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In welchen Konflikten stehen Kinder und Jugendliche?
Wenn wir uns in die Situation der uns anbefohlenen Jugendlichen hineindenken können, wenn wir Augen und Ohren haben, wenn uns wirklich was an den anvertrauten Jugendlichen liegt, dann können wir ihnen ein Stückweit auf ihrem Lebensweg helfen, ein Stück Lebenserfahrung mitgeben und ihnen unsere Hilfe anbieten - nicht aufzwängen – sondern wirklich anbieten.
Liebe Jugendleiter gesteht den Jugendlichen einiges zu
Dies kann aber nur sein, wenn eine Atmosphäre des Vertrauens besteht. Dieses Vertrauen wächst durch die Beständigkeit des Leiters, den Führungseigenschaften (führen ohne Druck und Zwang), der gelösten, lockeren Art, sowie der Nähe des Jugendleiters zum jeweiligen Gruppenmitglied. Ohne eine Beziehung kann auch keine vertrauensvolle Gegenbeziehung entstehen. Trotzdem darf diese Beziehung nie zu nahe sein (schon gar nicht körperlich), sie muss dem Jugendlichen den notwendigen Freiraum und Entscheidungsräume lassen.
Nicht jeder Konflikt lässt sich durch Regelungen vermeiden. Vielleicht ist es gerade oft so, dass zu viele Regelungen gerade Konflikte heraufbeschwören. Das Regeln, Reglementieren, das Begründen von Regelungen muss daher gut überlegt sein.
Der folgende Text wurde von "Team Seminare, Tobias Heiny, Petra und Bernd Schmidt, Hamburg: Grundlagen für die Jugendgruppenarbeit" mit frdl. Genehmigung komplett übernommen.
Diese Regeln stehen nicht zur Diskussion, es stellt sich lediglich die Frage, wie sie durchzusetzen sind und ob im einzelnen pädagogische Gesichtspunkte eine differenzierte Auseinandersetzung mit ihnen notwendig machen.
Viele GruppenleiterInnen neigen dazu
ein sehr komplexes Regelwerk vorzugeben, in dem alle Widrigkeiten
des täglichen Lebens erfasst sind. Ein paar grundlegende
Gedanken vorweg öffnen den Blick für das wirklich
Wichtige.
Die erste Überlegung sollte den Konsequenzen (Sanktionen) gelten. Die einzig ernste Sanktion ist der Gruppenverweis (Hausverbot, Nach Hause schicken). Stellt sich die Frage, ob Du diese Möglichkeit nutzen willst oder nicht? Jedenfalls sollte mit der Sanktion nur gedroht werden, wenn sie auch tatsächlich greifen könnte, sonst dürfte sie eher die Glaubwürdigkeit des Gruppenleiters oder der Gruppenleiterin in Frage stellen.
Es stellt sich im weiteren die Frage, ob als Gruppenregeln die geltenden Gesetze wiederholt werden müssen und sollen? Drogen, Waffen und Gewalt sind schon verboten und werden durch die Teilnahme an der Jugendarbeit nicht legitimer. Es stellt sich vielmehr die Frage nach dem pädagogischen Umgang mit diesen Phänomenen.
Vielfach werden Regeln dann eingesetzt, wenn die Leitung sich im Umgang mit dem Sachverhalt unsicher fühlt. Dies ist durchaus legitim, da einE GruppenleiterIn naturgemäß nicht in allen Bereichen kompetent sein kann und muss. Doch solltest Du Dir über diesen Zusammenhang im klaren sein und mit der Zeit versuchen Deine Kompetenz zu steigern.
Je größer Deine Sicherheit im Umgang mit möglichen Problemen ist, je weniger Regeln benötigst Du. Im Idealfall kommst Du mit wenigen Grundrechten aus, von denen sich sehr viel ableiten läßt.
Vielleicht die wichtigste Tugend beim Leiten von Gruppen ist "der Mut zum Eingreifen (Intervenieren)". Die besten Konzepte und die tollsten Regeln nutzen wenig, wenn niemand sie um- bzw. durchsetzt. Geradezu selbstverständlich ist es natürlich, dass klare Regelverstöße zu einer Konsequenz führen müssen, doch schon an diesem Punkt stellt sich häufig die Frage, ob sich die Leitung dem "Sanktionsstress" überhaupt aussetzen will oder über gewisse Dinge hinweg gesehen wird. Eine fatale Frage, denn es entscheidet sich an dieser Stelle, wie glaubwürdig das Team ist und wie ernst die Regeln gemeint sind. Wer einmal bewußt wegsieht hat zukünftig immer das Argument "...da hast du ja auch nicht..." gegen sich.
Die Kunst des "guten Gruppenleitens" ist vor allem die Fähigkeit vorausschauend und sehr frühzeitig in mögliche Konfliktpotentiale einzugreifen, damit es gar nicht erst zur Krisensituation kommt. Konflikte haben die gleiche Dynamik wie Dammbrüche: Wo ein kleines Loch ist bricht der Damm sehr schnell (das heißt dann Eskalation)! Aufgabe der Leitung ist es also die "kleinen Löcher zu suchen" und mit ihnen zu arbeiten. Es ist jedenfalls einfacher mit den kleinen Schwächen einzelner zu arbeiten, als später AußenseiterInnen in die Gruppe zu integrieren. Auch ist ein klärendes Gespräch mit zwei Verliebten ratsamer, als die Schwangerschaftsberatung nach dem "Unfall".
Hinsehen und mitbekommen was in der Gruppe gerade läuft, ist die Voraussetzung zur Intervention, das bedeutet, dass die Gruppenleitung immer mitten im Geschehen sein muss und nichts an ihr vorbei gehen darf.
Zuhören, um heraus zu bekommen, ob tatsächlich eine Intervention nötig ist, denn oft kann die Gruppe sich auch selbst helfen und eigenständig Probleme lösen oder Sachverhalte regeln. Intervention soll "nötig" sein!
Das Ansprechen ist die eigentliche Intervention. Bei unklaren Situationen hilft gelegentlich die Frage weiter (Was ist los? Wie geht es euch? Kann ich euch helfen?) .
Ist eine Intervention für nötig befunden, sollte sie auch sofort umgesetzt werden.
Hat die Gruppe selbst eine interventionsverdächtige Situation geregelt, sollte auch das positv bemerkt werden (Klasse, wie ihr das geregelt habt!).
Bei der Reflexion (oder Auswertung) machst Du Dir Gedanken darüber , wie eine Veranstaltung, eine Gruppenstunde oder eine Arbeitseinheit gelaufen ist: was war gut und was weniger gut. Das kann Dir bei der Vorbereitung weiterer Arbeitseinheiten, Gruppenstunden, Ferienfreizeiten, oder was auch immer Du in Deiner Jugendarbeit machst, helfen.
Du kannst zum einen mit den TeilnehmerInnen reflektieren und zum anderen mit den TeamerInnen (die Leute, die die Veranstaltung leiten).
Durch die Reflexion in der Gruppe bekommst Du Rückmeldungen von der Gruppe, das sogenannte feed back. Die TeilnehmerInnen haben dabei die Gelegenheit zu sagen, was ihnen gut gefallen hat und was weniger. Äußern können sie sich beispielsweise zu den behandelten Inhalten, zu den verwendeten Methoden und zu der Art der Leitung, also wie Du Dich den TeilnehmerInnen gegenüber verhalten hast und welche Inhalte Du wie transportiert hast.
Die Reflexion im Team kann beispielsweise Unterschiede in den
Leitungsstilen aufdecken, die dann thematisiert werden müssen.
Ohne eine Auseinandersetzung können die verschiedenen
Auffassungen, Leitung in einer Gruppe wahrzunehmen zu Konflikten
führen. Durch regelmäßige Reflexionen können
solche Probleme umgangen werden.
Die Wahrnehmung ein und derselben Situation kann völlig unterschiedlich aussehen. Eine Arbeitseinheit hat einem Teamer gut gefallen, für eine Teilnehmerin waren die verwendeten Methoden jedoch überhaupt nicht ansprechend. Das Empfinden von Situationen gerade in Gruppen ist sehr persönlich und kann daher ganz unterschiedlich ausfallen. Daher kann eine sinnvolle Reflexion eigentlich nur mit mehreren Personen gemacht werden.
Außerdem erfährst Du, wie andere Menschen Dich in der Gruppe wahrnehmen. Dadurch kannst Du lernen, Dich besser einzuschätzen und selbstsicherer mit Gruppen umzugehen.
Wird in festen Gruppen oder bei Veranstaltungen mit mehreren Arbeitseinheiten regelmäßig reflektiert, wird es einfacher, die Gruppe einzuschätzen und auf den Gruppenprozess konstruktiv einzugehen. Du weißt so immer, wo sich die Gruppe gerade befindet.
Methoden zur Reflexion findest Du im Methodenteil des Heftes von
"Team Seminare, Tobias Heiny, Petra und Bernd Schmidt,
Hamburg: Grundlagen für die Jugendgruppenarbeit
Bist Du als GruppenleiterIn erstmal richtig etabliert und von der Gruppe anerkannt, wirst Du auch schnell zum Idol, zum Vorbild und zum gern gefragten Ratgeber. Auf der Basis eines gewachsenen Vertrauensverhältnisses wirst Du oftmals in Situationen geraten, die Dir vielleicht unangenehm sind oder Dich überfordern. Einerseits bist Du oftmals das "Objekt der Begierde", weil TeilnehmerInnen sich in Dich verlieben und mehr fordern als Du geben möchtest, andererseits wirst Du als "Seelsorger" und Vertrauensperson in die intimsten Dinge eingeweiht. Läßt sich das erste im Spannungsfeld gesetzlicher Vorgaben und eigener Gefühle noch relativ einfach bewerten und entscheiden, so ist der zweite Bereich durchaus komplizierter, weil Dein Rat als FreundIn und VertrauteR gefragt ist, egal ob Du von dem Thema etwas verstehst oder nicht. Von den banalsten Kleinigkeiten bis zu ernsthaften Lebens Krisen kann Dich alles erreichen. Dabei ist auch in der "ganz normalen Gruppenarbeit" zunehmend zu beobachten, dass die harten Probleme zunehmen. Ob Alkohol- und Drogenprobleme, Kriminalität, Prostitution oder sexueller Missbrauch, viele Fragen werden Dich einfach überfordern, doch in der Regel kannst Du das Gespräch nicht beenden, indem Du Dich für nicht zuständig erklärst.
Es sollen an dieser Stelle nur einige Hinweise und Anregungen erwähnt werden:
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