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Vertrauenskultur in der Jugendgruppe

Vertrauenskultur in der Jugendgruppe   Bild: 48279655
Vertrauenskultur in der Jugendgruppe | ©: SerrNovik - Fotolia

„Vertrauen ist der Anfang von allem“ - so lautet ein bekannter Werbeslogan einer deutschen Bank. Und obwohl wir es hier mit der berüchtigten Werbesprache zu tun haben, wohnt dieser Aussage viel Wahrheit inne. Ohne Vertrauen könnten wir keine Beziehungen führen, keine Kinder erziehen und keine Arbeit ordentlich erledigen. Nur durch Vertrauen auf allen Seiten kann der Mensch ein vollständiger Bestandteil des großen Ganzen sein.

Dies gilt natürlich auch für Jugendgruppen, und zwar sowohl innerhalb der Gruppe selbst (also unter den Jugendlichen) als auch unter den Jugendbetreuern bzw. Mitarbeiter. Es muss eine Vertrauenskultur zwischen den Menschen geschaffen werden, damit sich jeder in seiner Rolle wohl fühlt und sich optimal entwickeln kann.

Was bedeutet Vertrauenskultur?

Unter Vertrauenskultur verstehen wir ein Klima des Vertrauens, egal ob in einem Unternehmen, an einer Schule oder in der Jugendgruppe. Ist die Vertrauenskultur vorhanden und entsprechend ausgeprägt, so weiß jeder, dass er nicht nur sich selbst, sondern auch jedem anderen Mitglied der Gruppe inklusive der Erziehung- bzw. Aufsichtspersonen oder - in Unternehmen - den Vorgesetzten ebenso vertrauen kann. Eine solche Vertrauenskultur ist das Ziel, welches mit entsprechenden Maßnahmen umgesetzt werden kann.

Oft spricht man vom einen „eingeschworenen Team“, wenn es um Menschen geht, die gegenseitig einander vertrauen und deren Verhältnis von ebendiesem Vertrauen und von Offenheit geprägt ist. Leider ist dies heutzutage nicht selbstverständlich. Im Gegenteil: In vielen Schulen, Unternehmen und auch Jugendgruppen beherrschen Misstrauen, Egoismus und gegenseitige Schuldzuweisungen das Bild – also genau das Gegenteil einer Vertrauenskultur.

Warum ist es so schwer, Vertrauen zueinander zu haben bzw. zu finden?

Viele Menschen verhalten sich so, als ob der Grad von Vertrauen in einem sozialen Gefüge grundsätzlich von ihnen nicht beeinflussbar wäre. Dabei wird Vertrauen allenthalben gefordert, nur meist eben von seinem Gegenüber. Das bedeutet: Viele Menschen sind nicht bereit, selbst genügend Vertrauen in andere zu legen, fordern aber eben dieses Vertrauen von anderen ein. Ein Vorhaben, das einfach nicht aufgehen kann.

Die Schwierigkeit, Vertrauen aufzubauen, hat viel mit dem Verlust von Kontrolle zu tun. Menschen, die Vertrauen in andere haben, geben damit einen Teil der Kontrolle über ihr Leben ab. Wer in der Vergangenheit mit diesem Kontrollverlust bereits schlechte Erfahrungen gemacht hat, für den ist der neuerliche Vertrauensaufbau noch schwerer zu bewerkstelligen.

Das Vertrauen wird in einem solchen Fall weitgehend durch Misstrauen abgelöst. Misstrauen entsteht also durch schlechte Erfahrungen in Verbindung mit den entsprechenden Ängsten, die dadurch ausgelöst werden.

Wie kann eine Vertrauenskultur in der Jugendgruppe entwickelt werden?

Zunächst einmal gilt: Jeder Mensch besitzt ein sogenanntes Grundvertrauen, ohne dass er gar nicht lebensfähig wäre. Wir vertrauen beispielsweise darauf, dass uns nicht jeder Mensch, dem wir in unserem Alltag begegnen, gleich etwas Böses möchte. Leider schwindet dieses Grundvertrauen in unserer Gesellschaft immer mehr, dazu tragen auch wirtschaftliche und weltpolitische Ereignisse ihren Teil bei, aber auch ganz persönlich gemachte negative Erfahrungen und Enttäuschungen mit Menschen aus dem persönlichen Umfeld.

Das Grundvertrauen reicht jedoch nicht aus, um innerhalb einer Gruppe oder Institution eine Vertrauenskultur zu schaffen. Um dies zu erreichen, müssen drei grundsätzliche Dinge getan werden:

  • Eine ausreichend große Zahl von Mitarbeitern muss freiwillig in „Vorleistung“ gehen, um eine Verbesserung der Vertrauenskultur zu erreichen. Diese Vorleistung besteht zum Beispiel darin, auf eigene Vorteile bis zu einem gewissen Maß zu verzichten und mutiger mit unangenehmen Themenbereichen umzugehen. Machtspielchen und das Verfolgen von „Eigeninteressen“ sind hier kontraproduktiv.

  • Die Gruppe muss davon überzeugt werden, den eingeschlagenen Kurs auch bei Rückschlägen und Enttäuschungen weiterhin beizubehalten. Das bedeutet: Die Vorreiter müssen ihre Aufgabe äußerst ernst nehmen und auch dann weiterführen, wenn sich andere Mitglieder der Gruppe nicht bzw. nicht sofort in die entsprechenden Veränderungen einklinken. Heißt nichts anderes wie „Klarheit“, „Zielstrebigkeit“, „Eindeutigkeit“ und nicht gleich bei jedem Problem ins Wanken zu kommen.

  • Zu guter Letzt muss ein Weg gefunden werden, mit jenen Menschen umzugehen, die sich auch dauerhaft weigern, ihren Beitrag zur Vertrauenskultur zu leisten. Dies kann sich als echte Gratwanderung entpuppen. Auf der einen Seite sollte ein entsprechender Druck auf diese Menschen ausgeübt werden, um eine Verhaltensänderung doch noch herbeizuführen, andererseits darf keine tiefe Kluft zwischen den vermeintlichen „Gutmenschen“ und den „Störenfrieden“ geschaffen werden. Dies würde sich wiederum negativ auf das Gruppenklima und somit auch auf die Vertrauenskultur auswirken.

Sind diese Voraussetzungen gegeben und der Aufbau der Vertrauenskultur wird dauerhaft fortgeführt, so wird sich letztendlich auch der gewünschte Erfolg einstellen.

Übersicht: Vertrauensfaktoren/Misstrauensfaktoren

Vertrauen wird innerhalb einer Gruppe gefördert durch:

  • Uneigennützigkeit
  • Offenheit
  • Mut zu Veränderungen
  • Kommunikation
  • Positive Erfahrungen

Misstrauen wird innerhalb einer Gruppe gefördert durch:

  • Übertriebenes Eigeninteresse
  • Schuldzuweisungen
  • Unehrlichkeit
  • Mangelnde Kommunikation
  • Angst
  • Machtspiele

Vertrauenskultur unter den Jugendlichen
Vertrauenskultur unter den Jugendlichen
- hängt von jedem Jugendlichen ab
©: www.praxis-jugendarbeit.de

Umsetzung in der Jugendarbeit

In einer Jugendgruppe gibt es die Gruppenmitglieder und die Gruppenleitung. Zum einen ist es das Ziel eine Vertrauenskultur unter den Jugendlichen zu schaffen, aber auch eine Vertrauenskultur zwischen Gruppenteilnehmern und Gruppenleitung. Wie wir gerade ausgeführt haben gibt es verschiedene Faktoren, die Vertrauenskiller sind und andere Faktoren, die ein Vertrauen zueinander fördern.

Eine Vertrauenskultur aufzubauen dauert sehr lange, geht aber rasend schnell diese wieder zu zerstören. Jeder wird hier Beispiele aus seinem bisherigen Leben nennen können. Oft in kritischen Situationen, gerade dann, wenn man sich auf den anderen verlassen muss, lässt dieser einem im Stich. Da ist die Jacke näher wie die Hose. Solche negativen Erfahrungen oder Enttäuschungen bleiben sitzen, stärken die Vorsicht gegenüber dem anderen Menschen und verhindern „sich zu öffnen“, sich (nochmals) zu vertrauen.

Vertrauensspiele, Kooperationsspiele, Spiele ohne Sieger und Verlierer, oder auch erlebnispädagogische, mehrtägige Maßnahmen sind typische Programmpunkte um eine Vertrauenskultur innerhalb der Gruppe bzw. zur Gruppenleitung aufzubauen und auch ganz bewusst darüber zu sprechen. Natürlich ist es wichtig, dass die jeweilige Gruppenleitung die positiven wie negativen Einflussfaktoren bzgl. Aufbaus einer Vertrauenskultur bekannt sind.

Das Wesen des Gruppenleiters spielt hier eine entscheidende Rolle. Je ehrlicher, aufrichtiger, je entschiedener und fairer in Konflikten, desto mehr Reputation und Vertrauen wird aufgebaut. Auch die Art und Weise zu kritisieren, oder wie der Gruppenleiter über andere (Gruppenteilnehmer oder Menschen) spricht ist wichtig.

Fazit:

Der Aufbau von Vertrauen ist eines der schwierigsten Themen im Zusammenleben. Negative Erfahrungen, Ängste und Misstrauen verhindern oftmals, dass man anfängt dem anderen zu vertrauen. Aber wenn man nicht bei sich selbst damit beginnt, dann wird es schwierig. Warum, weshalb und wieso es manchmal nicht gelingt eine Vertrauenskultur aufzubauen bzw. am Leben zu halten ist oftmals ziemlich kompliziert zu erklären und bedarf etwas psychologischen Background.

Doch eine Gruppen-, Jugend- und Vereinsarbeit ohne Vertrauen, ohne Vertrauenskultur wird nur kurzfristig Bestand haben. Wer die Gruppenmitglieder ernst nimmt, fair und offen diesen begegnet, keine Angst vor Konflikten hat und nie negativ (und hinten rum) über andere spricht, der wird Vertrauen aufbauen.

Mein Tipp: sprecht über die Vertrauenskiller und über die Faktoren, die Vertrauen fördern. Sprecht über die Gründe und bisherigen Erfahrungen warum es oft so schwer ist sich gegenseitig zu vertrauen.


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