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Gaming-Sucht


Allzu oft entstehen dann aus einer Kombination der scheinbaren Gaming-Sucht des Jugendlichen
und dem Hass der Eltern auf den Computer enorme Konflikte.
© 11333328 auf Pixabay

Wie man Stunde um Stunde vor seinem Computer sitzen kann, sich körperlich kaum rührt und nichts macht außer immer wieder das gleiche Spiel in Dauerschleife durchzuzocken, ist für viele Eltern unverständlich, wo es doch für deren Jugendliche das Normalste auf der Welt zu sein scheint.

Konfliktherd zwischen Kind und Eltern

Allzu oft entstehen dann aus einer Kombination der scheinbaren Gaming-Sucht des Jugendlichen und dem Hass der Eltern auf den Computer enorme Konflikte, und viel zu oft resultiert daraus eine Art Teufelskreis; das Kind fühlt sich unverstanden und wenig in seiner Lebenswelt respektiert, während die Eltern das Gefühl nicht loswerden, mit einer uneinsichtigen Wand kommunizieren zu wollen.

Woher aber kommt das so exzessive Gaming Verhalten von so vielen Jugendlichen eigentlich? Welche Rolle können die Eltern einnehmen, um ihre Kinder bestmöglich bei ihrer Entwicklung zu unterstützen, und gleichzeitig die Familienharmonie in Balance zu halten?

Meine Erfahrungen als Gamer

Mein Name ist Simon, mittlerweile bin ich 22 Jahre alt und führe ein ziemlich ausgeglichenes Leben. Vor ungefähr sieben Jahren, als ich 15 wurde, habe ich meinen ersten Gaming Computer geschenkt bekommen. Das war allerdings ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt. Genau in dieser Lebensphase fing ich an erwachsen zu werden, ich erfuhr wie es ist, die ersten Aufgaben des echten Lebens meistern zu müssen und die Flut an plötzlichen Verantwortungen überforderte mich.

Der Computer und die virtuelle Welt kamen, zumindest meines Empfindens nach, genau richtig. Anstatt mich diesem neuen, angsteinflößenden Leben zu stellen, konnte ich mich in eine leichtere Alternative flüchten. Eine Alternative mit weniger realen Konsequenzen, wo man einfach wieder auf den Restart Knopf drücken konnte, wenn etwas schiefgelaufen ist.

Eine Alternative, in der man sein reales Gesicht einfach hinter einem Avatar verstecken konnte. Ich begab mich in die Welt der Videospiele, von der ich auch wohlwollend empfangen wurde. Dort hatte ich meine Freunde, meinen Status, meine klaren Aufgaben und vor allem habe ich mich dort plötzlich wieder sicher gefühlt.

So vergingen die Tage, Wochen und Monate, wo mein reales Leben eigentlich immer weiter den Bach runterging.

Je weniger Lebenswertes ich in der Realität finden konnte, desto leichter wurde die Flucht in virtuelle Welten. Es wäre so einfach gewesen, mich in dieser Spirale zu verlieren und geradewegs in eine ernsthaftere Sucht abzurutschen, wäre da nicht mein Vater gewesen...


Stunde um Stunde vor dem Gaming PC sitzen und die Welt drum herum vergessen.
© Tomasz Mikolajczyk auf Pixabay

Mein Vater hat mein Verhalten für eine lange Zeit beobachtet. Er hat es nie nicht gut geheißen, es aber dennoch toleriert. Die anfänglichen Versuche seinerseits, mich aus meiner Gamingwelt rauszuholen, scheiterten jämmerlich. All seine subtilen oder direkten Wege, mich wieder mit der Realität in Berührung zu bringen, gingen ziemlich nach hinten los.

Bis er sich schlussendlich dazu entschlossen hat, verstehen zu wollen, was ich da eigentlich den ganzen Tag mache. Seine Auseinandersetzung mit meinen Interessen und meiner Lebenswelt führten am Ende dazu, dass ich meine Karriere als Herrscher der digitalen Welten frühzeitig beendete. Und dafür bin ich ihm heute noch jeden Tag dankbar. Denn die Zeit vor meinen Spielen, die er mir erspart hat, ist wertvolle Lebenszeit. Minuten und Stunden, die ich ansonsten nie wieder zurückbekommen hätte und die ich heute umso mehr zu schätzen weiß.

Tool4Spirit: Verstehen Lernen wie es zur Gaming-Sucht kommen kann

Das war es, was mir die Motivation gab, Tools4Spirit zu gründen. Unser Ziel ist es, Eltern ein detaillierteres und wertvolles Verständnis zu bieten, wie virtuelle Welten aufgebaut sind, was sie speziell für Kinder und Jugendliche so anziehend macht und was diese in den Computerspielen suchen.

Dieses Wissen kann bei Eltern zu der Einsicht führen, die ihnen den Zugang zu ihrem Kind erst ermöglicht. Ist dieser Zugang erst einmal gelegt, kommt auch die Möglichkeit der Veränderung, der Kommunikation, seine Sorgen und Bedenken äußern zu können ohne die Angst, damit nur weiteren Stress zu kreieren.

Simon
https://www.tools4spirit.net/


Spielsüchtige Kids verstehen lernen – den eigenen Beitrag dazu ebenfalls

Ich habe ein bisschen mit Simon hin und her gemailt. Ich finde das Anliegen gut, das die Macher von Tools4Spirit bezwecken. Denn auch ich kenne die Sorgen, die Eltern haben, wenn ihr Kind nur noch vor dem (Gaming)PC sitzt und Tag und Nacht zockt.

Es ist schwierig einen Rat für Eltern zu geben, die von ihrer Art her unsicher und ängstlich sind. Deren "Grundeinstellung" - nämlich Angst und Hysterie - wird sich auf das Kind übertragen - auch wenn sie es vermeiden wollen. Also müssen die Eltern lernen keine Angst mehr zu haben. Das kann nur gelingen, wenn sie den Gaming-Spielen vielleicht sogar noch was Positives abgewinnen können.

Und die Eltern müssen verstehen lernen, warum sich ihr Kind in eine eigene Welt flüchtet.

Die Eltern müssen lernen, dass dies oft eine temporäre Entwicklung ist, also auch mal vorbei ist.

Die meisten Eltern wollen ja nur das Beste für das Kind. Dabei umsorgen, versorgen und belabern die Eltern ihr Kind so dermaßen, dass dies als Druck, als Bedrängung, als Kritik vom Kind wahrgenommen wird. Um sich dem zu entziehen flüchtet das Kind. Vielen Eltern ist das gar nicht bewusst. In der Themensammlung zur Jugendpädagogik finden sich einige Artikel zur Bedrängung, zur Kritik.

Nicht das Kind ist das Problem, sondern meistens die Eltern. Wenn die Eltern dies erkennen, dann können Sie auch das Kind verstehen und mit ihm reden. Und zwar so reden, dass das Kind entscheiden kann z.B. spielen oder lernen, Freunde treffen, oder hinterm PC hocken. Das Kind wird es irgendwann selber merken. Die Eltern sollten allerdings auch nicht ihr Kind sich so ganz selbst überlassen. Also Unterstützen, Reden, vielleicht Alternativen anbieten.

Warum verlieren sich Kids in der Gaming-Welt?

Ja da gibt es ja keine Eltern und keine Standpauke. Niemand wo kritisiert. Man hat alles selber in der Hand. Und nippelt man mal in einem Level ab, dann starte ich halt noch mal von vorne. Echt erstaunlich: versaue ich mal eine Klassenarbeit gebe ich schon auf - anstatt mich hinzusetzen und etwas mehr zu lernen.

Da scheint es einen Unterschied zu geben: das Versagen in der Schule, die Kritik der Eltern wiegen um einiges mehr, als das nächste Level nicht zu erreichen. Da gebe ich alles, auch wenn ich x-mal scheitere. Aber dieses Scheitern macht dem Spieler (dem Kind) nichts aus. Der PC kritisiert ja einen nicht so direkt, wie man es von den Eltern her kennt.

Und hier sind wir bei der Psychologie. Dem Verstehen lernen, das Feingefühl zu entwickeln, um mit meinem Kind sprechen zu lernen.

  • Wie rede ich mit meinem Kind?

  • Was kann ich da alles falsch machen? Was habe ich bisher falsch gemacht?

  • Warum flüchtet es sich eigentlich in "virtuelle Welten"?

  • Welchen Beitrag habe ich dabei geleistet für diese Flucht?

  • Wie kann ich selber ruhig werden, ohne meine Ängste auf das Kind zu übertragen - und es dadurch noch mehr unter Druck setze, es sich kritisiert und schlecht fühlt?

Und es gibt auch durchaus positive Aspekte von Gaming-Spielen: Reaktionsschnelligkeit, Erkennen von Situationen, Treffen von schnellen, der Situation angepassten Entscheidungen, Strategisches Vorgehen, Merkfähigkeiten, Durchschauen des Spiels, etc etc.

Eigentlich einige skills, die man für das spätere Berufsleben brauchen kann.

Naja, alles nicht so einfach. Und jeder Mensch ist ja individuell, also gibt es sicherlich kein Patentrezept.

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