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Tausche Ideen gegen Spielebuch

Hast Du schon mal daran gedacht?
An Selbstmord!

Ein Themenabend um das schwierige und komplizierte Thema Suizid.

Ein Themenabend um das schwierige und komplizierte Thema Selbstmord.

Einleitung

Über das schwierige und komplizierte Thema "Selbstmord" wird in einer Gruppe kaum gesprochen. Das kann daran liegen, dass der Umgang mit so einem Thema viele überfordert. Zum anderen liegt es auch daran, dass viele so ein Thema verdrängen, obwohl sicherlich einige schon einmal selbst Selbstmordgedanken hatten, oder mit dem Thema aus ihrer näheren sozialen Umgebung konkret konfrontiert worden sind. Oder wir denken: das betrifft doch (noch) nicht die Jugendlichen in meiner Gruppe. Wie kann so ein Thema angegangen werden? Ich habe ehrlich gesagt nichts gefunden um das Thema nicht nur auf "Vortragsbasis" und als "Diskussionsthema" darzustellen.

Die folgenden Ideen sind also nur Stückwerk. Wer noch eine interessante Idee (Spiele, Anspiel, geeignete Songtexte) hat, der kann sie mir mailen. Dann baue ich diese Ideen hier ein.

Vorüberlegung:

  • passt das Thema zu Deiner Gruppe? (Alter, Erfahrung, Bildung, soziale Umgebung) Vielleicht kann und will Deine Gruppe über so ein Thema gar nicht reden.

  • hast du schon von irgendeinem Gruppenmitglied etwas zum Thema Selbstmord gehört?
    (spaßhaft, ernsthaft, abfällig, direkt Betroffener)

  • besteht die Gefahr, dass Du mit einem solchen Thema Deine Gruppe in Unruhe versetzt, sie auf falsche Gedanken bringst?

  • welche Berührungen hast Du selbst mit dem Thema schon gehabt?

  • Bringst Du die Sensibilität mit über so ein Thema zu sprechen?

  • gibt es jemanden, der Du zu einem solchen Abend einladen könntest? (erfahrener Seelsorger, jemand von einer Beratungsstelle für Suizidgefährdete, ...)

  • wie würdest du ein solches Thema angehen (bitte betrachte die folgenden Ideen nur als Anregung)?

  • Empfehlung: dieses Thema sollte nur von Jugendleiter(innen) angegangen werden, die sich dem Thema gewachsen fühlen und das nötige Feingefühl mitbringen. Sollte das Thema von der Gruppe in irgendeiner Form "zerissen" oder nicht ernst genommen werden, dann den Abend einfach abbrechen.


Geschichte vorlesen

Als Einstieg in das Thema, oder nach den Spielen, würde sich eine kurze Geschichte eignen, herausgeschnittene Artikel aus Zeitungen, die von Selbstmord berichten, Statistiken.

Exemplarische Geschichte zum Thema Selbstmord


(An)Spiele, Teamwork

Bei den Anspielen geht es darum, verschiedene Szenen zu spielen, bzw. in einer Teamarbeit die ein oder andere Ursache für Selbstmord herauszuarbeiten.

Alternativ würde sich auch empfehlen die Anspiele vor dem eigentlichen Themenabend zu beginnen, ohne dass die Jugendlichen genau wissen um was es geht. Erst im Anschluss an die Spiele und dem eigentlichen Einstieg ins Thema werden die Spielausgänge zum Teil herangezogen.

Jeder Fall liegt anders, hat verschiedene Hintergründe, Auslöser und Motive, welche auf unterschiedlichen Ausgangssituationen beruhen.

Ursachen können sein:

  • Sorgen und Probleme, die unlösbar scheinen
  • Scheidungen
  • Streit
  • Tod eines lieben Menschen
  • Arbeitslosigkeit
  • finanzielle Probleme
  • Alkohol, Drogen oder andere Süchte
  • Unfälle oder Krankheiten
  • Einsamkeit
  • Minderwertigkeitskomplexe
  • Sinnlosigkeit und fehlende Perspektiven
  • Wertlosigkeit, fehlende Wertschätzung
  • nicht verstanden sein
  • alleingelassen fühlen mit all seinen Problemen
  • Schuldgefühle

Spiele und Szenen

  • Spiel 1: Ballonreise (wer muss aussteigen?)

    Es werden 2-3 Gruppe zu jeweils 4 Personen gebildet. Ein Ballon droht abzustürzen. Nur indem eine Person aussteigt kann der Absturz verhindert werden. Jeder argumentiert nun so, dass er nicht aussteigen kann weil...., sondern dass eine der anderen Personen aussteigen soll, weil....

    • Vorbereitungszeit: 3 Minuten
    • Darbietung pro Gruppe: 4 Minuten
    • Aussage: 1ste Aussage: im Leben ist es oft so, dass andere meinen, besser zu sein und man sich ggf. minderwertiger vorkommt. 2te Aussage ist, dass andere sich gegen einen verbünden und ein Opfer gefunden haben
  • Spiel 2: Wir machen uns gegenseitig fertig (Freunde, Eltern zum Kind, ...)

    Immer 2 Personen versuchen sich lautstark fertigzumachen. Die restlichen Gruppenmitglieder bewerten, wer besser war.

    • Vorbereitungszeit: keine spontan starten
    • Darbietung pro Team: 2 Minuten
    • Aussage: den anderen fertig machen macht Spaß - kann aber auch Folgen haben, die wir nicht absehen können. Was Du nicht willst, dass Dir passiert, das tue auch keinem anderen an
  • Spiel 3a: Mobbing in der Schule/Beruf

    Jede Gruppe von 3-4 Personen überlegt sich eine Mobbingszene und spielt diese anschließend vor.

    • Vorbereitungszeit: 3 Minuten
    • Darbietung pro Gruppe: 4 Minuten
    • Aussage: gemeinsam gegen andere vorgehen ist feige. Gruppenzwang und Mitmachen ohne Nachzudenken verhindert, dass man sich auch auf die Seite des Schwächeren stellen kann. Dazu gehört Mut, den viele nicht haben
  • Spiel 3b: Eine Liebesbeziehung geht zu Ende (ein Partner(in) hat Schluss gemacht, oder hat einen anderen Partner(in))

    Die Gruppe von 2-3 Personen überlegt sich eine Szene, in welcher eine Beziehung beendet wird und der andere Partner darunter leidet. Alle Versuche die Beziehung zu retten schlagen fehl.

    • Vorbereitungszeit: 3 Minuten
    • Darbietung pro Gruppe: 4 Minuten
    • Aussage: viele Selbstmorde geschehen aus Liebesschmerz, auseinandergehenden Beziehungen. Eine Welt bricht zusammen und man scheint in ein tiefes Loch zu fallen.
  • Spiel 4: einen Abschiedsbrief vom Freund/Freundin erhalten

    Immer 2 Personen überlegen sich einen Abschiedsbrief in welchem dargelegt wird, warum und wieso und Wünsche.

    • Vorbereitungszeit: 10 Minuten
    • Vorlesen pro Team: 1 Minute
    • Aussage/Ziel: Gedanken machen, was Gründe/Ursachen sind. Darüber Nachdenken hilft, den anderen zu verstehen und vielleicht frühzeitig auf Signale zu reagieren.

Fragenzettel nur durch Ankreuzen

Mit den folgenden Fragen, die komplett anonym und nur durch ankreuzen gestellt werden soll die Scheu genommen werden, etwas zum Thema beizutragen. Das Ergebnis wird zeigen, inwiefern das Thema tatsächlich ein Thema für die Gruppe, oder für Einzelne ist.

  • hattest Du schon mal Selbstmordgedanken? JA/NEIN
    • bei JA: was war die Ursache/Anlass:
      • Probleme, Stress mit Freundin/Freund ,
      • Probleme, Stress mit Eltern ,
      • Probleme, Stress mit Schule/Beruf ,
      • Probleme, Stress mit Alkohol/Drogen ,
      • Einsamkeit ,
      • Nicht verstanden werden
      • Nicht geliebt werden
      • Ängste/Depressionen
  • hast Du schon mal konkrete Begegnungen damit gehabt, dass sich jemand umgebracht hat? JA/NEIN
    • bei JA:
      • Verwandtschaft, Bekannte
      • Freunde,
      • Klassenkameraden,
  • hast Du schon mal konkrete Begegnungen damit gehabt, dass jemand gesagt hat, er denke manchmal ans Schlussmachen? JA/NEIN
    • bei JA:
      • Verwandtschaft, Bekannte
      • Freunde,
      • Klassenkameraden
  • Kannst du die Beweggründe nachvollziehen, die jemand zum Freitod bewegt?
    • JA
    • NEIN ich kann mich nicht in die Lage des/derjenigen reinversetzen
    • VIELLEICHT, wenn ich mehr Hintergründe kennen würde
  • Könntest du dir vorstellen jemals in eine solche Lage zu kommen?
    • JA, das könnte ich mir gut vorstellen
    • NEIN kann ich mir derzeit nicht vorstellen
    • VIELLEICHT, aber zum Glück war ich noch nie in einer solchen Situation
    • NEIN es gibt immer eine andere bessere Lösung
      • ich würde zu einer Vertrauensperson (Freund/Pfarrer/...) gehen
      • ich würde mich an eine Beratungsstelle wenden
      • ich würde beten
      • ich würde mich an eine anonyme Stelle im Internet wenden

Fragebogen zum Thema Selbstmord
nur Ankreuzen, keine Namen, kein Text reinschreiben


Fragebogen zum Themenabend Suizid / Selbstmord.

Auswertung:

  • die Antworten werden auf einer Tafel / Plakat durch Punkte angezeigt
  • je nachdem was dabei herauskommt ist ersichtlich inwiefern das Thema die Gruppenmitglieder beschäftigt, bzw. welche Erfahrungen damit bereits vorliegen.
  • Je nachdem, was dabei herauskommt, kannst du die Schwerpunkte im nächsten Punkt legen. Mut machen Hilfe anzunehmen (im Fall der Fälle), oder Augen, Ohren und Herz aufzumachen für die „Helfer“.

Hilfe anbieten, Mut machen Hilfe zu suchen und anzunehmen

  • Was machen die Probleme mit DIR?

    • Du bist niedergeschlagen, hängst rum und hast zu nix Lust mehr
    • Probleme machen dich ratlos. Du weißt nicht mit wem darüber reden. Keiner versteht Dich und Dein Problem. Mit „Kopf hoch und wird schon…“ kannst Du herzlich wenig anfangen.
    • Probleme machen Dich leicht reizbar.
    • Probleme machen Dich zu. Du redest nix mehr, lässt nix mehr raus, frisst eher nur noch mehr in Dich hinein.

    So bekommst Du die Probleme nicht in den Griff, sondern die Probleme haben Dich im Griff. Wenn Du dabei doch wenigstens eins aufgibst: das Alleinsein wollen und den Mut hättest um Hilfe zu bitten.

  • Warum hast Du keinen Mut und hältst lieber Deinen Mund?

    • Du möchtest andere nicht mit Deinen Problemen belasten.
    • Bisher haben Dich die anderen immer als „Obercool“, als „Stark“ angesehen. Nun möchtest Du nicht als Schwächling dastehen, hast Angst ausgelacht zu werden.
    • Du bist ein Dickkopf und meinst, alleine damit fertig werden zu können.
    • Du hast Angst nicht die richtigen Worte zu finden.
    • Du hast Angst, dass Dir Dein Gegenüber nicht zuhört, Dich nicht versteht, oder Dich nur mit 1000 Ratschlägen erschlägt.

    So bekommst Du die Probleme nicht mit fremder Hilfe gelöst und Du wirst Dich innerlich nur noch mehr zermürben. Mache den mutigen Schritt nach vorne und suche Dir einen Helfer.

  • Was ist wichtig für die Helfer zu wissen?

    • Es ist schön, wenn Du Vertrauensperson bist und Dir Dein Gegenüber sein Herz, seine Probleme ausschüttet.
    • Es ist wichtig, dass das Gesagte unter euch bleibt.
    • Man kann und wird nicht auf alle Fragen eine Antwort haben. Das Zuhören ist aber schon sehr wichtig, denn Herzausschütten tut gut.
    • Gemeinsam könnt ihr vielleicht kleine Schritte vereinbaren oder euch Hilfe von Dritter Seite holen.

Andacht

Gab es Selbstmörder in der Bibel?

  • Abimelech (Richter 9,52-54) Abimelech hatte keine eigene Meinung und Selbstwertgefühl. Er hatte Angst ausgelacht zu werden und als Schwächling dazustehen.

  • Simson (Richter 16, 25-30) Simson hat sich das Leben genommen aus Rache und weil er dachte für einen guten Zweck zu sterben.

  • Saul (1 Samuel 31, 4) Saul war gestresst, fühlte sich in die Enge getrieben und sah keinen Ausweg mehr.

  • Sauls Waffenträger (1 Samuel 31, 5) Sauls Waffenträger folgte ihm spontan in den Tod. Viele Selbstmorde sind sehr impulsiv und spontan ausgeführt.

  • Ahitofel (2 Samuel 17, 23) Ahitofel war enttäuscht, weil niemand auf ihn hörte und seine Ratschläge annehmen wollte.

  • Simri (1 Könige 16, 15-20) Simri hatte Probleme mit seinen Chefs, ebnete sich brutal den Weg bis zum Königsthron. Als er seine Macht schwinden sah nahm er sich das Leben.

  • Judas (Matthäus 27, 3-5) Judas hat durch den Verrat an Jesus durch seine Geldgier Schuld auf sich geladen. Seine Depression und seine Schuldgefühle führten dazu, dass er sich erhängt hat

Vertraue auf Jesus – vertraue ihm wieder ganz neu

Ich bin der Weg die Wahrheit und das Leben
Jesus gibt das Leben und in IHM finden wir die Freiheit zum Leben. Wenn wir lernen IHM zu vertrauen, vielleicht wieder ganz neu lernen IHM zu vertrauen, dann finden wir das Leben.

Schreie und rufe um Hilfe

Bei Problemen hilft nur schreien, so wie der Blinde (Lukas 5) am Wegesrand zu Jesus geschrien hat. Jesus hat das Signal verstanden (ganz im Gegensatz zu den anderen, die um Jesus herumstanden). Jesus ist auf den Blinden zugegangen. Habe den Mut und mache den Mund auf und schreie.

Für die Helfenden: öffnet eure Augen, Ohren und euer Herz

Und für die „Herumstehenden“ ist wichtig: Schreiende nicht nur abweisen, überhören, sondern helfend aufeinander zuzugehen. Es ist wichtig, dass es Freunde und Helfer gibt, die den Hilfesuchenden zu Jesus tragen (siehe Lukas 5, 17-26) und sich wirklich einsetzen auch wenn es etwas Schweiß kostet. Und Du wirst merken, wie wir einander brauchen und wie Mitfühlen und Helfen nicht nur eine Last, sondern auch eine Wohltat sein kann.


Dieser Ablauf wurde in einer Jugendgruppe mit 14 bis 18 jährigen Jungen durchgeführt. Das Thema wurde sehr ernst genommen, auch dankbar angenommen, weil die Jungs selbst schon in irgendeiner Form mit dem Thema konfrontiert waren. Niemand hat sich äußern müssen, aber die anonyme Auswertung zeigte, wie stark zum Teil einige mit dem Thema bereits zu kämpfen hatten. Auch wurde deutlich: wie wenig wir eigentlich von den tatsächlichen inneren Nöten unserer Gruppenmitglieder wissen und dass sich hinter mancher Fassade was ganz anderes verbirgt.

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