Quelle: www.Praxis-Jugendarbeit.de | 2000 Spiele, Andachten und Ideen für die Kinder- und Jugendarbeit
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Vorwort:
Ich habe in meinem Leben sicherlich schon weit über 1200
Gruppenstunden gehalten. Gruppenstunden planen und vorbereiten
bedarf einiges an Zeit. Nicht immer steht diese Zeit zur
Verfügung, nicht immer fällt einem etwas ein, nicht immer
hat man echten Bock auf die Gruppenstunden und manchmal geht man
unvorbereitet in die Gruppenstunde. Trotzdem ist jede Gruppenstunde
eine Chance. Je besser die Gruppenstunden vorbereitet werden und
gedanklich geplant sind, desto eher werden die Gruppenstunden zu
einem "Event" und zu einem Highlight. Die Kids werden
begeistert sein, die Begeisterung wird weitererzählt und zu
Deinen Gruppenstunden werden alte und neue Kids regelmäßiger
kommen. Wenn Du dann Jahre später Deine inzwischen erwachsenen
Kids mal wieder triffst und diese noch begeistert von der Zeit in
der Jungschar erzählen, dann kannst Du sicher sein, dass Du
gute Arbeit geleistet hast.
Ein Erfolgsrezept und eine Sammlung von Tipps für erfolgreich, geplante Gruppenstunden, die gibt es nicht. Aber wenn Du die paar Punkte hier Dir mal durchliest und "zielorientiert" an Deine Gruppenstunde herangehst, dann wird's schon was werden. Wer keinen Plan hat, also recht planlos daherkommt, der braucht sich auch nicht wundern, wenn die Gruppenstunde "ins Wasser fällt", oder mit der Zeit die Besucher ausbleiben (es gibt ja heutzutage so viele Alternativen).
Die hier aufgeführten Punkte sind z.T. deckungsgleich mit dem im Schulungsteil enthaltenen Punkt "allerlei Tipps und Fragen". Dort aber mehr unter dem Gesichtspunkt "Selbstreflektion" betrachtet. Zudem eignen sich noch die Artikel bzgl. Führungsstil, sowie der Artikel zum Gruppenprozess ganz gut, da der Führungsstil des Gruppenleiters und der jeweilige Gruppenprozess ebenfalls Einfluss auf die Gestaltung und den Erfolg einer Gruppenstunde nehmen.
Eine Gruppenstunde beginnt und endet zu einem definierten Zeitpunkt und ist für einen bestimmten Personenkreis vorgesehen, die in dieser Zeit gemeinsam als Gruppe mit einem Gruppenleiter einen Programmpunkt erleben.
Die verschiedenen Gruppenstunden müssen abwechslungsreich, spannend und interessant gehalten sein. Die Vielfältigkeit ist unsere Stärke, ganz im Gegensatz vielleicht zu manch Sportverein, wo nur Leistung und Training zählt und selten einmal anstatt Fußballtraining auch ein Spielabend (mal ohne Ball und ohne Leistung) stattfinden wird. Die Gruppe entsteht durch die Gruppenstunde, durch das gemeinsame Spielen, Reden und die gegenseitige Rücksichtnahme bei den vielfältigsten Inhalten. Wenn die Gruppenmitglieder Stärken und Schwächen des Einzelnen akzeptieren lernen, Rücksichtnahme und soziales Verhalten lernen, dann sind wichtige Ziele für die Gruppe und für die Gruppenstunde erreicht.
Nicht nur Spaß und Gemeinschaft beim Spielen, sondern auch die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen und Problemen des Alltags, die Zeit und die Möglichkeit persönliche Probleme in der Gruppe zu äußern, oder aber mit dem Gruppenleiter als Vertrauensperson zu besprechen, gehören ebenso dazu. Auch hierfür muss Zeit in den Gruppenstunden oder nach der Gruppenstunden eingeplant werden. Inwiefern dies möglich sein wird, hängt vom jeweiligen Gruppenleiter ab, und der Gruppe an sich, inwiefern diese bereits schon zueinander gefunden hat.
Jede Jugendgruppe, egal ob Jungschar, Jungenschaft oder Teeniekreis, setzt sich aus Kindern oder Jugendlichen einer bestimmten Altersspanne zusammen. Alte und neue Freundschaften spielen dabei ein Rolle. Die Gruppenstärke wird zum einen von der Attraktivität des Gruppenprogramms beeinflusst, aber auch von gleichzeitig stattfindenden Alternativ-Angeboten (Musikverein, Sportverein, Veranstaltungen, Fernsehprogramm usw.) und nicht zuletzt ob es sich um einen eher starken oder schwachen geburtenstarken Jahrgang handelt. Bei geburtenstarken Jahrgängen kamen früher nicht selten bis zu 120 Jungscharler auf 3-4 Gruppen verteilt. Die Gruppenstärke beeinflusst demnach auch das Gruppenprogramm. Nicht jedes Programm lässt sich optimal mit nur 6-8 Gruppenmitgliedern (z.B. Geländespiel), aber auch nicht mit 30 Kids (z.B. Diskussions- und Gesprächsabend) durchführen. Auch wird nicht jedes Programm in einer Gruppenstunde bei allen gut ankommen und muss zuvor gut überlegt sein, ob es für die jeweilige Gruppensituation geeignet ist.
Je besser Du Deine Gruppenstunden planst und je sorgfältiger Du die jeweiligen Programm-Punkte vorbereitest um so weniger kann schief gehen. Deine Gruppenmitglieder merken recht schnell, ob Du gut vorbereitet bist, oder ob mal wieder alles auf die letzte Sekunde fertig wurde.
Unter welchem Thema soll die nächste Gruppenstunde stehen?
Was möchtest Du erreichen? Wenn nach den Wintermonaten es
wieder wärmer wird dann können Spiele im Gelände
oder auf dem Rasen zum Austoben genutzt werden. Wie kann der
gesamte Abend zu einem Event werden, so dass die einzelnen
Programmteile aufeinander abgestimmt und zusammen passen? Für
den besinnlichen Teil: Welches Thema wäre passend und wie kann
es geschickt integriert werden? Action und Fun - aber mit Tiefgang!
Bekommst Du das hin?
Erstelle Dir eine Liste über alles was Du für den
geplanten Abend benötigst und besorge die Sachen
rechtzeitig.
Überlege Dir eine genaue Zeitplanung für die Gruppenstunde. Wie lange dauern die jeweiligen Programmpunkte ? Plane realistische Zeiten ein und halte bei einem Spielabend noch ein paar passende Spiele in Reserve.
Wenn Du alles gut geplant und vorbereitet hast, dann kann die Gruppenstunde steigen.
Zu den Gruppenstunden kommen die Kids meistens schon 15-30
Minuten früher. Daher ist es wichtig, dass Du auch mindestens
15 Minuten früher da bist und so die Kids in Empfang nehmen
kannst, Sie begrüßen kannst und ein bisschen Zeit
für small-talk ist. Zudem besteht hier auch die
Möglichkeit kurz mit den Eltern zu reden, sofern Kinder von
den Eltern in die Gruppenstunde gebracht werden. Deine
Pünktlichkeit ist wichtig, denn nur so werden die Kinder die
Pünktlichkeit als etwas verbindliches ansehen. Es gibt nichts
störenderes, als wenn die Kinder und Jugendlichen
unpünktlich in die Gruppenstunden kommen und mitten ins
Programm reinplatzen.
Je nachdem was Du gerade geplant hast beginne pünktlich mit
dem Programm. In manchen Gruppen laufen die normalen Gruppenstunden
nach bestimmten Phasen und Ritualen ab. Begonnen wird mit einem
Lied (Singen), anschließend wird zum heutigen Thema
hingeführt und es folgt ein spielerischer Teil (Tun, Spielen,
Werken). Gegen Ende kommt vielleicht noch eine
Fortsetzungsgeschichte, auf jeden Fall eine passende Andacht mit
einem Abschluss-Gebet. Ein kurzer Rückblick über den
heutigen Abend, ein Ausblick auf die nächste Gruppenstunde
sowie ein Abschluss-Ritual (alle stehen im Kreis, halten sich die
Hände und zählen von 10 rückwärts auf null und
sprechen das Jungschar-Motto: "Mit Jesus mutig voran!")
beenden den Abend. In diesem "Phasen-Modell" sind
abwechselnde Elemente einer Gruppenstunde integriert. Jede Phase
ist nicht zu lange, so dass keiner überfordert werden kann und
trotzdem ist viel Abwechslung enthalten. Und wenn's am
schönsten wird, dann immer aufhören. Denn manche Gruppenspiele
spielen sich tot und werden bei der x-ten Wiederholung langweilig.
Natürlich gibt es Gruppenstunden-Inhalte, wo sich dieses
Phasenmodell nicht anwenden lässt.
Manchmal hilft die beste Vorbereitung nicht, wenn die Gruppe
absolut nicht will, wenn etwas ganz anders abläuft als zuvor
sich ausgedacht. Manchmal gibt es auch ein paar wenige Querulanten
und Störenfriede, die sich einfach zum Ziel gesetzt haben zu
stören. Plane auch diese Möglichkeit ein und sei darauf
vorbereitet. Halte ein Alternativ-Programm in petto und reagiere
hier situativ angemessen. Manchmal ist es besser etwas abzubrechen,
als durchzupauken, manchmal ist es besser, die Querulanten
herauszunehmen, oder durch eine Aufgabe in den Abend geschickt zu
integrieren. Auf jeden Fall benötigst Du
Fingerspitzengefühl und Geschick im Umgang mit solchen
Situationen und Jugendlichen. Zum Teil bieten solche Situationen,
oder das situative Anpassen des Programms aber auch Chancen.
Chancen auf gute Gespräche, Chancen bestimmte Dinge ganz
praktisch und deutlich anzusprechen und mit der Gruppe zu
lösen.
Auch wenn Du ein paar Jahre älter als Deine Kids bist: nimm die Kinder und Jugendlichen ernst. Gerade für die jüngsten Kinder sind manche Fragen wichtig, die Du vielleicht eher als "blöde Frage" abstempelst. Gib eine klare Antwort und keine abfällige, unklare oder gar ironische Antwort. Du kannst viel an Vertrauen kaputt machen, wenn Du Deine Gruppenmitglieder nicht ernst nimmst und Dir keine Zeit nimmst. Du als Gruppenleiter (Gruppenleiterin) beginnst ab dem ersten Tag seit Bestehen der Gruppe den Kindern ein persönlicher Freund zu werden. Du begleitest sie ein Stück weit auf ihrem Weg und zeigst Ihnen Gemeinschaft und Spaß durch Dein gut vorbereitetes Programm. Es ist daher sehr wichtig, die Nöte, Sorgen und Fragen der Kids zu erkennen, ernst zu nehmen und darauf einzugehen.
Führe eine Anwesenheitsliste und trage dort auch die
Geburtstage der Kinder ein. Mit Hilfe einer Anwesenheitsliste
behälst Du den Überblick, wer vielleicht
unregelmäßig, oder schon länger gar nicht mehr gekommen
ist. Diese Kinder kannst du dann gezielt nochmals einladen, oder
die Gründe in Erfahrung bringen. Vielleicht gab es einen
Vorfall, der dazu führte, dass das Kind nicht mehr kommen will
oder kommen darf. Ein Geburtstagsgruß und eine Einladung zur
Gruppe können da manchmal schon ein Signal setzen, dass Dir
das Kind nicht unwichtig ist. In manchen Gruppen gibt es auch am
Ende des Jahres für alle diejenigen eine
"Belohnung" oder einen Urkunde "Jungscharler des
Jahres", der/die am öftesten in die Gruppenstunden
gekommen sind. Mit Hilfe einer gut geführten Anwesenheitsliste
lässt sich so etwas gut ermitteln. Sollte es üblich sein
einen Gruppenbeitrag zu erheben, dann trage das auch in diese Liste
ein. So hast Du immer den Überblick, wer schon bezahlt hat und
bei wem noch etwas offen ist. Wenn im Laufe eines Jahres 30-40
Kinder Deine Gruppe regelmäßig oder auch unregelmäßig
besuchen ist es unmöglich sich alle Details zu merken.
Ich weiß, eine Jahresplanung, oder auch ein Gruppenstunden-Programm über einen Zeitraum von 3-4 Monaten ist bei manchen Jugendleiter(innen) einfach nicht drin. Zu zeitintensiv, zu viel Aufwand und überhaupt zu unflexibel. Und wenn, dann noch die Kids jedes Mal wissen, was genau abläuft, dann suchen die sich jedes Mal nur die Rosinen aus dem Programm heraus und kommen bei weniger attraktiven Gruppenstunden-Programmen gar nicht.
An dem ein oder anderen Punkt mag was dran sein. Aber ich bin überzeugt, dass langfristig gesehen, sich eine längerfristige Programm-Planung und ein festes Gruppenstunden-Programm einfach positiver auswirken. Meine Erfahrung war zumindest so, dass Gruppen ohne längerfristige Programmplanung und ohne ein ausgehändigtes festes Gruppenprogramm weniger verbindlich waren und sich zahlenmäßig auch schnell reduzierten. Gruppen hingegen mit einer umfassenderen Planung und einem verbindlichen Programm waren zahlenmäßig einfach stärker. Woran liegt das?
Entwerfe eine ansprechende Einladung zur Gruppenstunde, oder
gestalte Dein Programm so, dass es auch als Einladung zur
Gruppenstunde verwendet werden kann. Die Einladung zur
Gruppenstunde muss ansprechend gestaltet und zielgruppenorientiert
sein. Gleichzeitig muss die Einladung auch soviel Informationen
enthalten, dass die Eltern wissen, was ihre Kinder erwartet.
Auf die Einladung oder auf das Gruppenstunden-Programm
gehören:
Du kannst die Einladung persönlich abgeben, oder per Post
schicken. Kinder freuen sich über eigene Post. Sollte das Kind
Geburtstag haben, dann schreibe ein paar liebe Grüße
dazu und lege die Einladung zur Gruppe bei.
Startest Du eine neue Gruppe, oder veranstaltest Du einen besonderen Programmpunkt, dann vergiss nicht die Eltern zu informieren. Schreibe ggf. einen Elternbrief. Achte auf korrekte Schreibweise und vermeide Schreibfehler. Versuche auch die Eltern kennen zu lernen. Früher waren bei uns noch Besuche des Jungscharleiters bei den Eltern üblich, oder es wurden regelmäßig Elternnachmittage/Elternabende veranstaltet. Das war sicherlich sehr zeitaufwendig, aber sehr effektiv. Auch sind die Eltern eher mal bereit, die Gruppe zu unterstützen, gerade wenn man Fahrer benötigt. Leider sind diese Elternbesuche oder Elternabende bei uns in den letzten Jahren nicht mehr gemacht worden. Aber wer diese Zeit aufbringen will, dem ist es nur zu empfehlen.
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