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Strafen für Kinder: Ohnmacht der Erwachsenen?

Strafen: in vielen Familien erlebte Gewalt von Kindern  Bild: 40952905
Strafen: in vielen Familien erlebte Gewalt | ©: Firma V - Fotolia

Wenn ein Mensch in unsere Welt hineingeboren wird, besitzt er zwar eigene Bedürfnisse (die sogenannten Bedürfnisse zur Grundsicherung), aber noch kein eigenes Weltbild. Nun ist die Erziehung der Eltern gefragt, um dem Kind dieses Weltbild zu vermitteln. Dabei muss es lernen, dass es nicht nur seine eigenen Bedürfnisse, sondern auch die Bedürfnisse gibt, und dass es seine Bedürfnisse nur insoweit befriedigen darf, wie die Bedürfnisse anderer dabei nicht beschnitten werden.

Leider sind längst nicht alle Eltern dazu in der Lage, ihrem Kind ein vernünftiges Weltbild zu vermitteln. Oft wird Kindern beigebracht, dass sie in unserer Welt nur dann etwas erreichen, wenn sie sich unter Einsatz der Ellenbogen und anderer Hilfsmittel ihren Platz immer wieder erkämpfen. Eltern, die eine solche Einstellung vermitteln, arbeiten nicht selten mit Strafen, um ihre eigenen Ansichten in der Erziehung durchzusetzen.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: Gibt es überhaupt sinnvolle Strafen? Oder ist eine Erziehung auch völlig ohne Zuhilfenahme von Strafen möglich und vor allem sinnvoll? Genau damit wollen wir uns in den folgenden Abschnitten beschäftigen.

Erziehungsfragen & Methoden

Als in den 1960er Jahren die sogenannte antiautoritäre Erziehung in Mode kam, glaubte man zunächst, damit den heiligen Gral gefunden zu haben. Kinder sollten völlig frei von den Konventionen und Restriktionen der Erwachsenen aufwachsen, ihr Weltbild quasi selbst bilden und so zu einer idealen Persönlichkeit finden. Es hat sich jedoch gezeigt, dass diese Form der Erziehung (bzw. Nicht-Erziehung) letztendlich nicht das bewirkte, was sie eigentlich sollte. Im Gegenteil: Dadurch, dass Kindern bei der antiautoritären Erziehung keinerlei Grenzen aufgezeigt werden, fehlt hier oft auch die Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse und Ansprüche anderer Menschen, so dass es nicht selten zu antisozialen Verhaltensweisen kommt.

Natürlich sollten Kinder die Möglichkeit haben, ihr Weltbild selbst zu bilden und es nicht einfach von Erwachsenen übernehmen, ihnen muss dabei jedoch Klarheit und Orientierung gegeben und auch Grenzen aufgezeigt werden. Oder konkret: Eltern müssen ihrem Kind die Leitplanken vorgeben, innerhalb derer es sich so frei wie möglich bewegen kann.

Wichtig ist dabei die Kommunikation zwischen Kind und Eltern. Indem in der Familie offen über die wichtigen Fragen in der Erziehung gesprochen wird, schafft man Klarheit und zeigt dem Kind auch die Konsequenzen seines Verhaltens auf.

Anforderung an die Eltern

Grundsätzlich gilt: Die Erziehung eines Kindes stellt hohe Anforderungen an die Eltern. Oft fühlen sich Eltern damit sogar überfordert und benötigen Hilfe von außen. Insbesondere denjenigen, die selbst keine wirkliche Erziehung genossen haben, fällt es schwer zu entscheiden, welches das richtige und welches das falsche Mittel zur Erziehung ist.

Seien Sie sich bewusst darüber, dass Grenzen setzen auch bedeutet, in der Erziehung unangenehme Situation zu durchleben und sich bei Ihrem Kind unbeliebt zu machen. Klarheit und Standfestigkeit sind wichtige Eigenschaften, die Eltern - auch ihrem Kind zuliebe - beherzigen sollten. In diesem Zusammenhang ist es enorm wichtig, dass beide Elternteile an einem Strang ziehen. Kinder bekommen sehr schnell heraus, wenn sie Eltern gegeneinander ausspielen können und versuchen anschließend, ihren Vorteil durch diese Taktik zu gewinnen.

Wie bestraft man sein Kind „richtig“?

Kinder und Jugendliche testen ihre Grenzen aus, das gehört zum Erwachsen werden einfach dazu. Werden diese Grenzen jedoch immer wieder überschritten und ein Gespräch bringt keine Besserung, kann eine Strafe ein probates Mittel sein, um das Kind in seine Grenzen zu weisen. Viele Eltern sparen jedoch mit Lob, während sie Tadel wesentlich öfter und unüberlegter austeilen. Dies ist der falsche Weg. Statt falsches Verhalten zu rügen, sollten Sie Ihr Kind besser bei positivem Verhalten entsprechend bestärken. Oft reicht dies schon aus, um falsches Verhalten merklich zu verringern.

Erreichen Sie Ihr Ziel durch positives Bestärken nicht und eine Strafe ist unausweichlich, sollte diese niemals aus dem Affekt heraus geschehen. Strafen aus dem Affekt heraus sind unüberlegt, oft übertrieben hart und dem Vergehen des Kindes nicht wirklich angemessen. Verfolgen Sie daher die Strategie der Affektkontrolle und atmen Sie zunächst mehrmals tief durch, bevor Sie eine Strafe verhängen. Sind Sie sehr aufgebracht, können Sie auch langsam bis 20 zählen, um die nötige Klarheit und Gelassenheit wiederzuerlangen.

Angst vor Kritik, vor Schlägen   Bild: 45208026
Angst vor Kritik, vor Schlägen | ©: Markus Bormann - Fotolia

Strafen dürfen niemals so weit führen, dass die Würde des Kindes und der Respekt vor dem Kind verletzt werden. Denken Sie daran, dass Sie der erwachsene Part sind, handeln Sie besonnen und hinterfragen Sie zunächst Ihre eigene psychische Verfassung, bevor Sie das Kind bestrafen.

Wichtig ist zudem, dass die Strafe eine logische Konsequenz des Fehlverhaltens des Kindes darstellt. Hat Ihr Kind beispielsweise mutwillig eine Vase zerstört, so bringt es wenig, als Konsequenz für dieses Verhalten eine Strafe von beispielsweise einer Woche Fernsehverbot zu verhängen. In diesem Fall hat die Strafe nichts mit dem Fehlverhalten zu tun. Besser wäre es, dem Kind die Kosten für die Vase vom Taschengeld abzuziehen, so dass es die direkte Konsequenz für sein Fehlverhalten zu spüren bekommen.

Machen Sie sich außerdem bewusst, dass Kinder in der Regel in sehr viel kürzeren Zeitspannen denken als Erwachsene. Übertriebene Strafen wie beispielsweise eine oder zwei Wochen Hausarrest erzielen daher oft nicht den gewünschten Lerneffekt, da dies für Kinder einen schier unüberschaubaren Zeitraum darstellt. Verhängen Sie dagegen für einen Abend ein Fernsehverbot, wird dies eine bessere Wirkung haben, weil das Kind dabei das Ende seiner Strafe bereits absehen kann.

Fazit: Eine Strafe sollte immer das letzte Mittel darstellen

Für manche Eltern erscheint es einfacher, bei einem Fehlverhalten des Kindes sofort eine Strafe zu verhängen, anstatt den Sachverhalt zunächst mit dem Kind zu erörtern und sich damit auseinanderzusetzen. Nicht immer wissen Kinder jedoch, dass ihr Verhalten überhaupt falsch gewesen ist - sie bringen somit die Strafe nicht in einen direkten Zusammenhang mit einer bestimmten Verhaltensweise. In diesem Fall verfehlt die Strafe ihren Zweck. Kommunizieren Sie daher immer mit Ihrem Kind und wenden eine Strafe nur dann an, wenn sich aus der Kommunikation keine Lösung erzielen lässt.

Umgang mit Strafen in der Jugendgruppe bzw. auf dem Ferienlager

Ich denke kein Jugendleiter wird gerne Strafen aussprechen wollen und wird vermutlich auch sagen, es gibt keine pädagogisch sinnvollen Strafen. Denn das Wort „Strafe“ ist ja negativ belegt. Wie soll etwas Negatives durch eine Maßnahme wieder ins Positive umgekehrt werden? Kann man wirklich sagen, dass diese oder jene Strafe so einen pädagogischen Effekt hat, dass das Kind/der Jugendliche nun etwas daraus gelernt hat?

Da gehen nämlich die Meinungen schwer auseinander. Und je nach den eigenen gemachten Erfahrungen mit dem Thema Strafen hat sich jeder eine eigene Meinung dazu gebildet. Hinzu kommt: der Jugendleiter ist auch nur ein Mensch, nicht unendlich belastbar, sondern auch (innerlich) verletzbar, so dass es Situationen geben kann, wo der Jugendleiter überfordert ist und keinen anderen Ausweg mehr sieht, als „Strafen“ auszusprechen.

Theorie & Praxis ist halt nicht immer so einfach.

Doch ich möchte einmal versuchen ein paar Gedanken zum Thema Strafen aufzuführen.

  • Ideal wäre es, ganz ohne Strafen auskommen zu können. Dann hat sich das Thema schon erledigt.

  • Trotzdem ist es erforderlich, dass in einer Jugendgruppe bzw. auf einem Ferienlager einige Grenzen gesetzt werden und Regeln aufgestellt werden, so dass das Miteinander funktioniert. Je weniger umso besser, aber diese Orientierung ist ganz hilfreich. Und wichtig ist, diese Regeln zu begründen. Beispiel. Warum ist es wichtig zu schlafen und nicht die ganze Nacht auf dem Lager durchzumachen? Weil spätestens nach 3 Tagen das Kinder/der Jugendliche zusammenklappt, total übermüdet ist und es keine Lust mehr hat am Programm mitzumachen. Von daher gilt eine Nachtruhe, vor allem um die anderen nicht am Schlafen zu stören.

  • Was tun wenn Regeln missachtet werden? Dann sollte mit derjenigen Person gesprochen werden: nicht moralisieren, sondern ernsthaft reden, zuhören, eine Vereinbarung treffen, Konsequenzen klar machen, eine Chance geben. 2-3 Ermahnungen sind angebracht, bevor es tatsächlich zu Konsequenzen führen kann.

    • Natürlich abhängig von der Situation und der Gefährdung des Einzelnen bzw. für die gesamte Gruppe.

    • Natürlich abhängig von den eigenen Erfahrungen, der erlebten eigenen Erziehung.

    • Natürlich abhängig von der eigenen Persönlichkeit (wie sicher/unsicher bin ich? Wie herrschsüchtig bin ich? Wie ängstlich bin ich? Wie (un)beherrscht bin ich?)

    Also gar nicht so einfach hier „DEN WEG“ zu finden. Und jede Strafe ist ein Spiegelbild meiner Persönlichkeit. Wem das klar ist, der kann seine Beweggründe für Strafen nochmals überdenken, bevor er sie ausspricht:

    • Bin ich ruhig? Sind die Strafen angemessen? Förderlich?
  • Anstatt zu Strafen kann man auch versuchen zu loben, bzw. das Kind auf Fehler hinweisen und die Konsequenzen bzw. Gefahren aufzeigen, wohin der Fehler führen kann. Dies finde ich auf jeden Fall besser, als eine Angsterziehung mit lauter aufgestellten Strafmaßnahmen. Aber ich halte auch nichts von einer Belohnungserziehung. In beiden Fällen lernen die Kinder ein Verhalten, um entweder Strafen auszuweichen, oder um Belohnungen zu kassieren. Gelernt haben die Kids dabei aber nichts.

    Das Loben fällt uns allen ja irgendwie schwer, schneller sind wir mit der Kritik und mit der Androhung von Strafen. Warum eigentlich? Loben schafft Motivation, Loben schafft Beziehung, Loben schafft beim anderen das Gefühl „ich bin angenommen, ich bin recht, ich mache es recht“. Und bei einer positiven Kritik kann der andere dies als hilfreich ansehen und muss keine Angst vor Strafe haben. Ein großer Unterschied.

    Ich habe mir noch überlegt hier einen Katalog an möglichen (erlebten) Strafen aufzulisten, habe es aber gelassen, weil Strafen situationsbedingt betrachtet werden sollten. Was bei dem einen Jugendlichen sinnvoll sein kann, ist bei dem anderen völlig verfehlt. Und wenn ich mich selbst betrachte, so habe ich in den 30 Jahren meiner Jugendleitertätigkeit auch dazugelernt.

    • Was absolut nicht geht sind jedoch körperliche Züchtigungen

    • Was absolut nicht geht ist das Kind vor der Gruppe an den Pranger stellen (schikanieren, mobben, bloßstellen)

    • Das Heimschicken sollte die allerletzte Maßnahme sein, wenn alles andere nicht gefruchtet hat.

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