner Mutter eine besonders innige Beziehung hat, ist dem Stiefvater ebenso ein Dorn im Auge wie der Freiheitsdrang des Pubertierenden. Eines Tages, Wolfgang zeigt in seinem Freundeskreis die Pornohefte seines Stiefvaters herum, ist für diesen das Maß schließlich voll. Er lässt den Stiefsohn nun mit Hilfe des Osnabrücker Jugendamtes in das christliche Erziehungsheim Freistatt bringen. Die Mutter tröstet den verzweifelten Jungen und verspricht, ihn zu Weihnachten nach Hause zurück zu holen.

Coverbild Freistatt
Coverbild Freistatt
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In Freistadt wird Wolfgang zunächst einmal scheinbar freundlich empfangen. Aus der Akte, die er laut vorliest, wird ersichtlich, dass Wolfgang vom Jugendamt als „ungehorsam“, „renitent“ und „aggressiv“ eingestuft. Wolfgang verteidigt sich damit, dass er niemals gewalttätig geworden sei, sondern sich stets nur verteidigt habe – was jedoch nicht weiter zur Kenntnis genommen wird.

Der Alltag: ein Kerker

Dass der freundliche Anschein trügt, erfährt Wolfgang sehr schnell. Die Fenster sind vergittert, die Türen verschlossen. Des Weiteren müssen die Jugendlichen Arbeitseinsätze im Moor machen, die als Erziehungsmaßnahme bezeichnet werden. Dort herrscht militärischer Drill und Härte gegenüber den Zöglingen, die von der Heimleitung durchaus befürwortet wird. Beispielsweise beschwert Wolfgang sich darüber, dass er erst in zwei Monaten Stiefel erhalten soll, als er zum ersten Mal mit zum Torfstechen geschickt wird. Die Antwort auf seine Beschwerde: Einer der Aufseher schlägt ihn mit dem Spaten. Er versucht eines Tages zu fliehen, was in den unübersichtlichen Mooren jedoch misslingt. In Freistatt ist es üblich, dass die Gruppe für das Fehlverhalten einzelner bestraft wird, etwa indem das Essen rationiert wird. Wolfgang nimmt sogar Konflikte mit anderen Mitgliedern seiner Gruppe in Kauf, weil er sich nichts gefallen lassen will.

Wegen angeblicher Vergehen wird Wolfgang unter anderem bis kurz vor dem Ertrinken in ein Wasserfass getaucht und mit einem Schlagstock misshandelt. Er imponiert der gesamten Gruppe jedoch dadurch, dass er sich durch keine dieser Strafen brechen lässt. Nach weiteren Eskalationen gelingt Wolfgang mit einem Kameraden schließlich die Flucht. Es gelingt ihm, sich nach Hause durchzuschlagen. Schon bald wird er aber wieder ins Heim zurück gebracht.

Dort kommt es zu weiteren Exzessen der Gewalt – beispielsweise täuscht ein Aufseher vor, Wolfgang lebendig begraben zu wollen – und ein Kamerad erhängt sich schließlich. Entlassen wird Wolfgang erst, als sein Stiefvater eines Tages tödlich verunglückt ist. Er kommt nach Hause, sieht als erstes das Kind des Stiefvaters und geht mit einem ungewissen Ziel, ohne seine Mutter je wieder gesehen zu haben.

Diesen Film mit der Jugendgruppe ansehen

Ich denke, dass dieser Film ein lohnenswerter Film sein kann um diesen mit der Jugendgruppe anzusehen. Ich selbst habe ein Jahr lang in einem Heim für „schwer erziehbare Jugendliche“ gearbeitet – aber zum Glück nicht diese schrecklichen „Erziehungsmethoden“ erlebt. Doch ich habe Kinder und Jugendliche kennengelernt, die keine schöne Kindheit erlebt hatten, die genauso hin und hergerissen waren, wie Wolfgang in diesem Film. Den ein oder anderen Jugendlichen habe ich auf meine Jugendfreizeiten mitgenommen und festgestellt, dass diese sich ganz normal und unauffällig verhielten – teilweise sozialer wie andere Kinder aus „wohlbehüteten“ Elternhäusern.

Ich finde dieser Film ist ein Beispiel, wie Erziehung nicht sein soll. Er zeigt Gefühle, Hoffnung und Enttäuschungen, Gewalt und innerer Widerstand. Der Film basiert auf wahren Zuständen von „Heimerziehung in christlichen Anstalten“.

Der Film erzählt sehr realitätsnah tatsächliche Verhältnisse. Bei der Film-Premiere soll es sehr emotionale Szenen gegeben haben, dass ehemalige "Heimkinder" und Schauspieler heulten, weil sie die Realität so nah mit ihrem Film getroffen hatten.

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