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Cybermobbing: Wenn das Netz zur Falle wird

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Cybermobbing | ©: Luis Louro - Fotolia

Mehrere Mädchen hatten in Tübingen eine 13-jährige mit Schlägen und Tritten malträtiert und ihre Tat mit dem Smartphone aufgezeichnet. Sie hatten sich um das Mädchen herum gruppiert und sie abschließend getreten und geschlagen. Mehr als zehn andere Jugendliche hatten die Tat als Zeugen beobachtet, waren jedoch nicht eingeschritten. Bekannt wurde die Tat dadurch, dass jemand diese mit dem Smartphone aufgenommen und ins Internet gestellt hatte, wo es innerhalb kürzester Zeit rund 12.000mal angeklickt wurde. Während die Köpfe der Täterinnen nicht auf dem Video zu sehen sind, endet der Clip mit einer Aufnahme vom blutüberströmten Kopf des Opfers.

Zahlreiche User, die das Video gesehen hatten, veröffentlichten regelrechte Hasstiraden gegen die Opfer und riefen zur Gewalt auf. Sowohl der Vorfall als auch die Hasstiraden sind für die Polizei äußerst bedenklich. Vor allem für das Opfer befürchten die Experten der Polizei langfristig eine Gefährdung, weil die Veröffentlichung des Videos zur Traumatisierung führen könne.

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Cybermobbing | ©: Sylvie Bouchard - Fotolia

Wie viele Opfer gibt es?

Die Anonymität des Internets senkt die Hemmschwelle der Täter, Schwächere zu mobben. Fundierte Zahlen liegen deshalb nicht vor, weil viele Mobbing-Opfer aus Scham oder ähnlichen Gründen schweigen. Deshalb führte die Techniker Krankenkasse zusammen mit der Universität Münster 2011 eine repräsentative Studie zum Thema durch. Demnach sind etwa 32 Prozent aller Jugendlichen und jungen Erwachsen von Cybermobbing in der Rolle des Opfers betroffen.

Warum kommt es zu Cybermobbing?

Im Prinzip handelt es sich bei Cybermobbing um klassisches Mobbing, das eine neue - und besonders gefährliche - Dimension durch moderne Kommunikationsmittel erreicht. Anders als in der Schule oder am Arbeitsplatz können die Mobbingopfer rund um die Uhr verfolgt werden, auch wenn sie selbst gerade gar nicht online sind. Der Weiße Ring, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kriminalitätsopfer zu unterstützen, hat seitens der Täter folgende Ursachen ausgemacht, die zum Cybermobbing führen können:

  • Entlastung

    Seine Aggressionen an Schwächeren verbal oder mit Gewalt aufzulassen, kann dem Täter als Ventil dienen, um seine eigenen, aufgestauten Aggressionen abzubauen. Häufig handelt es sich bei diesem Täterkreis um Personen, die lediglich Gewalt als Mittel zur Konfliktlösung kennen. Oft wurden diese Täter ebenfalls bereits Opfer von psychischer oder physischer Gewalt und laden ihre eigenen Erfahrungen gewissermaßen an Schwächeren ab.

  • Anerkennung

    Mobbing kann als Mittel dienen, um sich Anerkennung zu verschaffen. Meist sind es Außenseiter, die andere Außenseiter mobben, um sich innerhalb der Gruppe einen Rang zu erwerben. Jemanden zu mobben kann außerdem ein Aufnahmeritual für eine Gang darstellen. In diesem Fall handelt es sich beim Mobbing oder Cybermobbing um eine Mutprobe auf Kosten Dritter. Deshalb werden die meisten Mobbingtaten auch in der Pubertät begangen, wenn die Jugendlichen am massivsten auf der Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft sind. Sobald Jungen und Mädchen das Alter von 14 Jahren überschritten haben, nimmt die Zahl der Taten erheblich ab.

  • Stärkung des Gemeinschaftsgefühls

    Wenn eine Gruppe geschlossen einen Einzelnen malträtiert wie im eingangs geschilderten Fall, kann dies eine Stärkung des Gemeinschaftsgefühls bedeuten. Trotz der Aufnahme bleiben die Täter anonym, weil sie auf den Bildern nicht zu sehen sind und sind zum gemeinsamen Schweigen gezwungen, wenn sie keinen juristischen Ärger bekommen wollen. Bei Taten, die in der Gruppe begangen werden, sind nicht selten Einzelne beteiligt, die dem Opfer eigentlich nichts tun möchten. Sie werden von der Gruppendynamik oder anderen Gruppenmitgliedern getreu dem Motto "mitgefangen, mitgehangen" zum Mitmachen genötigt.

  • Demonstration von Macht

    Mobbing und Cybermobbing können als Machtdemonstration eingesetzt werden, um dem Opfer zu zeigen, wer in der Gruppe das Sagen hat. Der Täter will sich durch diese Tat den Anspruch auf eine Führungsposition in seiner Gruppe oder in seinem sozialen Umfeld erwerben. Die Täter haben nicht selten selbst in verschiedenen Situationen bereits das Gefühl von Ohnmacht erlebt und wollen dies nun am anderen auslassen, sozusagen: „endlich auch mal obenauf sein und austeilen dürfen“. Meistens haben die Täte selbst starke Minderwertigkeitskomplexe. Und beim Cybermobbing ist der Täter ja auf Distanz, nicht sichtbar, nicht unmittelbar greifbar – da traut sich so mancher aus dem Hinterhalt heraus über das Netz zu mobben, zu provozieren, psychische und seelische Gewalt auszuüben. Da ist dann jeder „Winzling“ plötzlich ganz groß.

  • Angst

    Zu den wichtigen Triebfedern der Täter gehört außerdem Angst. Dabei kann es sich um Versagensängste handeln, wie es bei Einzeltätern zu beobachten ist. Bei Taten, die in einer Gruppe erfolgen, ist es hingegen eher die Angst vor dem Verlust des Ranges innerhalb der Gruppe. Klassische Mitläufer haben Angst davor, von den Anführern bloßgestellt und möglicherweise selbst zu Opfern von Attacken zu werden. Sie beteiligen sich also am Mobbing, weil sie ihre Mitgliedschaft in der Gruppe nicht riskieren wollen.

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Cybermobbing - Die unscheinbare Gefahr aus dem Netz | ©: vector/ AngelaStolle - Fotolia

Welche Folgen hat Cybermobbing für die Opfer?

Wie beim klassischen Mobbing gibt es beim Cybermobbing keine neutralen Personen. Wer die Taten mitbekommt, stellt sich auf die Seiten des Täters. Die Situation kann sich für das Opfer erst ändern, wenn das Mobbing öffentlich wird und sich die vorher Unbeteiligten hinter das Opfer stellen.

Cybermobbing untergräbt das Selbstwertgefühl der Opfer. Erstreckt sich das Cybermobbing über einen längeren Zeitraum, laufen sie Gefahr, eine negative Einstellung zu sich selbst zu entwickeln, die sowohl ihre Person als auch ihre Leistungen als mangelhaft empfinden. Durch diese negativen Resonanzen kann deshalb auch das Sozialverhalten insgesamt Schaden nehmen. Weil die Opfer auch in einem anderen Umfeld negatives Feedback auf Aussagen oder Taten befürchten, verhalten sie sich grundsätzlich Fremden gegenüber distanziert. Als direkte Folge davon haben sie nur einen kleinen Freundeskreis und ein nur schlecht ausgebautes soziales Netzwerk.

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Cybermobbing - Die unscheinbare Gefahr aus dem Netz | ©: serkat - Fotolia

Beim Cybermobbing richtig reagieren und vorbeugen

Jugendliche, die sich gegen Cybermobbing schützen wollen, sollten vor allem besonnen im Internet agieren. Wohnort, Schule, Telefonnummer und Ähnliches sollten auch nicht auf den Profilen in sozialen Netzwerken veröffentlicht werden, wo sie für jeden ersichtlich sind. Dazu gehört es auch, nur mit Bedacht zu posten. Auch wenn unvorteilhafte Bilder von einer Geburtstagsparty vielleicht keine direkten negativen Folgen haben, können sie etwa sogar die Suche nach einem Arbeitsplatz in späteren Jahren erheblich erschweren, weil das Netz eben nichts vergisst.

Gelegentlich sollte der eigene Name gegoogelt werden. Erscheint er in einem negativen Zusammenhang, kann unter Umständen die Löschung eines Beitrages durch den Seitenbetreiber erwirkt werden. Sofern es Anzeichen für ein gezieltes Cybermobbing gibt, sollten sich Jugendliche in jedem Fall an Erwachsene wenden und Beweise sammeln. Gegebenenfalls kann dann eine Anzeige gegen die Täter erstattet werden.

Besonnenheit ist auch bei persönlichen Angriffen gefragt. Besser ist es, auf Beleidigungen - wie sie in Foren vorkommen können - nicht näher einzugehen und den Betreiber darauf hinzuweisen. Ist eine Person schon öfter negativ aufgefallen, kann dieser der Zugang gesperrt werden.

Im Zweifelsfall kann es allerdings schon helfen, seinen Nickname und die E-Mailadresse zu ändern, bevor eine Situation möglicherweise eskaliert. Die engen Freunde und Bekannte kann man vorab darüber informieren und nach dem Namenswechsel von sich aus Kontakt aufnehmen.


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November 2014

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