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Vertrauensstudie 2022: der Hang zu Verschwörungstheorien steigt

Vertrauen ist eine wichtige Voraussetzung für emotionale Zufriedenheit
Vertrauen ist eine wichtige Voraussetzung für emotionale Zufriedenheit
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Vertrauen ist eine wichtige Voraussetzung für emotionale Zufriedenheit, einen optimistischen Blick auf sich selbst und einen zuversichtlichen Blick in die Welt und die Zukunft. Die Vertrauensstudie Die Vertrauensstudie 2022, die im Auftrag der Bepanthen-Kinderförderung von der Universität Bielefeld erstellt wurde zeigt dahingehend ein erschreckendes Bild: Demnach misstrauen mehr als zwei Drittel der über 1.500 befragten Kinder und Jugendliche den Medien und zeigen auch große Vorbehalte gegenüber öffentlichen Einrichtungen.

Kein Vertrauen in Medien

75,5 Prozent der Befragten misstrauen Zeitungen, 71,6 Prozent haben kein Vertrauen in Journalisten lautete ein wichtiges Ergebnis. Über ein Drittel der Befragtem ist außerdem davon überzeugt, dass wichtige Informationen zurückgehalten werden und stattdessen die eigene Meinung verbreitet wird. Ferner vertrauen Jugendliche öffentlichen Einrichtungen und Behörden nur bedingt. So vertrauen lediglich 53,9 Prozent der Bundesregierung, den Vereinten Nationen 54 Prozent. Am größten ist das Vertrauen von Jugendlichen dagegen in Wissenschaftler und Polizei mit 76,1 beziehungsweise 79,9 Prozent.

Zwischen Skepsis und Verschwörungsneigung

Dazu sagt der Studienleiter Prof. Dr. Holger Ziegler: „Das eklatante Misstrauen der Jugendlichen in die Medien, verbunden mit der Annahme, dass diese absichtlich Informationen verschweigen oder nur ihre eigene Meinung verbreiten, halten wir für alarmierend.“ Dabei unterscheidet er zwischen gesunder Skepsis und Verschwörungsneigung. Ersteres betrachtet er als sinnvoll und auch nützlich. Wer davon ausgehe, dass Medien absichtlich Informationen verschweigen und die Nutzer manipulieren wolle, bewege sich in einem gefährlichen Bereich von Verschwörungsneigung.

Das scheint auch die Studie zu belegen. Denn deutlich mehr als ein Drittel der Jugendlichen, die wenig Vertrauen in öffentliche Einrichtungen haben, zeigten eine starke Anfälligkeit für Verschwörungsgedanken. Dieser Zusammenhang zeigt sich auch in Bezug auf den Medienkonsum. Den 37,6 Prozent der Jugendlichen, die vor allem soziale Medien für ihre Informationen nutzen, zeigten eine starke Verschwörungsneigung. Diese lässt sich dagegen nur bei 5,4 Prozent der Jugendlichen feststellen, die bevorzugt öffentlich-rechtliche Medien nutzen.

Wenig Vertrauen in sich selbst und in andere

Zweifel an sich und an den Mitmenschen sind während der Pubertät zu einem gewissen Grad zu erwarten. Nach der Vertrauensstudie 2022 besitzen 25 Prozent der Jugendlichen nur ein geringes Selbstvertrauen. Etwa ein Drittel sagte, dass sie Schwierigkeiten damit hätten, ihre Pläne umzusetzen und Ziele zu erreichen. Ein Viertel fühlt sich mit neuen Herausforderungen überfordert, 41 Prozent habe gelegentlich das Gefühl, dass sie nutzlos seien und 61 Prozent haben Angst davor, etwas falsch zu machen.

Auffällig ist jedoch, wie wenig Vertrauen die befragten Teenager in andere haben. So vertrauen zwei Drittel anderen Menschen nicht, etwa jeder zweite geht davon aus, dass er ausgenutzt wird, wenn er sich auf andere verlässt und hat auch schon die Erfahrung gemacht, dass er sich nicht auf andere Verlassen kann. Ferner zweifeln 39 Prozent daran, dass andere Menschen gute Absichten verfolgen.

Junge Mädchen sind skeptischer als Jungs

Die Forscher stellten außerdem fest, dass es einen deutlichen Unterschied zwischen Jungs und Mädchen gibt, wenn es um Vertrauen geht. Sie stellten fest, dass Mädchen im Teenager-Alter weniger Vertrauen in sich und andere haben als gleichaltrige Jungen. Und auch das Vertrauen in öffentliche Einrichtungen ist bei Mädchen geringer ausgeprägt. Einen geschlechterspezifischen Unterschied bezüglich des Vertrauens stellten sie bei Kindern jedoch nicht fest.

Das Vertrauen in die Zukunft und die Ängste der Jugendlichen

Ein geringes Selbstvertrauen und mangelndes Vertrauen in andere Menschen beeinflusst auch das Denken an die Zukunft. 25,8 Prozent der Befragten blicken pessimistisch in die Zukunft und hat auch große Ängste davor. Diese beziehen sich vor allem auf Klimawandel, Umweltverschmutzung, Krieg und Armut. Dabei unterscheiden die Jugendlichen aber sehr wohl zwischen ihrer persönlichen und der gesellschaftlichen Zukunft. Denn nur 4,3 Prozent der Befragten sehen die eigene Zukunft negativ, auf die gesellschaftliche Zukunft haben jedoch 34,8 Prozent einen negativen Blick.

Der Unterschied im Vertrauen zwischen Kindern und Jugendlichen

Kinder haben einen deutlich vertrauensvolleren Blick in die Welt als Jugendliche. Etwa die Hälfte der Kinder vertraut voll und ganz auf seine eigenen Fähigkeiten, Erwachsenen gegenüber haben etwa ein Drittel der Kinder ein uneingeschränktes Vertrauen, gegenüber Gleichaltrigen hingegen nur 7,5 Prozent. Die große Mehrheit der Kinder wägt aber sorgfältig ab, wem sie vertrauen können und wem nicht. An eine uneingeschränkt positive Zukunft glaubt nur ein Drittel der Kinder. Sie treiben vor allem die Angst vor einer gefährlichen Krankheit und Armut um.

Umsetzung Thema Vertrauen in der Jugendgruppe

Diese aktuellen Studienergebnisse können Anlass sein um das Thema Vertrauen in der Jugendgruppe zu besprechen.

Vielleicht könnt ihr da zunächst mal eine kleine eigene Umfrage starten um die Ergebnisse dann mit dieser Studie zu vergleichen.

  • Wem vertrauen die Jugendlichen?

  • Wie baut man Vertrauen auf?

  • Wie wird Vertrauen zerstört?

  • Welche Erfahrungen bzgl. Missbrauch von Vertrauen wurden gemacht?

  • Wo müsste man misstrauisch sein?

  • Welche Rollen spielen die Medien? Welchen Medien kann man vertrauen? Was kann man überhaupt noch glauben in einer Welt voller „Fake“-News?

  • Wie entstehen „Fake-News“ und können als solche entlarvt werden?

  • Wem würdest Du trauen?

  • Welches Vertrauen hast Du in die Politik? In Deine Eltern? In Deine Freunde? In Deine Zukunft?

Also viele Fragen und Anknüpfungspunkte um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.

Hier noch ein paar weitere Tipps für einen Abend rund um das Thema Vertrauen.


  • Vertrauenskultur in der Jugendgruppe

    Unter Vertrauenskultur verstehen wir ein Klima des Vertrauens, egal ob in einem Unternehmen, an einer Schule oder in der Jugendgruppe. Jeder Mensch besitzt ein sogenanntes Grundvertrauen, ohne dass er gar nicht lebensfähig wäre. Das Grundvertrauen reicht jedoch nicht aus, um innerhalb einer Gruppe oder Institution eine Vertrauenskultur zu schaffen.


  • Nichts kann den Menschen mehr stärken als das Vertrauen, das man ihm entgegenbringt

    Ein Themenabend über „Vertrauen“ mit all seinen Facetten lohnt sich allemal durchzuführen. Nichts kann den Menschen mehr stärken als das Vertrauen, das man ihm entgegenbringt.


  • Vertrauen

    Wer Vertrauen nicht in seiner Kindheit und Jugend erlernt, wird auch später nur schwerlich solches aufbauen können. Daher sind Vertrauensspiele innerhalb einer Jugendgruppe besonders wichtig und sollten in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden.


  • Vertrauen | Freunde und FreundschaftVertrauen | Freunde und Freundschaft

    Wer kann von sich sagen, dass er 1000 Freunde hat? Wenn es unter 1000 Freunden nur einen geben soll, dem man richtig vertrauen kann, dann ist es ganz schön schwierig gute Freunde zu finden. Wer hat das nicht schon feststellen müssen? Vertrauen zu zerstören dauert wenige Sekunden. Ein Vertrauensaufbau dagegen, ist ein langer und langsamer Prozess.

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