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Smartphone-Zombies „Smombie“ – Jugendwort des Jahres 2015
Smartphone-Zombies „Smombie“ – Jugendwort des Jahres 2015
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Smartphone-Zombies „Smombie“ – Jugendwort des Jahres 2015

Smartphonesucht: Wenn nur noch das Smartphone zählt

Neue Technologien wie das Handy bringen zwar einen großen Nutzen, aber auch viele neue Gefahren mit sich. Weit verbreitet ist vor allem bei Jugendlichen inzwischen die Smartphone-Sucht. Dieses Phänomen ist mittlerweile so weit verbreitet, das selbst das Jugendwort 2015 sich mit dieser Thematik auseinandersetzt: Beim vom Langenscheidt-Verlag ausgeschriebenen Wettbewerb "Jugendwort des Jahres" setzte sich das Kunstwort Smombie durch.

Diese Wortschöpfung setzt sich aus den Wörtern Smartphone und Zombie zusammen und beschreibt den Zustand eines Smartphone-Besitzers, der nur auf den Bildschirm starrt und die Realität um sich herum komplett ausblendet.

Neben Smombie waren folgende weiteren Wörter als Jugendwort für 2015 nominiert: Das Verb merkeln beschreibt einen Zustand, in dem nichts getan wird und keine Entscheidungen getroffen werden. Ein Discopumper bezeichnet jemanden, der nur trainiert, weil er in den Clubs gut aussehen will. Maulpesto beschreibt üblen Mundgeruch, während Dia Bolo für ein hässliches Selfie steht. Weiterhin im Rennen war auch bambus als Synonym für krass oder cool.

Doch befassen wir uns mit den Smartphone-Zombies und versuchen zu erklären, warum vielleicht gerade diese „Wortkreation Smombie“ zum Jugendwort des Jahres 2015 gekürt wurde. In der jüngeren Vergangenheit gab es zwei Studien, die sich mit dem Phänomen Smartphone-Abhängigkeit beschäftigt haben.

Folgende Studien haben sich mit dem Thema Smartphonesucht beschäftigt:

Die JIM-Studie 2013

Nach den Erkenntnissen der JIM-Studie 2013 verbringen Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren an Wochentagen im Schnitt 179 Minuten im Internet. Den weitaus größten Teil ihrer Zeit verbringen sie dabei mit Kommunikation in Online-Communities, die von 75 Prozent der Befragten wöchentlich mehrmals genutzt werden. Noch häufiger, nämlich von 80 Prozent der Befragten, werden Suchmaschinen genutzt, gefolgt von Videoportalen wie Youtube. Doch die Jugendlichen verbringen nicht nur ihre Freizeit im Internet, sondern erledigen im Netz auch Arbeiten für die Schule.

Hier lässt sich der Trend feststellen, dass vor allem ältere Jugendliche das Internet für Schularbeiten nutzen: Während der dieser Zeitaufwand bei Zwölf- bis 19jährigen im Schnitt bei 48 Minuten liegt, ist er bei 18- und 19jährigen mit 68 Minuten täglich wesentlich höher. Auch der Internetzugang über das Handy wird zunehmend wichtiger für die Jugendlichen. So haben 73 Prozent der Befragten ihr Smartphone oder ihr Handy in den zwei Wochen vor der Umfrage für den Online-Zugang genutzt. Damit liegen mobile Geräte fast gleichauf mit Computern oder Laptops, die immerhin von 87 Prozent der Jugendlichen genutzt werden.

Die PINTA-Studie

Das Bundesgesundheitsministerium veröffentlichte im September 2011 die repräsentative PINTA-Studie, in welcher die Häufigkeit von Internetabhängigkeit bei 14- bis 64jährigen untersucht wurden. Die Forscher der Universitäten Greifswald und Lübeck kamen dabei zum Schluss, dass etwa ein Prozent der 14- bis 64jährigen, also deutschlandweit rund 560.000 Personen, ein abhängiges Verhalten zeigen. Bei weiteren 4,6 Prozent der Bevölkerung in dieser Altersgruppe - das entspricht etwa 2,5 Millionen Menschen - wird der Internetkonsum als problematisch eingestuft.

Sowohl das Suchtverhalten als auch die problematische Internetnutzung ist laut der Studie bei den 14- bis 24jährigen am weitesten verbreitet: 2,4 Prozent sind abhängig, bei 13,6 Prozent ist der Grad der Internetnutzung problematisch. Die Abhängigkeit wurde in der Studie anhand verschiedener Merkmale definiert. So leben Süchtige fast ausschließlich in der virtuellen Welt und haben keine Kontrolle darüber, wie viel Zeit sie im Internet verbringen. Sind sie nicht im Netz, zeigen sie Entzugserscheinungen wie Langeweile, Reizbarkeit oder sogar Angst. Bei unmäßiger Internetnutzung vernachlässigen sie außerdem soziale Kontakte und nehmen sogar eine körperliche Verwahrlosung in Kauf.

Bei Jugendlichen zwischen 14 und 16 Jahren haben die Forscher geschlechterspezifische Unterschiede festgestellt: In dieser Altersgruppe sind deutlich mehr Mädchen (4,9 Prozent) internetabhängig als Jungs (3,1 Prozent). Während die jungen Männer vorwiegend Online-Spiele spielen, nutzen die Mädchen bevorzugt soziale Netzwerke.

Anzeichen, Ursachen und Folgen

Smombie – Jugendwort des Jahres 2015
Smombie – Jugendwort des Jahres 2015
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Dass Smartphones so intensiv genutzt werden, dass sich sogar ein Suchtverhalten beobachten lässt, hat mehrere Gründe: Durch die Tatsache, dass Smartphonenutzer ständig erreicht werden können und innerhalb kürzester Zeit eine Antwort erhalten, setzt Glückshormone frei. Dabei handelt es sich um Botenstoffe wie Neurotransmitter oder Hormone, welche ein Wohlbefinden und sogar Glücksgefühle hervorrufen können. Die Smartphone-Nutzer werden etwa in sozialen Netzwerken sehr viel schneller bestätigt, als dies im realen Leben oft der Fall ist, was dazu führt, dass Botenstoffe ausgeschüttet werden, welche für Glücksgefühle verantwortlich sind.

Zudem lässt sich Unangenehmes sehr einfach ausblenden: Personen, welche ihre eigene Meinung nicht vertreten gelernt haben, oder auch eine mögliche gegenteilige Ansicht haben, aber Angst davor haben diese vor anderen zu vertreten, können so Konflikten einfacher ausweichen, weil Personen einfach geblockt, oder aus der Kontaktliste gestrichen werden können. Dadurch bauen die Internet-Nutzer sich selbst eine realitätsferne Scheinwelt auf, in der unangenehme Dinge ausgeblendet und nur angenehme Botschaften und Bestätigungen Existenzberechtigung haben.

Als unmittelbare Folge schränken vor allem Jugendliche und junge Erwachsene ihr echtes soziales Leben oft massiv ein und vernachlässigen sogar ihre Interessen und Hobbys. Schon in diesem Stadium können die Betroffenen mit starker Nervosität darauf reagieren, wenn sie für eine kürzere Zeitspanne ohne mobilen Internetzugang auskommen müssen. Schließlich zeigen viele Betroffene sogar typische Entzugserscheinungen wie Frustration, Wut und Ärger, wenn sie nicht auf das Medium Internet zugreifen können. Damit zeigen Smartphonesüchtige alle Charakteristika eines typischen Suchtverhaltens. Wer diese Entwicklung an sich selbst beobachtet, sollte sein Nutzungsverhalten überdenken.

Besonders gefährdet von der Smartphone-Sucht sind übrigens Menschen, die ohnehin häufig unter Niedergeschlagenheit oder Einsamkeit leiden. Vor allem Patienten, die unter Depressionen, Persönlichkeitsstörungen oder sozialen Phobien leiden, sind gefährdet. Diese Personengruppe hat im realen Leben meist Probleme neue Kontakte zu schließen und diese auch zu pflegen, weshalb ihnen das Internet als gute Alternative erscheint um sich hier ihre Scheinwelt und „Scheinfreunde“ (=Follower) aufzubauen, die meist nur virtuell existieren. Gerade für diese Personengruppe ist es jedoch äußerst schwierig, das eigene Nutzerverhalten zu erkennen und zu überdenken um die Grenze zur Sucht nicht weiter zu überschreiten.

Und nun wieder zum Anfang zurück:

Ein Smombie ist ein Mensch, der auf den Smartphonebildschirm starrend durch das Leben wandelt und die Realität um sich herum vergisst.

Bist Du schon so ein Smartphone-Zombie?

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