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Sexting und die Folgen für Kinder & Jugendliche, wenn intime Bilder und Videos versendet werden

Kinder & Jugendliche: Sexting kann dich (nicht nur) berühmt machen. Beratung und Hilfe bei Sexting ist nötig, denn die psychischen Probleme sind bei den betroffenen Kindern & Jugendlichen immens.

Aufklärungskampagne Sexting
Aufklärungskampagne Sexting: Sexting kann dich berühmt machen.
Auch wenn du es gar nicht willst.
Quelle und ©: www.projuventute.ch/sexting

Als Sexting (zusammengesetzt aus „sex“ und „texting“) bezeichnet man das Versenden von selbst erstellten intimen Fotos oder Videos von sich oder anderen via Smartphone oder Internet. Dabei sollte das Bildmaterial nur für den „Empfänger“ bestimmt sein. Das gegenseitige Zusenden von Nacktbildern ist zunächst ein Beweis des Vertrauens, der Treue und Liebe, kann jedoch nach Beenden der Beziehung zu einem Alptraum werden, wenn die Bilder an Dritte versendet werden.

Vor allem Jugendliche scheinen die Gefahren, die ein allzu leichtfertiger Umgang mit dem Internet mit sich bringt, nicht im vollen Ausmaß zu ermessen. Denn sobald einmal ein Bild versendet wurde, besteht keine Kontrolle mehr, was damit im Netz passiert. Gerade weil die Teenager sich im Netz anonym wähnen ist die Hemmschwelle solche Bilder zu versenden sehr niedrig. Zudem können viele Jugendliche überhaupt nicht die Tragweite ihres Handelns abschätzen und fühlen sich auch nicht als Täter, wenn sie erhaltene Sexting-Bilder einfach weiterleiten.

Das zeigt unter anderem die aktuelle Debatte zum Thema Sexting. Spätestens seit Ende 2012 beschäftigen sich zahlreiche Jugendschutzorganisationen mit dem Thema: Die kanadische Schülerin Amanda Todd hatte ihre nackten Brüste fotografiert und die Bilder einem Mann geschickt. Dieser hatte die Fotos auf Facebook verbreitet, was zur Folge hatte, dass Amanda Todd so massiv von ihren Mitschülern gemobbt wurde, dass sie Suizid beging. Aus der anfänglichen Sexting-Geschichte wurde eine Cybermobbing-Geschichte mit fatalem Ausgang.

Was ist Sexting eigentlich?

Im Grunde handelt es sich bei Sexting um Dirty Talk, bei welchen die Gesprächspartner sich gegenseitig erotisches Bildmaterial zusenden. Besonders ausgiebig praktizieren junge Erwachsene und Teenager Sexting. Laut einer Studie aus dem angloamerikanischen Raum praktizieren zwischen 15 und 40 Prozent der jungen Menschen Sexting, in den USA haben bereits mehr als 60 Prozent der jungen Erwachsenen Nachrichten mit Sexting-Fotos erhalten. Auch in Deutschland geht der Trend in die Richtung, wie die Hochschule Merseburg in einer Umfrage ermittelt hat: Demnach haben bereits 20 Prozent aller Mädchen und elf Prozent der Jungen zwischen 16 und 18 Jahren Sexting-Erfahrungen.

Die Motivation, Sexting-Nachrichten zu verschicken, liegt bei Jugendlichen meist auf der Hand: Sie sind frisch verliebt und wollen nicht nur mit ihrem Schwarm chatten, sondern auch mehr zeigen. Sie posieren also mehr oder weniger leicht bekleidet vor ihrem Smartphone und senden das Foto ab. An und für sich ist das eigentlich auch kein Problem - so lange die Bilder nicht unbefugt an Dritte weitergegeben werden oder im Netz verbreitet werden.

Beratung und Hilfe bei Sexting
Beratung und Hilfe bei Sexting ist nötig, denn die psychischen Probleme sind bei den Betroffenen immens. | Quelle und ©: www.projuventute.ch/sexting

Die Gefahren des Sexting

Welche unangenehmen Folgen die Weiterverbreitung der Fotos haben kann, erfuhr etwa eine Vierzehnjährige nahe Fulda: Sie hatte ihrem Freund ein freizügiges Foto von sich geschickt, der das vertrauliche Bild ins Netz gestellt hat. Nachdem ihre Klassenkameraden die Fotos entdeckt hatten, wurde das Mädchen zum Gespött der ganzen Schule.

Sexting  Bild Nr.: 1da92aa109
Aufklärungskampagnen von Pro Juventute zum Sexting und anderen Themen.
Zudem bietet der Schweizer Verein Beratung und Hilfe für Betroffene an.
Quelle und ©: www.projuventute.ch/sexting

In den meisten Fällen steckt schlichte Gedankenlosigkeit hinter der Verbreitung der Fotos ins Netz, bei Jungs kommt hinzu, dass sie oft mit einer Eroberung prahlen und die Foto als eine Art Trophäe sehen. In anderen Fällen kann aber von Haus aus eine negative Absicht wie Neid oder Rachsucht dahinterstecken. Mädchen leiden übrigens am weitaus häufigsten unter den negativen Folgen. Der Grund dafür liegt in der traditionellen Geschlechterrolle, die von Mädchen Zurückhaltung in sexuellen Belangen verlangt.

Die Kampagne der Schweizer Organisation Pro Juventute "Sexting kann dich berühmt machen" spielt auf diese Rolle an und möchte junge Mädchen dafür sensibilisieren sich nicht zu solchen Bildern verführen zu lassen. Dass manche Jugendliche selbst schuld sind, dass sie zum Opfer werden kann man zwar einfach sagen, aber wie eingangs erwähnt sind sich viele Teenager über die Folgen absolut nicht im Klaren. Entweder zu verliebt und die Angst den Freund zu verlieren, zu naiv, dass der Freund nichts Böses im Schilde führt und schnell ist mal ein (Sexting) Selfie gemacht und versendet. Die Schweizer wollen mit ihrer Kampagne informieren und sensibilisieren.

In Deutschland ist man hier noch nicht ganz so weit. Doch an einigen Schulen haben Schulleiter schon das Thema aufgegriffen und mit Infoschreiben an Eltern und Schüler informiert. Nicht zuletzt auch deshalb weil viele Handys der Schüler voller Nacktfotos sind, was viele Eltern gar nicht wissen. Dass wenn so ein Handy in falsche Hände gerät und die darauf befindlichen Bilder weitergeleitet werden, kann man sich die Folgen für die Betroffenen selber ausmalen.

Welche rechtlichen Folgen haben Sexting-Fotos?

Das Versenden von freizügigen Fotos an sich ist in Deutschland - anders als in den USA - nicht strafbar, sofern die Merkmale von Kinder- und Jugendpornographie noch nicht erfüllt sind. Und wenn die „privaten“ Bilder auf dem Handy bleiben geht das vielleicht auch noch. Die Weitergabe hingegen ist strafbar, weil hierbei diverse Persönlichkeitsrechte des Fotografierten wie das Recht auf das eigene Bild, verletzt werden. Werden die Fotos im Internet veröffentlicht, können die Betroffenen einen Unterlassungsanspruch gegen den Seitenbetreiber durchsetzen, auch Schadensersatzansprüche sind grundsätzlich möglich. Die Taten werden jedoch kaum zur Anzeige gestellt, weil sich die Opfer schämen. Die Dunkelziffer ist also hoch.

Rechtliche Folgen sind nicht zu unterschätzen. Einen guten Zeitungsartikel bzgl. den rechtlichen Folgen habe ich unter anderem in der Osthessen Zeitung gefunden. Dieser beschreibt auch die rechtlichen Folgen. Es kommt auf das Alter des Kindes bzw. Jugendlichen an und Art des Bildes. Man unterscheidet zwischen einem Aktbild, bzw. Nacktbild oder Bildern mit pornografischem Hintergrund. Der Versand von pornografischen Bildern ist auf jeden Fall strafbar. Handelt es sich um Kinderpornografie (siehe Paragraf 184b StGB) ist selbst der Besitz strafbar. Um es auf den Punkt zu bringen: Sexting ist nicht harmlos und kann rechtliche Folgen haben, für den Sender, wie für den Empfänger.

Wie können sich die Betroffenen schützen?

Den besten Schutz für die Betroffenen stellt es natürlich dar, keine Sexting-Fotos zu erstellen bzw. gar zu verschicken. Wollen sie nicht darauf verzichten, sollten sie zumindest darauf achten, dass sie nicht identifiziert werden können. So sollte das Gesicht nicht erkennbar sein, Tattoos oder Muttermale, anhand derer die Betroffenen identifiziert werden können, sollten verdeckt werden. Das verhindert zwar nicht, dass die Fotos an unerwünschten Stellen auftauchen können, die Betroffenen haben aber zumindest keine negativen Folgen zu befürchten.

Beispiele

Dieses Beispiel an einer Schule im US-Bundesstaat Colorado zeigt wie machtlos die Schule aber auch Eltern diesem Phänomen gegenüberstehen. Über 100 (minderjährige) Schüler haben einige 100 Nacktbilder von sich und anderen hin- und hergeschickt. Obwohl das Problem schon länger bekannt war, sind viele Eltern, aber auch Lehrer nun geschockt über die Ausmaße. Allerdings stehen diese auch vor dem Problem wie der Situation herr werden. Der Staatsanwalt hat kein Interesse die halbe Schule zu inhaftieren. Der Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie ist zwar strafbar, aber die Kids sind selbst noch minderjährig und haben ja die Nacktfotos von sich selbst in Umlauf gebracht.
Quelle: The New York Times vom 7.11.2015

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Dezember 2014

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