Quelle: www.Praxis-Jugendarbeit.de | 3000 Spiele, Andachten, Themen und Ideen für die Kinder- und Jugendarbeit
nur für den privaten Gebrauch | Eine Veröffentlichung - egal wo - ist ohne Zustimmung nicht erlaubt.
Einfache Bausteine und Bauklötze aus verschiedensten Materialien gehören zu den ältesten Spielzeugen überhaupt. Bereits in der Steinzeit stellte man solche Spielzeuge für den Nachwuchs her. Dazu benutzte man sämtliche Materialien, die in der Natur zu finden waren. Beliebt ist als Material für die Herstellung von Bausteinen und Bauklötzen ist naturgemäß seit jeher Holz, es ist einfach zu bearbeiten, in nahezu jede gewünschte Form zu bringen und relativ dauerhaft haltbar. Zu früheren Zeiten stellte man jedoch auch Bausteine für Kinder aus anderen Naturmaterialien wie beispielsweise Lehm, Ton, Keramik etc. her. In manchen Kulturen wurden auch einfach nur Steine (zum Beispiel Kieselsteine aus Flüssen) gesammelt und den Kindern als Spielzeuge überlassen.
Murmelbahn aus Holzbausteinen bauen
©: Carola68 Die Welt ist bunt...... from Pixabay
Früher war es in diesem Zusammenhang gang und gäbe, das Spielzeug für den eigenen Nachwuchs selbst herzustellen. Heute erscheint das fast undenkbar. Damals jedoch verfügte noch fast jeder Mensch über gewisse handwerkliche Fähigkeiten, schließlich gab es noch keine Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft, wie es heute bei uns der Fall ist. Und so war es für die meisten Väter kein Problem, zum Schnitzmesser zu greifen und für den Nachwuchs Bausteine und Bauklötze selbst herzustellen. Überschüssiges Material und Ausschuss konnte anschließend ganz einfach im Ofen verbrannt werden und erzeugte so sogar noch Wärme für das Zuhause.
Fertige Spielzeugwelten, wie es sie heute zuhauf im Handel gibt, existierten zu früheren Zeiten noch nicht. Die Spielzeuge mussten einfach herzustellen, aus günstigen Materialien und trotzdem dauerhaft haltbar sein. Für Kinder was früher selbstverständlich, sich aus den vorgefundenen Spielzeug-Grundmaterialien eigene Spielwelten zu erschaffen. So verwundert es nicht, dass die Menschen in früheren Zeiten als wesentlich kreativer und handwerklich geschickter als heute galten. Schließlich lernten schon Kinder mithilfe von Bausteinen und Bauklötzen, ihre Spielwelten selbst zu gestalten.
Mit der Zeit wurden jedoch auch Kinder immer anspruchsvoller. Irgendwann reichte es nicht mehr, lediglich Bausteine und Bauklötze in einfachen Grundformen, z. B. Würfel, Rechtecke oder Dreiecke, herzustellen. Die Kinder wünschen sich Systeme, bei dem die Bausteine perfekt zueinander passen, und aus denen sie wesentlich kunstvollere Objekte erschaffen konnten. Damit war das Zeitalter der Baustein-Systeme und Baukästen geboren. In einem solchen Baukasten bilden alle darin enthaltenen Bausteine eine Einheit, jedes Bauteil passt zum anderen, beziehungsweise kann durch andere Teile erweitert werden.
Besonders in den Anfängen des 20. Jahrhunderts begannen sich diese Baukästen überall durchzusetzen. Die darin enthaltenen Bauklötze und Bausteine waren jedoch immer seltener aus dem klassischen Material Holz hergestellt, vielmehr hielten neue Materialien wie beispielsweise Metall Einzug in die Kinderzimmer. Nach und nach wurden die Baukästen immer komplexer, bis das Kind schließlich technisch anspruchsvolle und mit verschiedenen Funktionen versehene Objekte damit bauen konnte.
Einen riesigen Schub bekam der Markt der Bausteine und Bauklötze durch die neu aufkommenden Kunststoffe nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. In den Zeiten des Wirtschaftswunders in Deutschland schossen die Unternehmen nur so aus dem Boden, welche neuartige Bausteine und Bauklötze aus Kunststoff auf den Markt brachten. Der absolute Marktführer in diesem Bereich ist bis heute das dänische Unternehmen Lego, welches nicht nur den Plastikbaustein in aller Welt populär machte, sondern gleichzeitig auch noch ein revolutionäres Stecksystem erfand, mit dem die Steine ausreichend fest, aber trotzdem jederzeit beliebig variierbar zusammengesetzt werden können.
Seit etwa 1965 sind außerdem die Baukästen der Firma Fischer Technik in Deutschland und ganz Europa sehr beliebt. Sie eignen sich jedoch eher für schon etwas größere Kinder, da hierbei oftmals mit kleinsten Bauteilen wie Schrauben, Federn etc. umgegangen wird. Für die noch etwas ungeschickten Hände kleiner Kinder sind diese Bauteile dagegen weniger geeignet.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts befanden sich Bausteine, Bauklötze und auch Baukästen schließlich auf dem Rückzug. Immer mehr vorgefertigte Spiele bzw. Spielwelten - z. B. Spielfiguren, Computerspiele etc. - kamen auf dem Markt. Viele Eltern und Pädagogen sahen dies mit großem Bedauern. Schließlich wurde die Kreativität der Kinder durch diese neuartigen Spielzeuge immer weniger gefordert und damit gefördert. Seit einigen Jahren lässt sich jedoch beobachten, dass Bausteine und Bauklötze wieder zunehmend beliebter werden. Immer mehr Eltern wollen weg von den vorgefertigten und somit unkreativen Spielzeugen und sehnen sich zurück nach alten Zeiten, als das Kind beim Spielen mit Bausteinen noch seine volle Kreativität entfalten konnte. Und so bleibt zu hoffen, dass dieser Trend auch in Zukunft weiter anhalten wird.
Während es im Baby- und Kleinkindalter zunächst darauf ankommt, dem Kind bei der Ausprägung seiner geistigen und motorischen Grundfähigkeiten durch die Auswahl des geeigneten Spielzeugs so helfen, setzt sich dies im Kindergartenalter und später in der Grundschule fort, außerdem kommen noch weitere Aspekte hinzu.
Wenn ein Kind in den Kindergarten kommt, beherrscht es in der Regel die wichtigsten motorischen Fähigkeiten schon. Es kann außerdem Verknüpfungen und Zusammenhänge im Geist erstellen und diesen folgen. Neu im Kindergartenalter ist indes die soziale Komponente, welche dann hinzukommt. Während diese im Kindergarten bisher spielerisch vermittelt wird, wird es in der Grundschule dann ernst. Die Kinder sind immer häufiger darauf angewiesen, sich gegenseitig zu unterstützen und in einem Team zu arbeiten.
Auch die Verwendung von Bausteinen und Bauklötzen kann die Ausprägung sozialer Fähigkeiten verbessern. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass sich bei der Wahl der verschiedenen Spiele unter Zuhilfenahme dieser Utensilien ein möglichst gutes Gleichgewicht zwischen freiem und kreativem Spiel sowie vorgegebenen Spielabläufen beziehungsweise Spielen unter Anleitung ergibt. Besonderes Augenmerk ist darauf zu legen, dass sich die Kinder gut in ein Team integrieren können und so die gestellten Aufgaben miteinander lösen.
Für das freie beziehungsweise kreative Spiel kann selbstverständlich trotzdem ein grober Themenbereich vorgegeben werden, dem sich jedes Kind dann auf seine ganz eigene Art und Weise annähern kann. So könnte beispielsweise ein Wettbewerb ausgerufen werden, welches Kind unter Zuhilfenahme von Bausteinen und Bauklötzen den höchsten Turm bauen kann. Den Weg dorthin kann dann jedes Kind selbst für sich finden. Diese Beispielaufgabe eignet sich aber auch sehr gut für das Arbeiten im Team. Jedes Kind kann seine eigenen Ideen einbringen, anschließend muss ein Weg gefunden werden, aus der Fülle der Ideen ein gemeinsames Konzept zu entwickeln, um letztendlich zum Erfolg zu kommen.
Bausteine und Bauklötze eignen sich darüber hinaus dafür, auch die körperlichen beziehungsweise motorischen Fähigkeiten von Kindern im Kindergarten oder in der Grundschule zu fördern. Sie können in großer Ausfertigung beispielsweise im Sportunterricht zum Einsatz kommen, wo daraus Turngeräte und Ähnliches aufgebaut werden können. Auch im Sommer im Freien können die Geschicklichkeit und die motorischen Fähigkeiten der Kinder trainiert werden, indem beispielsweise ein Parcours aus großen Bausteinen errichtet wird, über den die Kinder - ohne den Boden zu berühren - laufen und ein Ziel erreichen müssen.
Spielideen mit Bausteinen
©: Thomas G. from Pixabay
Bausteine für größere Kinder bzw. Schulkinder? Da fragt man sich zunächst, ob dies wird das richtige Material ist. Dabei muss man jedoch etwas vom Grundgedanken des einfachen Bausteins - z. B. aus Holz - abrücken und sich einmal ansehen, was es heute sonst noch in diesem Bereich gibt.
Bausteine haben sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten enorm weiterentwickelt. Aus den einfachen Bauteilen wurden teilweise komplexe Baukästen, wie man sie beispielsweise seit mehr als 30 Jahren von der Firma Fischer Technik kennt. Dabei bestehen die Grundbauteile nicht mehr aus einfachen Klötzen, sondern vielmehr aus präzisen Metall-Elementen, die mittels Schrauben, Nieten etc. zu funktionsfähigen Objekten zusammengebaut werden können.
Solche Bausteine eignen sich dann auch sehr gut, um Kindern im Schulalter technische Grundlagen näherzubringen, und sie im naturwissenschaftlichen Bereich zu fördern. So erlauben Konstruktionsbaukästen beispielsweise, mathematische und physikalische Grundlagen und Zusammenhänge anhand realer Objekte deutlich zu machen. Es lassen sich Kugelbahnen und andere technische Geräte mit vielerlei Funktionen bauen. Mithilfe solcher Baukastensysteme verstehen Kinder und Jugendliche die Grundlagen der Statik, es können zum Beispiel Türme und Fachwerke errichtet werden.
Später geht das Ganze noch weiter, es kommen zunehmend auch elektronische Elemente in den Baukästen zum Einsatz. So verfügen moderne Baukästen über elektronische Steuerungseinrichtungen, Lichtschranken und vieles mehr. Solche Systeme sind prädestiniert dafür, beispielsweise im Physik-Unterricht zum Einsatz zu kommen und den Schülern das Verstehen der trockenen theoretischen Grundlagen deutlich zu vereinfachen. Auch Baukastensysteme, die über eine Computersteuerung verfügen, sind mittlerweile im Handel erhältlich und können als unterstützendes Lehrmaterial in Schulen zum Einsatz kommen.
Dadurch, dass die Kinder anhand solcher Baukastensysteme auch komplexe technische Funktion und Zusammenhänge einfach verständlich vor Augen geführt bekommen, wachsen die Motivation und die Lernbereitschaft. Die soziale Komponente wird ebenfalls nicht vernachlässigt. Es können Gruppenaufgaben gestellt werden, bei denen jeder die ihm eigenen Fähigkeiten einbringen kann und so aus vielen kleinen Ideen ein großes Ganzes entsteht.
Auch im Bereich des Chemie-Unterrichts gibt es mittlerweile spezielle Baukästen, mit deren Inhalt sich beispielsweise das für viele Kinder schwer zu verstehende Periodensystem plastisch darstellen lässt. Kinder, die mit solchen Utensilien arbeiten, entwickeln eine viel größere Affinität zum jeweiligen Lernfach und tun sich leichter, den Stoff zu verinnerlichen. Anhand der einzelnen Bausteine können Grundlagen und Zusammenhänge viel einfacher erklärt werden, als dies in der reinen Theorie - also auf dem Papier - möglich wäre.
Wie man sieht, sind Bausteine heute nicht mehr nur beliebtes Spielzeug für Babys und Kleinkinder, sondern können durchaus auch im fortgeschrittenen Kindes- und Jugendalter zum Einsatz kommen. Übrigens eignen sich auch die altbekannten Lego-Steine sehr gut dafür, Schulkindern für ihr Alter angemessene Aufgaben zu stellen. Schaut man sich einmal an, welch komplexe Objekte aus einfachen Lego-Stein gebaut werden können, so erkennt man die unzähligen Möglichkeiten, diese auch im schulischen Bereich einzusetzen.
[ © www.praxis-jugendarbeit.de | 3000 Spiele, Bastelideen, Quizfragen für Partyspiele, Kindergeburtstag, Freizeiten, Gruppenstunde, Spielstrassen, Kinderfest etc. ]