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Gruselgeschichte am Lagerfeuer

Eichenbart und der Mörder

Jani war ein brutaler Mörder, der keine Gnade kannte. Schon auf den ersten Blick konnte man erkennen, dass dieser Mann, dessen wild funkelnde Augen jedem sofort Angst einflössten, wohl direkt aus der Hölle kommen musste. Und auf den zweiten Blick... nun, den gab es meistens gar nicht, denn so gut wie niemand, der Jani je gesehen hatte, war mit dem Leben davon gekommen.

Die Obrigkeit jagte seit Jahren vergebens nach ihm, denn immer wieder gelang es dem gerissenen Kerl, den Häschern des Gesetzes zu entkommen. Die Menschen in dieser abgelegenen Gegend fürchteten Jani sehr, nicht wenige hielten ihn für den Teufel persönlich und sie verbarrikadierten sich in ihren Hütten, sobald die Dunkelheit hereinbrach. Doch das nutzte nicht viel. Jani hörte nicht auf zu morden und so fand man weiter Leichen in meinem Wald.

Ich hatte Janis blutige Untaten schon oft genug miterleben müssen, denn der blutrünstige Räuber streifte oft durch meinen Wald und war auf der Suche nach neuen Opfern. Leider war er mir aber noch nie so nahe gekommen, dass ich eingreifen hätte können. Es gab nun mal gute und schlechte Menschen auf dieser Welt. Das hatte ich im Laufe der vergangenen zweihundert Jahre gelernt. Und Jani war ein von Grunde auf bitterböser Mann, dem das Morden sichtlich Freude bereitete. Ich hätte ihn sofort von dieser Erde getilgt, wenn es mir nur möglich gewesen wäre.

In einer kalten Nacht, als der Vollmond hoch am Himmel stand, kam schließlich, ganz unerhofft, doch noch meine Chance, Rache für all die unschuldigen Toten zu nehmen. Zuerst wollte ich nicht glauben, was ich sah: Eine junge, hübsche Frau wanderte ganz alleine durch die finstere Nacht! War sie etwa lebensmüde oder wusste sie nicht, in welcher Gefahr sie hier war? „Vielleicht“, dachte ich mir, „handelte es sich auch um eine Fremde, die noch nie etwas von Jani gehört hatte?“ Diese Erklärung schien mir fast am wahrscheinlichsten. Das Mädchen hatte, trotz der Kälte, nur ein dünnes Kleid an und trug einen großen Beutel über dem Rücken, mehr konnte ich bei der Dunkelheit nicht erkennen. Sie mochte wohl eine Heimatlose sein, die durch das Land zog, um irgendwo Arbeit als Magd oder Tagelöhnerin zu finden.

Um diese Tageszeit, war sie ganz alleine auf jeden Fall in größter Lebensgefahr! Ich hätte sie gerne gewarnt, aber leider verstehen die Menschen meine Sprache nicht. Leichtfüßig lief sie den schmalen Waldweg entlang und... plötzlich – mir fuhr der Schreck in alle Glieder – sprang Jani laut schreiend aus einem Gebüsch, wo er auf der Lauer gelegen haben musste, hervor! Selbst im fahlen Mondlicht konnte ich deutlich sehen, dass sein Gesicht zu einer grausamen, mordlüsternden Fratze verzerrt war. In der rechten Hand hielt er das blutbefleckte Messer, durch das schon viele einen grausamen Tod gefunden hatten.

Als die Frau ihn erblickte und in seine irren Augen sah, wusste sie sofort, dass ihr letztes Stündchen geschlagen hatte. Starr vor Schreck blieb sie stehen. Ich konnte ihre Angst förmlich riechen, als sie zu wimmern begann: „Bitte nicht! Verschone mich... ich bin doch... noch so jung.“

Alles Flehen würde ihr nichts nutzen, das war klar. Jani hatte noch nie jemand entkommen lassen. Er lachte nur, hob das Messer und... schlagartig schien die Frau ihren Schock überwunden zu haben und sie begann davon zu laufen. Sie war sehr schlank und ihre Füße flogen nur so über den Waldboden.

Wie gerne hätte ich ihr doch zugerufen, dass sie zu mir herkommen sollte, weil ich sie beschützen würde! Aber das konnte ich ja nicht... und es war auch gar nicht mehr nötig. Meine stummen Gebete wurden erhört, das Mädchen rannte genau auf mich zu!

Jani, der sie mit dem Messer in der Hand verfolgte, war nicht minder schnell als sein Opfer und hatte schon ziemlich viel Boden gut gemacht. „Da!“ Mir stockten vor Entsetzen alle Säfte in den Adern. Die Frau stolperte über einen Stein, schrie auf und fiel der Länge nach hin. Jani triumphierte, als er merkte, dass es für seine Beute kein Entkommen geben würde. Er blieb stehen und betrachtete genüsslich das hilflose Mädchen. Dann packte er sie und hob den Arm, um wieder zum Zustechen anzusetzen.

Doch dazu würde es nicht kommen, diesmal war es Jani selbst, der mit dem Leben für seine Verbrechen zahlen musste, denn er war in meine Reichweite gekommen. Schnell, ehe er die kalte Klinge in den Leib des Mädchen rammen konnte, senkte ich einen meiner mächtigen Äste zu ihm hinunter, kriegte ihn zu fassen und umklammerte mit meinen starken Zweigen seinen Hals. Ganz langsam hob ich den Verbrecher hoch in die Luft, Jani sollte eine Weile leiden, bevor ich ihm endgültig den Garaus machen würde. Er, der selbst so gnadenlos war wie kein anderer, hatte auch keine Gnade verdient! Er zappelte, rang nach Luft und schlug dabei mit seinem Messer wild um sich. Aber gegen mich konnte er nichts ausrichten, nur etwas Rinde schnitt er mir vom Stamm ab. Doch diese Wunde würde bald verheilt sein. Im Gegensatz zu den Verletzungen, die ich Jani gerade zufügte.

Endlich hatte ich diesen abscheulichen Mörder in meiner Gewalt, und ich würde ihn nicht aus meinem festen Griff entkommen lassen. „Knack!“ Es gab ein lautes Geräusch, als ich meine Astgabel fester um seinen Hals drückte. Sein Genick war gebrochen. Zufrieden ließ ich seine Leiche auf den weichen Waldboden fallen.

Die junge Frau, die noch immer regungslos am Waldboden lag, hatte uns beide die ganze Zeit über fassungslos beobachtet. Erst als sie verstand, dass Jani tot war und ihr von ihm keine Gefahr mehr drohte, raffte sie sich auf. Zitternd, aber sichtlich heilfroh mit dem Leben davongekommen zu sein, lief sie fort. Wahrscheinlich würde sie im nächsten Dorf allen von ihrem großen Glück erzählen: Ein Verbrecher, der sie ermorden wollte, hatte sich so unglücklich zwischen den Ästen eines Baumes verfangen und sich dabei selbst erwürgt.

Nun, für mich spielt das alles keine Rolle, denn ich kenne ja die Wahrheit, und ich erwarte mir auch keinen Dank. Ich danke Gott dafür, dass ich die junge Frau retten und Jani, den Mörder ein für alle mal unschädlich machen konnte. Das ist alles, was zählt.

Ach ja, Ihr wollt jetzt sicher wissen, wer ich eigentlich bin? Dann darf ich mich mal vorstellen: Eichenbart ist mein Name. Eichenbart, der Baumgeist!

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