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Ich und das (leidige) Thema Alkohol

Sexualstrafrecht / Bild Nr. 160069
Alkohol und Jugendarbeit | ©: Konstantin Gastmann - pixelio

Dieser "Aufsatz" stammt von Maik Riecken, Verfasser und Webmaster von www.tipps4you.net und durfte mit seiner freundlichen Genehmigung übernommen werden. Das Thema "Alkohol" ist ein Thema, welches uns meist auf Freizeiten mit Jugendlichen ab dem 14 Lebensjahr begegnet. Wie soll damit umgegangen werden? Wie verhalten sich die Jugendleiter(Innen)? Sollte Alkohol für alle Tabu sein? Leidet die Freizeit unter dem Alkohol? Eine klare Position der Jugendleiter(Innen) ist wichtig, denn schnell kann die Freizeit "aus den Fugen geraten", wenn man das Thema nicht im Griff hat.

Alkohol gehört zum Leben - Alkohol macht locker - Alkohol braucht man zur Entspannung - Boah war ich wieder besoffen - goile Paaadie ey - Alkohol hebt das Niveau - Alkohol sorgt für sprachliche Kreativität - Unter Alkoholeinfluss kommt der wahre Charakter zum Vorschein - Alkohol in der Jugendarbeit? Mitarbeiter schon? - und die Teilnehmer?

Meine verklärte Sicht

Ich bin ein Mensch, der eigentlich mit einem Sixpack pro Monat sehr gut über die Runden kommt. Dabei hilft mir zudem der Umstand, dass ich nicht viel vertrage (mangelnde Übung).

Ich halte Alkohol für ein großes volkswirtschaftliches Problem und für eine Droge, die in ihren Auswirkungen mehr als unterschätzt wird. Oft bin ich verwundert, welche merkwürdigen Argumente für den Alkohol in Feld geführt werden. Der eine braucht es, damit er nach einem langen, anstrengenden Zeltfreizeittag besser einschlafen kann, der andere möchte sich auch mal in trauter Runde entspannen, der nächste trinkt einen schönen schottischen Whiskey (ist echt lecker!) als Genussmittel und jederman könnte theoretisch ohne Probleme eine längere Zeit auf Alkohol verzichten. Allerdings führen die zitierten Leute unter KEINEN Umständen mit auf eine zweiwöchige Zeltfreizeit, wenn es dort KEINEN Alkohol gäbe und auch nix mitgebracht werden dürfte - nunja...

Es liegt mir fern, hier latente Süchte zu unterstellen. Ich trinke auch recht gerne irisches Bier und versumpfe zwar selten, aber dennoch mal auf irgendeiner Party und ich habe auch immer einen Kasten Bier zu Hause (der öfters aber sauer wird). Was mir eher zu denken gibt, ist die Selbstverständlichkeit, mit der Alkohol konsumiert wird, obwohl er als 100%ige Droge eingestuft werden muss. Er kann zur körperlichen Abhängigkeit bis hin zum Tod durch Alkoholvergiftung führen. In meinem Minicarfahrerdasein bin ich oft genug mit recht bedauernswerten Menschen konfrontiert, denen der Alkohol alles, wirklich alles genommen hat. Gut, dass wir alle davon frei und weit entfernt sind, oder etwa doch nicht?

Noch nicht 16jährige Teilnehmer und der Alkohol

Komasaufen
Komasaufen und Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen | ©: Markus Bormann - Fotolia

Das deutsche Recht ist hier mal wieder auf unserer Seite: Es ist uns als Jugendleitern verboten, Jugendlichen unter 16 Jahren den Konsum oder Erwerb jeglicher Art von Alkohol zu gestatten.

Was aber tun, wenn Alkohol in dieser Altersgruppe auf Freizeiten zum Problem wird? Wir kennen das ja alle mit den leichten "Cola-Dosen" in den Reisetaschen und den Fläschchen, die hin und wieder auftauchen, um dann in Abgeschiedenheit des Abends in trauter Runde konsumiert zu werden ("Ich hab' nur Cola im Glas!").

Eine Überreaktion hilft meiner Erfahrung nach in solchen Fällen oft wenig. Ich würde versuchen, sehr bestimmt und klar zu reagieren. Dazu gehört für mich das sofortige Einkassieren der "corpi delicti" (Beweismaterialien) ohne Aussicht, diese jemals wieder auszuhändigen (aber bitte, bitte nicht selbst trinken). Desweiteren würde ich Stress in unbegrenzten Mengen freisetzen, indem ich mit den betroffenen Teilnehmern ein Gespräch beim Fahrtenleiter anberaume (Gespräche sind immer Stress für Teilnehmer). Man muss sich allerdings darüber im Klaren sein, dass im Gespräch mein eigenes Konsumverhalten von den Teilnehmer thematisiert werden könnte. Ich glaube, dass in der Angst davor der Grund für so viele heftige Gegenreaktionen beim Auftauchen von Alkohol auf Freizeiten zu suchen ist. In dem Gespräch würde ich mit den Teilnehmern klare Konsequenzen vereinbaren, die bei "Straftatwiederholung" eintreten sollen. Diese Konsequenzen (z.B. "Ausgehverbot", besondere Nachtruhezeiten bzw. Beaufsichtigung usw.) MÜSSEN dann im Fall des Falles auch durchgezogen werden. Die allerletzte mögliche Konsequenz wäre für mich, den Teilnehmer auf Kosten der Eltern nach Hause zu schicken. Aber bis es dazu kommt, sollte schon einiges geschehen sein.

Probleme mit Alkohol versiegen zudem oft mit der Quelle. Man sollte sich nicht davor scheuen, örtliche Tankstellen oder Kiosks auf das Jugendschutzgesetz aufmerksam zu machen und ggf. sogar mit einer Anzeige zu drohen.

Über 16jährige Teilnehmer und der Alkohol

Wenn es um ihre Rechte geht, sind die meisten Jugendlichen in der Regel ziemlich gut aufgeklärt. Ab dem vollendeten 15. Lebensjahr darf man Getränke mit geringem Alkoholgehalt (ich glaube die Grenze liegt bei 21 Vol.%) erwerben und in der Öffentlichkeit konsumieren. Allerdings spricht nichts dagegen, in eurer Freizeitordnung eine entsprechende Klausel einzuarbeiten, die ein Alkoholverbot für Teilnehmer vorsieht.

Ich bin da immer hin- und hergerißen. Einerseits weiß ich ganz genau, dass Alkohol einen unglaublichen Reiz auf Jugendliche ausübt und dass auch sehr viele "Mannbarkeitsriten" mit diesem Stoff verbunden sind. Ich bin dagegen, den Alkoholkonsum in irgendeiner Form auf der Freizeit zu fördern. Ich weiß aber auch, aus wie vielen Quellen der Alkohol entspringt und dass man sich mit einem generellen Verbot viel Ärger einfangen kann.

Ich tendiere mittlerweile zu einem Kompromiss, wenn ich eine Gruppe vor mir habe, die durchweg das 15. Lebensjahr vollendet hat (und nur dann). Wir verkaufen unter diesen Umständen eine bestimmte Menge Bier an unsere Teilnehmer (max. 2x 0.33l am Abend, eher aber nur 1x 0.33l). Dieses Bier darf dann in trauter Runde getrunken werden, allerdings nur am späteren Abend nach dem offiziellen Programmende. Man muss dazusagen, dass wir immer über recht große Zeltplätze verfügen und das "Jugenddorf" stets etwas abseits liegt. Das Bier darf nicht aus dem Jugenddorfbereich hinausgetragen werden. Durch diese Regelung konnten viele Probleme mit Alkohol zumindest entschärft werden. Ich empfehle, nicht gleich am ersten Abend mit dem Verkauf zu beginnen, sondern mir die Leute erstmal eine Weile anzuschauen (keinen Vertrauensvorschuss...)

Diese Vorgehensweise ist nicht für jede Freizeit gleichermaßen gut geeignet. Insbesondere wenn viele Kontakte von den "Älteren" zu den "Jungen" bestehen, kommt es oft zu Neidgefühlen bei den Jüngeren. Wie immer muss man also von Fall zu Fall abwägen...

Solltet ihr euch dafür entscheiden, den Alkohol auf eurer Freizeit generell zu verbieten so gilt die Regel "Gelegenheit macht Probleme" in verschärfter Form. Es bedarf dann besonderer Wachsamkeit und Aufklärung im Vorwege der Freizeit im Hinblick auf die dort geltenden Regeln. Insbesondere solltet ihr auch im Betreuerkreis euren eigenen Alkoholkonsum zum Thema machen. Der Vorbildcharakter von Mitarbeitern für Jugendliche wird meiner Erfahrung nach immer gerne unterschätzt.

Mitarbeiter und der Alkohol

Mitarbeiter sind Vorbilder für Jugendliche und das weit mehr als man normalerweise annimmt. Bestimmte Dinge dürfen daher unter keinen Umständen vorkommen. Dazu gehört für mich z.B. ein Mitarbeiter, der mit einer Bierfahne über den Platz läuft oder gar eine Einheit leitet.
Wir in Preetz haben mittlerweile eine recht strenge Regelung, die sich über Jahre hinweg entwickelt hat. Alkohol wird erst konsumiert, wenn alle Teilnehmer in ihren Zelten (oder Betten) sind. Es findet dann bei uns eine Mitarbeiterandacht statt, nach deren Beendigung der gemütliche Teil des Abends beginnt. Wir verkaufen Bier und mittlerweile auch andere Dinge (Wein, Whiskey, Rum usw.) nur zu dieser Zeit. Wir haben uns darauf geeinigt, nichts an alkoholischen Getränken außer der Reihe mitzubringen. Das klingt teuer, hart und diszipliniert, klappt aber wider Erwarten sehr gut. Jetzt zu den Auswirkungen:

  • Die Mitarbeiter kommen morgens aus dem Bett
  • Die Mitarbeiter sind auch in der zweiten Freizeitwoche für die Kinder voll da
  • Die Mitarbeiter sind weniger erkältet - sonst eine Folge von Übermüdung
  • Es wird in Maßen getrunken
  • Die Mitarbeiten haben nach der Freizeit Geld für Aktionen á la Hansa-Park usw.
  • Die Mitarbeiter haben trotzdem viel Spaß, da sich das Leben nun viel mehr am Tage abspielt

Unser Argument für diese Regelung ist: Wir wollen in allererster Linie für die Teilnehmer dasein. Das gelingt uns wesentlich besser ohne durchzechte Nächte (die es bei uns auch gegeben hat).

Nun kann man nicht bei jeder Gruppe erwarten, dass sie sich derartigen Restriktionen freiwillig unterwirft. Der Konsum von Alkohol hat für mich dann Grenzen, wenn ich merke, dass er sich auf meinen Umgang mit den Teilnehmern in irgendeiner Form auswirkt. Bestimmte Grundregeln sollten für alle verbindlich sein:

  • Keine Saufgelage in Anwesenheit von Teilnehmern
  • Keine Bierfahne wird über den Platz getragen
  • Bei Tagesbeginn bin ich in der Lage, meine Aufgaben als Mitarbeiter angemessen zu bewältigen

Aber das sind ja Selbstverständlichkeiten. Apopros: Wenn ein Mitarbeiter wiederholt durch seinen Alkoholkonsum auffällt und sich nicht an vorher besprochene Grundregeln hält, hätte ich im Gegensatz zu einem Teilnehmer keine Probleme damit, ihn aus der Freizeit zu entfernen.

Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Maik Riecken (www.tipps4you.net)
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