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Squid Game – Was Eltern wissen sollten


Squid Game
© Image by Chetraruc from Pixabay

Die koreanische Netflix-Serie Squid-Game beunruhigt Eltern und Pädagogen zunehmend. In der Serie werden Menschen in finanzieller Not zum Spielball einiger Reicher. Die Idee: Den Hochverschuldeten wird viel Geld in Aussicht gestellt, wenn sie an einem Spiel teilnehmen und als Sieger hervorgehen. Sobald sie zustimmen, werden sie betäubt und an den Spielort gebracht. Im ersten Spieldurchgang werden alle Verlierer getötet. Daraufhin weigern sich die restlichen Teilnehmer, das Spiel zu beenden. Es kommt vorerst zum Abbruch.

Das Ziel von Squid Game

Die Aussichtslosigkeit ihres Lebens bringt einige Spieler dazu, zurückzukehren, um das Spiel zu beenden. Inhalt der aufeinander folgenden Spiele ist, dass die Teilnehmer sich gegenseitig verletzen oder töten. Die jeweiligen Spiele sind an beliebte koreanische Kinderspiele angelehnt. Squid Game ist ein Film, der die koreanische Gesellschaft und ihren Kapitalismus kritisiert. Die Charaktere der Spieler sind so ausgewählt, dass die Zuschauer sich leicht mit ihnen und ihrem Kampf um eine neue Chance identifizieren können. Der immense Erfolg der Serie, die im September 2021 an den Start ging, wird vor allem der offenen und rücksichtslosen Brutalität zugeschrieben. Auch die Tatsache, dass durch Corona viele Menschen in Not geraten sind, erhöht die Anzahl der Menschen, die sich in ihrer Verzweiflung mit den Spielern identifizieren können. Die unerträgliche Armut wiegt bei den Protagonisten schwerer, als die Angst zu sterben. Die Hoffnung auf ein besseres Leben treibt die Menschen zu ihrer Entscheidung, das Spiel fortzusetzen.

Die Grausamkeit der Kinderspiele

Der Film bedient sich der Kinderspiele, um Machtverhältnisse zu demonstrieren, die im Alltag selbstverständlich sind und die auch Kinder aushalten können. Allerdings sind es die Schwächeren, die ausgegrenzt werden. Die, die zum Beispiel beim Tauziehen verlieren oder auch beim Völkerball abgeworfen werden.

Die tatsächliche Botschaft der Serie können sie jedoch nicht erfassen. Die hohe Brutalität oder Rücksichtslosigkeit ist es, die sich gefährlich auf die Psyche von Kindern auswirken kann, die moralisch und in ihrer geistigen Reife noch nicht ausreichend gefestigt sind, um zu verstehen, dass die Darstellung auf eine verachtenswerte gesellschaftliche Entwicklung hinweisen soll. Dazu wirkt die Brutalität zu stark und bewirkt beim Ansehen das Gegenteil von dem, was sie eigentlich sollte, nämlich aufrütteln.

Kinder spielen Squid Game mit ihren Möglichkeiten nach

Kinder kennen die Spiele, die in Squid Game gespielt werden oder sie wählen solche, die ihnen bekannt sind. Mit dem Verlieren sind die Spiele dann aber nicht vorbei. Für den Verlierer gibt es eine Strafe für sein Scheitern, die von den anderen Teilnehmern erteilt wird. Dabei nimmt die Gewalt unter Kindern und Jugendlichen zu. Dass die Spiele sogar auf dem Schulhof gespielt werden, zeigt dass den Schülern nicht einmal ansatzweise bewusst ist, wie falsch, gefährlich und menschenverachtend ihr Verhalten ist. Das realisiert sich auch in dem Einfallsreichtum, den die Kinder und Jugendlichen bei ihren Einfällen entwickeln, anderen zu schaden, die sich nicht wehren können.

Aufklärung ist unverzichtbar

Kinder und Jugendliche von Filmen zuverlässig fernzuhalten, die ihnen schaden könnten, ist unmöglich. Von Netflix selbst stammt die Altersempfehlung „ab 16 Jahren“, aber was soll das auch heißen? Geschaut wird trotzdem. Einen offiziellen FSK-Vermerk gibt es für den Film nicht, zumindest nicht anfangs.

Es ist auch pädagogisch nicht sinnvoll, allein auf Verbote zu vertrauen, denn es nimmt jungen Menschen die Chance, selbst zu bewerten, was für sie gut ist und was ihnen schadet. Nur so können sie ein wertvolles und auch erfolgreiches Mitglied der Gesellschaft werden und in der Gemeinschaft ihren Platz finden. Auch sind Verbote wenig hilfreich, denn in der Gemeinschaft geraten junge Menschen immer wieder in die Situation, in der sie sich dem Sog des gesellschaftlichen Drucks widersetzen müssen. Die Weigerung bei etwas mitzumachen mit der Begründung, dass die Eltern es verboten haben, ist dann nichts, was Freunde akzeptieren. Eher entsteht daraus der Druck, sich zu widersetzen und zu befreien. Das gilt für alle verlockenden Dinge, die Schaden anrichten können. Seien es Drogen und Alkohol, unsinnige oder auch gefährliche Mutproben. Eltern sollten mit ihren Kindern über die Serie sprechen und sie aufklären, was Grundlage und Ziel des Films ist. Ein solches Gespräch sollte auch schon bei Grundschülern stattfinden. Für den Einstieg in eine solche Unterhaltung empfiehlt sich zu fragen, ob die Kinder die Serie schon kennen, davon gehört haben oder ob sie Thema im Freundeskreis ist. Eltern sollten nie davon ausgehen, dass der eigene Nachwuchs ahnungslos ist. Solche Gespräche empfehlen sich grundsätzlich zu allen Themen, bei denen es um alltägliche Gefahren geht.

Die Vermittlung von Werten

Wettkampfspiele, wie Völkerball, werden seit einiger Zeit kritisch diskutiert. Die Vorwürfe kommen vor allem von denen, die chancenlos waren, als Teammitglieder zuletzt ausgewählt und zuerst abgeworfen wurden. Nicht selten ist auch bei diesem Spiel eine gewisse Rücksichtslosigkeit an der Tagesordnung, die über den sportlichen Grundgedanken hinausgeht. Was Fehlverhalten ist, bietet aber auch Chancen. Dazu ist es erforderlich, dass Lehrer und auch Eltern auf den Nachwuchs einwirken und ihm erklären, dass stark zu sein auch mit Verantwortung gegenüber denen zu tun hat, die unterlegen sind. Wer im Wettkampf gegeneinander antritt, darf zwar den Gegner besiegen, doch damit ist es genug.

Vertrauen aufbauen und Kinder stabilisieren

Kinder sollten wissen, dass sie sich bei Problemen grundsätzlich immer an ihre Eltern wenden können. Das gilt auch dann, wenn es schwelende Konflikte gibt. Kinder brauchen zudem ein gesundes Selbstbewusstsein, um sich im Freundeskreis widersetzen zu können. Die Angst vor dem Verlust von Freundschaft darf nicht dazu führen, dass sie an Handlungen teilnehmen, die sie eigentlich ablehnen. Gesundes Selbstvertrauen entwickeln Kinder aber nur, wenn Eltern ihnen eigene Entscheidungen auch zutrauen und verstehen, dass Scheitern zum Leben dazugehört. Vielmehr müssen sie lernen, Konflikte als Chance zu begreifen, neue Aufgaben in Zukunft besser zu bewältigen. Dabei brauchen sie Unterstützung. Vorwürfe, vor allem Sätze wie: „Das habe ich dir doch gleich gesagt“ oder „Hättest du mal auf mich gehört“, helfen nicht weiter, sondern vermitteln den Kindern, besser nichts zu sagen.

Umsetzung in der Jugendarbeit

Es gibt zwar gute und sinnvolle Filme, die man mit der Gruppe ansehen kann. Diese Serie würde ich nun nicht gerade unterstützen in der Gruppe anzusehen. Doch sollten die Kinder- oder Jugendlichen bereits die Serie kennen und gesehen haben, dann könnte man über die Serie in der Gruppe sprechen – erst recht dann, wenn die Kids aktiv davon berichten und sich begeistert zeigen.

Auch ist verständlich, dass jeder dazugehören will und mitreden möchte. Daher ist das Ansehen der Serie für die Kids so verlockend.

Ist das, was in dem Film passiert so außergewöhnlich?

Eigentlich kennen wir das ein oder andere Verhalten bereits. Dass es ein OBEN oder UNTEN gibt, dass Kinder gemobbt werden, dass Kinder ausgegrenzt werden ist ja fast so ähnlich. Das Mobbing, die seelische Gewalt am anderen ist genauso verletzend, wie eine Ohrfeige. Niemand will das am eigenen Körper bzw. Seele erleben. Eigentlich will auch jeder „auf der Gewinnerseite stehen“. Und wer oben steht, schaut auch gerne mal selbstgefällig „auf die, die da unten liegen“. Ich denke, da gibt es genug Parallelen, die man mit den Kids besprechen könnte.

Und in der Jugendarbeit nimmt das spielerische Lernen einen wichtigen Platz ein: Spiel ist soziales Lernen, Lernen für das Leben.

Wenn jedoch die Regeln so ablaufen wie in squid game, dass der Verlierer „nichts mehr wert ist“ und getötet werden muss, ist das gefährlich für die Kinderseele, aber auch für den ein oder anderen Jugendlichen, welcher noch nicht innerlich so gefestigt ist.

Die Kids spielen die Szenen auf dem Schulhof nach, oder in der Klicke. Zwar bleibt es zum Glück nur bei ein paar Ohrfeigen, oder ähnlichem – aber wenn, wenn nicht? Schon schlimm genug, dass so ein Spiel enden muss.

Reflektion und Verarbeitung des Films

Die gesellschaftliche Kritik, die in dem Film gezeigt wird, können Kinder auf keinen Fall verstehen und einordnen. Ältere Jugendliche können das schon besser differenzieren, wenn man da bei einigen zwar auch nicht so sicher sein kann.

Um mit den Kids ins Gespräch zu kommen könnte man diese Fragen stellen:

Was möchte der Film an gesellschaftlicher Kritik zeigen?

  • Gibt es darauf eine Antwort? Können die Kids den Film hinterfragen? Wenn nicht, wäre das eine gute Gelegenheit zu erläutern was dann die Gefahr dabei ist, diesen Film misszuverstehen.

Was macht so ein Film mit einem? Wie geht es einem? Wie geht es den Verlierern?

  • Ängste entstehen, Szenen brennen sich ins Gehirn

  • Man zieht sich zurück und fühlt sich wertlos

  • Ausgegrenzt werden, nicht mehr dazuzugehören – ein Loser sein

  • Was macht das Ansehen von Gewaltszenen mit einem?

Wie geht es dem Gewinner?

  • Hat Macht, spürt Macht, darf den anderen „töten“ und unterdrücken

  • Findet es toll, wenn der andere leidet.

Stell Dir vor, dir würde das passieren. Wie würdest Du reagieren? Wie ergeht es Dir?

  • Als derjenige, der auf der Verliererseite steht?

  • Als derjenige, der auf der Gewinnerseite steht?

Ist der Film ein Vorbild für das soziale Miteinander? Was bedeutet soziales Miteinander?

Was bedeutet das „Spielen in der Jugendarbeit“?

Wie bereits erwähnt: Spiel ist soziales Lernen, Lernen für das Leben. Vor daher halte ich das Spielen für so wichtig – selbst Spiele, wo es auch mal etwas härter zur Sache geht. Jedoch ist immer darauf zu achten, dass es fair und ohne Überforderung abgeht.

Klare Regeln für das Spielen sind wichtig, wie auch das rechtzeitige Einschreiten, oder ein Spielabbruch, wenn es unfair wird.

Gewinnen und verlieren lernen ist wichtig – aber ohne Gewalt, ohne Mobbing, ohne Gesichtsverlust. Ich achte darauf, dass derjenige, der verliert von den anderen genauso behandelt wird, wie der Gewinner. Und bei einem ausgewogenen Verhältnis von Spielen steht man einmal als Gewinner, und ein anders mal als Verlierer dar. Aber das wichtigste: Spielen muss Spaß machen, ohne dass jemand (psychischen) Schaden nimmt.

Und das, was bei squid game gezeigt wird, ist nicht das, wie wir miteinander umgehen wollen.

November 2021

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