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Teenies in sozialen Medien - Einfluss von Instagram und Co. auf das Selbstbild von Teenies - Auswirkungen auf die Psyche?

Teenies in sozialen Medien – die Lüge vom schönen Schein und seine psychischen Folgen

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Sozial Media - Schöne heile, ideale Welt | ©: melancholiaphotography auf Pixabay

Als im Jahre 1890 Oscar Wildes Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ erschien, konnten weder Wilde noch seine Zeitgenossen ahnen, wie sehr sich fast 130 Jahre später die Idee eines zweiten, eines schöneren Ichs in den modernen sozialen Medien manifestierte. Allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Während Dorian Gray im Roman immer schön und jung blieb, alterte dafür sein Porträt.

In der Realität des digitalen Zeitalters sind es die Abbildungen der Menschen, die dank entsprechender Bildbearbeitung immer schön und attraktiv erscheinen, die echte Person jedoch muss mit ihrem Bild im Spiegel und den vorhandenen Unzulänglichkeiten mehr oder weniger zufrieden sein. Doch der ständige Vergleich kann Folgen der negativen Art nach sich ziehen. Das zeigt sich vor allem bei weiblichen Teenagern, die den schönen Schein von Instagram und Co. als bare Münze nehmen.

Muss leiden, wer schön sein will?

Gerade die jüngeren Generationen besitzen in der Regel einen weit größeren Freundeskreis in der digitalen als in der realen Welt. So etwa 500 oder noch weit mehr Freunde auf Facebook und dutzende Follower auf Instagram. Die meisten dieser digitalen Bekanntschaften sind jedoch keine Freunde oder Freundinnen, denen der oder die Kontoinhaberin des jeweiligen sozialen Mediums je wirklich begegnet ist, geschweige denn überhaupt eine echte Freundschaftsbeziehung aufgebaut wurde. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würden sich die Bekanntschaften der digitalen Welt untereinander nicht erkennen, wenn sie denn einmal leibhaftig zufällig aufeinander treffen würden. Das beruht mitunter auf dem Umstand, dass sich viele Nutzer von sozialen Medien digital „verschönern“, bevor ein Selfie eingestellt wird.

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Sozial Media - Freunde en masse, trotzdem allein? | ©: Gerd Altmann auf Pixabay

Gerade Instagram glänzt hierbei mit einer eingebauten Bildbearbeitung, die je nach Wunsch seidenglatte Haut, große Augen und einen schlanken Körper zaubert. Immer mehr Teenies wollen so aussehen wie ihre Vorbilder aus der glitzernden Medienwelt, zu der längst nicht mehr nur Schauspielerinnen und Musik-Ikonen gehören, sondern ebenso Bloggerinnen oder Influencerinnen im Internet. Dass diese Idole selbst mit den Tricks aus der Kiste der Bildbearbeitungssoftware arbeiten, wird dabei scheinbar geflissentlich übersehen und auch für die eigene Person besteht bei vielen Teenagern ein recht hohes Potenzial an Selbstverleugnung. Doch dieser ständige Vergleich zwischen analoger und digitaler Welt führt zu seelischen Konflikten.

Studie zu sozialen Netzwerken und der Psyche Jugendlicher

Natürlich lässt es sich nicht verallgemeinernd behaupten, dass alle sozialen Medien eine schädliche Wirkung auf das Seelenleben junger Menschen besitzen. Um genaueres zu erfahren, hat die britische Gesundheitsorganisation, die Royal Society for Public Health (RSPH), zusammen mit dem Young Health Movement (YHM), einem Zusammenschluss englischer Organisationen, die sich für die Gesundheit und das Wohlbefinden Jugendlicher einsetzen, zu Anfang des Jahres 2017 eine Studie durchgeführt.

In dieser Studie mit dem Namen „Status of Mind“, grob übersetzt etwa „Zustand des Geistes“, geht es um die positiven wie negativen Auswirkungen sozialer Medien auf die geistige Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen (Studie “Status of mind” Download als PDF, sehr interessant, leider komplett in Englisch).

Dazu wurden fast 1500 Jugendliche im Alter von 14 bis 24 Jahre gezielt befragt oder besser gesagt, sie sollten eine Bewertung abgeben, also eher positiv oder eher negativ. Grundlagen waren 14 Fragen zu Gesundheit und Wohlbefinden und wie sich die von den Jugendlichen jeweils genutzten social media darauf auswirken. Die Fragen wurden zuvor von einem Expertenteam zusammengestellt. So etwa die Fragen:

„Wie wirkt sich Dein social media auf Deine Selbstidentität aus?“

oder

„Wie beeinflusst das social media Deine Beziehungen in der realen Welt?“

Aus den Ergebnissen dieser Bewertungen durch die 1500 Jugendlichen erstellten RSPH und YHM unter anderem eine Rangliste der bekanntesten social media und deren Wirkung auf die Jugendlichen. Klarer Sieger mit den meisten positiven Bewertungen war Youtube. Eigentlich kaum verwunderlich, bietet die Videoplatttform einen bunten Mix aus Unterhaltung und Information, ohne dem oder Nutzerin zu sehr in die Seele schauen zu wollen.

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Sozial Media - Schöne heile, ideale Welt | ©: Gerd Altmann auf Pixabay

Genauso klar war der Verlierer. Instagram landete auf dem letzten Platz der Rangliste, gefolgt von Snapchat auf dem zweitletzten Platz.

Shirley Cramer, eine der Direktorinnen des RSPH, zur Studie und ihren Ergebnissen: „Die jungen Menschen beschrieben die social media wie eine Droge mit stärkerer Wirkung als Alkohol oder Zigaretten. Sie sind dabei so stark im Leben von Jugendlichen verankert, das sie miteinbezogen werden müssen, wenn es um Gesundheitsprobleme psychischer Art geht. Das Instagram und Snapchat auf den letzten Plätzen landeten, lag daran, dass sie bei den jungen Menschen mit ihrem Programm der Imagepflege ihrer Klientel vielfach ein Gefühl der Unzulänglichkeit und sogar Angstzustände auslösen“.

Gleichzeitig betonen die Verantwortlichen von RSPH und YHM auch die positiven Seiten der social media. Gerade heute, in einer Welt, in der viele Eltern kaum noch Zeit besitzen, um mit ihren Kindern eingehend zu kommunizieren, können die Plattformen Vermittler bei bestehenden Problemen sein. So sind viele junge Menschen eher bereit, online bestimmte Fragen persönlicher Natur zu stellen, die nur ein entsprechend ausgebildeter Mediziner beantworten kann.

Moderne Medien und das Selbstverständnis von gestern

Die Gefahren, die für die Psyche gerade weiblicher Jugendlicher von Instagram oder Snapchat ausgehen, hängen aber auch mit einem überkommenen Weltbild zusammen. Das wiederum zeigt eine Studie der MaLisa Stiftung zur Geschlechterdarstellung auf den social media. Tatsächlich bedienen die weiblichen Vorbilder, die Influencer, hauptsächlich das Klischee der Frau, die sich hübsch macht, vielleicht etwas bastelt, näht oder kocht und natürlich alles in den eigenen vier Wänden, dem trauten Heim. Das Schlimme daran ist, das die Follower der Influencer genau das wollen. Erfolgreiche Youtuberinnen, danach befragt, sagen selbst, dass ein anderer Themenbereich keine Chance auf Erfolg hat. Würde etwa Bianca Heinike mit ihrem Youtubekanal BibisBeautyPalace, der Name ist Programm, anfangen, in ihren Videos an Autos herumzuschrauben oder Online-Games bewerten, würde sie schnell in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

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Sozial Media auf allen Kanälen | ©: Gerd Altmann auf Pixabay

Es stellt sich nun die Frage, woher so etwas kommt

Im Jahr 1918 wurde in Deutschland das Wahlrecht für Frauen gesetzlich verankert. Das Gleichberechtigungsgesetz hingegen wurde erst im Jahr 1957 verabschiedet und trat ein Jahr später in Kraft. Dabei war dies ein Gesetz, in dem der Mann immer noch viel zu sagen hatte. Noch bis in das Jahr 1977 konnte zum Beispiel ein Ehemann in Deutschland seiner Frau verbieten, eine Arbeitsstelle anzunehmen.

Genau genommen besteht die Gleichberechtigung also erst seit rund 50 Jahren. Das sind noch nicht einmal zwei Generationen Zeit, um das Bild des „Heimchen am Herd“ wegzuwischen. Da nützen auch moderne social media nichts, denn es steckt noch tief in den Köpfen der Menschen drin, dass die Frau gefallen muss und nichts anderes. Instagram bedient insofern nur das, was verlangt wird, was nicht bedeutet, dass es gut ist.

Fazit:

Durch das permanente Vergleichen mit anderen im social media Bereich werden bei vielen Jugendlichen Depressionen hervorgerufen, Ängste treten auf, weil man diesen „anderen Personen nicht das Wasser reichen kann“, was lifesytle und Aussehen angeht. Andere stellen sich so perfekt dar, selbst fühlt man sich als „Aschenputtel“. Gerade dieser Mode- und Körperkult hat negative Auswirkungen auf das noch nicht ausreichend gefestigte Selbstbewusstsein vieler Jugendlicher.

Weniger ist mehr – weniger social media – mehr Lebensqualität

Ein amerikanisches Forscherteam hat einen interessanten Versuch durchgeführt (No More FOMO: Limiting Social Media Decreases Loneliness and Depression ). Die eine Gruppe durfte die sozialen Medien nutzen wie bisher, die andere Gruppe lediglich 10 Minuten pro Plattform am Tag, maximal 30 Minuten zusammen.

Nach 3 Wochen wurden die Teilnehmer nach ihrer psychischen Gesundheit gefragt wie zum Beispiel die Angst, etwas zu verpassen, Einsamkeit, Sorgen, Depressionen, Selbstwertgefühl. Das Ergebnis war eindeutig. Wer weniger Zeit in sozialen Medien verbracht hatte litt deutlich weniger unter Ängsten und Depressionen, hatte ein besseres Selbstwertgefühl und verspürte weniger Einsamkeit. Das Wohlbefinden hatte deutlich zugenommen.

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Sozial Media und die Auswirkung auf die Psyche | ©: Gerd Altmann auf Pixabay

Umsetzung des Themas „Teenies in sozialen Medien und die Auswirkungen auf das Selbstbildnis und Psyche“ in der Jugendarbeit

Wenn die meist erwachsenen Jugendleiter(innen) selbst in den sozialen Medien feste unterwegs sind wird es natürlich schwieriger, den Jugendlichen die Auswirkungen von zu viel Social Media glaubhaft rüberzubringen.

Trotzdem – und gerade vielleicht auch deshalb könnte man ein Gespräch mit den Jugendlichen beginnen.

  • Warum weshalb wieso verbringen wir so viel Zeit in den diversen social media Plattformen?

  • Was macht das ständige Vergleichen mit den anderen mit einem selbst? Welche Gedanken und Gefühle kommen da in einem hoch?

  • Wie kann es gelingen den Kindern zu vermitteln „Du bist wer“ „Du bist einzigartig und wertvoll“ und „sich mit anderen vergleichen wollen, das ist absolut nicht nötig“. Wie kann es gelingen an Selbstbewusstsein zu gewinnen und auch ein besseres Selbstwertgefühl zu erreichen?

  • Muss ich so sein wie die anderen? So aussehen? So leben? Bin ich wer, oder nur eine Marionette, die sich „fremdsteuern“ und beeinflussen lässt? Bilde ich mir meine eigene Meinung, oder wird diese mir indoktriniert?

Ich denke allein, dass man anfängt sich über die möglichen negativen Auswirkungen Gedanken zu machen schafft man womöglich schon einen bewussteren Umgang mit den sozialen Medien. Und vielleicht gelingt es ja einmal bewusst weniger Zeit in den sozialen Medien zu verbringen um mehr an Lebensqualität zu finden.

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