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Heimweh
Ich könnte jetzt sagen, dass auf unseren super
tollen Freizeiten mit dem megageilen Freizeitprogramm und den
affenstarken Events gar kein Heimweh aufkommen kann.
Oder: "Heimweh? Gibt’s bei uns nicht!"
So oder so ähnlich kann man es hören und lesen, aber
trotzdem kommt das Thema Heimweh immer wieder vor, selbst bei gut
vorbereiteten und organisierten Freizeiten. Ich selbst habe schon
Freizeiten durchgeführt, da sind 10% der Teilnehmer
epedemiemässig vom Heimweh „befallen“ worden, in
anderen Jahren war das überhaupt kein Thema.
Was können die Gründe für Heimweh sein?
- Manche Kinder sind das erste Mal von zu Hause weg – der
Lagerbetrieb, etwas kürzere Nächte, ein völlig
ungewohnter Tagesablauf in neuer Umgebung und mit ggf. völlig
fremden Kindern/Jugendlichen ist für den ein oder anderen
Teilnehmer zu viel. Die Sehnsucht nach der gewohnten Umgebung
steigt.
- Manchmal haben die Eltern Heimweh zu den Kindern. Ein Anruf,
ein Besuch der Eltern im Lager, dann noch die Frage der Eltern
„Wie gefällt es dir, willst du wieder nach Hause?"
- und manche Kinder kippen dann regelrecht um. Oder die Eltern
sagen schon vor der Freizeit: „Wenn du Heimweh bekommst, dann
holen wird dich jederzeit“
- Streitereien, Hänseleien, die nicht unbedingt offen
ausgetragen werden, aber vorhanden sind führen dazu, dass ein
Kind Heimweh bekommen kann.
- Heimweh ist ansteckend. Wenn ein Kind Heimweh bekommt, dann
führt das sehr oft dazu, dass weitere Kinder plötzlich
auch Heimweh bekommen. Die Idee wird sozusagen geboren, nach Hause
zu fahren. Wenn das Wetter katastrophal, das Essen schlecht, das
Programm langweilig und zu viele Lücken hat und die Betreuer
diese Lücken nicht füllen können; diese
„Faktoren“ verstärken die Gefahr des
Heimwehviruses.
Was ist bei Heimweh zu tun?
-
Heimweh ernst nehmen
Zunächst einmal ist das Heimweh ernst zu nehmen und zu
klären worin die Ursachen liegen können: zum ersten Mal
von zu Hause weg? Versteckte Streitereien? Keine Freunde? Kontakt
mit den Eltern? Ängste z.b. vor der kommenden Nacht?
-
Heimweh vorbeugen
Vorbeugen kannst du, indem du Augen und Ohren offen hältst,
Kinder die Abseits stehen oder sich absondern beobachtest und
versuchst diese unauffällig ins Lagerleben und im Programm zu
integrieren.
-
Falsche Reaktion!
Falsch wäre, die Kinder zu stark zu bemuttern, auf den Schoss
zu setzen, zu trösten, Tränen zu trocknen,
Extrawürste zu braten usw. Jüngere, unerfahrene
Betreuer(innen), denen selbst der Lagerbetrieb zu viel wird, die
suchen sich mitunter Kinder mit Heimweh – sozusagen als
Flucht vor sich selber. Dass dadurch das Heimweh der Kinder jedoch
nicht abgebaut wird, sondern der Wunsch nach Hause fahren zu
können, noch verstärkt wird, ist vielen da gar nicht
klar. Falsch wäre auch, den Kindern gleich nachzugeben.
-
Richtige Reaktion!
Richtig wäre, die Kinder abzulenken, zu beschäftigen und
mit ihnen was zu unternehmen und sich Zeit zu nehmen. Nun aber
nicht so, dass keine Zeit mehr für die anderen Kinder
übrig bleibt, oder das/die Heimwehkinder irgendwie bevorzugt
behandelt werden – das würde ggf. Probleme an anderer
Stelle wieder auftreten lassen. Es kommt dabei schon auf die
Erfahrung und das Fingerspitzengefühl an richtig
abzuwägen. Lass den Tränen des Kindes freien Lauf und
versuche gemeinsam mit dem Kind zu überlegen wie man versuchen
kann mit dem Heimweh fertig zu werden. Heimweh ist was normales,
jedes Kind macht diese Erfahrungen und „muss früher oder
später da mal durch“. Wenn das Kind einsieht, dass das
nach Hause fahren keine Lösung ist, denn die nächste
Freizeit oder Schullandheim kommt gewiss, ist schon viel gewonnen.
Auch hier kommt es auf das Fingerspitzengefühl an. Wenn das
Kind merkt, dass es dich bald weich gekocht hat, wird es innerlich
sich auf gar keine Vorschläge von dir einlassen. Von daher gar
nicht in Aussicht stellen, dass „... unter Umständen,...
vielleicht,... wenn alles nix hilft,... mal sehen...“, du
bereit bist, das Kind nach Hause zu entlassen. Probiere erst einmal
Alternativen aus.
- Einem Jungen, welcher Heimweh bekommen hatte, nachdem seine
Eltern auf dem Lager waren, dem haben wir anschließend
gezeigt wie man ein Floss baut. Anschließend zeigte er den
anderen Teilnehmern wie das geht – das Thema Heimweh war ab
jetzt kein Thema mehr. Jahre später sagt er einmal, dass es
die richtige Entscheidung war nicht nach Hause zu fahren.
Überlege: was sind die Begabungen des Teilnehmers und wie
können diese zum Erfolgserlebnis werden.
- Auf einer anderen Freizeit trat Heimweh bei einem 7
jährigen Jungen bereits am ersten Abend kurz vor dem
Schlafengehen auf. Das Problem konnte etwas unorthodox gelöst
werden. Verlagerung des Jungen in das Zelt der großen Jungs,
Ernennung zum stellvertretenden Lagerleiter bzw. dessen
„Schatten“, Chef der Nachtwache usw. Der Junge ist
nicht vorzeitig nach Hause gefahren, konnte mit ein paar Tricks
sogar zum frühzeitigeren Schlafengehen überredet werden
und übernahm auch so wichtige Aufgaben wie den Abwasch oder
die Lagerglocke läuten. Die übrigen (gleichaltrigen)
Teilnehmer haben von seinem Heimweh so gut wie nichts
mitbekommen
-
Ausnahme:
Wenn nichts mehr geht und das Kind absolut nach Hause möchte,
wenn alles zureden, alle Vorschläge, Einfälle und
Lösungsmöglichkeiten nicht mehr „ankommen“,
dann bleibt nur noch ein Anruf bei den Eltern übrig. Auch das
kam schon vor und bleibt hoffentlich eine seltene Ausnahme.
Wenn es jedoch irgendwie möglich war, dann telefonierten wir
mit den Eltern, ohne dass der Lagerteilnehmer dies mitbekam um
abzuklären, wie die Eltern zum Heimweh stehen. Entweder holten
diese das Kind sofort ab, oder "überredeten" es doch
noch zum Bleiben. Im Nachhinein betrachtet, war die 2te Variante
immer die beste Lösung.
Wer noch einen Tipp zum Thema Heimweh hat, der darf dies uns
zuschicken.
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