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Wie komme ich mit meinem Kind ins Gespräch?

Wie komme ich mit meinem Kind ins Gespräch?
Wie komme ich mit meinem Kind ins Gespräch?
©: E.H.

Mit dem eigenen Kind „wirklich“ zu reden, ist für viele Eltern ein schwieriges Unterfangen. Es wird meist halbherzig begonnen und gleich wieder abgebrochen. Je nach Lage endet es in gegenseitigen Vorwürfen oder einfach in Schweigen. Doch warum ist das so schwer und wie können Eltern ihren Kindern im Gespräch begegnen, damit ein offener Dialog entsteht?

Spätestens dann, wenn Kinder beginnen, die Welt außerhalb des eigenen Zuhauses kennenzulernen, wird es für viele Eltern schwierig. Sie müssen lernen, zu vertrauen und Kontrolle abzugeben. Gleichzeitig beginnt das Kind, sich eine Gedankenwelt aufzubauen, in der nicht mehr immer Mutter oder Vater im Zentrum zu finden sind. Das beginnt schon im Kindergarten und verstärkt sich in der Schule. Die Eltern können ihren Schutzinstinkt für Ihr Kind nicht mehr so ausleben wie zuvor.

Denn eigentlich wollen die Eltern ja das Beste für ihr Kind und sind über das Verhalten des Kindes entsetzt, wenn sie feststellen, dass ihr Kind stundenlang mit dem Handy spielt (früher war es der PC oder die Spielekonsole, kommt aber auf dasselbe raus), vielleicht das Rauchen angefangen hat, oder hin und wieder, oder immer öfters mal stark angetrunken nach Hause kommt. Kein Wunder, dass die Eltern entsetzt, besorgt, aber zumindest betrübt sind.

Manche Eltern reagieren dann etwas über, schreien die Kinder an, verordnen Hausarrest und sind außer sich.

Zumindest teilweise wird dann versucht, die Kontrolle zurückzugewinnen, um wieder wie zuvor beschützen zu können. Damit fangen die Probleme an. Sicher ist dieses Schutz- und Kontrollverhalten unterschiedlich ausgeprägt, doch es besitzt fast immer ein gleichbleibendes Rollen-Verständnis, indem die Eltern mit ihrer Lebenserfahrung und ihrem Wissen das Kind mehr oder weniger zu ihrem/seinem Glück zwingen wollen. Am Ende steht nicht selten eine Situation, in der die Eltern resignieren und die Kinder ausweichen, weil sie inzwischen wissen, wie ein Gespräch endet.

Es geht aber auch anders

Es ist nicht einfach mit seinem Kind so zu sprechen, dass das Gespräch für alle was gebracht hat. Den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, eine ruhige ungestörte Atmosphäre zu schaffen und auch Deine Körpersprache, sowie Wortwahl sind dabei unheimlich wichtig. Wie schnell passiert es wieder in ein Muster mit vorwurfsvollem Vokabular zu entgleisen?

Punkt 1:

Dein Kind ist Dir wichtig! Nimm Dir Zeit für das Gespräch und versuche dabei kein Multitasking. Lass das Smartphone ausgeschaltet und „bitte“ auch Dein Kind, ablenkende Störungen abzustellen. Je nach Gesamtlage kann es schon hier zu Blockadeverhalten seitens Deines Kindes kommen. Versuche nun nicht, Deine Dominanz auszuspielen, das verstärkt nur den Widerstand.

Punkt 2:

Suche einen Ort für das Gespräch, der sowohl Dir als auch Deinem Kind angenehm ist. Idealerweise, wenn vorhanden, dessen Zimmer.

Punkt 3:

Gehe auf Augenhöhe zu Deinem Kind. Setze Dich ihm/ihr frontal gegenüber. Wahrscheinlich sitzt oder liegt Dein Kind so, dass dies erst einmal nicht möglich ist. Bitte es, sich Dir gegenüberzusetzen, jedoch nicht mit dem Satz: „Komm bitte her und setz Dich!“, sondern mit den Worten: „Ich möchte mit Dir reden, kannst Du Dich zu mir setzen?“. Verschränke keinesfalls Deine Arme vor der Brust.

Punkt 4:

Die Eröffnung des Gesprächs. Kinder sind sich nie sicher, ob sie nicht etwas falsch gemacht haben und erwarten nun vielleicht eine Strafpredigt, obwohl Du eigentlich nur ein Problem ansprechen möchtest. Das bewirkt zunächst ein Defensivverhalten des Kindes. Fall also nicht gleich mit der Tür ins Haus, sondern beginne unverfänglich, etwa mit dem Satz: „Wie geht es Dir?“. Oder je nach Anlass bzw. Situation kannst Du auch den Grund nennen: „Mir ist aufgefallen … und darüber würde ich gerne mit Dir reden.“

Punkt 5:

Bilde im Gespräch Sätze, die mit „Ich“ anfangen. Beispiel: „Ich mache mir Sorgen um Dich“. Falsch hingegen wäre: „Du machst mir Sorgen“. Formuliere keine Vorwürfe wie: „Immer bist Du zu spät, auf Dich ist nie verlass“. Sage lieber „Vorhin hast Du Dir ganz schön Zeit gelassen“. Wörter wie „nie, immer, andauernd, typisch, ständig“ manifestieren einen Zustand und verstärken Schuldgefühle, was dem Kind in dessen Bewusstsein keine Chance lässt, es besser zu machen.

Punkt 6:

Höre aktiv zu und lass Dein Kind ausreden. Aktiv zuhören bedeutet, dem Kind zu zeigen, dass wirklich zugehört wird. Etwa mit Kopfnicken oder einem „Aha“ oder „Ach so“ zwischendrin. Nicht jedoch mit längeren Zwischenfragen oder Gegenbehauptungen. Eltern neigen dazu, Gespräche beschleunigen zu wollen, indem für sie logische Abfolgen nicht erst erklärt werden müssen. Lass es sein, lass Dein Kind es auf seine/ihre Weise erklären.

Punkt 7:

Auch wenn Du es für nötig erachtest, Dein Kind vielleicht mit Hausarrest für dessen Verhalten zu bestrafen, beende das Gespräch immer mit einem Hilfsangebot. Erklär ihm /ihr, warum es Hausarrest bekommt und sage ihm / ihr, dass es jederzeit zu Dir kommen kann, aber denke daran, dieses Angebot auch einzuhalten.

Und wenn es nicht geht?

Wenn Du feststellst, dass Dein Kind nicht mit Dir über was sprechen will, es ihm/ihr vielleicht auch unangenehm ist, dann erzwinge nichts. Das ist durchaus ok. Mache das Angebot, dass ihr auch später darüber reden könnt und es dann auf Dich zukommen kann. Oder falls es gerne mit jemand anderen darüber reden will würdest Du es unterstützen.

Wichtig ist einfach, dass das Kind merkt: Du hast es lieb und machst Dir Sorgen und dass Dir Dein Kind wichtig ist. Vielleicht hast Du ja selbst die Erfahrung, dass Du als Kind keine Hilfe erfahren hast, niemand mit Dir darüber gesprochen hat und Du verunsichert warst. Das Kind kann dadurch ja auch verstehen, warum Dir das Gespräch wichtig ist – aber Du auch nichts erzwingen willst.

Was macht den Unterschied zwischen Eltern und Außenstehenden?

Sein eigenes Kind zu erziehen ist viel schwieriger als fremde Kinder zu erziehen. Manch Sozialpädagoge oder ErzieherIn kommt mit fremden Kindern besser zurecht, als mit seinen eigenen Kindern. Die Erklärung ist einfach: zu fremden Kindern hat man einen größeren Abstand als zu den eigenen Kindern. Für das eigene Kind will man immer nur das Beste, will es behüten, fördern, beschützen. Dabei nimmt man den eigenen Kindern einige Entwicklungs- und Freiräume. Bei fremden Kindern ist der Umgang lockerer. Auf was will ich hinaus?

Es ist unheimlich schwer mit dem eigenen Kind ins Gespräch zu kommen – gerade auch, wenn es sich um schwierige Themen handelt (z.B. Pornos). Zu schnell wird es ungleich und das Gespräch eskaliert. Man ist auch gegenüber dem eigenen Kind befangen. Da hilft es, dass vielleicht jemand Außenstehendes ein Gespräch führt und sich das Kind dort aussprechen kann. Denn es wäre schlimm, wenn ein Kind mit seinen Nöten alleingelassen wäre.

Lerne Dich zu verstehen, dann verstehst Du auch Dein Kind

In der Themensammlung gibt es eine ganze Reihe an Themen und Problemen, die Kinder und Jugendliche beschäftigen. Darüber ins Gespräch zu kommen ist nicht einfach und leicht. Und bei einigen Themen spielt die eigene Kindheit, der eigene Beitrag als Eltern eine Rolle und vielleicht auch Schuldgefühle. Das Verstehen zu lernen ist nicht einfach. Aber wer sich verstehen lernt, der lernt auch den anderen bzw. lernt sein eigenes Kind zu verstehen. Und dann, kannst Du auch ein Gespräch mit Deinem Kind viel besser führen und findest die passenden Worte.

Hier nur eine kleine Auswahl an Artikeln


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  • Empathie / EinfühlungsvermögenEmpathie / Einfühlungsvermögen

    Durch das Einfühlungsvermögen (Empathie) sind wir in der Lage uns in das Kind/den Jugendlichen einzufühlen und die Bedürfnis-Motive und Gefühle verstehen zu lernen. Ebenso gelingt es in Konfliktsituationen (Konflikte des Kindes mit sich selbst, oder mit anderen) dem Kind zu helfen, sich über seinen eigenen Gefühle und die dahinter versteckten Bedürfnisse im Klaren zu werden und ihm Wege zur Lösung aufzuzeigen. Für den Jugendleiter bedeutet das: Zeit haben, Zuhören können, Emotionale Intelligenz besitzen.


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Januar 2023

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