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Viele kennen es noch aus der eigenen Schulzeit: Auf dem Pausenhof wird fleißig präsentiert, welche neuen Sammelkarten man bekommen hat – und anschließend getauscht oder über die besten Karten diskutiert. Die Schüler werden von den simplen Sammelkarten regelrecht in den Bann gezogen, sodass es in den Pausen kaum noch ein anderes Thema gibt. Doch nicht bei allen rufen sie Begeisterung hervor: Eltern und Pädagogen sehen in dem Sammelfieber vor allem Potential für Konflikte. Wie Sammelkarten Leidenschaften wecken oder gar zum Lernmedium werden können, verrät dieser Beitrag. Aber auch, was Pädagogen zur richtigen Begleitung wissen sollten, lässt sich nachfolgend nachlesen.
Fußball Samelkarten © Mario Cvitkovic from Pixabay
In den USA waren Sammelkarten schon bei Kindern der 50er Jahre in: In dieser Zeit kamen erste Basketballkarten heraus, die das heutige Sammelfieber von Sport-Memorabilia ins Rollen brachten. In Europa sollte es hingegen noch eine Weile dauern, bis sich die bunten Cards in das Herz von Kindern schleichen – und das, obwohl Sammelbilder von Marken wie Panini bereits seit den 1960ern herausgegeben wurden.
Samelkarten © Federico Ghedini from Pixabay
Mit dem Erscheinen erster Pokémon-Spiele für den GameBoy und den dazugehörigen Karten wurden Deutschlands jüngere Generationen erst 1999 so richtig vom Sammelfieber gepackt. Nur kurze Zeit später – nämlich Anfang 2002 – wurde die Nachfrage nach spannenden Sammelkarten mit Yu-Gi-Oh! gestillt. Dank der treuen Fangemeinde des gleichnamigen Animes hat die Nachfrage nach den Spielkarten bis heute nicht abgenommen, wie unter anderem im Yu-Gi-Oh! Shop von GamersHeaven deutlich wird. Mittlerweile stehen die sogenannten Trading Cards zu nahezu allen Themen und Interessensgebieten zur Verfügung – beispielsweise Fußball, Filmen und Fernsehserien. Deshalb verwundert es kaum, dass der Sammel- und Tauschspaß auf den Schulhöfen bis heute anhält.
Was für Erwachsene auf den ersten Blick wie reine Sammelbegeisterung wirkt, ist in Wirklichkeit viel mehr als das: Das intensive Sammeln und Tauschen fördert echtes Interesse und sorgt ganz nebenbei für wichtige Lerneffekte. Wer sich mit den Regeln des Kartenspiels auseinandersetzt und gegeneinander antritt, setzt sich beispielsweise mit strategischen Denkweisen auseinander. Aber auch das Gedächtnis wird durch die Sammelkarten gefördert: Das Sammeln der verschiedenen Karten und Merken ihrer Daten ist ein gutes Gedächtnistraining. Weil die Informationen gelesen und verstanden werden müssen, fördern die Karten allerdings auch das Leseverständnis. Nur so kann das Kind mit Kameraden mithalten, die sich über ihre Sammlungen austauschen.
Sammelkarten schaffen die Gelegenheit für soziale Interaktion und fördern damit die Gemeinschaft. Gleichgesinnte tauschen sich rege über ihr Interessengebiet aus, woraus echte Freundschaften entstehen können. Während des Tauschs müssen Kinder allerdings auch ihr Verhandlungsgeschick verfeinern und unter Beweis stellen, um ihre Sammlung vervollständigen zu können. Dies kann sich wiederum positiv auf das eigene Selbstwertgefühl auswirken – beispielsweise durch das Empfinden von Stolz über die eigene Verhandlungsleistung.
Wegen des sozialen Austauschs ermöglichen Sammelkarten auch eine Lernkurve in emotionaler Hinsicht: Kinder lernen beim Tausch oft, mit Enttäuschungen und Frustration umzugehen. Gleichzeitig finden sie schnell heraus, dass das Angeben nicht förderlich ist, um Freundschaften zu schließen oder neue Tauschpartner zu finden. Kinder lernen zudem, sich mit anderen über besonders seltene oder wertvolle Kartenexemplare zu freuen – das Schulhofspiel fördert also auch die Empathie.
Natürlich können Trading Cards auf dem Schulhof auch Konflikte hervorrufen, weshalb sie von vielen Eltern und Pädagogen eher kritisch beäugt werden. Schließlich wollen es viele Eltern vermeiden, dem mit dem Sammeln verbundenen Konsum nachzugehen. Außerdem ist das Sammeln der Trading Cards mit dem Kauf von Alben, Starter-Bundles und Blisterpackungen verbunden, die mit der Zeit hohe Kosten verursachen können. In der Pause kommt es mit den Karten des Weiteren zu:
Neid: Wertvolle Sammlungen rufen nicht selten Neid und Diebstähle hervor. Letztere müssen von Pädagogen oft aufwendig geklärt werden und sind mit weiteren Konflikten verbunden.
Ausgrenzung: Kinder ohne Sammelkarten werden oft vom Tausch- und Spielerlebnis ausgegrenzt. Zudem sind sie einem enormen Druck ausgesetzt, sich ebenfalls Sammelkarten anzuschaffen, um mit den Gleichaltrigen mithalten zu können. Dies wiederum kann zuhause zu Konflikten führen.
Streitigkeiten: Gelingt ein Tausch nicht zur Zufriedenheit aller Beteiligten, kommt es häufig zu Streit. Oft ist die Hilfe der Pädagogen vonnöten, um solche Konflikte aus dem Weg zu räumen.
Die gute Nachricht ist: Alle zuvor genannten Herausforderungen können auch als Lerngelegenheit angesehen werden. Es handelt sich also keineswegs um Nachteile, sondern um Möglichkeiten für Eltern und Pädagogen, die kindliche Entwicklung sogar zu fördern. Die neuen Erfahrungen fördern unter anderem die Kommunikation und die Problemlösungsfähigkeit des Nachwuchses. Dazu ist allerdings eine gute Begleitung mit klaren Regeln und dem gemeinsamen Reflektieren vonnöten.
Übrigens: Sammelkarten wurden schon von dem ein oder anderen Lehrer dazu verwendet, Schülern eher langweilige Themen auf motivierende Weise näherzubringen. Ob als Rechenaufgabe oder zum Nacheifern von Strategien aus der Geschichte – mit ein wenig Aufwand und Kreativität können Sammelkarten als Lernmittel eingesetzt werden, welche das Interesse der Schüler wecken.
Hier ein Beispiel zum Thema Geschichte.
Januar 2026
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