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Studie "Jugendsexualität 2015" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Kürzlich veröffentlichte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ihre aktuelle Studie zur Jugendsexualität für das Jahr 2015. Die Studie gilt als richtungsweisend für das aktuelle Sexualverhalten der Jugend in Deutschland.

Im Vergleich zu den Vorgängerstudien aus den Jahren 1980 bis 2010 wurden im Rahmen der aktuellen Studie erstmals auch 18- bis 25-Jährige befragt. Die Schwerpunkte lagen diesmal auf den Themen „Erste sexuelle Erfahrungen“, „Verhütungsverhalten & Verhütungsmittel“ sowie „Sexuelle Aufklärung sowohl in Elternhaus als auch in der Schule“.

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Liebe & Sex: Viele Fragen und Unsicherheiten begleiten die Jugendlichen und wollen beantwortet werden
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Die Studie im Überblick

Die Ergebnisse der Studie zeigen: Insbesondere bei der Verhütung handeln die heutigen Jugendlichen wesentlich verantwortungsvoller als noch vor einigen Jahren. Die 14- bis 17-Jährigen sind sexuell aktiv, beginnen damit allerdings nicht früher als die heute 18- bis 25-Jährigen. Dafür sprechen sie sehr viel mehr über die Sexualität und besonders über die Verhütung mit ihrem Partner. Allerdings finden sich je nach Herkunft deutliche kulturelle Unterschiede. Mehr dazu gleich.

Soziologen und Entwicklungsforscher zeigen sich mit den Ergebnissen zufrieden und loben das Verhütungsverhalten der Jugend. Hier einige der wichtigsten Punkte, zu denen sich durch die Studie repräsentative Aussagen treffen lassen:

Die kulturellen Unterschiede im Sexualverhalten junger Menschen

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass es relativ große Unterschiede bezüglich des Sexualverhaltens in den unterschiedlichen Kulturen gibt. So haben mehr als 90 Prozent der deutschen Frauen ihre ersten sexuellen Erfahrungen im Alter von 19 Jahren oder davor erlebt, Frauen mit ausländischen Wurzeln dagegen deutlich später. Hier sind selbst im Alter von 21 Jahren erst rund zwei Drittel der Befragten bereits sexuell aktiv gewesen. Auffällig ist außerdem: Junge Männer machen ihre ersten sexuellen Erfahrungen nicht etwa früher, sondern später als die Frauen. Für deutsche Männer ergibt sich hier ein Zeitunterschied von zwei Jahren, bei Männern mit ausländischen Wurzeln sind es sogar drei Jahre.

Der Hauptgrund dafür, dass insbesondere junge Frauen mit Migrationshintergrund ihre ersten sexuellen Erfahrungen in der Regel viel später als deutscher Mädchen machen, sind übrigens die Eltern. Es ist die Angst davor, dass die Eltern von ihren sexuellen Aktivitäten erfahren und diese verurteilen, bzw. entsprechende Konsequenzen daraus ziehen. Allerdings haben laut Studie auch deutsche Mädchen durchaus Angst vor Repressalien durch die Eltern. Hier relativiert sich das Ganze jedoch ab der Altersgrenze von 18 Jahren, da in Deutschland die Volljährigkeit deutlich stärker geachtet ist als in vielen anderen Ländern.

Das Verhütungsbewusstsein in Zahlen

Wie bereits erwähnt, sind Experten sehr zufrieden mit dem steigenden Verhütungsbewusstsein junger Menschen. Insbesondere die 14- bis 17-Jährigen sind heute wesentlich umsichtiger beim Thema Verhütung als in den vorigen Studien, die bis ins Jahr 1980 zurückreichen. Hier bietet sich ein Langzeitvergleich geradezu an.

Stichwort „Erstes Mal“: Im Jahr 1980, als die Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum ersten Mal angefertigt wurde, trafen erschreckende 29 Prozent der jungen Männer und fast 20 Prozent der jungen Frauen beim ersten Geschlechtsverkehr keinerlei Vorkehrungen zur Verhütung. Heute wird wesentlich genauer auf die Verhütung geachtet, nur noch acht Prozent der jungen Männer und sechs Prozent der jungen Mädchen machen sich keine Gedanken um die Verhütung beim ersten Mal.

Wie Kinder und Jugendliche heute aufgeklärt werden

Interessante Ergebnisse liefert die Studie auch zum Thema Aufklärung. Auch heute noch spielt insbesondere das Elternhaus bei der Aufklärung eine sehr wichtige Rolle. 63 Prozent der befragten Mädchen und 51 Prozent der Jungen werden von ihren Eltern sexuell aufgeklärt und sprechen mit diesen auch über das Thema Verhütung. Auffällig ist, dass in Elternhäusern mit Migrationshintergrund diese Quoten wesentlich geringer liegen. Hier werden nur 41 Prozent der Mädchen und 36 Prozent der Jungen durch das Elternhaus aufgeklärt.

Die zweitwichtigste Instanz zur Aufklärung ist die Schule. Fast in allen Schulen in Deutschland gehört mittlerweile die Sexualaufklärung im Unterricht zum Standard. 93 Prozent der befragten Jugendlichen gaben in der Studie an, neben dem Elternhaus auch durch den Unterricht in der Schule zum Thema Sexualität aufgeklärt worden zu sein.

Soviel zu den beiden dominierenden Themen der Studie - Aufklärung und Verhütung. Aus den genannten Fakten ergeben sich allerdings auch einige Fragen, die im Folgenden beantwortet werden sollen:

Warum haben Jugendliche ihr erstes Mal heute nicht früher als in den vergangenen Jahren, obwohl immer von „der frühreifen Jugend“ die Rede ist?

Es ist das steigende Bedürfnis nach einem festen Partner und der Umstand, dass dieser oft fehlt, welche als Gründe dafür genannt werden können, dass Jugendliche auch heute noch ihr erstes Mal im Durchschnitt relativ spät erleben. Die Mentalität der 68er mit ihrer sexuellen Freizügigkeit scheint ein für alle Mal aus den Köpfen der Menschen verschwunden zu sein.

Woher stammt dieses Bedürfnis nach einem festen Partner?

In den vergangenen Jahren wurden Beziehungen immer offener und unverbindlicher. Sie beschränken sich nicht mehr nur auf Mann und Frau, und im Zeitalter des Internets lassen sie sich schnell und unkompliziert wechseln. Somit verschwand innerhalb der letzten Jahre die klassische Beziehung zunehmend aus unserer Gesellschaft. Forscher betonen jedoch, dass alles, was langsam verschwindet, irgendwann wieder an Bedeutung und Aufmerksamkeit gewinnt. Darin dürfte auch der Grund zu finden sein, warum Jugendliche heute wieder deutlich mehr Wert auf einen festen Partner legen, mit dem sie das erste Mal erleben können.

Welche Bedeutung hat Pornografie heute bei Jugendlichen?

Fast jeder heutige Jugendliche hat schon einmal mit Pornografie zu tun gehabt. Dabei gibt es kaum Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen. Auffällig ist jedoch, dass die heutigen Jugendlichen ein gutes Gefühl dafür haben, dass Pornografie hauptsächlich aus Show besteht und nichts mit echten Gefühlen und der daraus resultierenden Sexualität zu tun hat. Dennoch nimmt Pornografie Einfluss auf die heutigen Jugendlichen, und zwar in Form von Äußerlichkeiten. Viele Jugendliche vergleichen ihren Körper mit denen der Pornodarsteller und fühlen sich dadurch weniger wohl in ihrer Haut. So lässt sich der Trend zu Diäten und Schönheitskorrekturen am eigenen Körper erklären, der heute immer früher bei Jugendlichen einsetzt.

In welcher Form verhüten Jugendliche heute?

Aufklärungsunterricht - Verhütung  Bild: 48281993
Aufklärungsunterricht - Verhütung | ©: full image - Fotolia

Nicht nur zur Verhütung, sondern auch als Schutzmaßnahme gegen Geschlechtskrankheiten und HIV eignet sich das Kondom. Es stellt daher das wichtigste Verhütungsmittel für Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 14 und 25 Jahren dar. Den zweiten Platz nimmt die Antibabypille ein, früher das Verhütungsmittel Nummer eins. Alle weiteren Verhütungsmittel finden sich lediglich in geringen Prozentzahlen in den Aussagen der Befragten.

Die Teilnehmer der Studie in Zahlen

Insgesamt wurden für die Ausfertigung der Studie 5.750 Menschen befragt, darunter 3.500 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren und 2.250 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren. An der Gesamtzahl der Teilnehmer sind 1.750 junge Menschen mit Migrationshintergrund beteiligt.

„Migrationshintergrund“ bedeutet im Rahmen der Studie: Es handelt sich um Jugendliche und junge Erwachsene, die entweder selbst nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen oder bei denen mindestens einer der Elternteile bei Geburt nichtdeutscher Staatsangehöriger war.

Die entsprechenden Interviews für die Studie wurden im Frühjahr und Sommer 2014 durchgeführt, die Auswertungen zogen sich jedoch entsprechend lange hin.

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