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Hilfe mein Kind kommt nicht aus dem Bett

Frühmorgendliche Rituale, wie sie in Millionen Haushalten in Deutschland täglich vollzogen werden. Die Eltern stehen auf, aus dem Badezimmer und der Küche dringen die verschiedenen typischen Geräusche. Überall ist Bewegung. Überall? Nicht ganz, aus dem Zimmer des Juniors ist absolut nichts zu hören, obwohl der Junge eigentlich längst angezogen oder doch zumindest im Badezimmer sein sollte. Seine Mutter macht den ersten Weckversuch, wohl wissend, dass dies nur der Auftakt eines weiteren, morgendlichen Rituals ist. Die mühsame Prozedur, den Junior täglich aus dem Bett zu holen. Und es kann noch schlimmer kommen.

Das Kind trödelt beim Aufstehen, Anziehen, Zähne putzen, sitzt eine halbe Stunde auf dem Klo. Der Stress am Morgen treibt viele Eltern in den Wahnsinn und sie stehen solchen Situationen hilflos gegenüber.

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Frühmorgens nicht aus dem Bett kommen | ©: Wokandapix auf Pixabay

Was kann schon mehr getan werden, als jeden Tag zu ermahnen und dafür zu sorgen, dass sich die Verspätungen des Kindes nicht allzu nachteilig auswirken? Wie lange muss man als Eltern dies durch- und aushalten, bis das Kind, oder der Jugendliche selbstständig und eigenverantwortlich aufstehen kann? Statt jedoch einen guten Teil der morgendlichen Energie und der noch frischen Nerven darauf zu verschwenden, das eigene Kind dazu zu bewegen, sich zu bewegen, lohnt es sich, den Ursachen für das tägliche Drama beim Aufstehen auf den Grund zu gehen.

Warum kommt das Kind nicht aus dem Bett?

  • Zu spät ins Bett

    Die wohl einfachste Erklärung ist natürlich, dass das Kind schlicht zu spät Schlafen geht. Dafür gibt es nun wieder eine ganze Reihe von Gründen, die altersbedingt unterschiedlich sein können. In der Regel jedoch ändert sich bezüglich des Alters des Kindes am Typus Langschläfer nichts. Der oder die Achtjährige ist auch noch vier Jahre später, als Zwölfjährige, eine Langschläferin, obwohl sich ihr Freizeitverhalten fraglos in diesen vier Jahren geändert hat. Langschläfer haben nicht selten ein Problem damit, früh oder relativ früh einzuschlafen. Dann wird sich eben bis tief in die Nacht mit irgendetwas beschäftigt, bis sich irgendwann in den Morgenstunden genügend Müdigkeit angesammelt hat, um einzuschlafen.

  • Immer online - immer Social Media

    Denn im Bett liegen, bedeutet noch lange nicht, das auch geschlafen wird und heute weniger denn je. So gut wie jedes Kinder- und Jugendzimmer ist mit piepsenden, blinkenden, leuchtenden und Versprechungen verheißenden Geräten angefüllt. Das nicht wenige Kinder schon im Alter von acht oder neun Jahren das Smartphone auf dem Nachttisch liegen haben und vom Bett aus der Flachbildfernseher mittels Fernbedienung eingeschaltet werden kann, wird im digitalen Zeitalter fast schon als normal betrachtet. Noch schnell ein kurzer Chat in Facebook mit dem Schulkollegen, ein Video auf Youtube oder ein Selfie in Instagram, dann aber wird vielleicht geschlafen. Früher war es der Teddybär im Arm, heute ist es das Smartphone. Der Einfluss der sozialen Medien auf die Psyche hatte ich in einem anderen Artikel beschrieben. In der dort erwähnten Studie „Status of Mind“ wurde von den Kindern und Jugendlichen beschrieben, dass sie häufig nachts aufwachen um in den diversen Social Media Plattformen ihre Nachrichten zu checken. Somit haben die Sozialen Medien Einfluss auf den Schlaf, was neben unausgeschlafenen Kindern und Jugendlichen auch noch weitere, sich auf die Psyche negativ auswirkende Folgen hat. Das aber lässt sich ändern oder erst gar nicht anfangen.

  • Eule oder Lerche? – alles wissenschaftlich erforscht

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    Verschlafen und müde, unterschiedliche Gründe | ©: truthseeker08 auf Pixabay

    Aus Wissenschaft und Forschung kommen immer wieder Studien zum Thema Langschläfer und Frühaufsteher, symbolhaft als Eulen oder Lerchen bezeichnet. Mitunter sind diese Studien auch gleich mit Empfehlungen verbunden, zum Beispiel den Schulbeginn auf eine spätere Uhrzeit zu verlegen. Ein Überblick zu den bisher veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeiten zu diesem Thema zeigt eines klar und deutlich, das nämlich überhaupt nichts klar und deutlich ist.

    Für wirklich jede Studie gibt es eine entsprechende Gegenstudie. Einmal sind Langschläfer intelligenter, das andere mal die Frühaufsteher. Erfolg, Glück und sogar die Lebenserwartung werden daran gemessen, ob jemand lange schläft oder schon mit den Hühnern aus dem Bett springt. Den Schulbeginn nun Beispielsweise von acht Uhr morgens auf neun Uhr oder vielleicht sogar erst zehn Uhr zu verlegen, um die biologische Uhr der Langschläfer nicht zu stören, ist eine umstrittene Angelegenheit. Da Schule und Unterricht Ländersache ist, entscheiden die Bundesländer auch unterschiedlich über den Schulbeginn. Üblich ist hierbei, dass um acht Uhr die erste Stunde anfängt. Es geht aber auch früher, etwa in Sachsen und Sachsen-Anhalt mit 7:30 Uhr. Lediglich in Baden-Württemberg und Hamburg können die Schulen selbst entscheiden, wann der Unterricht beginnt. Allerdings sind es auch in diesen beiden Bundesländern nur sehr wenige Schulen, die etwa erst um neun Uhr anfangen.

    Immerhin zeigt ein Blick über die Grenzen, dass in anderen EU-Ländern der späte Unterrichtsbeginn scheinbar kein Problem ist. In Großbritannien, Spanien, Frankreich, Finnland und Italien ist Neun Uhr die Regel. In Holland und Dänemark ist um 8:20 Uhr Unterrichtsbeginn. In Schweden, Belgien, Estland und Österreich wiederum ist wie in Deutschland um 8 Uhr die erste Unterrichtsstunde. Nur in der Schweiz und in Polen wird mit 7:30 Uhr noch früher angefangen.

    Schulanfangszeiten, für PISA ohne Bedeutung

    Der morgendliche Unterrichtsbeginn schwankt in Europa von 7:30 Uhr bis 9 Uhr, wobei in keinem der Länder nun ein deutlicher Vor- oder Nachteil für die Schüler festzustellen ist, der auf der Uhrzeit der ersten Unterrichtsstunde beruht. Das Finnland mit seinem 9-Uhr-Unterrichtsbeginn in der PISA-Studie sehr gut abschneidet, Estland mit 8 Uhr aber noch besser, zeigt zumindest, dass die Uhrzeit eine eher untergeordnete Rolle spielt.

    Problematisch werden Verlegungen des Unterrichtbeginns jedoch in Bezug auf die Organisation des Alltags der Eltern. Dabei spielt es keine Rolle, ob nun 8 Uhr oder 9 Uhr. Normalerweise stellt der übliche Unterrichtsbeginn einen morgendlichen Orientierungspunkt dar, an den weitere Termine angeknüpft sind. Erfolgt eine Umstellung, müssen auch die weiteren Termine geändert werden. Das löst eine Kettenreaktion aus, die beträchtliche Kreise zieht. Der Fahrplan der Schulbusse muss angepasst werden. Die Kinderbetreuung ist neu zu regeln. Viele Eltern bringen ihre Kinder vor der Arbeit noch zur Schule, was neu einzurichten wäre, wenn es überhaupt möglich ist. Das sind nur ein paar Beispiele, die eine Änderung der Anfangszeiten in den Schulen an Umstellungen mit sich bringen würden, ohne dass es den geringsten Beweis eines klaren Vorteils gibt. Einzig und allein die Langschläfer unter den Schülern würden davon profitieren, jedoch nur in Hinsicht auf ihre Bequemlichkeit.

  • Hotel Mama und Mama-Taxi von Kindesbeinen an

    Trödeln hat ja ganz klare Vorteile für die Kids: das Schulbrot wird gemacht, Mama-Taxis fährt vor. Bequemer geht es ja nicht mehr.

    Dass Kinder versuchen, ihre Grenzen ausreizen, ist normal. Das gehört zur Bildung einer Persönlichkeit. Genauso normal ist es, dass Eltern diese Grenzen aufzeigen. In Bezug auf das quälend langsame aus dem Bett kommen tappen hier aber viele Eltern aus Fürsorglichkeit in eine geschickte Falle ihrer Kinder. Diese lernen nämlich sehr schnell, dass sich so manche ungeliebte morgendliche Aufgabe ganz einfach auf die Erziehungsberechtigten abwälzen lässt.

    Wer beim Aufstehen trödelt, muss sich um fast nichts mehr kümmern, außer waschen, Zähne putzen und anziehen. Das Pausenbrot ist gerichtet, in der Schultasche befindet sich einfach alles an Büchern und Heften, auch was nicht an diesem Tag benötigt wird, und gefrühstückt wird am Kiosk in der Nähe der Schule. Das Auto wartet bereits mit laufendem Motor vor der Türe, genauso wie der gehetzte Elternteil, der schon ungeduldig auf die Uhr blickt. Für das Kind eine runde Sache und zugleich der Beweis, das Bequemlichkeit auch noch belohnt wird. Das Genörgel der Eltern lässt sich leicht ertragen, denn es besteht meist die Gewissheit, dass der Faulenzerei am Morgen keine Sanktionen folgen. Genau das kann jedoch ein gravierender Erziehungsmangel sein. Schuld daran tragen einzig und allein die Eltern. Doch das lässt sich ändern, je früher, desto besser.

Tipps & Empfehlungen – versuchen Sie es einmal anders

  • Selbstorganisation – fürs Leben gedacht

    Hausaufgaben am Vortag erledigen und Schulranzen schon packen verhindert doppelten Stress am Morgen.

    Dem Kind beizubringen, sich selbst zu organisieren, hilft nicht nur dabei, dass der morgendliche Start besser funktioniert. Es macht das ganze Leben einfach leichter. Zu dieser Selbstorganisation gehört es, sich bereits am Vortag auf den kommenden Schultag vorzubereiten und nicht erst in aller Eile in den letzten Minuten vor der Fahrt zur Schule.

    Dazu gehört es, dass zunächst vom Lehrer aufgetragene Hausaufgaben möglichst früh am Nachmittag erledigt werden. Daran anschließend wird die Schultasche mit dem bepackt, was für den nächsten Unterrichtstag notwendig ist, nicht mehr. Dem Kind, das meist nach dem Schulstress keine große Lust auf Hausaufgaben hat und deren Erledigung gerne vor sich herschiebt, sollte erklärt werden, dass so der Rest des Tages ihm oder ihr gehört, ohne dauernd daran denken zu müssen. Ausreden, um es auf später zu verschieben, wird es gerade in der Anfangszeit zuhauf geben, doch es lohnt sich für die Eltern wie für das Kind, darauf zu bestehen, Hausaufgaben sofort zu erledigen.

  • Schlafhygiene sorgt für Ruhe im Bett

    Dauerhaft zu spät ins Bett gehen vermeiden, lange Filmabende vermeiden, ggf. helfen Einschlafrituale bei jüngeren Kindern

    Feste Uhrzeiten

    Dass Langschläfer (die eigentlich keine sind) nicht aus dem Bett kommen, hängt, wie schon erwähnt, auch daran, dass am Abend zuvor keine Ruhe gefunden wird. Zuerst sollten bereits Kleinkinder an feste Uhrzeiten für das Schlafen gehen gewöhnt werden. Mit dem Älterwerden können sich diese Zeiten nach hinten verschieben, jedoch sollten es mindestens 8 Stunden Nachtruhe bleiben. Wer folglich morgens um 6:30 Uhr aus den Federn muss, ist so spätestens um 22:30 Uhr im Bett.

    Smartphones und Social-Media Stress abstellen

    An diesem Punkt kommt das Schlagwort Schlafhygiene ins Spiel. Unter diesem Begriff ist unter anderem zu verstehen, dass sich im Zimmer keine den Schlaf störende Faktoren befinden. Denn wie oben bereits erwähnt stören die Smartphones mächtig beim Einschlafen. Es sind weniger die Funkwellen gemeint, wenn das Smartphone immer auf Empfang ist, vielmehr die damit verbundene Unruhe etwas verpassen zu können. Immer auf Empfang sein, noch die letzte Nachricht anschauen, oder das Warten auf eine neue Nachricht verursacht Stress. Und wer kurz vor dem Einschlafen noch einmal aufs Display schaut ist wieder wach. Einfach Abschalten und Schlafen können, das wäre es…

    Diese Herausforderungen der Technik haben zumindest während der Nachtruhe nichts im Kinderzimmer verloren. Dabei sind Eltern nicht gut beraten, wenn sie ihren Kindern aufgrund von Versprechungen glauben, dass die Geräte bis zum Morgen ausgeschaltet bleiben. Derartige Versuchungen sind einfach zu groß und die Entfernung der digitalen Spielzeuge aus dem Kinderzimmer sorgt dafür, dass die Kinder keine Schuldgefühle haben müssen, weil sie sie trotz Versprechen doch wieder eingeschaltet haben.

    Einschlafrituale

    Kleinkindern sollten schon früh Einschlafrituale beigebracht werden, die ebenso ein Teil der Schlafhygiene sind. Hier gilt die Devise: „was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“. Einem Teenager mit dreizehn oder vierzehn Jahren noch mit Einschlafritualen kommen zu wollen, ist verlorene Liebesmüh. Wenn derselbe Teenager jedoch von klein auf an derartige Rituale gewohnt ist, praktiziert er oder sie diese auch später ganz von alleine.

    Was bedeuten denn Einschlafrituale?

    Es leitet sich schon aus dem Wort „Ritual“ ab, was eine regelmäßig vollzogene Handlung bedeutet. Als Einschlafritual ist darunter zu verstehen, dass es immer zur gleichen Uhrzeit erfolgt und immer dieselbe Handlung vorgenommen wird. Das kann variieren, beginnend beispielsweise mit dem Waschen und Zähne putzen, dem Anlegen des Schlafanzuges und letztlich vielleicht mit dem Vorlesen einer Geschichte oder dem Abspielen einer Einschlafmusik. Das verankert sich im Langzeitgedächtnis des Kindes und besitzt auf den Schlafrhythmus und dessen Regelmäßigkeit auch in späteren Jahren eine tief greifende Wirkung. Einschlafrituale gehören bei den meisten Erwachsenen zu den Erinnerungen, die ein ganzes Leben lang im Gedächtnis als schöne und beruhigende Momente verbleiben.

  • Frühstückszeit und „Selbstbedienung“

    Gemeinsames Frühstück animiert die Kinder auch rechtzeitig aufzustehen, ansonsten ist der Tisch wieder abgedeckt und das Frühstück muss das Kind selbst machen.

    Genauso wie es die eher unbewiesene These von den Eulen und den Lerchen gibt, so gibt es die weit verbreitete Meinung, das sich die Menschen in Frühstücksliebhaber und Frühstücksverweigerer aufteilen. Auch zu diesem Thema gibt es unzählige Studien mit jeweils gegenteiligen Ergebnissen. Tatsächlich hängt das Frühstück mit den Schlafgewohnheiten zusammen. Wer noch bis tief in die Nacht auf ist, dabei vielleicht noch morgens um zwei einen Schokoriegel verputzt, wird eher weniger gern Frühstücken. Ein Kind jedoch, das acht Stunden oder mehr geschlafen hat und dessen Körper sich dementsprechend regenerierte, benötigt nun neue Energie und wird gerne frühstücken.

    Frühstück ist zudem gerade heute eine gute und meist auch die einzige Gelegenheit für die ganze Familie zusammenzukommen, bevor die Pflichten des Alltags rufen. Darum ist es von Bedeutung, auch die Frühstückszeit zum Ritual zu machen. Täglich zur gleichen Uhrzeit und der Tisch ist möglichst mit dem gedeckt, was jedem zum Frühstück auch schmeckt. Gleichzeitig sollte nicht auf den oder die Langschläferin in der Familie gewartet werden. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Eine Lektion, die schnell Früchte trägt, wenn dabei auch dafür gesorgt wird, dass nicht zur Selbstbedienung übergegangen wird. Auf dem Weg aus dem Haus oder der Wohnung noch schnell an den Kühlschrank und irgendwas gegriffen, das auf dem Hinweg zur Schule verspeist wird. Lassen Eltern dies zu, ist daraus schnell eine ungesunde Gewohnheit geworden, denn unter Zeitdruck meist noch das falsche zu essen, verkraftet der jugendliche Organismus ohne Probleme. Dem späteren Erwachsenen jedoch wird diese Gewohnheit nicht selten zum Verhängnis in Form von Magengeschwüren oder Gastritis.

  • Eigenverantwortung lehren - besser früher als zu spät

    Machen Sie sich selbst keinen Stress, schicken Sie Ihr Kind zur Not im Schlafanzug in den Kindergarten

    Das Kind tatsächlich im Schlafanzug in den Kindergarten zu schicken und es damit dem Spott der anderen Kinder auszusetzen, ist natürlich nicht unbedingt wörtlich gemeint. Es geht vielmehr darum, dass viele Eltern eine übertriebene Fürsorge an den Tag legen. Solange es sich um ein Kleinkind handelt, ist Fürsorge und Aufmerksamkeit sicher angebracht. Doch spätestens im Vorschulalter ab etwa 3 oder 4 Jahren muss die Erziehung auch auf Eigenverantwortung ausgerichtet werden. Das bedeutet, dass viele Kleinigkeiten vom Kind selbst erledigt werden, wenn es ihm oder ihr zuvor ein paar Mal gezeigt wurde. Dazu gehört durchaus das rechtzeitige Aufstehen, nämlich dann, wenn Mama es sagt, und auch das Anziehen klappt oft schon ganz gut von alleine, vielleicht mit der einen oder anderen Hilfestellung. Zum einen entlastet dies die Eltern und der morgendliche Stress-Level sinkt erheblich bei dem Gedanken, dass nicht bei allen morgendlichen Verrichtungen Vater oder Mutter direkt anwesend sein müssen. Zum anderen ist dies für das Kind der Einstieg in ein selbstbestimmtes Leben.

  • Versuch und Irrtum – Konsequenzen tragen lernen gehört dazu

    Bei älteren Kids: halten Sie sich raus und fühlen Sie sich nicht verantwortlich, dass das Kind rechtzeitig in die Schule kommt. Das Problem löst sich von alleine.

    Je älter ein Kind wird, desto schwieriger wird es, ihm oder ihr mittels Vorbildfunktion und durch unterstützende Maßnahmen den richtigen Weg zu weisen. Eine andere Art zu lernen ist das, was in der Wissenschaft „Versuch und Irrtum“ genannt wird. Es kann auch als die harte Schule des Lebens bezeichnet werden. Je früher Kinder solche Lektionen erhalten, desto vorsichtiger oder umsichtiger werden sie in ihrem späteren Leben handeln. Zudem sind derart „kontrollierte“ Irrtümer ungefährlich.

    Darum sollte das Kind, wenn es partout nicht auf die Mahnungen und Hinweise der Eltern hört, einfach zu spät in die Schule kommen und die Konsequenzen daraus auch selbst tragen. Das bedeutet nun nicht, den Nachwuchs einfach sich selbst zu überlassen, aber er oder sie lernt daraus, dass jede Handlung bestimmte Folgen nach sich zieht, je nachdem gute oder schlechte Folgen.

    Strafen oder Drohungen bringen nichts, sondern erhöhen nur noch das Konfliktpotential. Reden Sie einfach ruhig. Klar kann das Kind trödeln, aber dann kommt es halt einfach zu spät, kann im schlimmsten Fall an einem Ausflug nicht teilnehmen, oder muss eine Klassenarbeit nachschreiben. Aber aus Fehlern kann man am besten lernen. Das Kind, der Jugendliche muss aus seinen Fehlern, aus seinem Verhalten lernen können.

    Das Problem: Sie müssen es aushalten lernen und sich nicht für alles verantwortlich fühlen.

In der Kindererziehung gibt es keine Patentlösungen, denn die große Anzahl der beeinflussenden Faktoren genauso wie die Individualität des Kindes erlauben keine Norm.

Mögliche tiefergehende, psychische Ursachen für das „frühmorgens nicht Aufstehen wollen“ oder Trödeln.

Das Trödeln, das Verzögern, das nicht aufstehen wollen sind sichtbare Signale oder Anzeichen, dass eventuelle psychische Gründe für das Verhalten vorliegen. Dabei können ein oder mehrere Faktoren aufeinandertreffen.

Das Kind möchte nicht aufstehen, weil es weiß, dass ihm so erhöhte Aufmerksamkeit zuteil wird. Es ist allerdings sehr schwierig zu unterscheiden, ob nun vielleicht eine Form von schwerer Stimmung (Depression), oder Verlassensängste des Kindes vorliegen, oder es einfach Spaß daran hat, dass die Eltern dadurch in Stress geraten.

Mögliche Gründe um das Verhalten psychologisch zu erklären.

  1. Aufmerksamkeit & Zuwendung

    Durch sein Verhalten möchte das Kind Aufmerksamkeit & Zuwendung erlangen. Ursache könnte so eine Art Depression sein, auch wenn das Kind selbst so etwas nicht benennen könnte. Aber das Kind fühlt sich:

    Psychische Gründe für das Trödeln am Morgen? Bild Nr.: 731165
    Psychische Gründe für das Trödeln am Morgen? | ©: Free-Photos auf Pixabay

    • Niedergeschlagen
    • Hat keine Motivation
    • Ist antriebslos,
    • Ihm ist alles zu viel
    • Hat eine negative Einstellung zu sich selbst

    Auslöser könnten sein:

    • Verlust von Bezugspersonen
    • Mobbing in der Schule oder Freundeskreis
    • Einsamkeit bzw. Ausschluss
    • Negative Erfahrungen und Erlebnisse

    Diese schwere Stimmung dürfte sich jedoch nicht nur im morgendlichen Kampf mit dem Aufstehen zeigen, sondern müsste auch tagsüber zu Hause oder in der Schule sich niederschlagen, auch wenn Kinder (aber auch Erwachsene) dies teilweise sehr gut „vertuschen“ können. Aber es gibt vielleicht auch hier „Hilferufe“.

  2. Ängste

    Das Kind hat Ängste (dies äußerst sich dann i.d.R. eher psychosomatisch mit Bauchweh, Kopfschmerzen, Übelkeit), was auch zu einer Form von psychischer Krankheit führen kann.

    • Angst vor der Schule (zum Beispiel wg. Mobbing, oder Versagensängsten)

    • Angst, dass die Eltern sich trennen, daher auch die Angst „aus dem Haus zu gehen“, oder Ängste aus anderen familiären Gründen

    Wenn es tatsächlich bestehende Ängste sind, die ein Kind veranlassen, am Morgen zu Trödeln, ist es notwendig, sich länger und intensiver damit auseinanderzusetzen. Üblicherweise zeigen sich Ängste bei einem Kind jedoch nicht nur durch eine einzige Reaktion, wie das im Bett bleiben wollen. Krankheitssymptome sind oft ebenso Ausdruck davon. Viele Kinder geben jedoch gerade gegenüber den Eltern oft nicht zu, dass sie vor etwas Angst haben, je älter sie sind, desto weniger.

  3. Erlerntes Verhalten, Trotz- und Machtkampf

    Das Verhalten ist ein Trotz- und Machtspiel zwischen Eltern und Kind, was aber auch irgendwie wieder eine erlernte Verhaltensweise ist, um Aufmerksamkeit & Zuwendung zu bekommen. Das Problem liegt hier gar nicht so sehr auf der Seite des Kindes, sondern auf der Seite des Erwachsenen und deren Reaktionen.

    • Die Eltern meinen es gut und fahren das Kind noch kurz vor knapp in die Schule. Dadurch lernt das Kind nur eines: Mama wird es schon richten.

    • Die Eltern möchten vor den Lehrern oder anderen Eltern gut dastehen und keine „Zuspätkommer“ erziehen

    • Man ist selbst gestresst und überträgt den Stress auf die Kinder.

    • Man ist selbst nach Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit erzogen worden und hat damit ein massives Problem, wenn das eigene Kind trödelt. Die „Kindheitsgefühle und Ängste“ werden hochgespült.

    • Eigene Ängste, Probleme, Unsicherheiten, Gefühle werden unbewusst auf das Kind übertragen, will heißen das Kind spürt so etwas. Oder man ist selbst gestresst und überträgt den Stress auf die Kinder.

    Diese 3.Variante ist die vielleicht am beruhigenste Variante. Denn hier liegt das Problem eher am Verhalten der Eltern, als beim Kind. Das Kind weiß ganz genau, wie es die Eltern in den Griff bekommt und intrigieren kann. Das Trödeln und Verzögern dürfte in der Schule hier kaum auftreten. Außer vielleicht, wenn es auf Lehrer und Mitschüler stößt, die dann wieder helfend zur Seite springen. Denn das Verhalten hat das Kind ja bereits gut gelernt.

Psychische Gründe für Nicht Aufstehen wollen am Morgen? Bild Nr.: 288502
Psychische Gründe für Nicht Aufstehen wollen am Morgen? | ©: Stephanie Hofschlaeger pixelio.de

Und welche Reaktionen zeigen die Eltern?

Viele Eltern sind eigentlich mit den anfangs und gerade beschriebenen Verhaltensweisen und möglichen Ursachen völlig überfordert. Zusammengefasst lässt sich das in Kürze so beschreiben:

  • Eltern fühlen sich überfordert

  • Geben sich die Schuld alles falsch gemacht zu haben

  • Haben schon viel durchgemacht, sind nervlich und mit den Kräften am Ende

  • Haben Angst vor der Auseinandersetzung und Streit mit dem Kind, geben daher eher nach.

  • Ursache und langfristige Auswirkung, sowie eine fundierte Diagnose können Eltern gar nicht objektiv erkennen und sehen. Daher auch die Verzweiflung was zu tun ist.

Denn die Kinder benötigen kurz gesagt:

  • Liebe
  • Zuwendung
  • Sicherheit
  • Unterstützung
  • was aber auch nicht heißen soll, den Kindern wird alles abgenommen und der Weg geebnet.

… und die Eltern?

Aber auch die Eltern benötigen Hilfe und eine klare Sichtweise auf die Zusammenhänge. Denn die erste Reaktion der Eltern wird Unverständnis sein, Vorwürfe gegenüber dem „Langschläfer“, „Trödelheini“, oder Fernseh- oder Handyverbote werden ausgesprochen.

Empfehlung:

Von daher kann man nur den Tipp geben: Beobachten Sie Ihr Kind und überlegen Sie sich woran genau es liegen könnte und holen Sie sich Beratung in einer Beratungsstelle. Besprechen Sie Ihre Ängste und Gefühle, besprechen Sie die Auswirkungen auf das Kind. Arbeiten Sie gemeinsam mögliche andere, oder weitere Ursachen heraus. Lernen Sie sich selbst und Ihr Kind besser verstehen.

Wie weiter oben schon geschrieben: es gibt keine Patentlösungen für die Erziehung. Denn jeder Mensch, jedes Kind ist individuell geworden. Auch dieser Artikel kann Ihnen keine befriedigende Lösung anbieten – aber vielleicht eine Hilfe für den nächsten Schritt.

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