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Umgang mit gewalttätigen Kindern

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Gewalttätige Kinder und Jugendliche | ©: frenzelll - Fotolia

Die meisten Kinder sind friedfertig und greifen höchstens zum eigenen Schutz zu körperlicher Gewalt. Es gibt aber auch leider immer wieder Ausnahmen und diese Kinder argumentieren dann eher mit den Fäusten, anstatt mit Worten. Dies kann vielerlei Gründe haben, aber eines ist sicher, dieses Verhalten bringt niemanden wirklich weiter. Es ist die Pflicht aller Bezugspersonen der Kinder, diesen zu lehren Streitigkeiten und jegliche Probleme auf eine verbale Art und Weise zu lösen. Dabei gibt es vor allem ein gravierendes Problem. Wenn Eltern, Verwandte oder andere Menschen im direkten Umfeld der Kinder der Meinungen seien ihre eigenen Probleme durch physische Gewalt lösen zu müssen, dann führt dies nicht selten zu einem Nachahmungsversuch der Sprösslinge. Ist dieser damit dann erfolgreich, so fängt die Spirale der Gewalt sich ganz langsam an zu drehen.

Wir leben wie unsere Erfahrung es uns lehrt

Der Hauptfaktor für gewalttätige Kinder und Jugendliche sind die ihre Erfahrungen und was sie daraus gelernt haben. Es wird niemals ein Kind gewalttätig geboren, es hat auch nur wenig mit den Genen zu tun, höchstens gibt es eine leichte Veranlagung. Mit solch einer Veranlagung ist der Weg zur Gewalt allerdings nur etwas kürzer. Entscheidend ist immer, ob sich Gewalt als eine hilfreiche Strategie erwiesen hat oder eben nicht. Für gewalttätige Kinder erscheint diese Handlungsstrategie aufgrund ihrer Erfahrungen als sinnvoll und wird mit einem positiven Ergebnis assoziiert. Diese Kinder tun ihrer Meinung nach das Richtige, denn so haben sie es schließlich auch gelernt und bisher hat dieser Weg immer ganz gut funktioniert. Solange man diesen Kindern keinen besseren Weg aufzeigt oder sie sich durch Zufall selbst einen erschließen, werden sie die Gewalt-Strategie weiterhin benutzen.

Damit ist nicht gemeint, dass die Kinder dafür überhaupt nichts können. Sondern, dass die Einflüsse aus ihrem Umfeld sie dazu gebracht haben, zu glauben dies sei eine gute Strategie. Besonders aber jungen Kindern kann man dieses Verhalten eigentlich kaum vorwerfen, denn sie tun, was sie gelernt haben. In den meisten Fällen trägt also die Umwelt eine erhebliche Mitschuld daran ob Kinder verbal oder physisch argumentieren. Mit dem Alter kommt dann bei einigen mehr und mehr die Einsicht, dass dieser Weg auf Dauer nicht gut für Sie ist. Neue Erfahrungen verändern eventuell die Sichtweise und eine neue Strategie entsteht. Da dies, wenn überhaupt, meistens erst aber im Prozess des Erwachsenwerdens passiert, sollte die Devise sein, sofort zu handeln. So früh wie möglich, am besten sofort einschreiten und dieses Verhalten unterbinden. Am besten wäre es natürlich, es kommt gar nicht erst so weit. Dies liegt zumindest zum Teil in der Hand der Eltern, Lehrer und den anderen Bezugspersonen. Sie können den Kindern bessere Strategien zur Verfügung stellen und so dafür sorgen, dass Gewalt kaum noch ein Thema werden kann. Wenn ein Kind eine bessere Strategie hat, dann macht es keinen Sinn die Gewalt-Strategie überhaupt auszuprobieren.

Wie werden Kinder gewalttätig?

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erlebte Gewalt von Kindern und Jugendlichen | ©: Firma V - Fotolia

Damit Kinder den Weg der Gewalt als eine der oder gar die beste Strategie zur Lösung von Problemen für sich wählen, muss schon einiges passiert sein. Da wir Menschen schließlich von Grund auf als friedfertige Wesen geboren werden, bedarf es einiger Erlebnisse um uns zu einem gewalttätigen Wesen zu entwickeln. Dabei ist es schwer zu sagen, was letztendlich die Gewaltbereitschaft wie stark gefördert hat. Es ist jedoch in den meisten Fällen nicht nur eine einzige Sache, sondern eine ganze Reihe von Erlebnissen, welche dazu geführt haben. Es kann aber auch ein einziger Faktor ein Kind so stark prägen, dass es Gewalt als den Lösungsweg überhaupt ansieht.

Einer der größten Faktoren ist das Elternhaus, denn dort verbringen die Kinder schließlich ihre einprägsamen ersten Jahre. Die Gefahr selbst gewalttätig zu werden, wenn der Vater oder die Mutter gegeneinander oder gegen das betreffende Kind handgreiflich wird, ist schon sehr groß. Dies führt oft entweder dazu, dass die Kinder dieses Verhalten übernehmen oder an anderen psychologischen Defiziten leiden. Wenn Eltern ihre Probleme durch körperliche Überlegenheit lösen, dann werden die Kinder dieses Strategiemuster wie oben bereits erwähnt auch ausprobieren und bei Erfolg beibehalten. Es ist aber auf keinen Fall so, dass dies dazu führen muss. Kinder können auch gewalttätig werden wenn sie, aus psychologischer Sicht, in einem nahezu perfekten Elternhaus aufwachsen. Kindern lernen schließlich nicht nur von ihren Eltern, sondern auch noch auf vielerlei andere Weise. Dabei ist es als Eltern dann gar nicht so einfach den Überblick zu behalten und den Nachwuchs “vor der Welt” zu schützen.

Es ist zum Beispiel ganz ausschlaggebend wie sich der Freundeskreis entwickelt, welche Erfahrungen die Freunde mitbringen und wie sie diese nach außen hin zeigen. Dabei kommt es dann in vielen Fällen, insbesondere in Cliquen, auf den Anführer an. Irgendjemand muss eine Gruppe immer führen und dies ist meistens eine einzige Person. Diese Person bekommt ganz unbewusst so etwas wie einen Sonderstatus und wenn diese Person nun gewalttätig ist bzw. wird, dann neigen die Gruppenteilnehmer dazu sich ebenfalls in diese Richtung zu entwickeln. Daher ist es für Eltern ganz wichtig hin und wieder einmal zu schauen wie der Umgang ihrer Kinder so ist. Was machen die Freunde in ihrer Freizeit, welche Interessen und Hobbys haben sie? Natürlich sollten die Kinder dabei nicht ständig überwacht werden, aber es wäre zum Beispiel gut zu wissen, wenn einer der Freunde der Schulschläger ist.

Des Weiteren gibt es noch etwas subtilere Wege, in die Spirale der Gewalt zu geraten. Da wäre zum einen die Medienlandschaft, insbesondere das Fernsehen. Denn gerade Hollywoodstarts und Musiker sind für viele Jugendliche Idole. Wenn diese, ob nun im Film oder in den Promi-News, ihre Probleme mit Gewalt lösen, dann trägt dies auch zur Gewaltbereitschaft der Kinder bei. Nicht zu vergessen ist der Drogenkonsum. Insbesondere Drogen bei denen die Kinder die Kontrolle verlieren und sich stärker als zuvor fühlen besteht eine große Gefahr. Die wohl gefährlichste Alltagsdroge bei uns ist der Alkohol. Dieser führt regelmäßig zu gewalttätigen Ausschreitungen unter Jugendlichen. Wer dann einmal im Alkoholrausch seine Probleme mit physischer Überlegenheit lösen konnte, der löst sie vielleicht auch das nächste Mal ohne Alkohol auf diese Weise.

Vorbeugende Maßnahmen

Eine gewalttätige Persönlichkeit kann sich zwar zu jeder Zeit im Leben anfangen zu entwickeln, jedoch lässt sich solch ein Verhalten meistens bis in die frühe Kindheit zurückverfolgen. Daher ist dies auch der beste Zeitpunkt für Maßnahmen zur Prävention. Egal wie viel die Eltern aufpassen, es kann immer passieren. Auf einmal kommt der Anruf aus der Schule: Ihr Kinder hat sich geschlagen, kommen Sie bitte ihr Kind abholen. Dann heißt es unverzüglich zu reagieren. Erst einmal muss ehrlich festgestellt werden ob es zwei Täter oder auch ein Opfer gibt. Da dürfen die Eltern über nichts hinweg sehen und ihr Kind nicht als Opfer betrachten, wenn es auch Täter sein könnte (Kinder lügen hier öfters!).

Jetzt muss der bzw. die Täter zu spüren bekommen, dass diese Strategie mehr Schaden als Nutzen bringt. Geschieht dies nicht, steigt die Gefahr einer gewalttätigen Persönlichkeit ab nun stark an. Es müssen unbedingt Konsequenzen folgen, welche so schlimm sind, dass die gewalttätige Auseinandersetzung es nicht Wert war. Kann man klar erkennen, wer der Täter und wer das Opfer war, so muss das Opfer auch die Folgen sehen, welche der Täter nun zu ertragen hat. Dies ist natürlich nicht immer klar zu trennen, dann heißt es die Kinder zu “verhören” bis die Situation glasklar ist. Dies erfordert Geduld, aber auch Kinder haben Gerechtigkeit verdient. Oft gibt es zwei Täter und kein wirkliches Opfer. Es kann aber auch sein, dass es beides gibt. Dann sollte natürlich nicht das Opfer bestraft werden und es sollte auch prinzipiell weniger um Bestrafung, als um Wiedergutmachung gehen.

Eine Entschuldigung bzw. das wieder Vertragen ist das absolute Minimum. Wenn etwas kaputt gemacht worden ist, muss es vom Taschengeld bezahlt werden. Wenn dies für das Kind nicht schlimm genug ist, dann muss noch eine Wiedergutmachung her. Beim ersten Mal kann man vielleicht noch darauf verzichten, aber wenn so etwas öfters passiert, dann muss das Kind so viel „Schmerz“ empfinden, dass sich Gewalt nicht mehr lohnt. Das mag vielleicht ein wenig hart klingen, aber wer regelmäßig gewalttätig ist, der wird es immer wieder sein und das ist ein gefährliches Spiel mit dem Feuer. Das Kind braucht unbedingt einen starken Grund, seine Probleme wieder friedlich zu lösen und den bekommt es nur, wenn seine Strategie zu schmerzhaft ist.

Aber Achtung: Die Tat ist nicht der Täter

Dabei ist es allerdings ganz wichtig nur die Tat zur verurteilen und nicht den Täter. Es muss wie gesagt klar gemacht werden, dass dieses Verhalten auf keinen Fall hinnehmbar ist. Konsequenzen müssen folgen und zwar solche, welche das Kind dazu bewegen so etwas nicht noch einmal zu tun. Danach muss aber Schluss sein. Das Kind muss auch erfahren, dass es selbst nicht wegen eines Fehlers verurteilt wird, sondern nur der eine Fehler. Geschieht dies nicht, dann kann dies zu einer Trotzreaktion führen und dann hilft kaum noch eine Konsequenz.

Gewalttätige Kinder in der Jugendgruppe

Es kann hin und wieder vorkommen, dass Jugendliche in unseren Jugendgruppen sind, die allgemein als gewalttätig gelten, oder sogar an Freizeiten teilnehmen. Ich hatte schon Jugendliche aus Erziehungsheimen auf der Freizeit, die wegen Gewaltdelikten immer wieder auffällig wurden. Allerdings – vielleicht hatte ich auch Glück – waren diese Jugendlichen auf der Ferienfahrt (fast) völlig unauffällig.

An einen Jugendlichen kann ich mich noch gut erinnern. Er war Dauergast bei der Polizei wegen allem Möglichen. Die Mitschüler hatten Angst vor ihm, weil er – wenn ihm jemand komisch kam, sofort zuschlagen musste. In einem längeren Gespräch mit ihm hatte ich ihm gesagt, dass er auf diese Art und Weise aber niemals Freunde finden würde, niemand mit ihm was zu tun haben will. Er daraufhin: „ich brauche keine Freunde….“. Ich habe ihm geantwortet. „Doch das brauchst Du. Jeder Mensch wünscht sich Freunde, will akzeptiert und angenommen sein.“ Darauf fing er an zu weinen. Ich hatte den Nerv getroffen. Wir sprachen noch lange darüber, wie man anstatt mit den Fäusten auch anders Konflikte lösen kann. Nach vielen Jahren kam einmal der Polizeibeamte zu mir und sagte, dass man gemerkt hat, dass dieser Jugendliche sich zum Positiven geändert hat, weil man sich diesem Jugendlichen angenommen hat.

Was möchte ich mit diesem Beispiel mitteilen?

Zunächst wie oben beschrieben können viele Kinder und Jugendliche für ihr Verhalten nicht sehr viel. Sie haben es nicht anders gelernt, haben keine Möglichkeiten bekommen, sich anders zu Verhalten. Doch im Prinzip wollen diese Kinder und Jugendlichen genauso geliebt und akzeptiert werden wie jeder andere Mensch auch. Klar oft muss man konsequent sein und auch mal zu „Strafen“ greifen. Aber immer die Tat, nie den Jugendlichen abstrafen. Und ich würde das Gespräch suchen, würde versuchen den Jugendlichen kennen zu lernen, sein Elternhaus, seinen Werdegang um ihn verstehen zu lernen.

Was tun, wenn ein Jugendlicher trotz mehrmaligem Gespräch immer wieder Gewalt gegenüber anderen ausübt?

Wenn alles nichts hilft, dann würde ich so einen Jugendlichen vor die Wahl stellen: „entweder …, oder …“ und dann auch konsequent beim nächsten Vorfall diesen Jugendlichen nach Hause schicken. Aus der Jugendgruppe habe ich Jugendliche nie für immer nach Hause geschickt, sondern allerhöchstens mal für 3-4 Wochen – ihnen also immer die Möglichkeit gegeben wieder zu kommen, aber auch zum Ausdruck gebracht, dass ihr Verhalten Konsequenzen haben muss.

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