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Zappelphilipp

Zappelphilipp
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Zappelphilipp: Wenn ein Kind nicht der Norm entspricht

Fabian Haas ist ein Problemkind. Das wurde ihm zumindest in den ersten beiden Schuljahren attestiert. Deshalb wechselt er die Schule und soll bei Hannah Winter einen Neustart in der dritten Klasse machen. Die Lehrerin ist selbst nicht gerade das, was man ein Musterbeispiel an sozialer Integration nennen kann - schließlich ist ihr bester Freund ein Frettchen. Doch sie hat ihren Idealismus innerhalb des Schulsystems noch nicht verloren und kämpft um das scheinbar schwierige Kind. Diese Geschichte um die Schwierigkeit der Integration von verhaltensauffälligen Kindern erzählt das Filmdrama "Zappelphilipp".

Ein schlechter Start

Zunächst sind die Mitschüler vom lebhaften Temperament Fabians größtenteils begeistert. Doch schon bald sprengt der Neunjährige den Unterricht. Beispielsweise wirft er sich während der Morgenrunden unvermittelt auf dem Boden und feuert mit einem imaginären Maschinengewehr um sich. Schon bald kommt es zu Beschwerden durch andere Eltern. Hannah Winter hingegen sieht in Fabian einen außergewöhnlichen Jungen, um den sie sich besonders kümmert.

Dass sich die Lehrerin auch in der Freizeit um den Jungen kümmert, stößt nun wiederum auf das Unverständnis von Kollegen, Schulleitung und Eltern. Die Eltern von Fabians Mitschülern sind der Meinung, dass Fabian an ADHS leidet und eine medikamentöse Behandlung brauche, um einen geregelten Schulunterricht zu ermöglichen. Hannah Winter hingegen versucht, die überschüssige Energie des Jungen abzulenken. Beispielsweise gibt sie ihm einen "Wutstein". Auch in der Musikgruppe gelingt es Fabian, sich wenigstens teilweise zu integrieren.

Doch schließlich eskaliert die Situation, als eine Lehrerkollegin Fabian eine Ohrfeige gibt. Die Lehrerin muss sich daraufhin an einem Elternabend öffentlich für ihre unangemessene Reaktion entschuldigen. Fabians Mutter wird nahegelegt, mit ihrem Sohn zu einem Psychologen zu gehen. Doch es kommt zu weiteren Eskalationen, als Fabian eine Mitschülerin mit einem Stein verletzt.

Gemeinsam mit Fabian macht Hannah Winter einen Ausflug zu dessen leiblichen Vater, der sich allerdings kaum für seinen Sohn interessiert. Fabians Mutter macht der Lehrerin Vorwürfe wegen des Ausflugs. Schließlich lässt sich Hannah Winter krankschreiben und erfährt durch den Besuch einer Kollegin, dass Fabian große Fortschritte macht. Ob der Junge tatsächlich an ADHS leidet und deshalb behandelt wird, bleibt offen.

Ein sensibles Thema ADHS nüchtern erzählt

In "Zappelphilipp" wird die Geschichte ohne Wertung mit fast lakonischer Nüchternheit erzählt. Wichtige Fragen werden bewusst offen gelassen. Leidet Fabian wirklich an ADHS oder hat er nur einen sehr großen Bewegungsdrang? Will die Lehrerin eigene Probleme kompensieren, indem sie sich intensiv um das Kind kümmert? Genauso nüchtern wie die Geschichte der Protagonisten wird das System Schule dargestellt, in dem der Leistungsdruck schon während der Grundschule beginnt. Ohne überzogen zu werden, stellt "Zappelphilipp" die verschiedenen Prototypen dar:

Einerseits einen engagierten Vater, der dagegen mobil macht, dass seine Tochter in derselben Klasse wie Fabian unterrichtet wird. Die Unterrichtszeit ist seiner Meinung nach zu wertvoll, als dass sie durch den Störenfried verschwendet wird. Andererseits wird der dünnhäutigen Kollegin bei einem Zusammenbruch klar, dass sie Kinder eigentlich gar nicht mag. Und Hannah Winters Kollegen schließlich werden immer mürrischer und plädieren dafür, dass der Junge mit Medikamenten behandelt werden soll, damit der Unterricht problemlos abgehalten werden kann.

Ein sensibles Thema geht unter die Haut

Gerade der bewusst lakonische Erzählstil von Regisseurin Connie Walther sorgt dafür, dass "Zappelphilipp" unter die Haut geht. Der Film wirft gesellschaftliche Fragen auf, vor welchen betroffene Eltern häufig selbst stehen: Vor dem Hintergrund der regelmäßigen PISA-Studien geht es im System Schule immer mehr darum, den Erwartungen des Lehrplans mit seinen Lernzielen gerecht zu werden. Die laienhaft oder auch vorschnell gestellte Diagnose "ADHS" ist ebenfalls vielen Eltern bestens bekannt. Denn ob diese Verhaltensstörung tatsächlich so oft auftritt, wie sie diagnostiziert wird, ist selbst unter Experten höchst umstritten. Statt sich mit den individuellen Entwicklungen der Kinder auseinanderzusetzen, wird allzu leichtfertig Ritalin verschrieben, argumentieren die Kritiker.

Umsetzung für die Jugendarbeit

Dieser Film kann für den Mitarbeiterkreis bzw. Mitarbeiterschulung als Diskussionsgrundlage im Umgang mit schwierigen Kindern eingesetzt werden. Er kann aber auch genauso gut in einer Jugendgruppe gezeigt werden – um anschließend über den Film und die jeweiligen Charaktere zu sprechen.

Problemfälle gibt es in jeder Jugendgruppe bzw. auf jeder Freizeit. Nur wie soll damit umgegangen werden? Viel zu schnell wird ADHS diagnostiziert (ist ja auch einfach) und alle sind zufrieden. Die Eltern, weil es ja eine Krankheit ist und nicht wie früher auf sie zurückfiel wie „schlecht erzogene Kinder“, die Erzieher und Lehrer, weil es ja entsprechende Medikamente gibt, die das Kind ruhigstellen bzw. einstellen.

Ritalin kann helfen, aber wenn man versucht, wie in dem Film sich für ein Kind einzusetzen, es versucht verstehen zu lernen, es sein lässt, ihm Zeit lässt und nicht versucht es zu verbiegen, dann würde Ritalin in dem ein oder anderen Fall nicht mehr nötig – oder nicht mehr ganz so wichtig. Dieser Film zeigt anhand der Lehrerin auf, dass es durchaus möglich ist. Doch die individuelle Förderung ist leider schwierig in unserem Schulsystem. Der Druck ist zudem groß. Eltern die sich beschweren, Lehrer die am Ende sind, Lehrer die die Geduld verlieren, Lehrer die alles richten sollen (was zuvor schon im Elternhaus schief lief). Dann doch lieber entsprechende Medikamente und man hat seine Ruhe. Nur das Kind bleibt möglicherweise auf der Strecke.

Dass mit Liebe und Zuwendung und dem Versuch das Kind in die (Klassen)Gemeinschaft zu integrieren durchaus möglich ist wird im Ansatz gezeigt, scheitert aber dann wieder an den gesellschaftlichen Zwängen.

Überlegenswert wäre auch: anstatt das Kind zu therapieren wie wäre es mit dem Lehrerkollegium, der Mutter, dem Vater? Benötigen diese nicht alle Unterstützung und Beratung?

Aber dann doch lieber Medikamente!

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