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Kooperative Abenteuerspiele

"Mit Herz, Hand und Verstand ..."

(Kurt Hahn)

Kooperative Abenteuerspiele
Erlebnispädagogik | ©: www.praxis-jugendarbeit.de

Kooperative Abenteuerspiele - was ist das?

Hast Du nicht auch schon mal davon geträumt:

  • Stille zum Reden zu bringen,
  • Störenfrieden Verantwortung zu übertragen,
  • Außenseiter in die Gruppe integrieren zu wollen,
  • Gelegenheit haben neue Dinge auszuprobieren?

Kooperative Abenteuerspiele  / Bild Nr. 39230939
Kooperative Abenteuerspiele ©: Alexander Rochau - Fotolia

Bei den kooperativen Abenteuerspielen werden Selbstvertrauen, Mut und Geschicklichkeit, aber auch Köpfchen und die Fähigkeit, miteinander zu kommunizieren gefördert. Dabei kann es vorkommen, dass der ein oder andere in der Gruppe "aufblüht", dass Fähigkeiten erkannt werden und ein völlig neues Gruppengefühl entstehen kann. Kooperation anstatt Konkurrenz.

Kooperative Abenteuerspiele bieten die Möglichkeit erlebnispädagogische Aktionen mit sozialem Lernen in der Gruppe zu kombinieren. Das gemeinsame Erleben von Spannung und entsprechendes Handeln, die gegenseitige Unterstützung und Kooperation zum Bewältigen der gemeinsamen Herausforderungen stehen hierbei im Vordergrund.

Die Gruppendynamik bei den verschiedenen Spielen kann durchaus unterschiedlich ausfallen. Stärken und Schwächen, nicht nur des Einzelnen, sondern auch der Gruppe als Ganzes gesehen werden sichtbar und erlebbar. Und nicht jeder hat gelernt sich kooperativ zu verhalten, eigene Schwächen zu erkennen oder bei anderen zu akzeptieren, oder sich in den Dienst der Gruppe zu stellen. Von daher bilden kooperative Abenteuerspiele ein tolles Feld zur Förderung des Sozialverhaltens in sportlicher, ökologischer und pädagogischer Hinsicht.

Outdoor-Aktivitäten: Klettersteig und Bergtouren  / Bild Nr. 26014034
Outdoor-Aktivitäten: Klettersteig und Bergtouren ©: Andreas P - Fotolia

Begeisterungsfähigkeit und Motivation, das Erlernen der Teamfähigkeit, der Umgang mit Konflikten, die Gruppenselbsterfahrung werden auf spielerische Art und Weise vermittelt und transparent.

Für die Umsetzung bieten sich verschiedene Möglichkeiten an, je nach der Gruppensituation, Örtlichkeit und Erfahrungen.

In den nun folgenden Abschnitten werden einige Gedanken zum Thema kooperative Abenteuerspiele genannt, zur Erlebnispädagogik, Spielpädagogik und Gruppenpädagogik Bezug genommen, sowie natürlich auch Anregungen zur Umsetzung genannt. Das zusammen Erlebte auch mit und in der Gruppe besprechen ist ein wichtiger Bestandteil im Konzept der kooperativen Abenteuerspiele. Die Reflexion erst führt vor Augen und macht getroffene Entscheidungen, Verhalten, Stärken und Schwächen bewusst.

Aber auch die Risiken sollen nicht verschwiegen werden. Es ist wichtig hierfür eine Sensibilisierung zu schaffen um mögliche Gefahren auszuschließen.

Kooperative Abenteuerspiele bzw. auch der Begriff der "Erlebnispädagogik" sind zur Zeit in Mode. Grenzen der Erlebnispädagogik und ein paar kritische Gedanken zu kooperativen Abenteuerspielen sollen zum Nachdenken anregen.

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Konzeptgedanke und Ziele

Der Konzeptgedanke kurz und knapp:

  • auf spielerische Art und Weise Lernprozesse fördern

Der Zielgedanke dabei:

  • gemeinsames Handeln
  • gegenseitige Unterstützung
  • Kooperation anstatt Konkurrenz

Die folgende Auflistung nennt die wichtigsten Lernprozesse und Zielgedanken.

Wichtige Einzelerfahrung (Lernprozesse für den jeweils einzelnen):

  • Wertschätzung lernen
  • Toleranz lernen
  • Rücksichtnahme entwickeln
  • Geduld lernen
  • aktives Zuhören
  • mit Nähe und Körperkontakt zu Anderen umgehen können
  • Eigenverantwortung übernehmen
  • Zeigen von Führungskompetenz bzw. Initiative statt Passivität
  • Selbstbehauptung und Durchsetzungsvermögen erfahren
  • Unterordnung unter Mehrheitsentscheidungen und deren Unterstützung auch bei abweichender eigener Meinung
  • Selbstvertrauen stärken
  • Kennenlernen der eigenen Stärken und realistische Selbsteinschätzung
  • Eigene Erfahrungen und Verhaltensweisen erkennen

Wichtige Gruppenerfahrung (Lernprozess für die Gruppe an sich):

  • Offenheit zueinander
  • Kreativität und Gestaltung (jeder bringt seine Fähigkeiten ein und alle Fähigkeiten werden genutzt)
  • Vertrauen zueinander entwickeln
  • Handlungsfähigkeit in Stress- und Grenzsituationen
  • Umgang mit dem Risiko (in der Gruppe werden Risiken oft aus Angst als Schwächling dazustehen/Angst zu zeigen missachtet)
  • Verhalten bei Unfällen und Notlagen
  • Gemeinsame Planung
  • Erlebnis und Abenteuer (Herausforderung in ungewohnter Umgebung gemeinsam erleben)
  • Spaß im gemeinsamen Entdecken erleben
  • Entwicklung von Problemlösungsstrategien (wie wurde ein Problem angegangen und wie traf die Gruppe Entscheidungen?)
  • Kompromissbereitschaft bei Entscheidungen

Zielgedanken

  • Erlebtes in den Alltag transferieren
  • Förderung der Zusammenarbeit, Teamarbeit (nur gemeinsam geht’s – einer für alle, alle für einen)
  • Umgang mit Konflikten
  • Akzeptanz von Schwächen
  • Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit fordern und fördern
  • Ängste und Schwächen durch gegenseitige Hilfe und Unterstützung abbauen/kompensieren

Für den Teamer wichtig

  • Erkennen verschiedener Prozesse in einer Gruppe und deren Berücksichtigung
  • Positive Gruppendynamik schaffen
  • Gruppendynamische Prozesse fördern und erkennen lernen

Erlebnispädagogik

Kooperative Abenteuerspiele beinhalten Spiele und Übungen aus der Erlebnispädagogik. Die Erlebnispädagogik ist daher ein wichtiger Bestandteil von kooperativen Abenteuerspielen.

Kurt Hahn, der Vater der Erlebnispädagogik, sagte einmal "mit Herz, Hand und Verstand" die Probleme angehen und lösen. Durch das direkte Erleben ist es bei erlebnispädagogischen Aktionen möglich, sich sofort auf das Geschehen zu beziehen und einen Transfer herzustellen. Das Erlebnis von Spannung erweitert die eigenen Handlungsmöglichkeiten und ermöglicht mit neuen in ungewohnter Umgebung erfahrenen Herausforderungen umzugehen.

Aus dem Erlebten (was wurde erlebt?, wie wurde gehandelt?, wie habe ich mich verhalten?) heraus wird jeder Jugendliche für sich selbst Erkenntnisse ziehen. Aus dieser Erkenntnis und dem Wissen resultiert Selbstbewusstsein, ein Selbstwertgefühl und letztendlich auch eine Selbstständigkeit, die in eine positive Handlungskompetenz mündet.

Diese wichtigen persönlichen Erfahrungen, die in der Erlebnispädagogik vermittelt werden, werden bei den kooperativen Abenteuerspielen noch um eine weitere Erfahrung angereichert. Das Erleben und Erfahren in der Gruppe. Ohne Teamgeist, ohne Vertrauen, ohne die Fähigkeit miteinander zu kommunizieren geht nichts.

Ein weiterführender Artikel über Erlebnispädagogik ist im Schulungsteil enthalten.

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Spielpädagogik

Beim gemeinsamen Spielen in der Jugendgruppe werden Spielprozesse in Gang gesetzt. Interaktion, Kommunikation und Sozialisation bestimmen den Spielverlauf.

Wer darüber Bescheid weiß, kann besser mit Gruppen und Gruppenspielen umgehen. Außerdem ist Spielen in vielen Formen Ausdruck kreativen Handelns und bedeutet Freude und Lebensbereicherung.

Die Spielpädagogik befasst sich mit dem Wissen um Spielsituationen und Spielkategorien, mit der gezielten Spielauswahl für eine bestimmte Zielgruppe und unter Berücksichtigung der zu erreichenden Ziele.

Die Spielpädagogik möchte Spaß und Theorie über das Spiel zu verbinden. Spiel ist ein ”Hilfsmittel, die ”Arbeit” mit Personen zu vereinfachen, zur Persönlichkeitsentwicklung beizutragen und Beziehungen zwischen Personen zu lockern.

Ein weiterführender Artikel über Spielpädagogik und Gruppenspiele ist im Schulungsteil enthalten.

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Gruppenprozesse

Der Umgang mit Jugendlichen in einer Jugendgruppe erfordert auch Wissen über Gruppenprozesse und Gruppenpädagogik. Hierzu gibt es ebenfalls im Schulungsteil ein paar weiterführende Artikel:

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Reflexion

Das Spielen bzw. Durchführen von kooperativen Abenteuerspielen allein wäre zu wenig und würde einen wichtigen Lernprozess eventuell völlig unberücksichtigt lassen. Von daher ist das Besprechen des gemeinsam als Gruppe erlebten "Abenteuers" ein wichtiger Bestandteil im Konzept der kooperativen Abenteuerspiele. Die Reflexion erst führt vor Augen und macht getroffene Entscheidungen, Verhalten, Stärken und Schwächen bewusst. Vielen Jugendlichen fällt es schwer selbst eigene Stärken und Schwächen zu erkennen, zuzugeben und darüber zu reden. Von daher ist eine offene Reflexion mit den Teilnehmenden und der Gruppenleitung so wichtig. Es ist wichtig ein offenes, positives Feedback zu geben ohne zu verletzen oder irgendein Gruppenmitglied nun "fertig machen" zu wollen.

Für den Teamer zur Vorbereitung:

  • Durch welche Fragestellungen kann ich die Lernprozesse der Teilnehmenden fördern?
  • Wie kann ich das Gruppenergebnis auf den Punkt bringen?

Blitzlicht

Das Gruppenblitzlicht kann eine Hilfe sein, wie man miteinander ins Gespräch kommen kann. Zunächst schließen alle die Augen und es werden verschiedene Fragen gestellt. Jede Frage wird beantwortet durch zeigen der Finger. Trifft eine Frage voll zu werden 10 Finger gezeigt, trifft eine Frage nur zu 50% zu, werden nur 5 Finger gezeigt etc.

  • Haben Dir die Spiele gut gefallen? (allgemeine Frage zum Feedback, Spaßfaktor, Erlebnis)
  • Wie hast Du Dich gefühlt? (eigenes Empfinden, Ängste, Stärken, Schwächen, Selbstvertrauen)
  • Hat die Gruppe besonders gut zusammengearbeitet? (Kooperation)
  • Fandest Du Dich bei den Spielen gut/schlecht? (Selbsteinschätzung, eigener Beitrag zum Gelingen)
  • Sind die Spiele umsetzbar für das tägliche Leben? Hast Du dabei was wichtiges gelernt? (Selbsterkenntnis, wichtige eigene Erfahrung gemacht)

Dadurch erhält der Gesprächsleiter einen Überblick über die gemachten Erfahrungen des Einzelnen und dessen Einschätzung. Sind alle Fragen gestellt, dürfen alle die Augen wieder öffnen. Über das Ergebnis berichtet nun der Gesprächsleiter und versucht ein möglichst offenes Gespräch zu führen.

Diese Fragen könnten unter anderem Inhalt eines anschließenden Gesprächs sein:

  • Was hat gut geklappt?
  • Was war nicht gut?
  • Wo und wie hat die Gruppe zusammengearbeitet?
  • Wo wurden Schwächen kompensiert?
  • Wo wurde besonders gut kooperiert?
  • Gab es Grenzsituationen?
  • Wie wurden Probleme angegangen?
  • Wie wurden Entscheidungen gefällt?
  • Wie war der jeweils Einzelne beteiligt bzw. trug zum Gruppenergebnis bei?
  • Wie kam es zu dem Gruppenergebnis?
  • Wie hat sich der jeweils Einzelne bei der Aktion gefühlt?
  • Warum hat sich der jeweils Einzelne so wie gesagt gefühlt?
  • Was hat den jeweils Einzelnen dazu gebracht doch mit zu machen/weiter zu machen?
  • Welche Eindrücke sind geblieben?
  • Wie kann ich die Erfahrungen im Alltag weiter verwenden?
  • Was habe ich (über mich/ über die Gruppe/ über die Natur/ fürs Leben/ ... / .../... ) gelernt?
  • Was sollte beim nächsten Mal anders gemacht werden?

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Risiken und richtige Anleitung

Die Risiken bei der Durchführung von kooperativen Abenteuerspielen sollen nicht verschwiegen werden. Es ist wichtig hierfür eine Sensibilisierung zu schaffen um mögliche Gefahren auszuschließen.

Risiken liegen bereits in der Installation erlebnispädagogischer Programme, als auch in der Durchführung. Sehr schnell kann es passieren, dass die Gruppe aber auch der Teamer physisch überfordert wird. Die Dynamik des Spiels, die Gruppendynamik, aber auch unvorhergesehene, oder falsch eingeschätzte Situationen führen dazu, dass Risiken entstehen und Personen zu schaden kommen können.

nachlassende Sorgfalt

In bestimmten Situationen wird nicht mehr auf absolute Sorgfalt geachtet. Dies kann besonders dann passieren, wenn der Teamer, oder gar auch die Gruppe der Meinung sind, dass es bei dem aktuellen Spiel sich ja nicht um keine besonders schwierige Aufgabe handelt. Und trotzdem kann ein Sturz aus nur 1 Meter Höhe zu einem verstauchten Knöchel, oder einer Platzwunde führen. Es gibt zwar schlimmere Verletzungen, aber jeder Unfall ist ein Unfall zuviel.

Überforderung

Auch kann es vorkommen, dass gerade Jugendliche nicht als Schwächlinge dastehen wollen, wenn es für den ein oder anderen mal etwas schwieriger wird, der/die Jugendliche es aber nicht zugeben will. Der Teamer sollte ein Gespür entwickeln, sobald ein Kind überfordert ist und dann lieber die Aktion (für alle/nur für das Kind) abbrechen.

Beaufsichtigung

Bei bestimmten Aktionen (z.B. Abseilen, Seilbrücke) ist immer nur 1 Jugendlicher gerade in Aktion und die Teamer sind ggf. mit der Sicherung beschäftigt. Bei solchen Aktionen kann es vorkommen, dass die restlichen zuschauenden Jugendlichen unbeaufsichtigt sind, Blödsinn machen und sich ggf. in Gefahr begeben., da solche Aktionen ja in der Regel an irgendwelchen Felsen bzw. Schluchten stattfinden.

Übermut

Angestachelt bzw. angefeuert durch die zuschauenden Jugendlichen werden übermütige Kunststücke vorgeführt. Schreitet der Teamer bei solchen Gefahren nicht rechtzeitig ein, oder hat keine Autorität um sich durchsetzen zu können, können solche Mutproben schnell bös ausgehen.

Mangelnde Erfahrung

Der Teamer hat das Spiel/die Aktion selbst noch nie durchgeführt, gesehen oder erlebt. Von daher ist er überrascht, dass die ein oder andere Situation eingetreten ist. Hätte er das Spiel gekannt, hätte er vielleicht das ein oder andere Risiko einschätzen gelernt und die Gruppe richtig darauf vorbereitet. Ebenfalls kann mangelnde Erfahrung im Umgang mit Gruppen und Spielen zu einem negativen Spielausgang führen.

Falsches Material

Das verwendete Material zur Durchführung der Aktion ist nicht geeignet, unzureichend, bzw. entspricht nicht mehr den Sicherheitsstandards oder das Material ist alt und brüchig.

Selbstüberschätzung

Der Teamer überschätzt seine Fähigkeiten und physische Belastbarkeit. In Grenzsituationen werden falsche Entscheidungen getroffen. Der Teamer ist überfordert und beherrscht nicht mehr die Situation.

Diese Fragen kann sich jeder, der Abenteuerspiele plant und durchführt stellen:

  • Was kann im dümmsten Fall passieren?
  • Rechne immer mit der "Dummheit" anderer und rechne damit, dass Kinder Gefahren falsch einschätzen und sich dessen oft nicht bewusst sind.
  • Was mache ich, wenn Gefahrensituation 1, 2 oder 3 eintritt?
  • Welche zusätzlichen Sicherungen kann ich verwenden?
  • Wie schätze ich jeden einzelnen Jugendlichen ein?
  • Gibt es welche die überfordert sind?
  • Gibt es welche, die ggf. die Gruppe (oder sich selbst) in Gefahr bringen könnten?
  • Habe ich Erfahrung in der Anleitung des Spiels?
  • Habe ich es selbst ausprobiert?
  • Habe ich es schon irgendwo gesehen?

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Kritik und Grenzen der Erlebnispädagogik

Grenzen der Erlebnispädagogik

Wenn die kooperativen Abenteuerspiele nicht mehr kontrollierbar und kalkulierbar sind, wenn ein bestimmter Gefährdungsgrad überschritten wird (Frage: wann wird dieser überschritten?), wenn es in Leichtsinn (Mutproben, Gruppenzwang, mangelnde Erfahrung, ...) ausartet, sowie psychische Grenzen für die Verantwortlichen, wie auch für die Teilnehmer erreicht werden, dann sind die Grenzen erreicht bzw. überschritten.

  • Die Spiele und Maßnahmen dürfen keinen Zwang zu Mutproben beinhalten.
  • Unsinnige Spiele bis zur Selbstaufgabe/Selbstverachtung (wie in manchen Fernsehshows manchmal gezeigt) gehören ebenfalls nicht dazu.
  • Ausgrenzungsspiele sind auch keine Spiele, die in den Bereich der kooperativen Abenteuerspiele fallen.
  • Extremsportarten, Überlebenstraining gehören ebenso nicht dazu, was aber von dem ein oder anderen Veranstalter gerne auch unter dem Fähnchen von "Erlebnispädagogik" bzw. "kooperative Abenteuerspiel" genannt wird.

Kritik

Modebegriff

Der Begriff der Erlebnispädagogik und auch der Begriff "kooperative Abenteuerspiele" sind derzeit "in Mode". Manch einer versteht darunter das "Allheilmittel" wenn mit "normalen pädagogischen Mitteln" in der Jugendarbeit bzw. "Erziehungsmaßnahmen" nichts mehr klappt. Und wenn mehr auf "Action" als auf die pädagogischen Elemente geschielt wird, dann sind erlebnispädagogische Maßnahmen bzw. kooperative Abenteuerspiele nichts weiter als jedes andere Spiel oder normale Ferienmaßnahme. Was bleibt ist nur Action und Fun und das rastlose Hasten von einer Aktion zur nächsten.

Gespielt wird schon seit Urzeiten und tolle erlebnisreiche Freizeiten gibt es auch schon seit Jahrzehnten und trotzdem wurde nie von Erlebnispädagogik und kooperativen Spielen gesprochen.

Oftmals fehlt es den Betreuern auch an pädagogischer Erfahrung und Fingerspitzengefühl, sowie psychologischen Kenntnissen um kooperative Abenteuerspiele kontrollierbar und für alle positiv erlebbar durchzuführen.

Genommene Freiheit

Und wer mit Hilfe von kooperativen Abenteuerspielen versucht Kinder zu pädagogisieren, der nimmt ihnen die Freiheit, sich selbst zu bestimmen. Der Teilnehmer wird zum Objekt.

Transferproblem

Die Erlebnispädagogik geht davon aus, dass kooperative Abenteuerspiele bzw. erlebnisorientierte Maßnahmen wichtige Erfahrungen fürs Leben bringen, also die gemachten Erfahrungen sich einfach in den Alltag transferieren lassen. Jedoch hat die Übertragungsfähigkeit in den Alltag seine Grenzen.

  • Die Situation bei den erlebnisorientierten Events sind ähnlich, aber halt nicht identisch.
  • Die Maßnahmen sind zum Teil viel zu kurz um wichtige Schlüßelerfahrungen machen zu können.
  • Nur Erlebnisse allein ermöglichen noch keinen Transfer für den Alltag. Vielmehr sollten die gemachten Erlebnisse verarbeitet werden (Reflexion). Dies kann durch die im Anschluss stattfindende "verbale Auseinandersetzung", durch ein Feedback des Erlebten erfolgen. Dadurch kann ein Bezug "vom Erlebten zum Alltag" hergestellt werden. Die Schwierigkeit besteht jedoch oftmals darin, dass zwar die Betreuer fachlich für die Durchführung von erlebnisorientierten Maßnahmen qualifiziert/erfahren sind, ihnen jedoch eine sozialpädagogische Ausbildung fehlt. Die Reflexion führt dann unter Umständen mehr zu einer Fruststration.

Mangelhafte Steuerungsfähigkeit

In der Erlebnispädagogik bzw. kooperative Abenteuerspiele steht das "Erleben" das "Abenteuer" im Mittelpunkt. Durch die weiter oben genannten Risiken und auch weil jeder Mensch Dinge, Situationen anders erlebt und empfindet sind "Erlebnisse" schwer zu steuern, zu planen und können unter Umständen auch unkalkulierbar werden. Daher ist die angenommene positive Wechselwirkungen nicht einfach vorauszusetzen. Überraschungen sind also durchaus möglich.

Fazit:

Letztendlich muss jeder für sich selber entscheiden, ob er Elemente aus der Erlebnispädagogik für seine Jugendarbeit, Ferienlager verwenden möchte. Ich habe auf über 75 Freizeiten sehr viele erlebnisorientierte Events gehabt, aber ich denke, man sollte die Erlebnispädagogik und kooperative Abenteuerspiele nicht überbewerten. Mangelhaft durchgeführte kooperative Abenteuerspiele und falsch verstandene und praktizierte Erlebnispädagogik machen mehr kaputt ("höher", "schneller" "weiter" und der Mensch bleibt auf der Strecke), als dass sie bewirken sollen. Es ist auch nicht ein Allheilmittel und es ist auch nicht der Schlüssel für eine erfolgreiche Jugendarbeit. So wie Kurt Hahn gesagt hat: "Mit Herz, Hand und Verstand..." an die Sache rangehen, da steckt sehr viel Wahrheit dahinter. In der christlichen Jugendarbeit sind erlebnisorientierte Unternehmungen und kooperative Abenteuerspiele (auch) wichtig, aber was zählt ist der Mensch, das Kind, der Jugendliche.

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Umsetzung, Spielformen und Aktivitäten

War bisher alles nur recht theoretisch, so soll nun der praktische Teil kommen. Es werden ein paar geeignete Spielformen und auch Aktivitäten genannt, die bei kooperativen Abenteuerspielen bzw. Aktivitäten gerne verwendet werden. Das sind zum einen Indoor Spiele, oder auch Spiele die im Garten schnell gespielt werden können, oder es sind Outdoor-Aktivitäten, die mehrere Stunden, oder Tage gehen und oft auch eine längere Anreise benötigen.

Spielformen

Kennenlernspiele bzw. Warming-Up Spiele

Kennenlernspiele haben zum Ziel Spielhemmungen abzubauen, sich gegenseitig kennenzulernen und einschätzen zu können. Auch können durch Kennenlernspiele die eher langweiligen reinen Vorstellungsrunden interessant gestaltet werden. Warming-Up Spiele bringen einen zum Einstieg wieder in Schwung.

Etwa 17 Kennenlernspiele sind in der Spielesammlung in der Rubrik Kennenlernspiele enthalten.
Etwa 15 Warming-Up Spiele sind in der Spielesammlung in der Rubrik Eisbrecherspiele enthalten.

Vertrauensspiele

Im Jesus Sirach steht "unter 1000 Freunden vertraue nur einem und auch dass nicht allzu rasch". Das zeigt wie schwer Vertrauen ist, weil jeder schon Erfahrungen gemacht hat, dass Vertrauen missbraucht wurde. Daher sind Vertrauensspiele wichtig um in der Gruppe als Gruppe bestehen zu können. Vertrauen zueinander haben ist wichtig, um gemeinsam Situationen zu meistern. Wer Vertrauen gelernt hat, kann sich auf Situationen einlassen, die allein nicht zu bewältigen sind. Die Gruppe gibt dann Sicherheit und Unterstützung, weil der Einzelne auf den anderen vertraut.

Etwa 11 Vertrauensspiele sind in der Spielesammlung in der Rubrik Vertrauensspiele enthalten.

Kooperationsspiele

Es gibt den Spruch "verlass Dich nie auf andere, denn sonst bist Du verlassen". Zugegeben, dieser Spruch ist mir nicht ganz fremd, aber kooperativ ist er nicht gerade. Die Kooperationsfähigkeit ist etwas, was man erlernen muss und dabei können Kooperationsspiele diesen Lernprozess unterstützen.

Teamwork statt Einzelleistung ist gefragt. Nur wenn innerhalb einer Gruppe jeder mit dem anderen kooperiert, dann wird diese Gruppe zusammen ans Ziel kommen. Einer allein kann nicht für die Gruppe als Ganzes gewinnen.

Etwa 20 Kommunikations- und Kooperationsspiele sind in der Spielesammlung in der Rubrik Kommunikationsspiele enthalten.

Wahrnehmungsspiele

Wahrnehmungsspiele möchten auf spielerische Weise

  • Sinne schärfen
  • Eindrücke sammeln
  • Natur bewusst erleben
  • Umwelt bewusst erleben
  • Menschen bewusst erleben.

Sich selbst, die anderen und die Umwelt bewusst wahrzunehmen, darum geht es in den Spielen. Die Mitspielenden werden angeregt über sich und über viele (bisher wenigstens) normale Sachverhalte nachzudenken.

Ein paar Wahrnehmungsspiele sind in der Spielesammlung in der Rubrik
Wahrnehmungsspiele oder
Waldspiele enthalten.

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Outdoor-Aktivitäten/Abenteueraktionen

Outdoor-Aktivitäten: Klettern  / Bild Nr. 15690768
Outdoor-Aktivitäten: Klettern ©: Alexander Raths - Fotolia

Klettern

Klettern: immer Höher und Höher, dem Ziel entgegen, den sicheren Boden verlassend. Sich selber, seiner Kraft vertrauend, dem Partner und dem Seil vertrauend, strebt der Kletternde nach Höherem. Der unbekannte Weg, die Hindernisse und der Wille das Ziel und DEN WEG zu finden sind wichtige Erfahrungen. Und manch einer wird seine physische und psychische Grenzen kennenlernen. Die Körperbeherrschung, Geschicklichkeit, Mut und Kraft werden erlernt.

Seilaktionen

Als Kind begeisterten bereits diverse Klettergerüste mit Tauen und Seilen. Vielerorts gibt es bereits Hochseilgärten und natürlich erst recht in der Natur im Wald oder über Schluchten lassen sich Seilaktionen durchführen. Mut und Vertrauen in die Seile und in die Sicherung sind gefordert.

Naturerfahrungen

Den ganzen Tag hinterm Computer hocken, oder Videofilme ansehen. Kein Wunder, dass viele Kids sich gar nicht mehr in der Natur auskennen und nach der Lila Kuh fragen, oder Tiere und Pflanzen nicht kennen. Dabei ist die Natur so vielseitig und bietet unendlich viele Möglichkeiten zum Lernen und Erfahren. Wenn die Neugier, Spaß und Abenteuerlust mal geweckt sind, dann wird gerne die Passivität hinter der Glotze gegen Abenteuer in der Natur eingetauscht. Und wie heißt es irgendwo: "wer die Natur kennt und schätzt, der schützt sie auch." (Siehe auch: Klettern mit Kindern und Jugendlichen)

Waldbiwak
Waldbiwak | ©: www.praxis-jugendarbeit.de

Biwak

Nur mit Schlafsack bewaffnet mal eine Nacht unter freiem Himmel oder in einem Biwak verbringen, die Stimmen des Waldes erleben, den Morgentau auf dem Schlafsack spüren., den ein oder anderen Käfer über (in!) den Schlafsack krabbeln sehen. Das sind Naturerlebnisse, die viele Jugendliche noch gar nicht kennen.

Waldspiele

Einen ganzen Tag im Wald verbringen, den Wald riechen und spüren, auf Entdeckungsreise gehen. Egal ob bei Geländespielen im Wald, einem Waldquiz, bei einer Meditation oder einfach sich mit verbundenen Augen führen lassen und dabei mit allen Sinnen den Wald, die Bäume, den Boden fühlen können, das werden Eindrücke vermittelt, die in den eigenen vier Wänden nicht erlebbar werden. (Siehe auch Baumklettern - Baumerlebnisse, oder Erlebnispädagogik Wald)

Bootstouren

Kanutouren auf dem Neckar
Kanutouren | ©: www.praxis-jugendarbeit.de

Wasser begeistert, vielleicht weil es eines der wichtigsten Elemente dieser Erde darstellt. Und nach dem Motto "alle sitzen in einem Boot" werden auf dem Wasser ganz wichtige Erfahrungen gemacht. Beim Kanu-Paddeln ist Koordination notwendig, beim Rafting ist vorausschauendes Handeln, Flexibilität und Disziplin gefragt und beim Floßbau muss jeder mit anpacken und auf die Anderen Rücksicht nehmen. Auf jeden Fall schweißt eine Bootsgemeinschaft zusammen. Denn wenn eine Bootsgemeinschaft sich nicht aufeinander einlässt und abstimmt, dann funktioniert nix.

Wer nicht eigene Kanus zur Verfügung hat, der kann diese meistens in der Nähe geeigneter Flüsse bei Bootsverleihern ausleihen. Wir sind immer gerne auf dem Neckar, oder der Donau für 2-3 Tage unterwegs gewesen. Neben Donau oder Neckar, gibt es noch zahlreiche andere Flüsse für Flusstouren in Deutschland. Besonders beliebt waren Vater-Kind Touren.

Absolutes Highlight sind natürlich Kanutouren, die über 2-3 Wochen dauern. Noch nach vielen Jahren wirken diese Touren nach, wie zum Beispiel diese Kanutour in Schweden.

Höhlen Tour
Höhlentouren | ©: www.praxis-jugendarbeit.de

Höhlen erkunden

In einer Höhle kann der/die ein oder andere schon mal Platzangst bekommen. Denn das Eintauchen in eine dunkle geräuschlose Welt ist nicht jeder gewohnt. Das Durchzwängen durch enge Gänge und Windungen, die Kälte aber auch das Erleben einer bizarren Welt von Räumen, Hallen und Tropfsteinen sind beeindruckende und bleibende Erinnerungen. Wir haben so eine Höhlen Tour in der Fränkischen Schweiz immer mit der Rückfahrt von Ostseefreizeiten gekoppelt.

Siehe auch: Höhlentouren - Höhlen erforschen

Canyoning

Canyoning sind wirklich tolle Erlebnisse und der Adrenalinspiegel kann bei der ein oder anderen Passage schon nach oben gehen.

Outdoor-Aktivitäten: Wanderungen  / Bild Nr. 8121614
Outdoor-Aktivitäten: Wanderungen ©: Klaus Eppele - Fotolia

Wanderungen

Mehrere Tage mit dem Rucksack unterwegs sein, nicht wissen wo der Abend verbracht wird, Land und Leute kennenlernen und sich nur in der Natur aufhalten, egal bei welchem Wetter, sind schöne Erlebnisse. Manche Eltern wundern sich, dass die lieben Kleinen plötzlich so gerne Wandern, wo doch beim Familienspaziergang immer niemand mitmöchte. Aber in einer Gruppe gleichaltriger Kids ist das alles anders. Da sind 20-30 KM am Tag mit 12-18 Kg Gepäck fast wie nichts. Gemeinsam geht die Gruppe den Weg, gemeinsam versucht die Gruppe das Etappenziel zu erreichen, gemeinsam stellt die Gruppe sich auf neue Situationen und Wege ein. Gemeinsam wird irgendwo übernachtet, egal ob im Strassengraben, beim Bauern im Heu, beim Pfarrer aufm Dachboden, oder irgendwo mitten in der Pampa.

Siehe auch: Wandertouren

Wie bei jeder Outdooraktion benötigt man auch beim Wandern die richtige Wanderausrüstung. Mittlerweile hat sich da ein regelrechter Markt im Outdoorbereich gebildet und die Outdoorbekleidung wird immer raffinierter. Hat man sich früher mit schwerem Gepäck abgemüht sind Schuhe, T-Shirts, Pullover und Jacken heute wesentlich leichter und besser geworden.

Orientierungstour

Die Orientierungswanderung ist eine Erweiterung zur normalen Wanderung. Die Gruppe bekommt ein Ziel, oder mehrere Etappenziele genannt und muss diese anhand verschiedener Angaben erreichen. Die Wanderung wird zum Etappenspiel.

Schneeschuhwandern

Das Schneeschuhwandern wurde in den letzten Jahren immer beliebter. Abseits vom Pistenrummel, die Natur pur erleben sowie die Möglichkeit absolute Stille zu erfahren sind echte Naturerlebnisse. Kraft, Ausdauer und Orientierungsvermögen sind einige der gefragtesten Eigenschaften bei diesem Abenteuer.

Klettersteig

Der Klettersteig und das Abseilen zählt zu den Handlungsräumen des alpinen Bergwanderns. Wenn der normale Wanderweg nicht mehr weiterführt und nur noch steile und abenteuerliche Klettersteige zum Ziel weiterführen, sind das ganz besondere Herausforderungen., die nicht mit dem normalen Wandern zu vergleichen sind.

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