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Burnout bei Kindern und Jugendlichen

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Burnout | ©: shootingankauf - Fotolia

Der sogenannte Burnout (auf Deutsch: „Ausbrennen“) ist bislang fast nur bei Erwachsenen bekannt, und dort insbesondere bei Selbstständigen und Arbeitnehmern in gehobenen Positionen. Doch ein Burnout bei Kindern und Jugendlichen, gibt es das wirklich? Wodurch macht er sich bemerkbar? Und was können betroffene Eltern tun?

Zunächst zur Definition des Begriffes „Burnout“: Man bezeichnet damit eine akute emotionale Erschöpfung aufgrund dauerhafter oder temporärer Überforderung. Der Burnout äußert sich durch eine verminderte Leistungsfähigkeit und kann zu völliger Erschöpfung, Apathie und einer ganzen Reihe von psychosomatischen Erkrankungen führen. Auch die Suchtgefährdung nimmt in diesem Fall stark zu. Eine Behandlung kann langwierig sein und ist nur dann Erfolg versprechend, wenn die Ursachen erkannt und durch neue Gewohnheiten und Verhaltensweisen ersetzt werden.

Wichtig zu wissen ist: Im Bereich der Wissenschaft ist das Burnout-Syndrom nicht als eigenständige Krankheit anerkannt, sondern gilt als Problem im Zuge der eigenen Lebensbewältigung. Daher werden die Kosten für eine Behandlung nicht in allen Fällen von den Krankenkassen übernommen.

Ursachen für einen Burnout bei Kindern & Jugendlichen

Gibt es wirklich den Burnout bei Kindern und Jugendlichen? Mit dieser Frage mussten sich Experten schon des Öfteren auseinandersetzen. Zunächst einmal gilt: Der Begriff „Burnout“ wird heutzutage geradezu inflationär gebraucht und steht für eine ganze Palette verschiedener körperlicher und geistig-seelischer Ungleichgewichtszustände, auch bei Kindern und Jugendlichen. Nicht jeder dieser Ungleichgewichtszustände steht für sich genommen für einen Burnout, doch mehrere davon können durchaus ein Symptom sein.

Doch bevor wir uns mit eben diesen Symptomen etwas näher beschäftigen, soll zunächst geklärt werden, wo die Ursachen für einen Burnout bei Kindern und Jugendlichen liegen.

Grundsätzlich gilt: Die Ursache eines jeden Burnout ist ein Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und persönlichen Ressourcen. So auch bei Kindern und Jugendlichen. Dieses Ungleichgewicht hat bei jungen Menschen verschiedene Ursachen. Die wichtigsten sind:

  1. Schulische Überforderung

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    Burnout | ©: jogyx - Fotolia

    Der Leistungsdruck in der Schule nimmt seit Jahren immer mehr zu. Schon Erstklässler fühlen sich diesem Druck häufig nicht mehr gewachsen und verfallen in Depressionen. Dadurch sinkt die Leistungsfähigkeit noch weiter, und am Ende dieser Abwärtsspirale steht dann der Burnout. Dabei spielt das Schulsystem in Deutschland eine ausschlaggebende Rolle. Dieses System ist seit Jahrzehnten nicht grundlegend überarbeitet bzw. an die Veränderungen in der Gesellschaft angepasst worden. Den gestiegenen Anforderungen in vielen Berufen wird lediglich durch eine immer frühere Selektion Rechnung getragen, was dazu führt, dass der Leistungsdruck ebenfalls immer früher beginnt.

    Die ehemals für gut befundenen Förderstufen sind in vielen Schulen schon seit Jahren weggefallen, somit müssen sich die Kinder schon in der Grundschule für den weiteren Bildungsweg qualifizieren. Das führt zu erhöhtem Stress, denn insgeheim weiß jeder: Ohne Abitur stehen heute kaum noch anspruchsvolle Wege im Berufsleben offen. Kein Wunder, dass viele Grundschulen bereits in der zweiten oder dritten Klasse mit dem Englischunterricht beginnen, was viele Eltern sogar freudig begrüßen. Die Kinder allerdings fühlen sich dadurch oft überfordert – je mehr Fächer, desto mehr Leistungsdruck.

  2. Unklare bzw. negative Zukunftsperspektiven

    Der gesellschaftliche Umbruch, in dem wir uns seit Jahren befinden, sorgt dafür, dass es keine klaren Zukunftsperspektiven mehr gibt, wie es noch vor einigen Jahren der Fall war. Dies gilt insbesondere im beruflichen Bereich. Während der Opa bereits in der Firma gelernt hat, in der er die darauf folgenden 45 Berufsjahre bis zur Rente gearbeitet hat, ist dies in der heutigen Zeit kaum noch vorstellbar. Die Welt verändert sich immer schneller, es fehlen die wichtigen Konstanten, die insbesondere jüngeren Menschen Sicherheit und einen positiven Blick in die Zukunft geben.

    Und so macht sich Frust breit. Arbeitslosigkeit droht oft schon direkt nach dem Verlassen der Schule, eine trostlose Aussicht auf ein wahrscheinlich ebenso trostloses Leben. Das gilt insbesondere für Schüler in den Hauptschulen, aber inzwischen auch verstärkt für die mittleren Bildungsabschlüsse.

  3. Falsches Verhalten der Eltern

    Eltern können oft mit den Anzeichen für das Burnout-Syndrom bei ihrem Kind nicht umgehen. Sie vermuten eine Trotzreaktion und versuchen daher, mit strengeren Erziehungsmethoden der Situation Herr zu werden. Dass sie damit alles noch schlimmer machen, ahnen sie nicht. Auf der anderen Seite wird in vielen Familien generell zu wenig gesprochen, insbesondere über Probleme. So hat das Kind gar nicht die Chance sich mitzuteilen und auf sein seelisches Ungleichgewicht aufmerksam zu machen (ganz davon abgesehen, dass es dieses „seelische Ungleichgewicht“ gar nicht so deuten und artikulieren kann).

  4. Falsches Verhalten von Lehrern und anderen Pädagogen

    Ähnlich wie Eltern interpretieren auch Lehrer und andere Pädagogen die Symptome für einen Burnout bei Kindern und Jugendlichen oft falsch. Das hat auch mit dem Umstand zu tun, dass die meisten depressiven und Burnout-gefährdeten Kinder überangepasst sind. Solche Kinder wehren sich nicht und werden daher vom Lehrer eher positiv wahrgenommen, nicht als Problemfall.

Welche jungen Menschen sind besonders für einen Burnout gefährdet?

Fällt der Begriff „Burnout bei Kindern“, hat man unweigerlich ein Szenario im Kopf: Von Ehrgeiz und stringentem Willen getriebene Eltern, die aus ihrem Nachwuchs durch permanente Disziplin und immer neue Aufgaben kleine Wunderkinder machen möchten. Eltern, die dabei gar nicht merken, wie sie ihr Kind ständig überfordern und schließlich in den Burnout treiben. Und am Ende ein Kind, dass sich dem Ganzen nicht mehr gewachsen fühlt und durch depressive Stimmungen, die sich in regelmäßigen Abständen mit Aggressionen abwechseln, sowie deutlich wahrnehmbaren körperlichen Symptomen auffällt.

Doch in der Realität sieht es ganz anders aus. Die im vorigen Abschnitt beschriebenen Kinder und Jugendlichen haben in den seltensten Fällen einen Burnout, da sich die meisten von ihnen früher oder später gegen das strikte Diktat der Eltern auflehnen und in der Folge in eine Verweigerungshaltung verfallen.

Und es sind Kinder und Jugendlichen, welche selbst zu viel von sich fordern und erwarten, ganz ohne den Druck von außen, z. B. durch die Eltern. Kinder, die von sich aus leistungsbereit sind und viel für die Schule tun. Die so hohen Erwartungen an sich selbst stellen, dass sie diese gar nicht erfüllen können. Der größte Teil dieser Kinder und Jugendlichen kommt aus gut situierten Elternhäusern und ist in den Gymnasien zu finden.

Anzeichen für einen Burnout bei Kindern & Jugendlichen

Eltern sollten stets wachsam sein, um die Anzeichen für ein drohendes Burnout bei ihrem Kind möglichst frühzeitig zu erkennen. Diese Anzeichen können vielfältige Formen haben, die wichtigsten davon haben wir hier zusammengestellt:

Ständige Müdigkeit

Wenn das Kind ständig müde ist, morgens nicht mehr aus dem Bett kommt und vielleicht sogar in der Schule während dem Unterricht einschläft, könnte das ein Anzeichen einer chronischen Erschöpfung bzw. eines Burnouts sein.

Gewichtsabnahme/-zunahme

In vielen Fällen geht der drohende Burnout mit einer Gewichtsabnahme einher. In wenigen Fällen ist auch eine Gewichtszunahme zu beobachten. Auf jeden Fall sollten Sie aufmerksam werden, wenn Ihr Kind trotz scheinbar nicht geändertem Essverhalten plötzliche eine eklatante Gewichtsveränderung innerhalb kurzer Zeit zeigt.

Selbstverletzendes Verhalten

Verletzt sich ein Kind bzw. ein Jugendlicher selbst, so ist dies immer als Hilfeschrei der Seele zu werten. Oftmals sind es Aggressionen gegen sich selbst, die das Kind entwickelt, weil es die durch sich selbst oder andere an sich gestellten Anforderungen nicht erfüllen kann.

Bettnässen

Ähnlich wie das selbstverletzende Verhalten kann auch Bettnässen ein Aufschrei der Seele Ihres Kindes sein. Das Kind verliert die Kontrolle über eine wichtige Körperfunktion, da die ständige Kontrollwut in allen Bereichen des Lebens nicht mehr ausgehalten werden kann. Bettnässen kann als Rebellion der Seele gegen das Angepasst sein verstanden werden.

Nachlassen der schulischen Leitungen

Wenn Ihr Kind immer in der Schule gut mithalten konnte und die Leistungen dann plötzlich bzw. innerhalb kurzer Zeit stark abfallen, kann dies ein Hinweis auf die Überforderung sein, welche schließlich in einem Burnout gipfelt.

Isolation

Gleiches wie bei den nachlassenden schulischen Leistungen gilt auch, wenn sich Ihr Kind plötzlich von seinen Freunden und/oder der gesamten Außenwelt abschottet. Die selbst gewählte Isolation kann ein Weckruf des Köpers und der Seele für mehr Ruhe und Ausgeglichenheit sein.

Was Eltern und Pädagogen bei den ersten Anzeichen eines Burnouts bei Ihrem Kind tun können

Da die Anzeichen für das Burnout-Syndrom leicht mit anderen Symptomen zu verwechseln sind, sollten Eltern besonders wachsam sein. Doch was tut man, wenn sich dann wirklich die ersten Anzeichen gezeigt haben?

Zunächst einmal gilt es, Ruhe zu bewahren. Panische Kurzschlussreaktionen bringen in der Regel überhaupt nicht, ebenso ist es nicht ratsam, das Kind mit Vorwürfen oder Schuldzuweisungen zu bombardieren. Suchen Sie eine ruhige Minute und sprechen Sie mit Ihrem Kind. Reagieren Sie auf seine Äußerungen mit großem Verständnis und bieten eine emotionale Resonanz.

Wichtig ist in einem solchen Fall, auch die Lehrer des Kindes anzusprechen und diese mit in die Pläne für die nächsten Schritte einzubeziehen. Fühlen sich auch Eltern und Lehrer mit der Situation überfordert, sollte ein Schulpsychologe mit einbezogen werden. Leider hat sich die Ausbildung von Lehrern in Deutschland innerhalb der letzten 100 Jahre kaum verändert, während die Gesellschaft und somit auch die Kinder großen Veränderungen unterworfen waren. Zum Vergleich: In anderen europäischen Ländern, z. B. in Norwegen, müssen Lehrer eine psychologische Vorbildung vorweisen, um diesen Beruf überhaupt ergreifen zu dürfen.

Herrscht nach der Konsultation von Lehrern und Schulpsychologen immer noch keine Einigkeit darüber, ob beim betreffenden Kind das Burnout-Syndrom vorliegt und welche weiteren Schritte unternommen werden sollten, so ist ein ausgebildeter und erfahrener Psychologe zu Rate zu ziehen. Dieser verfügt in der Regel über einen speziellen Test, mit dem das Burnout-Syndrom diagnostiziert werden kann.

Ist der Burnout zweifelsfrei festgestellt, kann eine entsprechende Therapie entwickelt werden. Diese besteht aus verschiedenen Bausteinen (in der Fachsprache „Interventionen“ genannt), z. B. aus speziellem Verhaltenstraining, Beratungsgesprächen, gezielt organisierter Unterstützung aus dem sozialen Umfeld sowie Entspannungs- und Konzentrationsübungen. Auch eine geänderte Bewertung der Leistungen des Betroffenen und die Optimierung von Arbeitsabläufen können mit zur Burnout-Therapie gezählt werden.

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