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ADS/ADHS – eine Modediagnose?

Hyperaktive Kinder  / Bild Nr. 34783047
Hyperaktive Kinder
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Wenn etwas nicht so ist, wie es sich laut gängiger Meinung gehört, dann sind wir schnell dabei, es als falsch oder gar krankhaft zu verurteilen. In unserer heutigen hochtechnologischen und weitentwickelten Welt sind wir nur allzu häufig der Meinung, wir seien allwissend. Was nicht mit der Wissenschaft konform geht oder durch Studien bewiesen wurde, ist falsch. Damit liegen wir aber gründlich daneben. Wir sollten allmählich gelernt haben, dass das, was gestern noch als richtig galt, morgen schon wieder falsch sein kann. Wie ein Zitat von Gandhi schon sagt. „Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt“. Wer hätte vor 25 Jahren geglaubt, dass heute in fast jedem westlichen Haushalt einer oder mehrere PCs stehen.

Ebenso täuschen wir uns, wenn es um das Thema AD(H)S geht. Studien sagen, dass über 600.000 Jugendliche erkrankt seien, obwohl viele Ärzte und Wissenschaftler immer wieder über die hohe Quote der Fehldiagnosen sprechen. Was tun wir unseren Kindern da so bedenkenlos an? Wollen wir unsere Kinder wirklich ruhig stellen, nur wenn Sie etwas aufgeweckter oder schwieriger werden?

AD(H)S - Was ist das eigentlich?

Der Unterschied zwischen ADHS und ADS ist, dass bei ADHS eine Hyperaktivität mit im Spiel ist. Das bedeutet, dass neben Unaufmerksamkeit, Impulsivität, Tagträumen und Konzentrationsschwächen noch ein verstärkter Bewegungsdrang hinzukommt, welcher häufig als Zappeln interpretiert wird.

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ADHS | ©: fotodo - Fotolia

Wie die Symptomatik aussieht, wissen wir also. Wir wissen ebenfalls, durch welche Vorgänge diese im Gehirn ausgelöst wird. Was wir aber nicht wissen, ist der Grund. Liegt der Grund in den Genen, oder ist es vielleicht doch eher eine angelernte Verhaltensweise? Häufig wird gesagt, es sei eine Stoffwechselerkrankung. Aber das einzige, was wir wissen, ist, dass der Stoffwechsel sich verändert hat. Warum er das tat und was die Ursache dafür war, bleibt unklar. Wir behandeln diese angebliche Krankheit jedoch mit Medikamenten, welche das Gehirn in seiner Struktur maßgeblich verändern. Dabei ist die Behandlung umstritten, und welche Folgen diese Behandlung mit sich bringt, ist auch nicht sicher. Manche Forscher gehen so weit zu sagen: wir verändern mit diesen Medikamenten die Persönlichkeiten der Kinder. Es gibt Kinder, die aus diesem Grund keine Medikamente mehr nehmen wollen. Sie sagen, sie seien nicht mehr sie selbst. Wir behandeln also im Prinzip eine Krankheit, die wir weder erklären noch verstehen können. Und das mit Medikamenten, von denen wir nicht wissen, welchen Schaden sie anrichten können.

Eine eindeutige Diagnose ist sehr schwer bis unmöglich, denn dieselben Symptome können auch das Ergebnis verschiedener anderer Ursachen sein. Eine ähnliche Symptomatik kommt bei Leistungsdruck durch die Eltern, gesellschaftlichem Druck, Reizüberflutung und Problemen in der Familie zum Vorschein. Es gibt noch einige mehr, das war nur ein kleiner Auszug. Oft wird bei Kindern also fälschlicherweise AD(H)S diagnostiziert.

Fehldiagnose AD(H)S

Kindern, welche einfach nur etwas langsamer in der Entwicklung sind und sich dadurch anders verhalten, wird oft vorschnell die Diagnose AD(H)S gestellt. Dabei liegt ihr auffälliges Verhalten einfach nur daran, dass viel zu viel von ihnen erwartet wird und sie es nicht schaffen, diese Erwartungen zu erfüllen. Sie zeigen dies auf eine Weise, welche zu den Symptomen von AD(H)S passt. Dabei sind Ärzte oft nicht in der Lage zu erkennen, dass es ein anderes Problem ist. Also wird das Kind erst einmal ruhig gestellt. Auch hochbegabten Kindern wird häufig vorschnell Ritalin verschrieben. Manchmal wird eine solche Diagnose in nur wenigen Minuten gestellt.

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Zur Ruhe kommen: ruhige Spiele und ▄bungen
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AD(H)S ohne Medikament behandeln

Bevor einfach dem Rat des Arztes gefolgt wird und dem Kind Pillen verabreicht werden, sollten alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um AD(H)S zu bekämpfen. Zum einen wäre da die Verhaltenstherapie, in welcher ein Psychologe dem Kind bestimmte Verhaltensweise ab- bzw. antrainiert. Des Weiteren kann auch Meditation dem Kind helfen, klarer und ruhiger zu werden. Dabei sollte solch ein Kind natürlich nicht eine halbe Stunde still sitzen, sondern sich lediglich ein paar Mal am Tag eine Minute auf den Atem konzentrieren. Es geht vorrangig darum, das Chaos Kopf zu beruhigen. Betroffene Kinder sind mit so vielen Reizen überflutet, dass die „Festplatte“ im Kopf erst einmal geleert werden muss, zumindest zum Teil. Das kann am effizientesten mit einfachen meditativen Übungen geschehen.

Aber auch viel Sport in Kombination mit den geeigneten Entspannungstechniken hilft dem Kind, ausgeglichener zu werden. Vor allem hyperaktiven Kindern hilft es, den Bewegungsdrang abzubauen. Ganz entscheidend ist zudem, die Vielzahl der Reize auf das Gehirn zu reduzieren. Dabei kann es helfen, den Fernsehkonsum auf ein Minimum zu reduzieren. Sollten alle diese Möglichkeiten auch nach Monaten keine Besserung gebracht haben, dann gibt es noch die Möglichkeit, zusätzlich Medikamente einzunehmen. Dabei sollten die genannten Maßnahmen allerdings unbedingt Bestandteil der Behandlung bleiben.

Medikamente können Besserung verschaffen

Wenn alles nichts hilft und die Symptomatik so schlimm ausfällt, dass es für Kind und Eltern nicht mehr zu ertragen ist, dann können Medikamente die erhoffte Linderung verschaffen. Ein Medikament dauerhaft zu nehmen ist immer die letzte Instanz, zuvor sind zunächst alle anderen möglichen Maßnahmen auszuschöpfen. Der Arzt sollte das Medikament dann auch von Zeit zu Zeit immer mal wieder überprüfen und untersuchen, ob es überhaupt noch notwendig ist.

Den Eltern muss dabei aber klar sein: Auch Medikamente können AD(H)S nicht heilen, sondern lediglich die Symptome unterdrücken. Nur mit einer begleitenden Therapie ist es möglich, die Ursachen der Störung zu beseitigen. Allerdings müssen sich dabei alle Beteiligten auch der Gefahren bewusst sein. Die Inhaltsstoffe von Ritalin – dem bekanntesten Medikament zur Behandlung von AD(H)S – und deren Wirkung sind noch nicht komplett erforscht. So kann z. B. keine Aussage über die Langzeitwirkung getroffen werden.

Mancher Forscher sagt, Ritalin behindere Kinder in ihrer Entwicklung und beschränke ihre Persönlichkeit, andere sehen dies nicht so und halten das Medikament für sehr hilfreich. Allerdings ist es schon interessant, was passiert, wenn ein Erwachsener Ritalin nimmt. Eine RTL-Reporterin nahm das Medikament im Selbstversuch - das Ergebnis war niederschmetternd. Sie konnte nicht einschlafen, war unkonzentriert, ihr Herz raste und ihr war extrem warm. Das Medikament ist zwar nur für Kinder zugelassen, bei dieser Wirkung auf Erwachsene scheint es jedoch bedenklich. Auch wenn Kinder durch Medikamente ruhiger werden, Auffälligkeiten sich reduzieren und sie sich sozial konformer verhalten, sollten diese nur sehr bedacht und sparsam eingesetzt werden. Genau das scheint jedoch nicht der Fall zu sein. In den letzten 20 Jahren ist die Abgabe von Psychopharmaka an Kinder um das 200-Fache gestiegen. Eine bedenkliche Entwicklung.

Der Umgang mit AD(HS) Kindern in der Schule und Jugendgruppe

Lehrer und Leiter von Jugendgruppen müssen mit dieser Problematik umgehen können. Statistisch gesehen befindet sich in jeder Schulklasse ein Kind, welches AD(H)S-ähnliche Symptome aufweist. Es hat also wirklich jeder mit solchen Kindern zu tun. Es gilt aber nicht nur, mit diesen Kindern umgehen zu können und sie zu fördern, sondern auch die Anzeichen für AD(H)S zu erkennen. Es kommt immer wieder vor, dass besonders ADS nicht erkannt wird.

Was müssen Pädagogen beachten, was können sie tun?

Es ist bei solchen Kindern immer wichtig, Regeln und Grenzen zu setzen. Kinder mit AD(H)S können aggressiv und verletzend werden. Den Kindern sollten möglichst wenige Möglichkeiten gegeben werden, abgelenkt zu sein. So sollten sie zum Beispiel im Unterricht ganz vorne sitzen. Auch ein Einzeltisch, nicht am Fenster, kann hilfreich sein. Ob im Unterricht oder in der Jugendgruppe: Kinder mit AD(H)S brauchen Strukturen und klare Regeln. Sollte eine Regel nicht eingehalten werden, dann muss dies Folgen haben. Genauso muss gelobt werden, wenn ein Kind eine Regel einhält oder etwas Gutes getan hat. Natürlich gilt dies gleichermaßen für alle Kinder, ansonsten würde ein Ungleichgewicht entstehen, was Kinder sehr schnell merken. Bei älteren Kindern kann das Kind auch zur Selbstkontrolle angehalten werden. In diesem Fall können gemeinsam Regeln erarbeitet werden, deren Einhaltung dann durch die Aufsichtsperson kontrolliert wird. Es gibt also viele Möglichkeiten für Pädagogen Kinder mit AD(H)S zu fördern. Auch wenn dies sehr anstrengend sein kann, ein guter Pädagoge kann das Leben eines solchen Kindes maßgeblich positiv beeinflussen.

Ganz wichtig finde ich noch, dass man diese Kinder zwar nicht bevorzugen und eine Sonderrolle zugestehen sollte, aber es sollte versucht werden, diese Kinder durch kleine Aufgaben (die zu bewältigen sind) Vertrauen und Anerkennung entgegen zu bringen. Denn viele Kinder – nicht nur die mit „AD(H)S“ ringen um die Anerkennung und wollen bei der Lehrerin, dem Lehrer, bei dem Jugendleiter ankommen. Manch „auffälliges“ Kind kann durch entsprechende erfahrene Anerkennung, durch geschicktes Einbinden für sich gewonnen werden. Die Beziehung zum Kind aufbauen, das geht nur, wenn ich das Kind verstehen lerne, es lieb gewinne und es nicht als „Störenfried“, als „Zappelphilipp“, als „AD(H)S“-Kind abstempele und womöglich mit Tabletten ruhig stelle.

Denn AD(H)S ist auch nur wieder eine „Diagnose“, die einen Zustand feststellt, welcher aber Ursachen zu haben scheint. Leider werden diese Ursachen häufig nie betrachtet. Werden die Ursachen herausgefunden, dann können Eltern das „entstandene Verhalten“ des Kindes besser verstehen und korrigieren. Mögliche Ursachen könnten sein: fehlende Anerkennung, fehlende Liebe, fehlende Zeit, schwieriges Umfeld. Das Kind kommt sich verloren vor, wird und kann sich nicht beschäftigen und ringt um Anerkennung und Aufmerksamkeit. Dieses Ringen empfinden andere als störend, als zappelig.

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