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Der Neue

Thema: Außenseiter

Inhalt:

"Der Neue" hat einen fiesen Ausschlag im Gesicht und ist dazu noch furchtbar schlau. Kein Wunder, dass alle auf ihm rumhaken. Aber er findet einen Verbündeten und schließlich einen Freund.

Kurzgeschichte

„Mann, hat der eine eklige Fresse! Der sieht ja aus... der sieht aus, als ob er die Pest oder so was hätte. Uaah – richtig widerlich!“ Mein Banknachbar kriegt sich gar nicht mehr ein. Und ich habe so schön vor mich hingedöst. Tatsächlich ist gerade Herr Palesch, der Direktor unserer Schule, hereingekommen. Neben ihm steht ein kleiner, schmächtiger Typ mit fettigen Haaren und einem total schlimmen Ausschlag im Gesicht. Pickel sind das nicht mehr, das müssen eher Geschwüre oder so was Ähnliches sein.

„So, alle mal aufgepasst! Das hier ist Tobias Müller, euer neuer Mitschüler. Tobias kommt irgendwo aus Bayern... aber stell dich am besten einfach mal selbst vor, Tobias.“ Doch bevor der Neue dazu kommt, ruft Tanja aus der ersten Reihe: „Aus Bayern? Der sieht eher aus, als ob er aus einem Versuchslabor oder so kommt.“ Fast alle lachen. Der Neue wirkt jetzt sogar noch schmächtiger als vorher, lässt die Schultern hängen und starrt auf den Boden.
„Mensch Tanja, lass den Unfug!“ ermahnt sie der Rektor. Und wieder zu dem Neuen: „Also Tobias, jetzt sag mal was.“
Der blickt noch immer auf den Boden, es wirkt fast, als ob er nicht den Mut hätte, uns allen ins Gesicht zu schauen. „Ich... ich heiße... Tobias und ich... komme aus Bayern...“, er ist ziemlich nervös und stottert.
„Ja, das wissen wir alle, denn das habe ich gerade deinen Mitschülern erzählt.“ unterbricht ihn der Direktor, was wiederum zu großer allgemeiner Erheiterung führt. „Erzähl mal was über dich. Auf was für einer Schule warst du zum Beispiel oder was sind deine Hobbies?“
„Ich... ich bin.. ich habe...“
„... einen widerlichen Ausschlag im Gesicht!“ dieses mal ist es Robert, der den Neuen verspottet.
„Verdammt Robert! Das reicht jetzt wirklich. Noch irgendein dummer Spruch, und es gibt eine Strafarbeit, verstanden?“ Palesch ist ziemlich wütend. „Nur weil der Tobias eine schlimme Akne im Gesicht hat, muss sich keiner über ihn lustig machen. Das gehört sich nicht!“ Dann wieder zu diesem Tobias: „Das ist doch Akne, oder?“
Der wird dadurch sichtbar noch mehr verlegen, und es sieht fast so aus, als ob er unter den Pickeln im Gesicht auch noch rot werden würde. „Ja... ich habe ziemlich starke Akne.“ „Naja, halb so schlimm.“ meint der Direktor. „Jetzt setz dich erst mal auf den freien Platz dahinten, der Rest ergibt sich von alleine.“
„Was?! Neben mich setzt sich der nicht hin. Ich will doch nicht die Krätze kriegen!“ „So, jetzt reicht es. Felix, du schreibst mir bis morgen 3 Seiten zum Thema „Toleranz“. Verstanden? Und du Tobias setz dich neben Felix.“ Doch Felix nimmt das nicht so einfach hin und protestiert. „Bei allem Respekt Herr Direktor, ich wollte den Neuen nicht beleidigen. Ich meine das ganz im Ernst. Ist denn dieser Ausschlag ansteckend oder nicht? Falls ja, glaube ich, dass meine Eltern sehr wohl etwas dagegen hätten, dass der neben mir sitzt!“ „Mmmh.“ Palesch überlegt kurz und wendet sich wieder zu Tobias. „Das ist doch nicht ansteckend, oder?“
„Nein, ehrlich nicht. Ich kann ein Attest von meinem Hautarzt bringen, wenn sie das wollen.“ „Unsinn, das ist nicht nötig. Ihr habt es alle gehört, der Ausschlag ist nicht ansteckend! Jetzt setz dich endlich hin, Tobias. Und du Felix schreibst die 3 Seiten trotzdem, das wird dir nicht schaden.“ Der Direktor verlässt mit diesen Worten den Klassenraum.
„Vielen Dank, du Arschgesicht, das wirst du mir noch büssen! Verlass dich drauf.“ kriegt der Neue von Felix zu hören, als er neben ihm Platz nimmt.

Irgendwie tut mir dieser Tobias leid. Schließlich ist es nicht leicht, an eine neue Schule zu kommen und dazu hat er noch einen denkbar schlechten Start erwischt. Naja, ist aber auch nicht mein Problem, denke ich mir, und außerdem sieht er wirklich widerlich aus. Der Unterricht geht weiter, und ich döse bald wieder vor mich hin.

In den nächsten Wochen habe ich Tobias ein wenig aus den Augen verloren. Das lag zum einen daran, dass ich prinzipiell lieber mein eigenes Ding mache und mich nicht so für die Anderen interessiere. Ein zweiter Grund war aber noch viel wichtiger. Meine Eltern hatten einen blauen Brief von der Schule bekommen, in dem stand, dass meine Versetzung in das nächste Schuljahr erheblich gefährdet sei. Vor allem in Mathematik und Physik habe ich mich wahnsinnig schwer getan, und ich hatte genug damit zu tun, dass ich von meinen beiden Sechsen irgendwie runterkommen würde.

Zwei Sachen sind mir aber trotzdem aufgefallen. Erstens: Tobias war richtig schlau! Obwohl er nicht den Eindruck erweckte, dass er ein Streber war, hat er fast nur Einser geschrieben und war bald der Beste in unserer Klasse. Das machte ihn aber eher noch unbeliebter. Womit wir schon beim zweiten Punkt wären: Meine Mitschüler quälten ihn, wo sie nur konnten. Die Mädels machten sich zum Beispiel öfters den Spaß, Kleidungsstücke von einer anderen auf den Stuhl von Tobias zu hängen. Wenn diejenige, der die Jacke oder der Schal gehörte, das sah, rief sie ganz hysterisch etwas wie „Ääähhh! Ihr seid so gemein. Die Jacke ist jetzt verseucht, die kann ich wegwerfen!“ Auch die Jungs waren ziemlich fies zu ihm und beleidigten ihn den ganzen Tag. Tobias tat mir deshalb schon irgendwie leid, aber wie gesagt, ich hatte meine eigenen Probleme.

Eines Tages ist mir aber dann der Kragen geplatzt. Felix und einige der anderen Jungs hatten Tobias, der sich gerade umziehen wollte, in der Umkleide von der Turnhalle umringt. „Ist der eklig! Der ganze Oberkörper ist auch voller Geschwüre!“ Als sie auch noch angefangen haben, ihn zu schubsen, ist es Tobias zu viel geworden und er hat angefangen, zu heulen. „Lasst mich doch in Ruhe! Ich kann doch auch nichts für meine Scheißkrankheit!“ Doch die Jungs haben nicht aufgehört. „Jetzt heult er auch noch! Die Pestbeule weint. Ob dem seine Tränen wohl auch noch aus Eiter sind?“

Wie gesagt, ich kümmere mich nicht viel um andere Leute. Aber das war eindeutig zu viel! Ich bin also hingegangen und habe mir Felix gepackt. Die Jungs haben eh alle Angst vor mir, weil ich ziemlich stark bin und seit Jahren im Verein boxe. „Du kleines, feiges Arschloch!“ habe ich zu Felix gesagt. „Alle auf einen, das traut ihr euch. Wie wäre es, wenn ihr es mal mit mir versucht? Na, was ist?“
Felix hat sich fast in die Hosen gemacht und auch die Anderen sind ganz kleinlaut geworden. „Hey, was geht denn dich das an. Wir haben doch nur ein bisschen Spaß.“
Ich will jetzt echt nicht angeben oder so tun, als ob ich ein besonders guter Mensch bin, aber dieser arme kleine Kerl hat mir einfach leid getan. Wenn ich einmal in Fahrt bin, bin ich nur schwer wieder zu bremsen. „Ab jetzt geht mich das was an! Wenn ich in Zukunft einen von euch Bettnässern dabei erwische, dass er den Tobias nicht in Ruhe lässt, kriegt er es mit mir zu tun! Verstanden?“
„Ja, ja, ist ja schon gut.“ Die Jungs haben ihren Schwanz eingezogen und sind alle in Richtung Turnhalle abgehauen.

Nach Ende des Unterrichts hat Tobias vor der Schule auf mich gewartet. „Vielen Dank! Das war echt nett von dir.“ Ich habe nur gemeint, dass er sich nicht groß bedanken müsste und bin einfach weitergegangen. Doch Tobias ist mir nachgelaufen. „Hey, weißt du, ich bin jetzt schon seit fast drei Monaten hier, und ich habe noch immer keinen einzigen Freund. Ich meine, hast du nicht mal Zeit und Lust, dass wir zusammen was unternehmen könnten?“
„Nein, habe ich nicht. Weder Zeit noch Lust!“
Da hat er wieder fast zum Heulen angefangen. „Es ist wegen meiner Neurodermitis, oder? Niemand will was mit mir zu tun haben, nur weil ich so aussehe.“
„Hey Tobias, ganz ehrlich, du bist zwar wirklich keine Schönheit, aber das ist es nicht. Und jetzt heul nicht gleich wieder. Ich habe zur Zeit meine eigenen Probleme, da kann ich mich nicht auch noch um dich kümmern, ok?“
„Was hast du denn für Probleme? Etwa wegen der Schule?“
Anscheinend wussten wirklich alle, dass ich ein absolut lausiger Schüler war. „Ja, das ist es. Ich werde heuer wahrscheinlich durchfallen, wenn ich nicht endlich anfange, richtig zu lernen!“ „Mathe und Physik, oder?“
Da musste ich fast lachen. „Ja, Mathe und Physik. Ist dir das aufgefallen?
„Ist ja nicht schwer zu übersehen. Aber wenn du willst, könnten wir ja mal zusammen lernen. Ich tue mich gerade in den naturwissenschaftlichen Fächern relativ leicht.“
„In den naturwissenschaftlichen Fächern?“
„In Mathe und Physik halt.“
„Natürlich. Ich meine, ja, das würde mir sicher helfen, wenn du mir hilfst. Ich kann dir aber kein Geld für die Nachhilfe geben.“
„Das musst du auch nicht. Ich helfe dir gerne.“
„Ehrlich?“
„Ehrlich.“
„Also gut. Danke!“

Von da an ist Tobias regelmäßig zu mir gekommen, und wir haben zusammen gelernt. Ein Ass in Mathe bin ich zwar heute immer noch nicht, aber ich habe das Schuljahr – wenn auch verdammt knapp – geschafft. Ohne Tobias hätte ich das sicher nie gepackt! Mit der Zeit sind wir beide auch gute Freunde geworden und sitzen sogar nebeneinander. Er erklärt mir, wie man den Sinus von Winkeln berechnet oder warum sich der Schall in der Luft schneller ausbreitet als im Wasser, und ich halte ihm dafür die ganzen Idioten vom Leib. Doch das alleine ist es nicht mehr, was uns mittlerweile verbindet. Tobias ist einfach ein echt netter Mensch und ein super Kumpel, auch wenn er auf den ersten Blick ein bisschen unschön ausschaut.

Aber auch das kann sich bald ändern. Heute in der Schule hat mir Tobias freudestrahlend erzählt, dass er jetzt bei einem anderen Hautarzt ist und der hat ihm eine Salbe verschrieben, von der sein Ausschlag weggehen könnte. Mann, das würde mich echt freuen für den kleinen Kerl!

Anregungen für Fragen zu einem Gesprächseinstieg:

  • Was sind Außenseiter?
  • Durch was wird man zum Außenseiter?
  • Wie sind Außenseiter?
  • Kennst Du Außenseiter?
  • Wie begegnest du Außenseitern?

Lernziel:

  • Überlegen warum der/diejenige Außenseiter sind
  • Auf Außenseiter zugehen
  • Den Mut aufbringen sich auf die Seite eines Außenseiters zu stellen, der nur von den anderen zum Außenseiter abgestempelt wurde.

Geeignete Bibelstellen

Jesus ging auf die Außenseiter in der Gesellschaft zu, die von anderen gemieden wurden. (Zachäus, Frau am Brunnen, Aussätzige, Lahme und Kranke)

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