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Frank und Arnold

Thema: Homosexualität, oder die Frage, wie gehe ich damit um?

Inhalt:

Der 16 jähriger Frank hat einen Klassenkameraden mit Namen Arnold, von dem er weiß, dass er schwul ist. Beide verstehen sich gut. Dass alle auf Arnold rumhacken, samt Lehrer findet Frank sehr fies. Und irgendwie fühlt Frank sich von Arnold angezogen und kommt dadurch in einen seelischen Konflikt.

Kurzgeschichte

„Mensch Arnold, jetzt bemühe dich mal ein bisschen. Du bist nicht nur schwul, du spielst auch so!“ Heute steht Handball auf dem Unterrichtsplan und Herr Kowalski, der Sportlehrer, hat es wieder mal auf Arnold abgesehen. Dass Arnold homosexuell ist, wissen alle, weil er auch nie ein Geheimnis daraus gemacht hat. Aber einige Mitschüler (und wohl auch Lehrer) scheinen damit nach wie vor ein Problem zu haben.

Und wie immer, glauben ein paar Idioten aus seiner Klasse, dass sie noch eines draufsetzen müssen. Wahrscheinlich, weil sie sich damit bei Herrn Kowalski beliebt machen wollen. „Hier fang, du Schwuchtel!“ ruft ihm irgendwer zu, doch Arnold hat nicht aufgepasst und kriegt den Ball mitten ins Gesicht. „Aah!“ Arnold hält sich schmerzverzerrt die Hände vor das Gesicht. Das hat verdammt weh getan. Fast alle seine Mitschüler lachen über ihn, auch Herr Kowalski hat seinen Spaß, indem er so tut, als ob er Jörg, der den Ball wohl geworfen hat, schimpfen würde. „Spinnst du, Jörg! Ist das die Art und Weise wie ein Gentleman mit einer Dame umgeht?“ Arnold kriegt diesen letzten Satz und das erneute höhnische Lachen seiner Mitschüler aber nur noch teilweise mit, da er bereits auf dem Weg zu den Toiletten ist. Dort angekommen, lässt er sich kaltes Wasser über das Gesicht laufen und betrachtet sich im Spiegel. „Aua. Dieser blöde Idiot, aber das kriegt er noch zurück.“
„Arnold, ist alles ok mit dir?“ Der 16 jährige Frank, einer der wenigen Freunde, die Arnold an der Schule hat, ist ihm gefolgt, um zu sehen, ob alles mit ihm in Ordnung ist. Frank hatte, im Gegensatz zu vielen anderen, noch nie ein Problem damit, dass sein Kumpel schwul ist. „Danke Frank. Es geht schon wieder. Aber Jörg ist ein Arsch.“
„Der Kowalski ist ein Wichser!“
„Wem sagst du das.“
„Lass mich mal sehen.“ Frank sieht sich das Gesicht seines Freundes genau an und berührt ihn dabei ganz vorsichtig an der Schwellung. „Wenn das mal nicht ein blaues Auge wird. Aber Kopf hoch, einen schönen Mann kann nichts entstellen.“
Während er das sagt, merkt Frank, dass Arnold ganz tief in seine Augen sieht.
„Du bist echt lieb, danke Frank!“ Und dann, ganz plötzlich und ohne Vorwarnung, gibt Arnold ihm einen Kuss auf die Wange. Frank weiß gar nicht, wie ihm geschieht, doch noch bevor er etwas sagen kann, ist Arnold schon wieder Richtung Turnhalle verschwunden.

„Was um Himmelswillen war denn das jetzt?“ Frank ist ziemlich irritiert. „Hat mich Arnold tatsächlich geküsst oder habe ich mir das nur eingebildet?“ schießt es ihm durch den Kopf. „Ein Junge hat mich geküsst und irgendwie...“ Frank erschrickt fast bei diesem Gedanken, „...war das bei Arnold nicht mal so übel.“ Doch relativ schnell beruhigt er sich wieder und läuft auch zu den anderen in die Halle zurück.

Für einige seine Klassenkameraden und auch für seinen Sportlehrer ist sein Verhalten natürlich ziemlich verdächtigt, schließlich ist er dem homosexuellen Arnold ganz besorgt nachgelaufen. Deshalb begrüßt ihn Kowalski auch gleich mit den Worten: „Na, seit ihr fertig mit Händchen halten oder was ihr da sonst so alles treibt? Pass nur auf, dass du nicht auch noch schwul wirst.“
„Eigentlich wäre das ja ihre Aufgabe, sich um Verletzte zu kümmern, oder Herr Kowalski? Aber wenn sie dazu keine Lust haben, muss ich das halt übernehmen.“ antwortet ihm Frank und weil Kowalski nicht recht weiß, was er darauf sagen soll, geht die Stunde einfach weiter.

Am darauf folgenden Freitag ist Frank auf der Fete eines Kumpels, zu der anscheinend fast die halbe Schule und sogar der sonst recht unbeliebte Arnold eingeladen worden ist. Frank ist an diesem Abend in besonders guter Stimmung, weil er in der Matheklausur der Beste war und 14 Punkte bekommen hat. Er macht mit seinen Kumpels eine Menge Unfug, tanzt ausgelassen mit einigen Mädchen und trinkt ein Bier nach dem anderen. Dass er das besser sein hätte lassen sollen, merkt er gegen Ende der Feier, als ihm richtig übel und schwindlig wird.
„Scheiß Alkohol! Ich glaube, ich muss gleich kotzen.“ jammert er einem seiner Freunde vor. „Verschwinde lieber nach draußen, nicht dass du noch in die Wohnung reiherst.“

Frank geht schnell in den Garten und tatsächlich, die frische Luft tut ihm gut. Dann setzt er sich auf der Veranda in die Hollywoodschaukel und auch das sanfte Hin und Her beruhigt ihn weiter. Trotzdem ist er aber schon noch ziemlich vom Alkohol benebelt.
„Ist alles in Ordnung bei dir, Frank?“ Dieses Mal ist es Arnold, der beobachtet hat, dass es seinem Freund offensichtlich nicht so gut geht und er ist ihm nach draußen gefolgt, um nach ihm zu sehen.
„Hey Arnold! Naja, es geht schon, danke.“
„Tolle Party. Findest du nicht?“
„Ja, eigentlich schon. Wenn ich nur nicht so viel Alkohol getrunken hätte.“
“Da bist du aber selber schuld.“ Arnold nimmt neben Frank auf der Schaukel Platz. „Darf ich mich ein wenig zu dir setzen?” „Ja, klar.“
Die Nacht ist angenehm warm, die beiden schaukeln eine Weile still vor sich hin und betrachten die Sterne. Schließlich stoppt Arnold die Schaukel und dreht sich zu Frank. „Du, es gibt da was, dass ich dir gerne sagen will.“
„So? Was denn?“ will Frank wissen.
„Das war neulich total klasse von dir, dass du dich so nett um mich gekümmert hast, als ich den Ball ins Gesicht bekommen habe. Vielen Dank nochmals dafür.“
„Ach, kein Thema. Schließlich bist du ja mein Freund.“
„Da ist noch was, dass ich dir gerne sagen würde.“ Arnold hat wieder diesen verklärten Blick und schaut Frank ganz tief in die Augen.
„So, was denn?“ Frank weiß nicht wieso, vielleicht liegt es auch nur am Alkohol in seinem Blut, aber in diesem Moment fühlt er sich stark zu Arnold hingezogen. Für Sekunden scheint die Welt für die beiden irgendwie stillzustehen, sie sitzen ganz ruhig da und starren sich gegenseitig fasziniert an.
Frank erstarrt regelrecht, als er plötzlich spürt, wie Arnold seinen Arm um ihn legt. Doch Frank wehrt sich nicht dagegen. Irgendwie hat er sich das sogar gewünscht und jetzt wo es passiert, empfindet er es auch als sehr angenehm. Doch als er Sekunden später merkt, dass Arnold drauf und dran ist, ihn auf den Mund zu küssen, bekommt er es doch mit der Angst zu tun.
„Sag mal, bist du völlig bescheuert?“ Frank reißt sich los, springt auf und schreit Arnold wütend an: Du… du schwule Sau!“ Frank ist zwar ziemlich betrunken, aber trotzdem weiß er sofort, dass er da etwas im Zorn gesagt hat, was er eigentlich nicht so gemeint hat. Doch noch bevor er etwas sagen kann, ist auch Arnold aufgesprungen.
„Entschuldige bitte Frank, ich wollte dich nicht...“, Arnold muss kräftig schlucken, um nicht mit dem Heulen anzufangen, „... ich wollte dich nicht irgendwie belästigen.“ Dann läuft er davon. Frank ist zwar noch immer ziemlich durch den Wind, aber als er erkennt, wie sehr er seinen Freund mit diesen Worten verletzt hat, ruft er ihm nach: „Arnold warte! Es tut mir leid.“ Doch Arnold läuft ohne sich umzudrehen weiter und verschwindet wieder im Haus. Frank lässt ihn aber ziehen. Er muss zuerst seine Gedanken ordnen und setzt sich wieder in die Schaukel.

Als Frank wenig später zur Party zurückkommt, kann er Arnold nirgends finden und fragt einen Kumpel „Hast du den Arnold gesehen?“
„Welchen Arnold? Meinst du etwa die Tunte?“
„Ja, die... halt den Arnold, der mit uns zusammen in die Klasse geht.“
„Was willst du denn von dem? Hast du etwa Angst, dass du heute keine Frau mehr abbekommst, weil du so nach Bier riechst?“ Diese Bemerkung führt wieder zu großem Gelächter bei den Umherstehenden.
„Sehr witzig. Hast du Arnold jetzt gesehen oder nicht?“ Frank wird langsam sauer.
„Ja, habe ich.“ antwortet der witzige Typ. „Der ist eben gerade abgehauen. Hat richtig verheult ausgesehen der Kleine und sich von niemanden verabschiedet. Typisch schwul, wenn du mich fragst.“

In der folgenden Nacht bekommt Frank kein Auge zu. Die Sache mit Arnold geht ihm einfach nicht aus dem Kopf. Seine Gefühle sind dabei ziemlich zwiespältig. Er kann Arnold wirklich gut leiden, das steht fest. Und er hat es bisher auch immer als äußerst dumm und unfair betrachtet, dass alle ständig auf Arnold herumhacken, nur weil er anders ist. Aber heute war er selber das erste Mal so wie diese Anderen und hat Arnold wegen seiner Homosexualität gemein beleidigt. „Andererseits ist Arnold selber schuld.“ denkt er sich. „Warum muss er auch versuchen, mich zu küssen? Schließlich weiß er doch genau, dass ich selber nicht schwul bin. Oder...“, bei diesem Gedanken muss Frank erstmal tief durchatmen, „oder bin ich es etwa doch? Schon neulich in der Umkleide und auch heute auf der Schaukel, gab es ein paar Augenblicke, in denen ich mir da nicht mehr so ganz sicher war. Ich fühlte mich aus irgendeinem Grund von Arnold angezogen. Auch seine Berührungen und die Umarmung waren schön. Vielleicht, weil ich mich mit ihm so gut verstehe und er nicht so blöd ist wie die anderen.“ Diese Gedanken machen ihm Angst. „Was ist, wenn ich wirklich schwul bin? Wie würden meine Eltern reagieren? Und würden mich meine Freunde und Klassenkameraden auch so mies behandeln, wie sie es jetzt mit dem Arnold tun?“

Frank kann einfach nicht einschlafen. Es ist schon fast Morgen, als ihm eine Idee kommt, wie er testen kann, ob er wirklich schwul ist. Er steht auf und holt sich aus seinem Nachttisch ein Pornoheft. Der Anblick der nackten Frauen verfehlt seine Wirkung nicht und Frank holt sich schließlich einen runter. Danach ist er irgendwie zufrieden. „Gott sei Dank, ich stehe also doch noch auf Frauen“, denkt er sich erleichtert. Doch wenig später kommt in ihm ein erneuter Zweifel auf. „Vielleicht bin ich ja auch bisexuell? Mein Gott, ich weiß gar nichts mehr.“ Das alles verunsichert Frank so sehr, dass er richtig froh ist, als es draußen hell wird und er aufstehen kann.

Die nächsten Tage geht Frank Arnold bewusst aus dem Weg. Irgendwie ist Frank sich über seine Gefühle immer noch nicht im Klaren und er weiß deshalb nicht, was er zu ihm sagen sollte. Sicher hat er auch Angst davor, dass er sich wieder stark von Arnold angezogen fühlen könnte, wenn er mit ihm alleine wäre. Er ist zu dem Schluss gekommen, dass das wohl bedeuten würde, dass er definitiv schwul ist. Frank will einfach nur seine Ruhe und ein paar Tage Zeit, um herauszufinden, was wirklich mit ihm los ist.

Für Arnold ist die ganze Sache aber auch nicht leichter. Natürlich hat er gemerkt, dass Frank ihn meidet. Das tut ihm umso mehr weh, weil er sich doch ein wenig in ihn verliebt hat. Andererseits glaubt Arnold aber nicht, dass Frank auch auf Jungs steht und hat deshalb ein schlechtes Gewissen, weil er trotzdem einfach versucht hat, Frank zu küssen. Sicher hatte er sich nicht erwarten können, dass Frank sich auch sofort in ihn verliebt, aber davon, dass er ihn gleich so angeschrieen hat, ist Arnold schon ziemlich enttäuscht. Schließlich hatte er Frank bisher als einen der Wenigen erlebt, die ihm gegenüber ganz normal waren, obwohl sie von seiner Homosexualität wussten. Arnold würde sehr gerne mit Frank über alles reden, aber er spürt, dass dieser dazu nicht bereit ist. Arnold ist sehr traurig darüber.

Einige Tage später ist für die Klasse im Sportunterricht Bodenturnen auf dem Programm. Kowalski ist wieder voll in seinem Element, als er Arnold zum Vorturnen auf die Matte ruft. „Mann, Arnold, du sollst dich nicht auf den Bauch legen und mir deinen Arsch entgegenstrecken. Das kannst du dir für deine warmen Kameraden aufheben.“ Selbstverständlich lachen wieder alle über Arnold. Doch dem geht es nach wie vor nicht so gut und deshalb wird ihm heute alles zu viel, und er beginnt zu weinen. Darauf hat Kowalski schon lange gewartet, dass er es endlich schafft, Arnold zum Heulen zu bringen. „Oh, unsere kleine Heulsuse! Soll ich einen von deinen Freunden anrufen, dass er kommt, um dich zu trösten?“ In Frank brodelt es. Er kann nicht länger mit ansehen, wie sich Kowalski über Arnold lustig macht. Als sich sein Blick dann noch für einen Moment mit dem des weinenden Arnold kreuzt, bricht seine ganze Wut aus ihm heraus. „Kowalski!“ schreit er den Lehrer an, „sie sind ein riesengroßes Arschloch! Lassen sie den Arnold endlich mal in Ruhe.“
Kowalski ist aufgrund dieser unerwarteten Gegenwehr ziemlich überrascht, fasst sich aber bald und schreit noch lauter zurück: „Was hast du zu mir gesagt? Dafür kriegst du einen Verweis, ich habe genügend Schüler, die bezeugen werden, was du gesagt hast. Gleich nach der Stunde gehen wir zusammen zum Direktor.“
„Wie sie wollen.“ antwortet Frank. „Den Direktor wird es sicher auch interessieren, wie gemein sie Arnold seit Jahren behandeln, nur weil er homosexuell ist. Dafür habe ich auch eine Menge Zeugen.“
Kowalski weiß, dass er dadurch großen Ärger bekommen könnte und um den zu vermeiden, ändert er schnell seine Taktik. „Sag mal Frank, wieso setzt du dich eigentlich so für Arnold ein? Bist du etwa selber schwul?“
Frank überlegt kurz. „Selbst wenn ich es bin“, antwortet er schließlich ganz ruhig, „würde ihnen das nicht das Recht geben, sich über uns lustig zu machen“.

Anregungen für Fragen zu einem Gesprächseinstieg:

  • Wie findet ihr das Verhalten der jeweiligen Personen?
  • Wie müsste sich der Lehrer eurer Meinung nach verhalten?
  • Wie müssten sich die Schüler eurer Meinung nach verhalten?
  • Was meint ihr: ist Frank auch schwul?
  • Könnt ihr Franks Problem nachvollziehen (verstehen)?
  • Welche Frage an sich selbst hat er?
  • Wie würdet ihr einem schwulen Freund begegnen? (aus dem Weg gehen und meiden, abfällig über ihn reden, ihn als Kumpel wie jeden anderen Kumpel behandeln und mit ihm reden, weitere Ideen?)
  • Was würdet ihr machen, wenn es euch so ergehen würde wie Frank?
  • Was meint ihr: gibt es viele Jugendliche in eurem Alter, die sich (zeitweise) ernsthaft fragen, ob sie sich mehr zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlen, oder zum anderen Geschlecht?

Lernziel:

  • Auseinandersetzung mit dem Thema.
  • Richtiger Umgang – falscher Umgang herausarbeiten

Hinweis:

In der Materialsammlung für Jugendleiter gibt es noch mehrere Artikel zu diesem Thema. Wer so ein Thema aus eventuell gegebenem Anlass angehen will, sollte unbedingt die dortigen Artikel lesen.

Homosexualität: Muss ich mich als Jugendleiter(in) eigentlich mit diesem Thema befassen?

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