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Rhetorik - der geborene Redner?
Jeder von uns erfährt täglich, wie wichtig es ist
sachgerecht artikulieren, argumentieren und diskutieren zu
können.
Was nützt eine gute Idee, wenn sie nicht formuliert, nicht
präsentiert und schon gar nicht "rübergebracht"
werden kann? Von daher sind die Gestaltungsmittel der Rhetorik wie
Körpersprache, Sprechtechnik und Sprachverwendung wichtige
Dinge, auf die es zu achten gilt.
Da der Glaube bekanntlich aus der Predigt kommt
(Röm10,14ff), ist jede Verkündigung in der Jugendarbeit
gleichzeitig ein Redeauftrag. Von daher kann es nicht schaden ein
paar Regeln der Rede zu beherrschen. Nicht jeder ist der geborene
Redner bzw. Rhetoriker, aber ein paar Regeln der Rhetorik,
können wenigstens im Ansatz nie schaden. Wer als Jugendleiter
schon das Reden gelernt hat, der kann diese Erfahrungen später
im Berufsleben ebenfalls verwenden.
Also „lerne fürs Leben“
Deine Körpersprache!
- Aufrecht und locker gehen
- Blickkontakt aufnehmen
- Gestik und Mimik im Griff haben
- An die Nase, Mund oder Kinn fassen zeigt Unsicherheit
- Griff ans Ohr wenn der andere was sagt ist eine Art
„Bestrafungsgeste“
- Gefaltete Hände vor der Brust zeigen Verkrampfung und
Unsicherheit
- Verschränkte Arme zeigen Ablehnung
- Zeige Dich offen, interessiert und zugewandt
Du als Persönlichkeit!
- Versuche dich nicht zu verstellen
- Sei selbstbewusst und präsentiere Dich und das Thema, so
wie Du es bist und kannst.
- Es nützt nichts sich überall
„einzuschmeicheln“ oder in den „A....
kriechen“ und als Idiot herauszukommen.
Welches Thema willst Du rüberbringen?
- Ohne Inhalte nützt die beste Rhetorik nichts. Die besten
Rhetoriker sind wahrscheinlich die Politiker. Viel sagen, mit
möglichst wenig konkretem Inhalt.
- Überlege was Du mit dem Thema erreichen möchtest und
wie Du es am sinnvollsten „rüberbringst“
- Versuche das Thema positiv zu gestalten, das dem Zuhörer
die Möglichkeiten eröffnet. Negative Inhalte, Kritik,
Tadel bzw. negative Aussichten hört keiner gerne
Sei gut vorbereitet – unterschätze das nicht.
- Eine gute Vorbereitung ist nur durch eins zu ersetzen –
eine bessere Vorbereitung!
- Suche einen packendes Beispiel, einen Aufhänger
- Fange mit Brainstorming an indem Du alles mal aufschreibst, was
Dir zum Thema einfällt.
- Gruppiere und strukturiere Deine Gedanken
anschließend.
- Ergänze die einzelnen Gedanken mit Stichwörtern,
Beispielen etc.
Vermeide einen chaotischen, unstrukturierten Aufbau
- Überprüfe den logischen Aufbau und gruppiere ggf. um,
oder streiche was heraus, was eventuell nicht ganz in die Logik
passt (der Zuhörer muss ja folgen können und ein
Gedankensprung, oder ein Logikbruch wäre da unpassend)
- Versuche durch einen guten Einstieg/Aufhänger die
Aufmerksamkeit zu gewinnen.
- Lege Deine Argumentationskette fest indem Du das stärkste
Argument an den Schluss der möglichen Argumente legst,
das schwächste Argument vor das stärkste Argument, die
übrigen Argumente (nur nicht so viele bitte), kommen an den
Anfang. So ist eine Steigerung zu erkennen, sowie die direkte
Gegenüberstellung zwischen „schwarz-weiß“
bzw. „schwach-stark“.
- Lege deine Schlussaussage/Fazit in einer kurzen
zusammenfassenden Weise fest, die gleich nach dem stärksten
Argument kommt und den Zuhörer Deiner Meinung folgen
lässt (oder auch nicht!).
Setze die Zuhörerbrille auf!
- Passe Deine Rede der Gruppe an. Versuche die Gruppe da
abzuholen, wo sie gerade steht. Versuche den Einzelnen gerade da
abzuholen wo er steht. Ansonsten redest Du am Interesse des
Einzelnen/der Gruppe vorbei.
- Stelle den Einzelnen in den Mittelpunkt (er muss sich in der
Rede sehen).
- Was bewegt die Jugendlichen gerade? Welche Interessen sind
gerade „In“? Wie kann ich die Jugendlichen da abholen ?
Was bringt es dem Einzelnen/der Gruppe wenn ich jetzt dieses Thema
bringe? (das ist die Kunst sich in die Gedankenwelt der
Jugendlichen hineinzudenken/hineinzufühlen!)
Rede verständlich!
- Überfordere die Jugendlichen/die Gruppe nicht
- Versuche nicht abzulesen, sondern rede frei und in knappen,
klaren Sätzen.
- Wenn Du schon ablesen möchtest, dann vermeide lange,
verschachtelte und langweilige (weil langatmige) Sätze
- Beobachte die Zuhörer ob sie Deinen Sätzen
verständlich folgen konnten
Zeige Emotionalität und Engagement
- Gehe nicht auf Distanz mit dem Thema
- Zeige durch Dein Engagement mit der Stimme Emotionen.
- Baue die Jugendlichen auf, sprich sie direkt an. Formulierungen
wie „vielleicht“, „eventuell“, „man
sollte“ etc. zeigen nur, dass Du selber nicht überzeugt
bist.
- Zeige den Jugendlichen auch auf, dass ein Misserfolg nicht
gleich ein Beinbruch ist. Dass auch Du selbst vielleicht in der
selben Situation warst, selber Misserfolge hattest, selber dem ein
oder anderen Argument nachgelaufen bist ...
Visualisierung ist wichtig
- Ein reiner Textvortrag ist nach kurzer Zeit vergessen. Nur etwa
10% bleiben hängen.
- Hören und Sehen – da bleibt schon wesentlich mehr
hängen, etwa 50%
- Hören und Sehen und Tun – da bleiben ca. 70-80% des
Themas hängen
- Also: benutze Bilder, Plakate als Aufhänger, eventuell ein
Musikstück, welches zum Thema passt, oder gar einen Film
- Verwende Gleichnisse und eine bildhafte Sprache – auch
bereits in der Bibel wurde eine bildhafte Sprache von Jesus
verwendet. Nur so konnte er das ein oder andere verständlich
machen.
In der Kürze liegt die Würze: beachte die
Redelänge
- Sprich langsam (das kann man üben)
- mach mal Pause
- streue Wiederholungen ein, durch geschickte Umformulierung
- wenn der erste anfängt unruhig zu werden, dann liegts
vielleicht am Thema, an der fehlenden Verständlichkeit, oder
aber weil Du eine zu lange Redelänge hast.
Reden will gelernt sein
- Je öfters Du eine Rede hältst umso leichter wird Dir
das Reden fallen
- Nutze jede Möglichkeit (in der Schule, im Verein, im
Studium, Im Beruf), wo Du vielleicht einen Vortrag, oder einen
Bericht abliefern/vortragen darfst.
- Lass Dich nicht entmutigen, wenns mal nicht so läuft und
verstehe Kritik positiv – dass es beim nächsten Mal
besser läuft und Du auf die Fehler vom letzten Mal
achtest.
Hilfe! Ich bin ja so aufgeregt!
- sieh es positiv, denn mit Lampenfieber kannst Du viel besser
überzeugen.
- Lampenfieber erhöht die Wachsamkeit und Deine
Aufmerksamkeit
Kreativer Schlusspunkt
- Überlege Dir einen kreativen Abgang, keine Show, aber
einen auf den Punkt gebrachten Schlusspunkt.
- Fordere zur Aktion auf. Der Schlusssatz: „vielen Dank
für die Aufmerksamkeit“ ist das falsch. Da sind Deine
Zuhörer gleich weg, ohne dass die von Dir beabsichtigte
Wirkung eintreten kann. Ein Verkäufer wird nun zum Kauf
auffordern, bei einer Einladung zur Jugendgruppe kann das auch das
Ausfüllen eines Anmeldung sein, bei einer Spendenaktion das
anschließende herumreichen der Kollekte. „Spenden Sie
leise, das freut uns besonders“ wäre da so ein passender
Spruch.
- Überlege Dir den Abgang gut. Organisatorisch muss da ggf.
das ein oder andere sofort im Anschluss klappen.
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