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Herr der Fliegen

Herr der Fliegen
Coverbild Herr der Fliegen
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"Woher kommt das Böse im Menschen?" Mit dieser Frage beschäftigt sich der Literatur-Nobelpreisträger William Golding in seinem 1954 erschienen "Herr der Fliegen". Das Werk avancierte in den USA innerhalb kürzester Zeit zum Kultbuch, wobei in den ersten Jahren die religiösen, soziologischen und psychologischen Bezüge nicht beachtet wurden. So weist bereits der Titel auf das Böse an sich hin, weil "der Herr der Fliegen" eine Facette des Teufels ist, die auf einen alten phönizischen Fruchtbarkeitsgott zurückgeht. Nachdem das Buch vor allem in den 1970ern tabuisiert wurde gilt die Parabel über das Ende der Unschuld als eines der wichtigsten literarischen Werke des 20. Jahrhunderts, das auch mehrfach verfilmt wurde.

Die Handlung

Von der Ausgangssituation unterscheiden sich Roman und Verfilmungen etwas voneinander: William Golding lässt eine Gruppe von Jungen zwischen sechs und zwölf Jahren während eines Atomkriegs aus England evakuieren. Jedoch stürzt ihr Flugzeug über einer unbewohnten Insel in der Südsee ab und die Jungen sind auf sich allein gestellt. Einheitlich ist die Situation, dass es sich um junge Menschen handelt, wobei es in einigen Filmen keine Schüler, sondern die Kadetten einer Militärakademie sind.

Weil die Gruppe bunt gemischt ist, haben einige Kinder, die zuvor eine Eliteschule besucht haben, mit Jack bereits einen Anführer. Die übrigen Kinder schließen sich ebenfalls zusammen und wählen Ralph zu ihrem Anführer. Von Anfang an herrscht eine unterschwellige Aggressivität zwischen den beiden Gruppen, die sich im Lauf der Zeit zunehmend steigert. Das liegt auch an den unterschiedlichen Persönlichkeiten der Anführer: Ralph versucht, die Zivilisation aufrecht zu erhalten und lässt seine Gruppen Hütten bauen. Außerdem organisiert er ein Leuchtfeuer, das vorüber kommende Schiffe auf die Gestrandeten aufmerksam machen soll. Der aggressive Jack hingegen bevorzugt mit seiner Gruppe das Leben von Jägern.

Die Situation eskaliert

Angesichts der Schikanen durch Jack und seine Mitstreiter entfremden sich die beiden Gruppen immer mehr, auch weil angeblich ein Monster auf der Insel leben soll. Dabei handelt es sich um einen Soldaten, der mit seinem Fallschirm abgestürzt und in einem Baum hängen geblieben war. Immer mehr Jungen schließen sich Jacks Gruppe an, die zusehends verwildert und Rituale entwickelt, die an frühgeschichtliche religiöse Zeremonien erinnern. Nachdem mit einem Mord die letzte Hemmschwelle gefallen ist, versuchen Jacks Leute, auch Ralph zu ermorden. Buchstäblich im letzten Moment landet jedoch ein Schiff an der Insel an und rettet die Kinder.

Das Werk und seine Wirkung

William Golding thematisiert in seiner Robinsonade, übrigens sein erfolgreichster Roman, überspitzt die grundsätzliche Gewaltbereitschaft des Menschen. Das scheinbare Paradies, in dem die Kinder aus den Wirren eines Krieges gerettet wurden, wird durch ihre Handlungen zu einer Hölle, weil sich allmählich das Faustrecht durchsetzt. Die Kinder, die zunächst diszipliniert scheinen, schlittern förmlich in die Spirale der Gewalt hinein, wobei sich die meisten Kinder als Mitläufer entpuppen, die ihrem Anführer folgen. Unterschwellig ist der Krieg in "Herr der Fliegen" allgegenwärtig, wobei sich William Golding nicht auf eine Kritik an der Politik beschränkt. Wichtig sind dem Autor vielmehr die psychologischen und metaphysischen Aspekte, die als strukturelle Ursache von Gewalt und Gewaltbereitschaft gesehen werden können.

Umsetzung für die Jugendarbeit!

Dieser Film eignet sich hervorragend mit einer Jugendgruppe anzusehen um anschließend über den Film zu sprechen. Die Jugendlichen sollten schon älter wie 12 Jahre alt sein. Der Film zeigt unheimlich viele Verhaltensmuster, die vielleicht der ein oder andere Jugendliche schon erlebt hat. Im Film, und noch mehr im Buch werden diese Muster, die Symbolik, die auch hinter der von Goldwin verwendeten Namen steckt zu entdecken sein.

Was zeigt dieser Film und über was könnten mit den Jugendlichen gesprochen werden? Hier ein paar Stichworte, von denen ihr einige weiter verfeinern könnt.

  • Es wird ein Menschenbild gezeigt, welches in der ein oder anderen Form jeder schon mal erlebt, gehört oder gesehen hat.

  • Die Entwicklung von Moral und der Gewalt können gut verfolgt werden.

  • Solidarität, Soziales Verhalten & Freundschaft, aber auch wie aus Freundschaft Feindschaft wird, zeigt wie schnell sich der Mensch gegen einen anderen Menschen stellen kann

  • Disziplin, Ordnung & Zivilisation ist anstrengend, Spaß, Fun & Action ist viel schöner

  • Menschen ohne starken Charakter, ohne Rückgrat lassen sich leicht beeinflussen, Mitläufer gibt es immer wieder – auch in der Klasse, im Verein, irgendwo auf der Straße.

  • Menschen suchen sich einen Anführer – wählen oft den vermeintlich Stärkeren, lassen sich von dem Cooleren beeinflussen und blenden.

  • Sich für die Masse entscheiden (man möchte ja nicht alleine dastehen), auch wenn es nicht ok ist

  • Eine Gruppendynamik führt oft zum Untergang, wie eine Spirale abwärts

  • Wenn Recht & Ordnung verloren geht, führt dies zu Gewalt, Verfolgung und Tod, Verwilderung. Ekstase und eigene Rituale (denn sie wissen nicht was sie tun) blenden eigenes Denken aus und führen zu unüberlegten Handlungen

  • Streben nach Macht, Anerkennung, Ruhm – ohne Rücksicht auf Verluste

  • Gemeines Verhalten, vor allem gegenüber Schwächeren – vor allem in der Gruppe fühlt man sich stark, auch herausgefordert zu Gemeinheiten.

  • Die Kinder als Symbole der Reinheit und Unschuld, aber gleichzeitig die Kinder als Spiegelbild der Erwachsenen/Gesellschaft, denn die Kinder haben von den Erwachsenen gelernt, anerzogene Verhaltensmuster treten hervor – gehen jedoch aber auch schnell verloren, wenn keine Charakterfestigung vorhanden ist.

  • Das Tier in uns wird deutlich - ohne Moral, ohne Hemmungen. Wie kann es dazu kommen?

  • Die Angst führt zur Hilflosigkeit, zu Gewalt und löst eine Eigendynamik in Richtung Gewalt aus

  • Kampf zwischen Gut & Böse

  • Zusammenleben, Gemeinschaft geht nur, wenn alle sich daran halten

  • Unterdrückung (Oben und Unten), schwächere schikanieren, Machtkämpfe, Recht des Stärkeren

  • Die Gewaltbereitschaft des Menschen wird hier gezeigt – und vor allem wie leicht und schnell es gehen kann Gewalt auszuüben.

  • Der Mensch versucht das Böse zu finden und zu verhindern - ist aber selbst das Böse an sich. Er merkt nicht einmal, dass er im Kampf gegen das Böse über Leichen geht. Im Buch wird das klar beschrieben (im Film kommt das leider nicht so rüber).

Fazit

Ich habe diesen Film mit meiner Gruppe angesehen. Die Kids waren beeindruckt. Einem Jungen war es ehrlich gesagt zu brutal gewesen. Aber was im Film an der ein oder anderen Stelle vielleicht etwas überzeichnet dargestellt wurde, konnten die Jugendlichen auch in ihren eigenen bisherigen Lebenserfahrungen erkennen. Was auch gut rüberkam war, wie einfach man sich einem Idol, einem vermeintliche Führer anschließen kann - und dabei jegliches Maß an Solidarität und sozialem Verhalten verliert und stattdessen in rohe Gewalt abgleiten kann. Ich denke aus diesem Film kann es zu guten Gesprächen mit Jugendlichen kommen.

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