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Reisebericht: 160-Kilometer-Wanderung in der Bretagne

Vorwort: Mit Rucksack und Kohte an Frankreichs raue Küste

Heute bucht man Jugendreisen mit wenigen Klicks im Internet, schläft in modernen Tiny Houses und teilt die Urlaubseindrücke sekündlich als Story auf Instagram. Doch im Sommer 1980 sah echtes Abenteuer noch ganz anders aus.

Ausgerüstet mit schweren Rucksäcken, unseren traditionellen Kohten-Zelten und einer gehörigen Portion Abenteuerlust machten wir uns als Jungenschaft auf den Weg in die Bretagne. Drei Wochen lang bedeutete das: Schlafen im Zuggang, improvisierte Flussüberquerungen per Fischerboot, kilometerweite Märsche für frisches Trinkwasser und ein selbst gegrabener Erdkühlschrank im Dünensand.


Zu Fuß mit der Jugendgruppe durch die Bretagne: mit Rucksäcken und Kohten ging es 160 Kilometer am Strand entlang, oder durch das Landesinnere der Bretagne.
©: www.praxis-jugendarbeit.de

Ohne den Komfort von heute, aber mit unendlich viel Freiheit im Gepäck, waren wir ganz auf uns allein gestellt. Wir lernten, wie man bei den bretonischen Gezeiten den Überblick behält, wie man sich ein Festessen durch tatkräftige Hilfe bei der Zwiebelernte verdient und wie man als Gruppe mit allen Stärken und Schwächen zusammenwächst.

Die folgenden Zeilen dokumentieren eine Reise voller Sand, Sonne, Muskelkater und unvergesslicher Kameradschaft. Die alten Fotos zeigen nicht nur die wunderschöne, raue Küste Frankreichs – sie zeigen eine Zeit, in der wir gemeinsam die Welt entdeckten.

Und wie man feststellen kann: die Wanderfreizeit fand vor über 45 Jahren statt. Seitdem hat sich viel geändert – aber das Erlebnis bleibt. Was damals möglich war, ob das auch heute noch machbar ist? Vielleicht ist dieser Bericht Inspiration.

Mittwoch, 23. Juli 1980

Mit zwölf Jungs aus der Jungenschaft und unseren zwei Betreuern brachen wir um 23:30 Uhr vom Stuttgarter Hauptbahnhof zu unserer großen Wanderfreizeit in die Bretagne auf. Da in fast allen Bundesländern gerade die Sommerferien begannen, platzte der Zug aus allen Nähten. Die Fahrt war extrem anstrengend und beengt: Statt zu acht halbsitzend im überfüllten Abteil zu schlafen, zogen es einige von uns vor, sich abwechselnd direkt auf den staubigen Boden des Zuggangs zu legen. Doch auch diese Tortur ging irgendwie vorüber.

Donnerstag, 24. Juli 1980

Frühmorgens um 7:00 Uhr rollten wir endlich in Paris ein. Mit der Métro wechselten wir zum Bahnhof Montparnasse. Da unser Anschlusszug erst am Nachmittag ging, nutzten wir die Zeit für einen knapp zehn Kilometer langen Stadtbummel quer durch Paris – vorbei an den Champs-Élysées, dem Eiffelturm und dem Triumphbogen.

Um 14:35 Uhr ging es schließlich mit dem Zug weiter nach Brest, wo wir um 20:53 Uhr ankamen. Das Abenteuer begann sofort: Um überhaupt aus der Stadt herauszukommen, mussten wir noch am selben Abend loswandern. Bis kurz vor 23:00 Uhr schleppten wir uns vorwärts, ehe wir uns – manche von uns nur noch halblebend – auf die erstbeste Wiese warfen und sofort in einen tiefen Schlaf fielen.

Freitag, 25. Juli 1980


Spät nachts legten wir uns auf einer Wiese einige Kilometer nach Brest zum Schlafen. Der nächste Morgen war nasskalt und wolkenverhangen.
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Das Gepäck wog bei einigen fast 20 Kilogramm. Jeder Teilnehmer
hatte zudem noch ein Zeltteil, oder andere Ausrüstungsgegenstände
zu tragen.
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Der Morgen empfing uns trüb und wolkenverhangen. Hoffentlich wird die ganze Tour nicht so grau wie dieser Tagesbeginn, mag mancher von uns insgeheim gedacht haben. Unterwegs kauften wir erst einmal die wichtigsten Dinge für ein Frühstück ein. Kurz darauf stürmten wir gemeinschaftlich eine Telefonzelle, um den daheimgebliebenen Eltern via Festnetz zu berichten, dass wir noch am Leben waren und es uns gut ging.

Irgendwann am Vormittag erreichten wir endlich das Meer. Ein paar Mutige wagten sogar den Sprung ins eiskalte Nass, das gefühlt deutlich unter 15 Grad hatte.


Irgendwann am Vormittag erreichten wir endlich das Meer. Ein paar Mutige wagten sogar den Sprung ins eiskalte Nass...
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Gegen Spätnachmittag kamen wir am Pointe de Saint-Mathieu an. Ein unheimlich freundlicher Leuchtturmwärter nahm uns in Empfang, zeigte uns stolz seinen Turm und erklärte uns ausführlich dessen Funktion. Nach einem anschließenden Weitermarsch von etwa zwei Kilometern erlaubte uns ein Besitzer, auf seiner Wiese zu übernachten. Während einige Erschöpfte sofort in ihre Schlafsäcke krochen, wanderte der Rest der Truppe zur etwa einen Kilometer entfernten Steilküste, um den Sonnenuntergang abzuwarten. Die Ebbe setzte gerade ein – es war faszinierend, diesem ewigen Spiel der Gezeiten zuzusehen. Wir sammelten am Strand etwas Treibholz, entfachten ein kleines Lagerfeuer und genossen den spektakulären Ausblick. Erst als das Holz komplett heruntergebrannt war, machten auch wir uns auf den Rückweg, um endlich zu schlafen.


Dem Sonnenuntergang zuzuschauen war ein schönes Erlebnis.
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Samstag, 26. Juli & Sonntag, 27. Juli 1980


Man muss ja nicht gleich ein Zelt aufbauen. So ein Biwak geht auch.
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Der nächste Morgen begann mit leichtem Regen. Ohnehin ließen wir es an diesen beiden Tagen ruhig angehen und wanderten insgesamt nur sieben Kilometer. Zwei Nächte lang zelteten wir völlig einsam in einer traumhaften Dünenlandschaft. Wir verbrachten die Zeit mit Schwimmen, wagten die ersten wackligen Surfversuche, kochten über dem Lagerfeuer oder holten frisches Wasser aus dem drei Kilometer entfernten Le Conquet. Ansonsten hieß es: einfach nur dösen, ausruhen und die Strapazen der Anreise vergessen.


Auf dem Feuer kochen, oder ein Lagerfeuer am Abend direkt am Strand sind besonders schöne Momente.
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Montag, 28. Juli 1980


Der Menhir von Kerloas mit seinen 12 Mteren ragte aus einem
Maisfeld heraus. Wir wanderten im Schatten des Menhirs mehrere
Stunden mit.
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Dieser Tag sollte zu einem der heißesten der gesamten Freizeit werden. Um 10:00 Uhr brachen wir auf, um einen rund 14 Kilometer entfernten Hinkelstein zu suchen. Es handelte sich um den Menhir von Kerloas, den mit zwölf Metern Höhe größten noch stehenden Hinkelstein der Region. Nach langer, schweißtreibender Suche kamen wir mittags endlich an.


5 Liter Milch wurde in den umliegenden Höfen aufgetrieben.
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Die unbarmherzige Hitze forderte ihren Tribut: Frank holte sich unterwegs einen Sonnenstich. Der Hinkelstein stand mitten in einem riesigen Maisfeld und war weit und breit der einzige Schattenspender. Stolze fünf Stunden harrten wir dort aus. Da der Schatten im Laufe des Nachmittags wanderte, mussten wir uns mitsamt unserem Gepäck Stück für Stück im Kreis um den Koloss herumbewegen. Als unsere Wasservorräte bedrohlich zur Neige gingen, zogen drei Jungenschaftler mit Feldflaschen und einem Fünf-Liter-Kanister los, um bei den umliegenden Höfen Wasser und frische Milch zu organisieren.

Erst in der kühleren Abendluft ging es weiter. Frank hatte sich glücklicherweise wieder einigermaßen erholt, und so marschierten wir mit Volldampf voran. Um 22:00 Uhr erreichten wir Brélès. Ein sehr netter Bauer erlaubte uns, im Innenhof seines Hofes zu übernachten. Hinter uns lag eine stolze Tagesstrecke von rund 27 Kilometern.


An diesem Abend sind wir bis spät Abends noch gewandert. Die lange
Zeit am Menhir musste aufgeholt werden.
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Bei diesem Bauern haben wir im Innenhof übernachtet. Unter dem
Heuwagen, oder einfach im Gras. Das kleine Plumpsklo steht rechts.
Da gab es schön in Streifen gerissenes Zeitungspapier...
Frühmorgens stellte der Bauer uns einen Kanister Milch hin.
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Dienstag, 29. Juli & Mittwoch, 30. Juli 1980

Nach dem Gewaltmarsch schalteten wir wieder einen Gang zurück und legten an diesen beiden Tagen nur 14 Kilometer zurück. In Lampaul-Ploudalmézeau schlugen wir unsere zwei Kohten auf einer Wiese auf, die nur 250 Meter vom Meer entfernt lag – das örtliche Bürgermeisteramt hatte uns das Zelten dort hochoffiziell erlaubt. Unsere Hauptbeschäftigungen bestanden fortan aus Eisessen im Dorf, ausgiebigen Strandspaziergängen, Fußballspielen und dem gepflegten Faulenzen im Schlafsack.


Die Zelte standen unweit vom Strand in einer schönen Dünen- und Strandlandschaft.
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Relaxen, Ballspiele oder Gegend erkunden waren der Zeitvertreib.
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Strandspaziergang
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Die hohen Dünen luden richtig für gewagte Sprünge ein.
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Aber auch so manch anderer Quatsch wurde gemacht.
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Nach 2 Tagen packten wir wieder unsere Zelte ein und machten uns auf den Weg zu den nächsten Zielen.
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Donnerstag, 31. Juli 1980

Am Morgen packten wir die Kohten zusammen, und weiter ging die Reise. Nach einigen Umwegen – von denen allerdings nur unser Gruppenleiter wusste – standen wir plötzlich vor dem ersten „Aber“, einem der typischen bretonischen Meeresarme, die hier tief ins Landesinnere einschneiden. Weit und breit gab es im Umkreis von zehn Kilometern keine Brücke.


Hier wollten wir eigentlich ans gegenüberliegende Ufer. Leider gab es weit und breit keine Brücke.
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Ein Junge mit seinem Boot bot uns an uns auf das andere Ufer
überzusetzen.
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Für die Überfahrt bekamen alle Schwimmwesten mit Trillerpfeife.
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Kurzerhand quatschten wir einen einheimischen Jungen an, ob er uns nicht mit seinem Boot auf die andere Seite des Arber Benoit übersetzen könnte. In zwei Fahrten schafften wir es tatsächlich. Wir holten uns beim Einsteigen zwar nasse Füße und die Angelegenheit wackelte bedenklich, aber diese improvisierte Flussüberquerung ersparte uns gut zwei bis drei Stunden Fußmarsch.


Etwas überladen sieht es ja schon aus. Und ob die Schwimmwesten was nützen würden, wenn man mit Rucksack ins Wasser fällt? In 2 Fahrten waren wir am andere Ufer angekommen. Puh, alles nochmal gut gegangen.
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Den nächsten Meeresarm (Aber Wrac’h) erreichten wir genau in dem Moment, als die Flut einsetzte. Wären wir nur 30 Minuten früher dran gewesen, hätten wir ihn noch problemlos über eine Steinbrücke (es könnte vermutlich diese gewesen sein) überqueren können. Nun aber war die Strömung bereits so reißend, dass sie uns unweigerlich die Füße weggezogen hätte – das Risiko, mit den schweren Rucksäcken ins Wasser zu stürzen, war einfach zu groß. Also änderten wir kurzerhand unsere Route und schlugen die Richtung nach Le Folgoët ein.


Der Wasserpegel stieg und stieg. Zudem war der Untergrund mehr
Schlick wie sonst was. Wie da mit schweren Rucksäcken sicher
rüber kommen?
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Der Versuch einer Überquerung des Abers an dieser Stelle scheiterte
ebenfalls. Es gab zwar eine Furt, aber das Wasse war schon zu
reißend.
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Plötzlich packte die gesamte Mannschaft eine regelrechte Wanderwut. Kurz zuvor hatten wir in einem Gasthaus Halt gemacht, um etwas zu trinken und die Toiletten zu inspizieren. Nebenbei bemerkt führten wir auf der gesamten Tour Buch über die sanitären Anlagen und verteilten Noten, die von „umwerfend“, „toll“ und „sagenhaft“ bis hin zu „naja“, „bequem“ oder schlicht „beschissen“ reichten. Angespornt von der Pause marschierten wir bis kurz vor 23:00 Uhr durch, sodass wir an diesem Tag stolze 30 Kilometer auf dem Tacho hatten. Am Rande eines Kornfeldes legten wir uns schließlich erschöpft zur Ruhe.


Frühmorgends anziehen, packen, aufsatteln...
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Weiter nach Karte, denn Wanderwege gab es damals noch nicht.
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Freitag, 1. August & Samstag, 2. August 1980


Blasen an den Füßen? Kein Problem, irgendwann spürt man die nicht
mehr.
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Wasser geholt im nahen gelegenen Campingplatz.
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An diesen beiden Tagen wanderten wir wieder jeweils nur gemütliche 15 Kilometer. Unsere Zelte standen für zwei Nächte auf einem einsamen Dünenabschnitt. Klaus und Dieter fuhren per Anhalter zurück nach Lesneven, um ordentlich Vorräte für die Truppe einzukaufen. Am Abend gab es als Belohnung ein echtes Festessen. Frischwasser organisierten wir uns heimlich von einem gut 500 Meter entfernten Campingplatz. Es war gar nicht so einfach, mit unseren Kanistern auf dem fremden Gelände überhaupt nicht aufzufallen!


Das war auch ein schöner Platz hinter dem Strand. Da blieben wir dann gleich mal Tage.
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Sonntag, 3. August bis Dienstag, 12. August 1980

Am 3. August bewältigten wir 18 Kilometer und schlugen unser Nachtlager irgendwo an der Küste auf.


Und wieder geht es weiter in Richtung Saint-Pol-de-Léon.
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Jede Pause wurde genutzt für ein Nickerchen.
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Die Bretagne ist ja bekannt für Menhire, Steinkreuze, schöne
Steinkirchen und Kalvarienberge.
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Am darauffolgenden 4. August legten wir die restlichen 18 Kilometer nach Saint-Pol-de-Léon zurückzulegen. In Saint-Pol angekommen, suchten wir nach einem festen Platz für die kommenden sieben Tage. Einheimische schickten uns an einen Strand auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht, der etwa drei Kilometer außerhalb lag und angeblich niemandem gehörte.

Wie sich nach zwei Tagen herausstellte, gehörte das Land zwar doch einem Bauern, aber dieser war zum Glück sehr entspannt und erlaubte uns das Zelten. Der Platz war herrlich einsam – abgesehen von drei Stunden am Tag, in denen die Bretonen pünktlich bei Ebbe aufliefen, um im Schlick nach Würmern und Muscheln zu suchen.


Unsere Zelte standen auf der gegenüberliegende Seite einer einsamen Bucht von Saint-Pol-de-Léon.
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Hier richteten wir uns ein. Bauten unsere 2 Zelte auf und gruben einen Erdkühlschrank..
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Sonnenuntergang über Saint-Pol-de-Léon
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Lagerfeuer am Abend.
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Ein Blick auf die Bucht. Links Saint-Pol-de-Léon. Dorthin mussten wir zum Einkaufen laufen und alles zurücktragen.
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In Saint-Pol-de-Léon
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In dieser Woche erkundeten wir ausgiebig die Gegend und machten Saint-Pol unsicher. Es gab ein Kino, wunderschöne Einkaufsstraßen und eine beeindruckende Kathedrale mit kunstvollen Fenstern und hölzernen Reliquienkästen (Schädelkästen), in denen echte Totenköpfe lagen. Eine zweite Kirche, die Chapelle Notre-Dame de Kreisker bot zudem einen Kirchturm zur Besichtigung an. Der Kirchturm mit seinen 78 Metern gehört zu den höchsten in der Bretagne. Als Ritschi voller Elan den engen Aufgang hochstürmte, blieb er plötzlich stecken – der historische Gang wurde nach oben hin immer schmaler! Mit ein bisschen Schieben von unten und Zerren von oben schafften wir es dann aber doch alle bis auf die Aussichtsplattform.


Holz für das Feuer wurde vorbereitet.
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Das Einkaufen für 14 hungrige Mäuler erwies sich als logistische Meisterleistung und absolute Kraftanstrengung. Deshalb gingen wir nur alle drei Tage los und kauften dann gleich bergeweise ein. Beladen mit Seesäcken, Rucksäcken und schweren Kisten schleppten wir uns vom Supermarkt zurück zum Lager. Um die Lebensmittel frisch zu halten, bauten wir uns einen eigenen Kühlschrank: Wir hoben ein Loch von einem halben Meter Tiefe im Erdboden aus.

Wer im Lager mal „musste“ und nicht einfach in die Pampa gehen wollte, durfte einen zwei Kilometer langen Fußmarsch zu einer öffentlichen Toilette auf sich nehmen – Klopapier musste man selbstverständlich selbst mitbringen. Das stille Örtchen bekam von uns die Note 3.


Bei der Zwiebelernte. Das Feld war riesig.
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Irgendwann kam dann der Bauer und fragte uns, ob wir ihm bei der Zwiebelernte helfen würden. Das war natürlich eine willkommende Abwechslung, so dass er uns wir am nächsten Tag mit seinem Traktor abholte.


Die Familie des Bauern versorgte uns jedoch sehr gut.
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Ein Feld von stattlichen 200 mal 200 Metern bewältigten wir mit unserer Manpower im Handumdrehen. Wir beluden vier komplette Traktoranhänger mit über 1.000 prall gefüllten Zwiebelkisten. Zum Dank wurden wir von der Bauernfamilie mit Essen und Trinken versorgt – danach war deren Speisekammer vermutlich erst einmal leergefegt. Am Abend bekamen wir als zusätzliche Belohnung rund 60 frische Artischocken geschenkt. Die folgenden drei Tage aßen wir folglich alle wie die Verrückten Artischocken.


Bis zum Abend war das Feld abgeerntet. Mer als 1000 Kisten waren mit Zwiebeln gefüllt. Der Bauer war überwältigt und hatte nicht damit gerechnet, dass wir das ganze Feld schaffen würden.
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Nun aßen wir 3 Tage lang Artischocken.
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Die Artischocken wurden im Erdkühlschrank gelagert.
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Mittwoch, 13. August 1980

Die gemeinsame Woche verging wie im Flug, und die Heimreise stand an. Auf dem Rückweg legten wir noch einen Zwischenstopp in Paris ein, um ins Kino zu gehen. Am 13. August kamen wir schließlich wieder am Stuttgarter Hauptbahnhof an, wo uns unsere Eltern bereits sehnsüchtig erwarteten.


Der letzte Abend. 3 Wochen Abenteuer und Gemeinschaft gingen nun zu Ende. Und das alles ohne Smartphone.
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Fazit einer unvergesslichen Zeit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese drei Wochen voller Abenteuer, neuer Erkenntnisse, starker Gemeinschaft und echter Erholung vom Alltag waren. In dieser intensiven Zeit haben wir uns mit all unseren Stärken und Schwächen viel besser kennengelernt. Wir mussten lernen, einander zu vertrauen und uns auch in anstrengenden Momenten zu ertragen. Von dieser gemeinsamen Fahrt an die raue Küste der Bretagne wird in unserer Runde ganz sicher noch lange gesprochen werden – sie bleibt für jeden von uns unvergesslich.

Heute wird es nicht mehr so einfach sein, seine Zelte irgendwo aufzuschlagen, oder einfach irgendwo in der Pampa zu übernachten. Aber sicherlich gibt es hilfreiche Bauern, oder Personen die den ein oder anderen Tipp parat haben. Der Weg war das Ziel. Wir wussten nur, dass wir von Brest aus ca. 160 Kilometer oder auch mehr an der Küste entlang bis nach Saint-Pol-de-Léon wandern wollten. Alles andere ergab sich, je nach Wetter und Kondition. Handys, Navigationssystem gab es nicht, nur eine Topografische Karte, die zur Orientierung galt. Selbst ausgeschilderte Wanderwege waren Mangelware. Dass sich alle Teilnehmer dessen bewusst waren und trotzdem sich voll einbrachten, das war eine Leistung.


Bretagne 1980: Wandern, Lagerfeuer & Zelten am Meer - Erfahrungen & Erlebnisse die bleiben
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